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Switzerland's coach Patrick Fischer and Switzerland's Vincent Praplan during a training session of the Swiss team at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Thursday, May 9, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

«Hebed eu am Bänkli, hebed eu am Bänkli, de Fischer hät für eus es Gschänkli.» Bild: KEYSTONE

So gut wie das WM-Silberteam 2018 – aber ein bisschen schweizerischer

Verblasst der silberne WM-Ruhm von 2018 so schnell wie 2013? Nein. Patrick Fischer wird dafür sorgen, dass uns eine Depression wie nach der Silber-WM 2013 erspart bleibt.

klaus zaugg, bratislava



Das Silber-Wunder von 2013 in Stockholm (1:5-Finalniederlage gegen Schweden) hat uns eine Depression beschert. In den folgenden vier Jahren verpassten wir dreimal das Minimalziel Viertelfinal (WM 2014 und 2016, Olympia 2014).

Nicht Siege sorgten für Schlagzeilen. Sondern die Wirren um die Position des Nationaltrainers: Silberschmied Sean Simpson geht im Frühjahr 2014 grollend, Sein Nachfolger Glen Hanlon wirft das Handtuch im Herbst 2015 nach nur einer Saison.

ARCHIV --- ZUR TRAINERROCHADE BEI KLOTEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Sean Simpson, head coach of Switzerland's national ice hockey team, speaks to his players during a training session, at the 2014 IIHF Ice Hockey World Championships, in Minsk, Belarus, Thursday, May 15, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Nach der Silber-WM unter Sean Simpson versank die Schweizer Nati im Trainer-Chaos. Bild: KEYSTONE

Im Dezember 2015 übernimmt Patrick Fischer – und er verpasst bei seiner ersten WM (2016) und beim olympischen Turnier (2018) das Viertelfinale ebenfalls.

Solche Zustände sind nicht mehr zu befürchten. Patrick Fischer hat die Nationalmannschaft durch ein neues Denken verändert.

Dean Kukan sorgt für schmale Lippen

Dean Kukan (25), WM-Silberheld von 2018 kommt nicht zur WM. Obwohl sein Team (Columbus) aus den Stanley Cup-Playoffs geflogen ist. «Er hat abgesagt» erklärt Patrick Fischer. Und auf alle Fragen nach dem «Warum?» sagt der Nationaltrainer schmallippig: «Er ist nicht Teil unseres WM-Teams, also reden wir nicht über ihn. Wir werden die Angelegenheit nach der WM klären.»

Die Wirkungsmächtigkeit des Nationaltrainers wird oft unterschätzt. Eine charismatische, mutige Persönlichkeit kann auf dieser Position schneller und nachhaltiger Veränderungen durchsetzen als im Klub.

Patrick Fischer hat den Mut, grosse Ziele anzustreben (WM-Titel) und neue Wege zu gehen. Und er hat das Selbstvertrauen, um sich nicht irritieren zu lassen. Er beginnt mit wildem «Pausenplatz-Hockey», verpasst bei seiner ersten WM 2016 in Moskau die Viertelfinals, bleibt seiner Philosophie treu, justiert mit Hilfe seines neuen Assistenten Tommy Albelin das System und erreicht 2017 später in Paris den Viertelfinal und 2018 den Final.

Die Silber-WM 2013 war ein Wunder und wurde auch so empfunden. Niemand in unserem Hockey hatte je einen solchen Höhenflug erlebt. Es ist also keine Überraschung, dass die Bestätigung nicht gleich gelungen ist.

Switzerland's Roman Josi during a training session of the Swiss team at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Thursday, May 9, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Roman Josi – einer der doppelten Schweizer Silberhelden. Bild: KEYSTONE

Die Silber-WM 2018 ist hingegen schon fast logisch. In Bratislava treten 16 Spieler mit Finalerfahrung und silbernem Ruhm an. Simon Moser, Reto Berra, Raphael Diaz und Roman Josi sind sogar doppelte Silberhelden. Vom letztjährigen Silber-Team sind noch 13 Feldspieler und zwei Goalies dabei.

