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ZUR MELDUNG, DASS DER VERTRAG MIT SC BERN COACH LARS LEUENBERGER ENDE SAISON NICHT VERLAENGERT WIRD, STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG 11. MAERZ 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Bern Head Coach Lars Leuenberger im Swiss Ice Hockey Cup Halbfinale zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Mittwoch, 6. Januar 2016, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Lars Leuenberger wartet trotz Meisterehren weiter auf ein Jobangebot in der NLA. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Eigentlich ist es ein Skandal, dass Lars Leuenberger nicht Langnau-Trainer geworden ist. Oder?

Was für bittere Tage für Schweizer Hockey-Trainer. In Fribourg und in Langnau war SCB-Meistertrainer Lars Leuenberger nicht eine Sekunde ein Thema. Wie kann das sein?



Arno Del Curto und Kevin Schläpfer geniessen Kultstatus. Ihre Popularität täuscht darüber hinweg, dass Schweizer Trainer in unserem Hockey geringgeschätzt und nicht ernst genommen werden. Ja, selbst «Hockeygott» Kevin Schläpfer ist immer wieder dem leisen Spott respektloser Chronisten ausgesetzt.

Wie erwartet ...

Seit heute morgen ist es definitiv: Der neue Trainer der SCL Tigers heisst Heinz Ehlers. Der 50-jährige Däne unterschrieb bei den Emmentalern einen bis 2018 laufenden Vertrag mit Option für eine weitere Saison. In Langnau wird Ehlers Nachfolger des entlassenen Scott Beattie. (pre/sda)

Während Larry Huras immer und immer wieder ins Gespräch kommt, bleiben selbst höchstdekorierte Schweizer Trainer arbeitslos. Als diese Saison begann, hatte Lars Leuenberger keine Arbeit. Weder Langnau (dort bekam Scott Beattie den Job!) noch die ZSC Lions oder Kloten wollten ihn. Dabei hat er im letzten Frühjahr mit dem SC Bern die Meisterschaft gewonnen und ein Hockeymärchen geschrieben.

Cheftrainer Arno Del Curto von Davos, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem EV Zug, am Samstag, 10. September 2016, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Arno del Curto: Anders als viele andere Schweizer Trainer umweht ihn eine mystische Aura. Bild: KEYSTONE

Und nun war er weder bei Fribourg-Gottéron noch bei den SCL Tigers als Nothelfer ein Thema. Als Patrick Fischer im letzten Herbst in Lugano gefeuert wurde, fand er nur noch im Bundesamt für Eishockey als Nationaltrainer Unterschlupf. Weil dort «Swissness» als Weltanschauung gepflegt wird. Und Lars Leuenberger durfte letzte Saison beim SCB den gefeuerten Guy Boucher nur beerben, weil SCB-General Marc Lüthi die Saison sowieso schon abgeschrieben und mit Kari Jalonen bereits den Trainer für die neue Spielzeit verpflichtet hatte.

Unsere Hockey-Präsidenten und -Sportchefs mustern jeden Schweizer Trainer, als sei er ein seltenes Insekt. Bis sie einen Grund finden, doch einen Ausländer zu nehmen. Ausländische Trainer klopfen den Misserfolg von ihren Massanzügen mühelos ab wie Staub. Schweizer Trainern bleibt Scheitern wie Schwefelgeruch auf alle Zeiten haften. Ausländische Trainer erstrahlen medial im Erfolg als Supermänner. Bei anderen Schweizer Trainern als Arno Del Curto und Kevin Schläpfer heisst es nach einem Erfolg bald einmal: Na und?

Die Langnau-Trainer der letzten vier Jahre

Heinz Ehlers (Dä): seit 3. Oktober 2016
Scott Beattie (Ka): März 2016 bis Oktober 2016
Benoît Laporte (Ka): April 2015 bis März 2016
Bengt-Ake Gustafsson (Sd): Oktober 2013 bis April 2015
Tomas Tamfal (Tsch): Mai 2013 bis Oktober 2013
Jakob Kölliker (Sz): Mitte bis Ende April 2013
Alex Reinhard (Sz): Dezember 2012 bis April 2013
John Fust (Sz): Mai 2010 bis Dezember 2012

Selbst beim Verband traut man einheimischem Schaffen inzwischen nicht mehr über den Weg. Weil Patrick Fischer nicht mehr zugetraut wird, die Nationalmannschaft führen zu können, ist er unter schwedische Vormundschaft gestellt worden. Der Schwede Tommy Albelin überwacht jetzt als Assistent Fischers Arbeit.

Mystifizierung des Trainerberufs

Diese Geringschätzung des einheimischen Trainerhandwerkes ist wirtschaftlich dumm. Anders als ihre ausländischen Kollegen bezahlen Schweizer Trainer in der Regel ihre Steuern selber. Sie kosten nur halb so viel wie Ausländer. Sie sind während des ganzen Jahres vor Ort, kümmern sich auch in der Zwischensaison um das Wohlergehen des Klubs und verschwinden im Sommer nicht einfach für mehrere Monate in die Ferien. Sie kennen keine Sprachkurse, ihre Kinder keine teuren ausländischen Privatschulen und keine Flugtickets für die An- und Heimreise.

Warum gibt es trotzdem keinen Markt für Schweizer Trainer? Der gängige Spruch, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt, liefert uns keine Erklärung.

