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ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS HANS KOSSMANN NICHT MEHR FRIBOURG-TRAINER IST, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG ---L'entraineur fribourgeois Hans Kossmann marche decu au milieu de ses joueurs a la fin du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre  Lausanne HC, LHC, et le HC Fribourg-Gotteron ce lundi 23 decembre 2013 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Hans Kossmann hat bei Gottéron viel geleistet, muss aber gehen.  Bild: KEYSTONE

Nach drei erfolgreichen Jahren

Hans Kossmann gefeuert – wenn einsame Trainer zu sehr toben

Hans Kossmann (52) geht in seiner vierten Saison als einer der grössten Trainer in Gottérons Geschichte ein. Er ist an der Einsamkeit auf den Gipfeln der Macht gescheitert.

Hans Kossmann ist in der Geschichte seines Scheiterns mehr Opfer als Täter. Aber auch nicht ganz unschuldig. Er wollte die Macht. Das Doppelmandat Trainer UND Sportchef. Das hat ihn jetzt den Job gekostet.

Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger hatte wohl Kraft seines Doppelmandates die Autorität, um das für Gottérons welsche Kultur so typische emotionale Chaos zu ordnen und Struktur ins Spiel zu bringen. Gottéron war taktisch seit dem NLA- Aufstieg von 1980 nie so gut wie unter Hans Kossmann.

Kossmann alleine an der Macht

In den neun Jahren vor der «Ära Kossmann» war Gottéron nie mehr über den 7. Platz hinausgekommen. Unter dem «eisernen Hans» schaffte der Klub nacheinander die Ränge 3, 1 und 2. Und erreichte zweimal das Halbfinale und einmal das Finale. Aber erst ein Meistertitel hätte ihm jene Autorität eines «Hockey-Gottes» verliehen, die es ihm möglich gemacht hätte, eine Krise zu überstehen.

Fribourgs Trainer Hans Kossmann im dritten Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen dem HC Fribourg-Gotteron und dem HC Ambri-Piotta am Samstag, 15. Maerz 2014, in der BCF-Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Nur er hatte bei Gottéron das Sagen: Hans Kossmann.  Bild: KEYSTONE

Auch Hans Kossmann ist nicht Meister geworden und letztlich in der ersten Krise an der Einsamkeit der Macht gescheitert. Er hatte bei Gottéron kein hockeytechnisches Gegengewicht. Er konnte seine Hockey- und Führungsprobleme mit niemandem auf Augenhöhe besprechen. Er musste, weil er Trainer UND Sportchef war, Selbstgespräche führen. Die Einsamkeit auf den Gipfeln der Macht.

Wenn Trainer zu sehr toben, dann kann ein Sportchef die Wogen glätten. Aber wenn der Trainer selber Sportchef ist, dann funktioniert die bewährte psychologische Taktik «good cop, bad cop» («guter Bulle, böser Bulle») nicht mehr. Die Spieler konnten sich bei Gottéron bei Bedarf nirgendwo über «den bösen Hans» ausweinen und Dampf ablassen. Auch nicht beim Assistenten. René Matt ist ein braver, loyaler, ein bisschen an Soldat Schwejk mahnender Assistent und stand seinem Chef immer näher als den Spielern. Er konnte in Zeiten der Krise nie ein Vermittler sein.

Zu viel Leistung gefordert

Hans Kossmann hat kompromisslos Leistung gefordert und dabei in Gottérons welscher Kultur den Bogen überspannt. Er hatte keinen Sportchef, der ihn warnen, der ihn beraten konnte. Auch Klub-Direktor Raphael Berger war keine Hilfe. Dieser kluge Opportunist hütet sich, seinen Job durch einen Ausflug ins sportliche Minenfeld in Gefahr zu bringen.

Das Experiment, diese Saison Torhüter Benjamin Conz durch die Konkurrenz von Melvin Nyffeler einzuheizen, ist vorerst gescheitert und war der Anfang vom Ende. Der Torhüter ist nicht alles im Eishockey. Aber ohne guten Torhüter ist alles nichts. Die miserable Fangquote von Benjamin Conz (86,12 Prozent) ist der statistische Beweis für das Scheitern des Trainers und Sportchefs.

Die Fribourger Michael Ngoy, links, Christian Dube, Mitte, und Benjamin Conz, rechts, reagieren nach einem Gegentor, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Friboug Gotteron, am Montag, 29. September 2014, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Benjamin Conz musste in dieser Saison schon etliche Male hinter sich greifen.  Bild: KEYSTONE

Hätte sonst alles gepasst, wäre das Goalieproblem vielleicht noch nicht existenziell geworden, und die Spieler hätten den rauen Umgangston des Chefs weiterhin ertragen. Aber zu vieles hat nicht mehr gepasst. Zu viele Spieler, die das Team tragen könnten, tragen müssten, spielen in diesem Herbst aus verschiedensten Gründen nicht ihr bestes Hockey oder waren verletzt. (Conz, Bykow, Monnet, Sprunger, Dubé, Mauldin, Tambellini oder Kwiatkowski).