Diese neuen Spielergeneration prägt die Nationalmannschaft. Im Zweifel bleiben die «Alten» zu Hause (Denis Hollenstein) und werden durch die Jungen (Philipp Kuraschew) ersetzt. Die Aufgebote sind nicht mehr politisch und rückwärtsgewandt (auf die «Alten» setzten, damit im Falle eines Falles die Kirche im Dorf bleibt). Sie sind auf die Zukunft ausgerichtet.

Switzerland's coach Patrick Fischer and Switzerland's Philipp Kurashev during a training session of the Swiss team at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Thursday, May 9, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Patrick Fischer setzt auf junge Spieler wie Philipp Kuraschew. Bild: KEYSTONE

Was können wir nun in Bratislava erwarten? Den Final. Werden wir den Final erreichen? Warum nicht? Aber auch eine Niederlage im Viertelfinale ist möglich. Es wäre kein Scheitern der Philosophie von Patrick Fischer. Sondern bloss ein Atemholen. Für alle Grossen kann im Viertelfinale Endstation sein.

Früher führte eine Viertelfinal-Niederlage zu Bescheidenheit. Zu Erklärungen nach dem Motto: «wir sind halt noch nicht gut genug». Zu Analysen, warum es eben nicht reicht. Nun ist die Denkweise eine andere. Sollte die WM nach dem Viertelfinale zu Ende sein, dann wird es nicht heissen «wir sind halt noch nicht gut genug». Dann läuft die Aufarbeitung nach dem Grundsatz: «Wir waren gut genug. Was müssen wir tun, damit wir es nächstes Jahr bei der WM in der Schweiz schaffen?».

Das Silberteam von 2018 und die WM-Mannschaft von 2019 haben ungefähr gleich viel Talent. Aber die «Ausgabe Batislava» ist «schweizerischer». 2018 waren sieben NHL-Profis dabei. Jetzt sind es fünf. Das WM-Team 2019 ist spielerisch stärker durch die typischen helvetischen Qualitäten Talent und Tempo geprägt. Aber weniger durch Wucht, Wasserverdrängung und Abschluss-Effizienz.

Die Schnelligkeit und die Intelligenz der WM-Neulinge Nico Hischier (20) und Philipp Kuraschew (19) vermögen auf der Mittelachse die Wucht und die Torgefährlichkeit der beiden NHL-Stürmer Nino Niederreiter (26) und Timo Meier (22) auf den Aussenbahnen nicht zu kompensieren. Die defensive Organisation ist eher besser, aber wir haben keinen Ersatz für NHL-Verteidiger Mirco Müller (24) gefunden. Und wird Leonardo Genoni wieder hexen wie 2018? Auf diese so entscheidende Frage gibt es noch keine Antwort.

Switzerland's Leonardo Genoni during a training session of the Swiss team at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Thursday, May 9, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Kann Leo Genoni erneut an einer WM hexen? Bild: KEYSTONE

Damit zeichnet sich ab, dass die Schweizer zwar bei dieser WM jeden Gegner spektakulär dominieren können. Aber dass sie für jedes einzelne Tor noch mehr laufen und noch härter arbeiten müssen. Es kann sein, dass wir an fehlender Chancenauswertung im Viertelfinale scheitern.

Ist es sogar denkbar, dass die WM für die Schweizer bereits nach der Vorrunde zu Ende ist? Dass wir Italien, Norwegen, Österreich und Lettland nicht hinter uns lassen können? Dass wir Ausrutscher gegen diese Kleinen nicht mehr durch Siege gegen einen der Grossen (Schweden, Russland, Tschechien) zu kompensieren vermögen?

Alles ist denkbar. Nationaltrainer Bob Hartley hat die Letten so gut organisiert und diszipliniert, dass sie dem Druck der talentierteren Schweizer standhalten können.

epa07558635 Players of Switzerland attend their team's training session for the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, 09 May 2019. The IIHF Ice Hockey World Championship 2019 will take place in Slovakia from 10 May until 26 May 2019.  EPA/MELANIE DUCHENE

In der Ondrej Nepela Arena in Bratislava spielt die Schweiz an dieser WM. Bild: EPA/KEYSTONE

Aber selbst eine Niederlage gegen Lettland wäre kein Grund, alles in Frage zu stellen. Sondern ein Grund, für die WM im nächsten Jahr in der Schweiz noch konsequenter auf die spielerische, die «schweizerischen» Qualitäten zu setzen.

