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Le Top Scorer tessinois Mikko Maeenpaeae, gauche, et le defenseur tessinois Adrian Trunz, droite, montrent leur deception a la fin du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne HC, LHC, et HC Ambri-Piotta, HCAP, ce samedi 6 fevrier 2016 a la patinoire de Malley a Lausanne. (PHOTOPRESS/Laurent Gillieron)

Hat schlechte Karten im Strichkampf: Ambri-Piotta.
Bild: PHOTOPRESS

Eismeister Zaugg

Verrat an den «Teams der Herzen» – So verfälscht der Spielplan den Strichkampf

Endet die Qualifikation so wie jeder Titelkampf im 21. Jahrhundert, dann schaffen die Kloten Flyers und der SCB trotz allem die Playoffs. Weil Geld stärker ist als Geist und weil die Ligaführung beim Spielplan geschludert hat.



Wir können es die «Macht des grossen Geldes» nennen. Oder etwas romantischer die ewige Auseinandersetzung zwischen «Geld gegen Geist.» Oder das unerbittliche Gesetz des Kapitalismus. Am Ende des Tages ist das Resultat immer das Gleiche: Das grosse Geld siegt. Die Romantiker verlieren immer.

Alle Titel im 21. Jahrhundert teilen sich die Titanen des Geldes. Nur die ZSC Lions, Lugano, Davos und der SC Bern haben seit dem Jahre 2000 Meisterschaften gewonnen. Seit Einführung der Playoffs im Frühjahr 1986 kommen noch der EHC Kloten und Zug dazu. Auch das waren bzw. sind Klubs, die volle Kassen hatten bzw. haben.

Bern's captain Martin Pluess lifts the winner's trophy of the National League A (NLA) Swiss Championship between his teammates after the Bern's victory over Fribourg Gotteron in the Playoff Final game of National League A (NLA) Swiss Championship at the PostFinance-Arena, in Bern, Switzerland, Tuesday, April 16, 2013. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Geld alleine gewinnt keine Titel – aber es hilft.
Bild: KEYSTONE

Womit wir nicht sagen wollen, dass der Erfolg käuflich ist. Auch die Titanen des Geldes gewinnen eine Meisterschaft nur dann, wenn sie es verstehen, Geld und Geist zu verbinden. Die ZSC Lions und Davos haben sechs der letzten acht Meisterschaften gewonnen, weil sie im der Sportabteilung besser arbeiten als die Konkurrenz. Also mit mehr Geist. Und Lugano wartet trotz Investitionen von über 100 Millionen ins Hockeygeschäft seit 2006 auf den nächsten Titel. Weil in der Sportabteilung mit weniger «Geist» gearbeitet wird.

Entscheidende Kriterien bei Punktgleichheit

1. Höhere Anzahl Punkte aus den direkten Begegnungen. Bei ungleicher Anzahl von Direktbegegnungen zwischen den punktgleichen Mannschaften ist die kleinere Anzahl der Direktbegegnungen für die Berechnung massgebend. Für die Mannschaften, die mehr Direktbegegnungen aufweisen, als für die Berechnung massgebend sind, gilt: Die beiden in der Saison gemäss Datum zuerst gespielten Direktbegegnungs-Hinspiele und – Rückspiele werden für die Berechnung nicht gezählt.

2. Bessere Tordifferenz aus allen 50 Spielen.

3. Höhere Anzahl der geschossenen Tore aus allen 50 Spielen.

4. Die bessere Tordifferenz aus den direkten Begegnungen der beteiligten Mannschaften (gemäss Kriterien aus Punkt 1).

Am Schluss entscheidet das bessere «letzte Bataillon»

Aber am Ende einer langen, schweren Meisterschaft haben die «Kleinen» noch nie triumphiert. Weil es ein gerüttelt Mass an finanziellen Mitteln braucht, um eine so lange und schwierige Meisterschaft zu gewinnen. Zwischen September und April sind über 60 Ernstkämpfe zu bestreiten. Nur die Titanen können sich genug Spieler leisten, die am Ende der Saison dazu in der Lage sind, eine Meisterschaft zu entscheiden. Die Tiefe des Kaders ist ein entscheidender Faktor. Deshalb haben es Servette und Gottéron bis heute nie geschafft.

Selbst in der NHL spielt das Geld eine entscheidende Rolle. Dort ist zwar der Einsatz der finanziellen Mittel in die Mannschaft seit Einführung der Lohnobergrenze («Salary Cap») kein entscheidender Faktor mehr. Die finanziellen Spiesse sind für alle gleich lang. Oder fast gleich lang. Wer mehr Geld hat und in einem grösseren Markt operiert, ist dazu in der Lage, in seinem Hockeyunternehmen ausserhalb der Kabine das bessere Personal zu rekrutieren. Stanley Cup-Siege von «Kleinen» (sog. «small market teams») bleiben die Ausnahme. Aber sie schaffen es immerhin ab und zu bis ins Finale.

