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ZSC-Captain Mathias Seger stemmt den Meisterpokal nach dem siebten Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions am Dienstag, 17. April 2012 in der Postfinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Stemmt Mathias Seger noch ein letztes Mal den Meisterpokal? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Der ZSC kann Meister werden, aber ...

Die ZSC Lions besiegen Meister Bern in einem hochstehenden Gipfeltreffen und bringen SCB-Trainer Kari Jalonen zum Reden. Wendet sich doch alles zum Guten?



Wie bringt man einen Finnen zum Sprechen? Es gibt viele Möglichkeiten. Beispielsweise durch den Staatspräsidenten. Als das finnische Staatsradio den für seine Schweigsamkeit legendären Paavo Nurmi – Finnlands grössten Sportler aller Zeiten – 1967 an seinem 70. Geburtstag interviewen wollte, lehnte er wie üblich ab und sagte, er rede nur mit dem Präsidenten.

Finnish runner Paavo Nurmi leads the pack in a track event during the 1924 Olympics in Paris, France, July 1924. (KEYSTONE/AP Photo)

Der finnische Leichtathlet Paavo Nurmi an den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris. Bild: AP NY

Und tatsächlich begab sich darauf Finnlands Staatspräsident Urho Kekkonen ins Radiostudio und führte das Interview. Und fasziniert hörte das Volk den «grossen Schweiger» reden.

Derart hohen Besuch brauchte es nicht, um den finnischen SCB-Trainer Kari Jalonen zum Reden zu bringen. Zwei Niederlagen nach einer 3:0-Führung genügten auch.

Seine Berner haben gegen Langnau (3:5) und Biel (4:5 n.P) zweimal hintereinander nach einer Dreitore-Führung verloren. Und ihren Trainer zum Sprechen gebracht.

Jalonens Predigt

Kari Jalonen sagt, er sei nach der Niederlage gegen Biel am Samstagabend nicht laut geworden. «Ich habe nur die Zeit für die Besammlung am Sonntag für die Abfahrt nach Zürich durchgegeben.» Bei der Besammlung hat es dann allerdings eine Predigt gegeben. «Ich habe zur Mannschaft gesprochen». Auf die Frage wie lange, sagt er nach einigem Überlegen, es seien wohl um die 15 Minuten gewesen.

SC Bern Cheftrainer Kari Jalonen bejubelt einen Treffer, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem SC Bern, am Freitag, 3. November 2017, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Er kann doch reden: SCB-Trainer Kari Jalonen. Bild: KEYSTONE

Als jemand einwandte, es könne doch nicht sein, dass ein Finne eine Viertelstunde ununterbrochen rede, schränkt er ein: «Ich habe nicht nur über das vorangegangene Spiel geredet. Es ging um die ganze Saison und unsere Situation.» Oder einfacher: Kari Jalonen hat seinen Jungs ins Gewissen geredet und länger gesprochen als bei seiner Antrittsrede.

Die viertelstündige «Hockey-Predigt» am Sonntagvormittag zeigte resultatmässig keine Wirkung. Am Sonntagnachmittag hat der SCB auch gegen die ZSC Lions verloren (2:3 n.P). Die dritte Niederlage in Serie. Zum ersten Mal hat der SCB unter seinem finnischen Kulttrainer dreimal hintereinander verloren.

Kein Grund zur Sorge in Bern

Grosse Trainer reagieren in speziellen Situationen anders als erwartet. Kari Jalonen ist nach der Niederlage im Hallenstadion ausgesprochen guter Laune. Ja, er ist für seine Verhältnisse geradezu redselig und macht eine Rechnung auf: «Wir haben in den drei letzten Spielen nur zwei Drittel nicht gut gespielt. Also gibt es keinen Grund zur Sorge.» Rechne: sieben von neun Dritteln gut = gut gespielt.

Wo er recht hat, da hat er recht. Kommt dazu: die Berner haben gegen Biel und die ZSC Lions nach Penaltys verloren, ohne je einmal in Rückstand zu geraten. Und so ist Kari Jalonen nach drei Niederlagen de suite zufrieden: «Die Reaktion der Spieler in Zürich war gut. Auch wenn das Resultat etwas anderes sagt.»

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Die Highlights des gestrigen Spiels im Hallenstadion. Video: YouTube/MySports

Der Meister hatte gegen die ZSC Lions mit Pascal Caminada (31) im Tor gespielt. Dem flinken Goalie-Floh (174 cm) aus Klotens Juniorenabteilung, der im Frühjahr 2008 Biel in die NLA «zurückgehext» hat. Er machte seine Sache ausgezeichnet. Kari Jalonen sagt, dieser Einsatz sei schon seit mehr als einer Woche so geplant gewesen um Leonardo Genoni eine Pause zu geben. Der SCB hätte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch mit seiner Nummer 1 im Tor nicht gewonnen.

Der neutrale Beobachter kommt zum Schluss, die Partie im Hallenstadion sei für den Meister also nur eine Pflichtübung auf dem langen Weg zur dritten Meisterschaft in Serie gewesen. Einfach eines von 50 Qualifikationsspielen.

