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Berns Tristan Scherwey, links, beobachtet wie Berns Ryan Gardner, rechts, vom Zuger Tim Ramhold, Mitte, in den Ruecken gestossen wird, was eine Massenschlaegerei ausloest, im Eishockey Mesterschaftsspiel zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Freitag, 14. November 2014, in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Der SCB konnte seine Stärken gegen Zug nicht genügend ausspielen. Bild: KEYSTONE

Angst und Tempo sind entscheidend

Der SCB hat den meisterlichen Rumpeltest nicht bestanden

Der SC Bern verliert nach acht Siegen in Serie erstmals wieder. Die 1:3-Niederlage in Zug gibt interessante Hinweise auf die Meistertauglichkeit des Bayern München unseres Hockeys.

Die letzten Niederlagen hatte der SCB vor einem Monat nacheinander zu Hause gegen Zug (3:4) und am nächsten Tag in Davos kassiert (3:6). Seither haben sich die Berner mit acht Siegen hintereinander gegen Gottéron, Ambrì, Biel, Lugano, die ZSC Lions, die Lakers, Lausanne und Servette aus der Krise gespielt. Zeitweise wirkten sie meisterlich und mahnten an die «Big Bad Bears» der 1990er Jahre.

28.10.2014; Lugano; Eishockey - Schweizer Cup - HC Lugano - SC Bern;
Trainer Guy Boucher (Bern) (Michela Locatelli/freshfocus)

Guy Boucher ist zwar definitiv in der Schweiz angekommen, meisterlich spielt sein SCB aber noch nicht. Bild: Michela Locatelli/freshfocus

Zug und Bern haben gegenüber der letzten Saison die spektakulärsten Fortschritte gemacht. Die Klassierungen zum gleichen Zeitpunkt der Saison vor einem Jahr:

9. SC Bern, 20 Spiele, 25 Punkte, 51:59 Tore
10. EV Zug, 19 Spiele, 20 Punkte, 52:68 Tore

Nun sind der SCB und Zug wieder Spitzenteams. Obwohl beide noch hochkarätige Stürmer (Dario Bürgler, Simon Moser) auf der Verletztenliste haben.

4. SC Bern, 20 Spiele, 39 Punkte, 68:54 Tore
5. EV Zug, 19 Spiele, 36 Punkte, 65:45 Tore

Wir sehen also eine Steigerung auf allen Ebenen: Mehr Tore erzielt, weniger Gegentreffer kassiert und mehr Punkte auf dem Konto.

Berns Martin Pluess, links, feiert sein 1-1 fuer Bern vor Zug-Torhueter Tobias Stephan, oben rechts, im Eishockey Mesterschaftsspiel zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Freitag, 14. November 2014, in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Der SCB hat gegen Zug nur einmal Grund zum Jubeln. Bild: KEYSTONE

Die beiden Teams haben die Wende auf unterschiedliche Art und Weise herbeigeführt. Bei Zug hat ein einziger Spieler alles verändert: Der Riese Tobias Stephan hat die Nerven und das Spiel beruhigt, er strahlt Sicherheit auf die ganze Mannschaft aus. Die Anzahl Gegentreffer ist im Vergleich zum Vorjahr von 68 auf 45 reduziert worden.

Die Hektik der letzten Saison, die Trainer Doug Shedden durch sein Wesen und Wirken noch verstärkt hatte, ist weitgehend aus dem Spiel verschwunden. Es ist, wie es ist: Der Torhüter war, ist und bleibt auf alle Zeiten der wichtigste Einzelspieler. Trainer Harold Kreis ist als Beruhiger an der Bande der richtige Nachfolger des Feuerkopfes Doug Shedden.

Erst einen echten Titanen überrannt

Beim SC Bern gibt es keinen neuen Spieler mit der Ausstrahlung von Tobias Stephan. Aber der neue Trainer Guy Boucher hat den Larifaribetrieb abgestellt und aus der Hockey-Selbsterfahrungsgruppe wieder eine aggressive Hockeymaschine mit gut strukturiertem Spiel gemacht. Das ist die Stärke und – wie sich soeben in Zug gezeigt hat – auch nach wie vor eine Schwäche des SC Bern.

Der SCB marschiert. Die Berner lassen ihren Gegenspielern in allen drei Zonen keine Ruhe. Das Forechecking ist aggressiv und recht gut getimt, das Defensivspiel solide strukturiert. Die Spieler stehen auf den Zehen, immer bereit, sofort zuzupacken. Vor einem Jahr standen sie passiv auf den Fersen.

Zugs Robbie Earl, links, im Spiel gegen Berns Byron Ritchie, rechts, im Eishockey Mesterschaftsspiel zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Freitag, 14. November 2014, in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Zug hielt gegen den SCB gut, zu gut dagegen. Bild: KEYSTONE

Teams, die eher spielerisch ausgerichtet sind (wie Lugano), die weniger Qualität haben (wie Biel) oder deren Selbstvertrauen aus verschiedenen Gründen nicht ganz intakt ist (wie Ambrì, Gottéron, Lausanne, Servette), waren im letzten Monat gegen diese SCB-Hockeymaschine chancenlos. Der neue SCB überrannte mit den ZSC Lions aber erst einen echten Titanen.



Keine Angst und viel Tempo

Die Zuger haben in beeindruckender Art und Weise aufgezeigt, wie diese mächtige SCB-Hockeymaschine gestoppt werden kann. Zwei Faktoren sind entscheidend: Angst und Tempo. Wer sich durch die Berner einschüchtern lässt (wer also vor den «Big Bad Bears» Angst hat) oder das Tempo nicht aushält, ist verloren. 

