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So sieht die Zuversicht bei Servette aus: Assistenztrainer Louis Matte, die Spieler Daniel Vukovic, Jim Slater und Kevin Romy und Headcoach Chris McSorley (v.l.).
So sieht die Zuversicht bei Servette aus: Assistenztrainer Louis Matte, die Spieler Daniel Vukovic, Jim Slater und Kevin Romy und Headcoach Chris McSorley (v.l.).Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Trotz den stets fehlenden zwei Millionen: Servette will den Ruf als «YB des Hockeys» loswerden

Chris McSorley ist nicht nur ein grosser Bandengeneral. Er ist auch ein charismatischer Kommunikator und «Hoffnungs-Händler».
03.09.2016, 12:1603.09.2016, 15:07

Chris McSorley rechnet gerne vor, dass ihm pro Jahr zwei Millionen Franken entgehen. Weil die Werbe- und Gastronomie-Möglichkeiten im alten Stadion stark eingeschränkt sind.

Es sind die zwei Millionen, die ihm fehlen, um aus einem guten Team eine Meistermannschaft zu machen. Bis heute hat es Servette «nur» zu zwei verlorenen Finals gegen die ZSC Lions (2008) und den SC Bern (2010) gereicht.

Chris McSorley ist der Dreh- und Angelpunkt bei Servette.
Chris McSorley ist der Dreh- und Angelpunkt bei Servette.Bild: KEYSTONE

Neue Ausländer, neues Glück?

Nach wie vor ist offen, ob und wann in Genf eine neue Hockey-Arena gebaut wird. Aber Chris McSorley ist ein guter «Hoffnungs-Händler» und verkauft Jahr für Jahr die Hoffnung, dass es doch reichen könnte. Servette hatte letzte Saison den vierthöchsten Zuschauerschnitt der Liga (6566). In Genf wird auf dem Eis und rundherum erstklassige Unterhaltung nach nordamerikanischem Muster geboten und die Hoffnung, dass es doch zu meisterlichem Ruhm reichen könnte, ist allgegenwärtig.

Aber im Halbfinal war halt wieder Schluss – unter anderem, weil das ausländische Personal (Matthew Lombardi, Johan Fransson, Tom Pyatt, Matt D’Agostini und Jim Slater) in sechs Playoff-Spielen nur gerade neun Skorerpunkte produzierte.

Um die Hoffnung auf Besserung gut verkaufen zu können, hat Chris McSorley folgerichtig nur Slater und Fransson behalten. Neue Ausländer, neues Glück, erster Meistertitel der Klubgeschichte? Nein, natürlich nicht. Es fehlen ja nach wie vor die zwei Millionen.

Weiter dabei: Johan Fransson.
Weiter dabei: Johan Fransson.Bild: KEYSTONE

Aber wer Chris McSorley lange genug zuhört, lässt sich einmal mehr überzeugen: Doch, im Frühjahr 2017 könnte es endlich, endlich, endlich klappen.

«Jesus Chris»

Oder ist Chris McSorley am Ende gar nicht dazu in der Lage, Meister zu werden? Nein, so ist es nicht. Er hat zwei Mal die drittklassige East Coast Hockey League in Amerika und einmal die britische Operettenliga EIHL mit den London Knights gewonnen. In den 14 Jahren seit dem Aufstieg in die NLA ist er mit Servette dem finalen Triumph allerdings erst zwei Mal nahegekommen: In den Finals von 2008 (gegen die ZSC Lions) und 2010 (gegen den SC Bern).

Ebenfalls siegreich war Servette am Spengler Cup 2014.
Ebenfalls siegreich war Servette am Spengler Cup 2014.Bild: KEYSTONE

Wir verneigen uns vor Chris McSorley so tief, wie wir es vermögen. Ohne ihn gäbe es Servette, wie wir es heute kennen, nicht. Ja, sein Servette ist das bestfunktionierendste Sportunternehmen der Romandie. Aber er kümmert sich um alles. Er ist Manager, Finanzchef, Medienchef, Trainer, Sportchef. Wer immer bei Servette eine Bürotür öffnet – Chris McSorley sitzt schon drin. So mahnt er an eine Kerze, die an beiden Enden angezündet wird. Im Frühjahr, unter der Maximalbelastung der Playoffs, ist er deshalb Jahr für Jahr ein bisschen zu wenig cool, lässt sich provozieren und verliert die grossen spielerischen Dramen.

Dank seinen schlauen Verschwörungstheorien (die bösen Deutschschweizer gegen uns Welsche) wird er in der Niederlage erst recht als Held verehrt. Die «Tribune de Genève» hat ihn im Frühjahr nach dem Ausscheiden im Halbfinal sogar als «Jesus Chris» geadelt.

Nun hat Chris McSorley seine Anteile am Unternehmen verkauft und die Führungsorganisation umstrukturiert. Um sich besser auf seine Trainertätigkeit konzentrieren zu können. Ob das hilft?

Etwas fehlt immer

Taktisch ist Servette hockeytechnisch genug gut für den Titel. Bitter für Chris McSorley: Der SCB ist mit «seinem» Spielsystem, mit «Servette-Hockey», Meister geworden. Und wenn Servette die Finalqualifikation gegen Lugano geschafft hätte (was durchaus möglich gewesen wäre), dann wäre im Final gegen den SCB der Titel vielleicht möglich gewesen.

Aber so war es schon immer und so wird es weiterhin sein: Bei Servette und Chris McSorley gibt es immer ein «hätte», «wenn und aber», «könnte» oder «wäre» zu viel. Das Kader bleibt zu knapp, am Ende fehlt immer das «letzte Bataillon» zum finalen Triumph.

Was ist neu?

  • Nach zwölf Jahren hat Verteidigungsminister Goran Bezina Servette verlassen (zu Zagreb in die KHL) und kann nicht ersetzt werden. Er spielte auch deshalb eine zentrale Rolle, weil er es als einziger wagte, Chris McSorley zu widersprechen.

Die Schlüsselspieler bei Genève-Servette

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Die Schlüsselspieler bei Genève-Servette
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Transferbilanz:

Leicht negativ

Jobsicherheit des Trainers:

Maximal

Die bange Frage:

Wird Servette zum YB des Eishockeys? Eigentlich erübrigt sich die Frage. Servette ist längst das YB des Eishockeys. Allerdings hätte YB genug Geld, um Meister zu werden. Servette hingegen nicht. Mit einem sportlichen General wie Chris McSorley würde YB regelmässig Titel gewinnen – und mit dem Geld von YB würde Chris McSorley Serienmeister.

Prognose: Platz 5
Wie schneidet Servette in der Regular Season ab?

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Playoffs 1985/86

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Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Playoffs 1985/86
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