Es ist nicht die Frage ob, sondern nur wann wir wieder eine Medaille holen werden. Grund zur Sorge gibt es höchstens neben dem Eis. Bratislava ist die letzte WM von Raeto Raffainer. Er hat als Sportdirektor des Verbandes die Philosophie von Patrick Fischer mitgestaltet und mitgetragen. Zugleich war er in heiklen Phasen auch der Gegenpol («Yin und Yang») des Nationaltrainers.

Raeto Raffainer wechselt zum HCD. Der neue Sportdirektor heisst Lars Weibel. Er neigt zum Opportunismus.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Franz Meier 10.05.2019 12:39
    Highlight Highlight Wie ich dem Text entnehme, hat sich der Zuger Torhüter, Ausgabe 2019/2020, noch nicht entschieden ober nun auch Weltmeister (was ich hoffe) werden will.....

    Aber Chlöisu wird uns das sicher vor dem Final noch in 7 oder 8 Beiträgen mitteilen.....

    Ici c'est B..... Suisse
  • Güselbert 10.05.2019 12:29
    Highlight Highlight Auch wenn Lars Weibel sicherlich nicht der Bühnenkracher ist und sich mit kernigen Aussagen zurückhält, also keine Polemik produziert nur der Polemik wegen, so scheint er mir von aussen betrachtet in seiner eher den Ausgleich suchenden, ruhigen, analytischen Art durchaus eine valable Ergänzung zum Trainerstaff zu sein.

    Ob er genug Durchsetzungsvermögen hat, um mitprägend zu sein, wird sich zeigen.

    Falls es künftig terminlich nicht mehr reicht, dem SRF als Experte zur Verfügung zu stehen, wird das Niveau in den Pausenanalysen leider nochmals deutlich weiter abflachen.




  • Dxlxn 10.05.2019 08:44
    Highlight Highlight "Der neue Sportdirektor heisst Lars Weibel. Er neigt zum Opportunismus." Eine Ausführung, warum diese Aussage getroffen wurde wäre noch spannend gewesen…
    • el_bengalo 10.05.2019 10:58
      Highlight Highlight Opportunismus heisst Arschlecken.
    • wasps 10.05.2019 11:02
      Highlight Highlight Persönliche Antipathie, nehme ich mal an.
  • Hunnam 10.05.2019 08:38
    Highlight Highlight Gute und spannende Analyse.
    Ich habe das Gefühl, dass das Team ein bisschen schwächer ist als letztes Jahr. Die fehlende Wasserverdrängung könnte ebenfalls eine Rolle spiele, aber der Viertelfinal sollte zu schaffen sein.
  • Pedro878 10.05.2019 08:35
    Highlight Highlight Ich erinnere mich noch als Pausenplatzhockey das Unwort des Fürst Zaugg von Ich-weiss-es-von-Anfang-an-besser war und Fischer als unmögliche Lösung tituliert wurde. Nun wird in dem Himmel gelobt, fehlt nur noch Hockey-Gott als Titel..

    und Lars Weibel hat den letzten Satz nicht verdient ausser er hat irgendwo solchen Opportunismus gezeigt. Ganz gross Herr Zaugg.
  • Gretzky 10.05.2019 08:33
    Highlight Highlight Bei Artikeln wie diesen wird einem spätestens, auch ohne nachzusehen, nach drei Sätzen klar, wer ihn schreibt. Das ewig gleiche Zauggsche Gelaber. Ich bin sehr angetang von der Entwicklung der Schweizer Nati, aber jeden Gegner spektakulär dominieren... Ja is klar.
  • wasps 10.05.2019 08:14
    Highlight Highlight Ausgerechnet der Chronist bezichtigt jemanden des Opportunismus. Er, der vor einem Jahr unseren Natitrainer sowas von durch den Fleischwolf zog! Nun liegt er ihm zu Füssen.
  • gupa 10.05.2019 08:03
    Highlight Highlight Huch, zum Glück im letzten Satz doch noch Polemik.
  • mukeleven 10.05.2019 07:17
    Highlight Highlight wow klaus - da will jemand wieder zugang zu fischis pk‘s!
    da wird ja ein ganz anderer patrick fischer beschrieben als noch anfangs 18. da hat sich der zauberlehrling im balerina-röcklein aber smart entwickelt. 😉

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