Die Zuger hatten vor diesem SCB keine Angst. Es war schon beeindruckend, mit welcher Härte einzelne Spieler (wie Leitwolf Reto Suri) auf ihre Gegner losgingen. Zu keinem Zeitpunkt haben sich die Zuger etwas bieten lassen. Sie haben im Sinne des Alten Testamentes Check mit Check, Hieb mit Hieb und Provokation mit Provokation vergolten. Noch ist der SCB nicht so gefestigt um einen so mutigen Gegner über den Haufen zu fahren oder vom Eis zu arbeiten. Gegen Zug hat der SCB den meisterlichen Rumpeltest noch nicht bestanden.

Der Linesman Roman Kaderli greift in das Handgemenge zwischen Zugs Tim Ramhold, links, Berns Ryan Gardner, Mitte, und Berns Justin Krueger rechts, ein, im Eishockey Mesterschaftsspiel zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Freitag, 14. November 2014, in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Bild: KEYSTONE

Der zweite Faktor ist das Tempo. Dabei geht es nicht nur um schnelle Füsse. Es geht auch darum, die Scheibe schnell zu spielen und so zu vermeiden, dass den Banden entlang und rund ums Tor «American Football» gespielt wird. Es ist wichtig, gegen den SCB das Spiel möglichst offen zu gestalten und sehr schnell von Defensive auf Offensive umzuschalten und so nicht zu viel Energie in «Infights» zu verbrauchen.

Die SCB-Verteidigung lässt sich nach wie vor mit schnellen Gegenstössen überwinden. Die Zuger hätten diese Partie mit besserer Chancenauswertung 5:1 oder 6:1 gewinnen können. Sie haben den SCB sicher im Griff gehabt, ohne ihr bestes Hockey zu spielen. Das ist das grösste Kompliment, das man im November einer NLA-Mannschaft machen kann.

Mal etwas Unerwartetes tun

Gegen Davos wird es weniger Hiebe aber ein noch höheres Tempo geben. Diese Partie ist nach dem Rumpeltest gegen Zug nun am Samstagabend der meisterliche Tempotest. Der SCB kommt nach Überwindung der Krise nun in eine interessante Phase. Trainer Guy Boucher ist in der Schweiz angekommen und hat die SCB-Hockeymaschine gut justiert.

Die Frage ist nun, ob er es schafft, die richtige Balance zwischen System und Kreativität zu finden. Wenn alle im System laufen, dann ist die SCB-Maschine mächtig genug, um die Teams der zweiten Tabellenhälfte zu überrollen. So oder so haben die Berner die Playoffs längst auf sicher. 

Berns Martin Pluess, Mitte, schiesst das 1-1 fuer Bern gegen Zugs Torhueter Tobias Stephan, links, und Zugs Simon Luethi, rechts, im Eishockey Mesterschaftsspiel zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Freitag, 14. November 2014, in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Der SCB ist noch zu einfach auszurechnen. Bild: KEYSTONE

Aber wenn der SCB Meister werden will, dann braucht es in diesem maschinellen System auch Freiheit für kreative Spieler, um mal was Unerwartetes zu tun. In diesem Bereich war der EV Zug am Freitagabend den Bernern klar überlegen. Ein so wunderbares Tor wie das 3:1 von Lino Martschini können die Berner mit ihrem schematischen Spiel noch nicht zelebrieren.

Und nach wie vor hat der SCB zu wenig kreative Verteidiger. Gottérons Anthony Huguenin wird dem SCB nächste Saison guttun. Und vergessen wir nicht: Vor einem Jahr schaffte Interimstrainer Lars Leuenberger (er ist jetzt wieder Assistent) nach der Entlassung von Antti Törmänen ebenfalls acht Siege in Serie (gegen Kloten, Biel, Zug, Davos, Lausanne, Lugano, Lakers und Gottéron), ehe am 15. Dezember in Ambrì (1:3) wieder eine Niederlage und die ganz grosse Krise folgte.

Jetzt muss Guy Boucher zeigen, dass er besser ist als Lars Leuenberger.

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Brian 16.11.2014 11:06
    Highlight Highlight Wieder mal ein typischer KZ-Artikel. Der SCB hat gegen Zug ganz einfach schlecht gespielt und daher kann keine Rede davon sein Test nicht bestanden. Gestern wars dann wesentlich besser und der Leader wurde sogar bezwungen, hier wurde wohl der Test bestanden. KZ würde lieber mal ein Artikel über unsere miserable Schiedsrichter schreiben, aber eben die nimmt er wie übrigens auch Arno Del Curto, K. Schläpfer und andere ewigs in Schutz! Unsere Schiedsrichter sind sehr schlecht und dies seit Jahren und ist ja klar dass niemand von denen zu WM usw. aufgeboten werden.
    6 0 Melden
  • Hugo Wottaupott 15.11.2014 12:31
    Highlight Highlight sooo viel text und sooo wenig SCB
    0 3 Melden
  • manolo 15.11.2014 10:40
    Highlight Highlight boucher kann man mit leuenberger nicht vergleichen. LL ist KEIN trainer, er hat auch keine ausbildungsdiplom!
    er profitierte nur von seinem vorgänger, er konnte der manschaft keine ipulse vermitteln. darum ist er gescheitert!
    1 5 Melden
    • Wagner 15.11.2014 12:37
      Highlight Highlight Auch Guy ist kein Trainer, er hat zwar ein Diplom aber setzt trotzdem keine Impulse
      2 5 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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