Für die Romantiker des Hockeys, für die Kleinen, für die Mannschaften der Herzen, bleiben nur die Brosamen, die vom Tische des Ruhmes fallen. Sie können von Zeit zu Zeit die Playoffs auf Kosten eines Titanen erreichen. Immer wieder erwischt es einen Grossen, der seine sportlichen Hausaufgaben nicht gemacht hat. Lugano hat schon zweimal die Playoffs verpasst. Den SC Bern hat es im Frühjahr 2014 sogar als Titelverteidiger erwischt.

Wer schafft es in die Playoffs?

Leidenschaft, Mut, Taktik und Intelligenz können also gegen Geld etwas ausrichten. Das Strickmuster des Erfolges der «Kleinen» ist fast immer das Gleiche: Fleissiges Punktesammeln im Herbst, wenn die Grossen noch daran sind, die Abläufe in den spielerischen Maschinenräumen zu optimieren. Meistens unterschätzte einer der Titanen seine Probleme («es reicht auf jeden Fall»), versucht es mit Geld (neue Trainer und Ausländer) statt mit Geist und verfällt in der Schlussphase der Qualifikation in Hektik. Den «Kleinen» gelingt es, sich über die Ziellinie in die Playoffs zu retten – und dann ist Feierabend.

Ambris Spieler jubeln ueber das 3:3, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Ambri-Piotta und dem HC Davos, am Freitag, 5. Februar 2016, in der Valascia Eishalle in Ambri. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Reicht die Kraft Ambris bis in die Playoffs oder scheitert das Team an den verpassten Punkten im Herbst?
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Nie ist ein echter Aussenseiter bis ins Finale gelangt. Ambri war 1999 noch ein Titan, der sich eine grosse Mannschaft leisten konnte, Servette ist der am besten gemanagte Aussenseiter und das beste und finanzkräftigste Sportunternehmen des Welschlandes und Gottéron setzte nie so viel Geld ein wie in der Saison der letzten Finalteilnahme von 2013. Chris McSorley bestätigt die These vom grossen Geld: Er scheiterte im Finale gegen die ZSC Lions und den SC Bern an Gegnern, die das bessere «letzte Bataillon» aufs Eis schicken konnten. Die eine ausgeglichenere Mannschaft, eine bessere dritte und vierte Linie hatten und ihre besten Spieler weniger forcieren mussten. Genau das Gleiche gilt für die Finalniederlage von Gottéron im Frühjahr 2013 gegen den SC Bern.

«Geld gegen Geist» – Werden die «Kleinen» benachteiligt?

Endet nun auch die Qualifikation mit einem Triumph des grossen Geldes? Vieles spricht dafür. Auf jeden Fall ist es ein überaus reizvolles Duell «Geld gegen Geist.» Kloten und Bern gegen Lausanne und Ambri.

Lausanne und Ambri sind «Mannschaften des Herzens». Kloten und Bern Mannschaften des Geldes. Geld spielt beim SCB und in Kloten keine Rolle. In Kloten ist es – wie in Lugano – in unbegrenzten Mengen verfügbar. Kanadische Ölmilliardäre sorgen für randvolle «Kriegskassen». In Bern gibt es wohl Limiten. SCB-General Marc Lüthi setzt den Grundsatz durch, dass nur Geld ausgegeben wird, das erwirtschaftet werden kann. Aber bei einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Franken sind die finanziellen Mittel ungleich grösser als in Genf, Lausanne, Ambri, Langnau oder Biel.

13.10.2015; Lausanne; Eishockey NLA - Lausanne HC - HC Davos;
Trainer Heinz Ehlers (Lausanne) 
(Jean-Guy Python/freshfocus)

Heinz Ehlers: Führt er Lausanne erneut in die Playoffs?
bild: Jean-Guy Python

In Lausanne ist Heinz Ehlers drauf und dran, zum dritten Mal in Serie in die Playoffs zu kommen. Der schlaue Taktiker hat ein Defensivsystem eingeschult, mit dem das Angriffsspiel jedes Gegners blockiert werden kann. Auch jenes der Titanen. Er beweist, dass Mut, Taktik und Intelligenz stärker sein können als Geld.

In Ambri ist es Hans Kossmann gelungen, die Leidenschaft zu entfachen und das Team taktisch zu ordnen. Wie in Lausanne sind auch in Ambri Mut, Taktik und Intelligenz in vielen Spielen stärker als Geld. Aber die besten Spieler müssen, weil die Mannschaft zu wenig ausgeglichen ist, stark forciert werden. Es kann sein, dass Ambri ganz, ganz knapp scheitert. Weil die Punkte fehlen, die im Herbst vor dem Amtsantritt von Hans Kossmann verschenkt worden sind. Das Hockey-Drama, das Ambri in dieser Qualifikation schreibt, hätte dann den Titel: «Ein Trainer kommt zu spät». Frei nach Gorbatschow: «Den Trainer, der zu spät kommt, bestraft das Leben

Noch ist keine Entscheidung gefallen. Und doch zeichnet sich ab, dass am Ende Geld nicht nur den Titelkampf, sondern bereits den «Strichkampf» entscheidet.