Der ZSC kann Meister werden

Für die ZSC Lions stand viel mehr auf dem Spiel. Während Kari Jalonen in Bern als letztjähriger Meistertrainer uneingeschränkte Autorität, ja ein hockeytechnisches Unfehlbarkeitsdogma geniesst, steht Cheftrainer Hans Wallson bei den ZSC Lions seit seinem Arbeitsbeginn im Herbst 2016 in der berechtigten Kritik.

Nun hat das hochstehende, intensive, schnelle Gipfeltreffen gegen den Titelverteidiger den Zürchern und ihrem Trainer nicht nur einen Sieg nach Penaltys und zwei Punkte beschert. Sondern darüber hinaus und einen wichtigen Hinweis: Sie können Meister werden. Und das sollte in Bern ernst genommen werden.

Der Berner Eric Blum, rechts, gegen den Zuercher Fabrice Herzog, links, beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen den SC Bern im Hallenstadion in Zuerich am Sonntag, 3. Dezember 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Die Lions könnten in einer Finalserie gegen Bern bestehen. Bild: KEYSTONE

Die ZSC Lions haben in allen drei Zonen und von Anfang bis Ende auf Augenhöhe mit dem Titanen gespielt. Sie hielten das Tempo und die Intensität ohne Schwierigkeiten aus. Sie spielten präzis, schnell und kreativ, defensiv aufmerksam und diszipliniert. Obwohl sie ohne Robert Nilsson – ihren besten Einzelspieler – auskommen mussten.

Mit ziemlicher Sicherheit könnten die ZSC Lions den SC Bern in einem Playoff-Finale erfolgreich herausfordern und Meister werden. Sie haben dazu alle spielerische und taktische Mittel. Wendet sich doch noch alles zum Guten?

Das Problem wird allerdings sein, auf dem Weg ins Finale auch die Teams zu besiegen, die nicht konstruktives, hochentwickeltes, schönes und rassiges Hockey spielen wie der SCB. Sondern Hockey arbeiten, ja Hockey verhindern. Auch der SCB hat soeben zweimal hintereinander gegen solche Teams (SCL Tigers und Biel) verloren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Sloping 04.12.2017 16:26
    Highlight Highlight "Das Problem wird allerdings sein, auf dem Weg ins Finale auch die Teams zu besiegen, die nicht konstruktives, hochentwickeltes, schönes und rassiges Hockey spielen wie der SCB."

    Das mit dem konstruktiven, hochentwickelten, schönen und rassigen Hockey des SCB tönte im November noch ganz anders:

    "Inzwischen lässt der SCB-Meistertrainer sogar gegen Lotterteams wie Biel nach dem Motto «safety first» arbeiten statt spielen. Aber kann ein Unternehmen wie der SCB auf Dauer von Siegen alleine leben?"

  • Apfel Birne 04.12.2017 13:33
    Highlight Highlight Ich glaube in letzter Zeit gab es genug Berichte über Zürich und Hollenstein ausserdem hats ja grad gestern einen Bericht über den Radioreporter gegeben.
  • KC4 04.12.2017 10:24
    Highlight Highlight Nilsson ist leider ein bitterer Ausfall. Er macht die ZSC-Offensive ein grosses Stück besser. Kehrt er zurück und bleibt er unverletzt, dann ist mit den Lions auf jeden Fall zu rechnen.

    Ohne seine Verletzung wäre man auch vor einem Jahr gegen Lugano wohl kaum ausgeschieden. Wer weiss, wo das geendet hätte.
  • egemek 04.12.2017 10:15
    Highlight Highlight Schade, ein weiterer SCB Bericht, der gut getarnt an die Leser gebracht wurde...
    • Roman h 04.12.2017 13:52
      Highlight Highlight Jetzt weiss ich wenigstens das Bern das mit Abstand stärkste Team ist und man sie besiegen muss.
      Das kann aber nur der grosse Z.
      Heisst das jetzt Lugano, Davos, Zug, Genf ect sind keine konkreten?
      Man könnte meinen es ist wie im Fussball
      Bern ist dan Basel und der Z ist YB.
    • FaW 04.12.2017 16:21
      Highlight Highlight @Roman h
      Weder ist Bern Basel, noch der ZSC YB. Bern ist weder seit Jahren unschlagbar, noch geniessen sie solches Ansehen wie der Fussballclub aus Basel.
  • HabbyHab 04.12.2017 09:35
    Highlight Highlight Und ohne ihren Erstliniencenter. Und ohne einen ihrer besten Verteidiger. Und ebenfalls mit dem eigentlichen Ersatztorhüter im Tor
    • Züzi31 04.12.2017 10:09
      Highlight Highlight Mal nicht übertreiben. Marti und Blindenbacher fehlen. Das ist nicht "ohne einen ihrer besten Verteidiger". Und Sutter hat hervorragend gespielt gestern.
    • Furioso 04.12.2017 11:00
      Highlight Highlight Marti würde ich im Moment schon als einen der stärksten Verteidiger sehen. Hat derzeit eine +14 Bilanz (beste des gesamten Teams). Spielt diese Saison sehr solide. Aber ja, Sutter macht sich langsam.
    • HabbyHab 04.12.2017 13:49
      Highlight Highlight Marti war vor seiner Verletzung wohl der beste Verteidiger, der gerade spielte (Geering war da ja verletzt). Ja Sutter macht sich immer besser, und wusste nicht, dass er ein Penalty - Spezialist ist :D

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