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Die Langnau-Fans sind schon Erstklassig.
Die Langnau-Fans sind schon Erstklassig.Bild: Sandro Stutz/freshfocus
Eismeister Zaugg

Die Langnauer werden in der NLA nicht sein wie die Lakers – aber auch nicht wie Lausanne

Welche Rolle können die Langnauer in der NLA spielen? Sie werden gut genug sein für den Liga-Erhalt. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.
10.04.2015, 15:1410.04.2015, 17:14

Die Langnauer stiegen 1987 sofort wieder ab. Nach dem Aufstieg von 1998 konnten sie sich bis ins Frühjahr 2013 halten. Die aktuelle Mannschaft ist besser als die Aufstiegsteams von 1987 und 1998. Wir können davon ausgehen, dass die SCL Tigers den Liga-Erhalt im Frühjahr 2016 schaffen werden.

Die Aufstiegsmannschaft von 2015 hat die besseren Schweizer Spieler als die Lakers. Das ist der Hauptgrund für den Triumph in der Liga-Qualifikation.

Aber die Frage ist berechtigt: Reicht es am Ende doch nur zum letzten Platz? Ist dann die Gefahr nicht gross, ein notorisches Verliererteam zu werden wie die Lakers?

Die Spieler vom Obersee als Synonym für Erfolglosigkeit.
Die Spieler vom Obersee als Synonym für Erfolglosigkeit.Bild: Sandro Stutz/freshfocus

In Langnau wird Eishockey gelebt

Nein. Die SCL Tigers werden nie sein wie die Lakers. Weil sie eine andere, eine viel stärkere Hockeykultur haben. Eine Qualifikation sozusagen ausser Konkurrenz zu spielen ist, anders als in Rapperswil-Jona, in Langnau nicht möglich.

Bei den Lakers spielte es in Qualifikation 2014/15 keine Rolle ob sie siegten oder verloren. Niederlagen hatten keinerlei Konsequenzen. Der letzte Platz war vom ersten Spieltag an reserviert. Es gab in dieser geschützten Werkstatt keine Kritik-Kultur, geschweige denn Polemik und die Medien kümmerten sich kaum um die Lakers.

So konnte sich ein weltfremder Positivismus entwickeln. In den Playouts und in der Liga-Qualifikation waren die Lakers in der rauen, richtigen Hockeywelt verloren wie ein in der Wildnis ausgesetztes Haustier.

Trainer Bengt-Ake Gustafsson musste sich ein hartes Fell zulegen. 
Trainer Bengt-Ake Gustafsson musste sich ein hartes Fell zulegen. Bild: KEYSTONE

In Langnau ist eine Niederlage immer unangenehm. Gehen gar drei, vier Spiele hintereinander verloren, kommen Unruhe, Kritik, ja Polemik auf. Im Emmental wird Eishockey gelebt. Es gibt nie Ruhe. Tag für Tag wird jeder daran erinnert, dass er alles geben muss und jeder bleibt hellwach.

Diese Saison gab es sogar bei der himmelhohen Überlegenheit in der NLB immer wieder mal Kritik im Dorfe. In diesem Treibhaus der Emotionen gedeiht eine gute Leistungskultur. 

Können die Langnauer am Ende gar als Aufsteiger direkt in den Himmel der Playoffs auffahren. So wie Lausanne? Nein, können sie nicht.

Torhüter als Schwachstelle

Lausanne stieg mit Cristobal Huet auf und hat mit dem Stanley Cup-Sieger nun zweimal hintereinander die Playoffs erreicht. Aber Langnau hat keinen Torhüter vom Format Cristobal Huets. Damiano Ciaccio ist eine Nummer kleiner. Aber ist er nicht einer der wichtigsten Einzelspieler in der Aufstiegsmannschaft?

Fast (aber nur fast) wie 1998 Martin Gerber? Ja, ist er. Aber nicht so gut wie Martin Gerber, der später in Schweden Meister und in Amerika Stanley Cup-Sieger werden sollte. Damiano Ciaccio hat einzelne Spiele gewonnen. Aber ist zu wenig robust um in der NLA die Nummer 1 zu sein. Er ist eine gute Nummer 2 für die höchste Spielklasse. 

Sportchef Jörg Reber hat zwei Möglichkeiten. Er kann einen erstklassigen ausländischen Goalie verpflichten –was er nicht tun wird. Oder er kann es machen wie Kevin Schläpfer in Biel mit Lukas Meili und Simon Rytz. Die Arbeit auf zwei Torhüter verteilen. Dann braucht er nur noch einen zweiten Torhüter mit dem Format von Damiano Ciaccio. Den findet er.