Kloten Flyers Torhueter Martin Gerber, Mitte, wird gefeiert von seinen Mitspielern Rene Back, links, Tommi Santala, gelber Helm, und Denis Hollenstein, rechts, nach dem Sieg im Penaltyschiessen im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem EHC Biel am Sonntag, 7. Februar 2016, in der SWISS Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Auf dem Papier müsste Kloten die Playoffs locker schaffen. Reicht es auch auf dem Eis?
Bild: KEYSTONE

Dabei ist stossend, dass nicht alle die gleichen Voraussetzungen haben. Gerade im Profisport sollte sorgfältig darauf geachtet werden, dass die wenigen beeinflussbaren äusseren Faktoren für alle gleich sind. Das ist eine der Voraussetzungen für die Glaubwürdigkeit des Sportes. Wofür die Engländer den Begriff «Fairplay» erfunden haben. Übrigens nicht, weil sie die besseren Sportsmenschen sind. Sondern bloss, weil sie geordnete Verhältnisse für das Wettgeschäft brauchten.

Nun ist es so, dass der Spielplan von den Teams abgesegnet wird. Und wer weiss denn im Sommer, welche Partien am Schluss entscheidend sein werden? Alles legal.

Billige Punkte gegen die Titanen? Am Ende der Qualifikation gut machbar

Aber der Spielplan ist nicht fair. Schlimmer: bei der Gestaltung des Spielplans hat die Ligaführung die Kontroll- und Sorgfaltspflicht grob verletzt. Das ist unverzeihlich und darf in Zukunft nicht mehr vorkommen. Spielplangeneral Willi Vögtlin ist künftig zu beaufsichtigen. Sein aktueller Spielplan kann die Meisterschaft verfälschen.

Der Pokal steht bereit, bewacht vom Liga-Spielplanchef Willi Voegtlin im siebten Playoff Finalspiel der zwischen den Kloten Flyers und dem HC Davos, am Montag, 13. April 2009, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Photopress/Gabi Mueller)

Entscheidet er die Meisterschaft mit? «Spielplangeneral» Willi Vögtlin.
Bild: PHOTOPRESS

Der Spielplan muss in einer Profiliga, so gestaltet sein, dass nach der zweiten Nationalmannschaftspause alle noch gleich viele Partien zu bestreiten haben. Denn nach der Februar-Nationalmannschaftspause haben die Teams gänzlich unterschiedliche Voraussetzungen, diese allerletzte Phase der Qualifikation unterscheidet sich vom Rest. Die Titanen justieren ihr Spiel im Hinblick auf die Playoffs und es gibt für die Kleinen gelegentlich billige Punkte zu gewinnen.

Das Restprogramm im Strichkampf

Lausanne
Fribourg (a), Bern (a), Genève-Servette (h)

Bern
ZSC Lions (a), Genève-Servette (h), Lausanne (h), Fribourg (a)

Ambri
Lugano (a), Biel (h), Biel (a), Lugano (h)

Kloten Flyers
ZSC Lions (a), Genève-Servette (h), Lugano (h), SCL Tigers (h), SCL Tigers (a)

Es kann, es darf nicht sein, dass nun Lausanne bloss noch drei, Kloten aber fünf Partien spielen kann. Und dazu kommt, dass die Kloten Flyers von einer Kuriosität des Spielplans profitieren. Sie dürfen in den zwei letzten Runden zweimal gegen Langnau antreten. Für eine Profiliga ein völlig unhaltbarer Zustand. Die «Mannschaften der Herzen» werden betrogen.

Lausanne und Ambri sind auch in der Deutschschweiz in diesem Strichkampf so etwas wie ein Team der Herzen. Aber die Chancen für die letzten wahren Romantiker unseres Hockeys sind, wie wir soeben ausgeführt haben, sind stark beeinträchtigt. Sie werden möglicherweise keinen Platz in den Playoffs haben. Aber der Platz im Herzen der Hockeyliebhaber ist ihnen sicher. Die Playoffs wären für Ambri sowieso nach ein paar Viertelfinaltagen zu Ende. Die Gunst des Publikums aber bleibt. Sie hat kein Verfalldatum. Das ist zwar nur ein kleiner Trost. Aber immerhin ist es ein Trost.

Für Kloten und Bern wäre hingegen das Verpassen der Playoffs trostlos.

So steht es um die 12 NLA-Trainer (Stand Februar 2016)

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