Fribourgs Trainer Larry Huras spricht mit seinen Spielern beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Fribourg Gotteron und dem EHC Kloten, am Freitag, 30. September 2016, in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Was hat Larry Huras, was Lars Leuenberger nicht hat? Einen ausländischen Akzent! Bild: KEYSTONE

Der Grund für die Schwierigkeiten der eidgenössischen Trainer ist ein ganz simpler. Das Trainerhandwerk ist keine exakte Wissenschaft. Im Eishockey braucht ein Trainer nicht einmal ein Diplom. Die Tätigkeit zwischen Kabine und Bande besteht zu einem schönen Teil aus ein bisschen «Voodoo». Also aus der Kunst, den Trainerberuf zu mystifizieren. Daraus eine Kunst zu machen, die nicht erklärbar ist – und das geht am besten, wenn man dem Präsidenten oder dem Sportchef mit stark fremdländischem Akzent erklärt, wie schwierig alles ist.

Diese unerlässliche Mystifizierung ist fast unmöglich, wenn der Trainer im gleichen Dialekt parliert wie seine Vorgesetzten und die Spieler. Dann erscheint alles ganz banal. Schweizer Trainer sind hockeytechnisch einfach zu wenig sexy.

Der Präsident und der Sportchef können mit einem ausländischen Namen im Umfeld sowieso viel besser punkten. Hartley, Huras, Crawford, Ehlers, Jalonen, McSorley, Shedden, Beattie, Wallson, Ratushny oder Tirkkonen – das tönt einfach besser, magischer, hockeyerotischer als Leuenberger.

Namen machen Trainer

Nicht Kleider machen in unserem Hockey Leute bzw. Trainer. Namen machen Trainer. Hiesse Lars Leuenberger Lee Mountainlion oder Laser Lionhill und würde nur Englisch sprechen, dann wäre er auf diese Saison Trainer der ZSC Lions geworden oder er hätte in den letzten Tagen mit etwas Geduld Christian Dubé und Jörg Reber, die Sportchefs in Fribourg und Langnau, gegenseitig ausspielen und einen Vierjahresvertrag herauspokern können. Und statt als «Lars, der kleine Eisbär» karikiert, würde er als «Hockey-Napoléon» umworben, verehrt, respektiert und gefeiert.

Umgekehrt hätte Scott Beattie in Langnau nicht einmal den Job des zweiten Assistenten bekommen, wenn er Samuel Haueter oder Simon Berger heissen würde. Und als Lars Hurni wäre Larry Huras nicht Gottéron-Zampano geworden.

P.S. Eigentlich ist es ein Skandal, dass Lars Leuenberger nicht Langnau-Trainer geworden ist. Oder?

12.09.2014; Biel; Eishockey NLA - EHC Biel - Lausanne HC: Trainer Heinz Ehlers (Lausanne)(Christian Pfander/freshfocus)

Heinz Ehlers übernimmt in Langnau, nicht Lars Leuenberger. Bild: Christian Pfander/freshfocus

Nein. Wenn ich Langnaus Sportchef wäre, dann hätte ich keine Sekunde gezögert, Heinz Ehlers als Nachfolger von Scott Beattie zu verpflichten, und Lars Leuenberger nicht mal höflichkeitshalber angefragt. Warum? Ich kann es nicht alleine mit meiner Wertschätzung für Heinz Ehlers Arbeit in Langenthal und Lausanne erklären – Lars Leuenberger verdient ja für sein Meister-Märchen mit dem SCB eher noch grösseren Respekt.

Es ist einfach ein Bauchgefühl, ein bisschen «Voodoo» halt. Ich bin eben auch nicht klüger als die Sportchefs und die Präsidenten ...

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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03.10.2016 12:50registriert April 2014
LL hat als Nachlassverwalter grosses geleistet. Er wird in jedem Buch des CH Hockey lobend erwähnt sein. Doch lieber Hr. Zaugg, für welches Hockey steht LL? wie baut er eine Mannschaft auf? Bisher hat er nur bewiesen, dass er das Kanadische Korsett dosiert lösen kann. Das hat ML vermutlich schnell gemerkt und umentschieden. Ansonsten hätte ML nicht den Sportchef auch noch opfern müssen. Das der SCL dieses Risiko nicht einging ist vernünftig. LL soll erstmal in der NLB zeigen was er kann. Denn wenn er als Nothelfer versagt ist der Ofen aus. Auch Fischer hätte solider von unten aufbauen sollen.
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Sloping
03.10.2016 14:14registriert October 2014
Der Hauptgrund pro Ehlers liegt doch in der Risikoabwägung des Sportchefs von Langnau. Reber ist mit den sagen wir mal unkonventionellen Anstellungen von Laporte und Beattie aus unterschiedlichen Gründen Risiken eingegangen, die sich nicht ausbezahlt haben und er mitverantwortet. Einen dritten gescheiterten Versuch übersteht er als Sportchef nicht. Darum hat er sich dieses Mal für die logische und sicherste Lösung entschieden. Ehlers hatte im Vergleich zu Leuenberger bei verschiedenen Vereinen und über eine lange Zeit Erfolg.
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Amboss
03.10.2016 12:08registriert April 2014
Wahrscheinlich ist es wirklich so, dass es CH-Trainer einfach schwieriger haben.
Dieses englische Akzent, verbunden mit übermässigem Kaugummikauen und diesem "alles-nervt-mich"-Blick, gehört einfach zu einem rechten Hockey-Coach dazu :)
Aber die Entscheidung, dass die Tigers Ehlers statt Leuenberger verpflichten, das hat nichts mit Voodoo zu tun. Dafür sprechen Handfeste Gründe: Ehlers hat mit Lausanne genau das gezeigt, was die Tigers genau jetzt brauchen: Defensiv solides Betonhockey spielen.
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18

Eismeister Zaugg

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