Damiano Ciaccio ist kein Goalie, der sein Team allleine tragen kann. 
Damiano Ciaccio ist kein Goalie, der sein Team allleine tragen kann. Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Langnau ist mit einer NLA-Mannschaft aufgestiegen. Will heissen: Drei Viertel der Spieler haben schon Partien in der NLA bestritten. Es braucht also für die höchste Spielklasse nicht eine neue Mannschaft. Es genügt, wenn das bestehende Team klug ergänzt wird. Zwei bis drei Schweizer Spieler genügen.

Wie soll man Schlüsselpositionen besetzen?

Reto und Jan von Arx wären «Königstransfers». Gut fürs Geschäft, gut für die Chemie in der Kabine und mit ihrer immensen Erfahrung gut für heikle Situationen auf dem Eis. Aber dieses sensible Transfergeschäft kann erst besprochen werden, wenn das NLA-Finale gespielt ist. 

Schon 2 Transfers eingetütet: Schirjajew und Gossweiler kommen
Die Langnauer holen vom EHC Biel den Defensiv-Verteidiger Manuel Gossweiler (32). Aus Martigny kommt Center und NLB-Topskorer Ewgeni Schirjajew (25). Beide haben für zwei Jahre bis 2017 unterschrieben. 

Chris DiDomenico und Kevin Hecquefeuille sind NLA-Ausländer. Der kanadische Stürmer wird immer noch unterschätzt. Er war einer der besten kanadischen Junioren, gehörte zum U 20-Weltmeisterteam der Kanadier und spielte fast auf Augenhöhe mit John Tavares und Jordan Eberle.

Matchstrafe für Chris DiDomenico
Einzelrichter Reto Steinmann hat Chris DiDomenico eine Spielsperre für das nächse Meisterschaftsspiel und eine Busse von 500 Franken auferlegt. DiDomenico hat im Ligaqualifikations-Spiel Gegenspieler Lukas Sieber die Beine von hinten weggeschlagen.

Er hat in den 19 Partien der NLB-Playoffs und der Liga-Qualifikation sagenhafte 6 Tore und 28 Assists gebucht und einzelne Spiele spektakulär entschieden – zuletzt das zweite Spiel gegen die Lakers in der Verlängerung und den finale Showdown mit dem 3:1. 

Der Franzose Kevin Hecquefeuille wird oft unterschätzt.
Der Franzose Kevin Hecquefeuille wird oft unterschätzt.Bild: Christian Pfander/freshfocus

Der «Ilfis-Gretzky» kann in der NLA nicht gleich viel Eiszeit verkraften wie in der NLB und er kann in der höchsten Spielklasse auch das Spiel nicht mehr so dominieren. Aber er wird nach wie vor dazu in der Lage sein, die kleinen Dinge zu tun, die ein Spiel entscheiden. Bei Kevin Hecquefeuille wird oft vergessen, dass er sich mit Frankreich schon bei der WM bewährt hat – und dort auf Augenhöhe mit unseren Nationalverteidigern spielte.

Langnau verspricht Emotionen

Geht es im Falle eines Falles auch ohne Aufstiegstrainer Bengt-Ake Gustafsson? Ja, natürlich. Trainer kommen und gehen, die SCL Tigers bleiben bestehen. In der starken Langnauer Hockey-Kultur ist der Trainer nie grösser als die Mannschaft. Auch ein Spieler ist es nie. Eine Vertragsverlängerung mit dem Schweden wäre erfreulich. Aber wenn es einen neuen Cheftrainer braucht, dann verringern sich die Chancen auf eine erfolgreiche Saison nicht.

Die SCL Tigers werden nächste Saison gut genug sein, um bis nach Weihnachten auf eine Rettung in der Platzierungsrunde zu hoffen (Rang 10). Sie werden mit ziemlicher Sicherheit so gut sein, dass sie sich in den Playouts retten können und sie werden definitiv so gut sein, um gegen jeden Gegner die Liga-Qualifikation zu gewinnen.

Und was nicht zu unterschätzen ist: Die SCL Tigers werden uns nächste Saison nie langweilen. Aber die Fans und das Management müssen sich auf eine dramatische Saison einstellen. Ein Trainerwechsel kann nicht ausgeschlossen werden und Resistenz gegen Polemik wird hilfreich sein.  

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SCL Tigers Aufstieg NLA

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4 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Toastbrot
10.04.2015 19:25registriert Februar 2014
Wäre hätte Anfang Saison gedacht, das Watson zum Cluborgan der Langnauer wird. Mir und der Marketingabteilung ist es wohl recht. Danke Herr Zaugg. Nun bitte aber auf die anderen Bühnen schwenken. Bis im Herbst.
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Brrrringsallyup
10.04.2015 17:58registriert März 2014
"... und Resistenz gegen Polemik wird hilfreich sein." Hihi, der war gut. Selbstironie?
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