Ein starker Sportchef hätte beim Verwaltungsrat in der Krise für Geduld plädieren und den Trainer noch eine Weile im Amt halten können. Aber Hans Kossmann war eben auch Sportchef. Eine zweite sportliche Autorität gibt es bei Gottéron nicht. Der Präsident konnte eine Zweitmeinung nur bei den Spielern einholen. Erst sprach er dem Trainer am Samstag auf Zeit das Vertrauen aus. Nach einer Sitzung mit dem Spielerrat änderte er seine Meinung und feuerte Hans Kossmann am Sonntagnachmittag. Da haben die Stars wohl eine Retourkutsche gefahren.

Wie geht es weiter? 

Hans Kossmann hinterlässt ein taktisch geordnetes Erbe und er ist jetzt neben Sean Simpson bereits der zweite grosse Name auf dem heimischen Trainermarkt, der die Sportchefs in Versuchung bringt. Er ist ein möglicher Aufstiegs- oder Meistertrainer. Sein Nachfolger kann bei Gottéron auf den taktischen Geleisen fahren, die er in den letzten drei Jahren gelegt hat. 

ZUR NICHT-VERLAENGERUNG DES VERTRAGES ALS EISHOCKEY-NATIONALTRAINER DURCH SEAN SIMPSON AM MONTAG, 3. MÄRZ 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Sean Simpson, trainer of the Swiss national ice hockey team in Winterthur after a training session, pictured on November 5, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

ZUR NICHT-VERLAENGERUNG DES VERTRAGES ALS EISHOCKEY-NATIONALTRAINER DURCH SEAN SIMPSON AM MONTAG, 3. MÄRZ 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Sean Simpson, trainer of the Swiss national ice hockey team in Winterthur after a training session, pictured on November 5, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

ZUR NICHT-VERLAENGERUNG DES VERTRAGES ALS EISHOCKEY-NATIONALTRAINER DURCH SEAN SIMPSON AM MONTAG, 3. MÄRZ 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Sean Simpson, trainer of the Swiss national ice hockey team in Winterthur after a training session, pictured on November 5, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

ZUR NICHT-VERLAENGERUNG DES VERTRAGES ALS EISHOCKEY-NATIONALTRAINER DURCH SEAN SIMPSON AM MONTAG, 3. MÄRZ 2014, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Sean Simpson, trainer of the Swiss national ice hockey team in Winterthur after a training session, pictured on November 5, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein grosser Trainer, der ebenfalls ohne Job ist: Sean Simpson. Bild: KEYSTONE

Das Potenzial reicht für die Playoffs. Ein bisschen «Kuschelkurs» wird zu einer kurzzeitigen, aber noch nicht zu einer langfristigen Leistungssteigerung führen. Auch sein Nachfolger muss die Mischung zwischen Kuscheln und Toben finden. Gottéron zu führen ist wie einen Vogel in der Hand zu halten: Wer zu stark drückt, bringt das Tier um. Wer es zu locker hält, dem fliegt es davon.

Gottéron hat schon einmal den Trainer unmittelbar vor einer Partie gegen Bern gefeuert (1999/2000 Ueli Schwarz nach 23 Spielen), den Stürmer Colin Muller direkt zum Cheftrainer befördert und gleich den SCB zweimal hintereinander gebodigt.

Die Geschichte muss sich nicht wiederholen. Aber der Unterhaltungswert der Partie vom Dienstag gegen den SCB ist maximal. Mit ein bisschen bösartiger Zuspitzung können wir es so sagen: Das Team, das den Trainer gefeuert hat, spielt gegen das Team, das den Trainer noch nicht gefeuert hat.



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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Senftube 13.10.2014 17:44
    Highlight Highlight Was ist der Unterschied zwischen dem harten Hund Kossmann und dem Polterer McSorley...? Der eine ist nebst Trainer und Sportchef auch noch Manager und Club-Besitzer... ;-)
    User Image
  • länzu 13.10.2014 12:58
    Highlight Highlight Nun, höchste Zeit, das beim SCB auch zu tun. Mit Simpson und Kossmann stünden gleich zwei hochkarätige Kandidaten zur Verfügung. Simpson wüsste wohl schon, wie mit der labilen Truppe in Bern umzugehen wäre.
    • Wayne99 13.10.2014 21:47
      Highlight Highlight Hey Länzu, ich glaube Boucher ist gar nicht so schlecht. Das wahre Problem ist Bührer, er kann die Mannschaft wenn's eng wird einfach nicht im Spiel halten!

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