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Ambri's player Diego Kostner right celebrate the 1 - 0 goal with Ambri's player Elias Bianchi right, during the preliminary round game of National League Swiss Championship 2018/19 between HC Ambri Piotta and HC Lugano, at the Valscia stadium in Ambri, Switzerland, Saturday, December 08, 2018. (Keystone/Ti-Press/Samuel Golay

Kostner und Bianchi bejubeln das 1:0 am Samstagabend gegen Lugano. Bild: TI-PRESS

Ambri läuft auf seiner Flucht nach vorne sogar Lugano davon

Vor der Saison als Abstiegskandidat gehandelt, liegt Ambri bei Halbzeit nach dem Sieg über Lugano (3:1) fünf Punkte vor seinem Erzrivalen auf einem Playoffplatz (7.). Eine Erfolgsgeschichte, die im Sommer 2017 begonnen hat.



Ein «Leicester-Jahr» kann jeder Aussenseiter haben. Die Bezeichnung steht für den Titelgewinn von Leicester City in der englischen Fussballmeisterschaft im Frühjahr 2016. Eine Jahrhundert-Sensation. Vor der Saison lauteten die Wettquoten auf einen Titel 1:5000.

Aber Ambris gute Ausgangslage ist nicht einer Sensation geschuldet. Sie ist das logische Resultat einer konsequent umgesetzten Philosophie und eines exzellenten Scoutings.

Ambri’s fans before the preliminary round game of National League Swiss Championship 2018/19 between HC Ambri Piotta and HC Lugano, at the Valscia stadium in Ambri, Switzerland, Saturday, December 08, 2018. (Keystone/Ti-Press/Samuel Golay

Die Ambri-Fans in Derby-Stimmung. Bild: TI-PRESS

Die Geschichte beginnt im Sommer 2017. Präsident Filippo Lombardi, als Politiker und Hockey-Vorsitzender ein Populist vor dem Herrn, beschliesst, nicht mehr zu jammern. Er installiert den bisherigen Captain Paolo Duca (37) als Sportchef und der holt mit seiner ersten ersten Amtshandlung Luca Cereda (37) als Trainer. Das jüngste sportliche Führungsduo der Liga. Ambri lebt eine Philosophie, die der HC Davos nach dem letzten Titel von 2015 eigentlich auch im Sinn hatte. Eigentlich. Aber es ist für den ruhmreichen eben schwieriger, bescheiden wieder von vorne anzufangen. Ambris letzte Jahre waren nicht ruhmreich.

Luca Cereda, neuer Trainer des HC Ambri-Piotta, rechts, posiert zusammen mit Praesident Filippo Lombardi, Mitte und Sportchef Paolo Duca, links, einer Medienkonferenz des HC Ambri-Piotta in Bellinzona, am Freitag, 28. April 2017. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Ambri-Präsident Lombardi mit Sportchef Duca (links) und Trainer Cereda (rechts). Bild: TI-PRESS

Paolo Duca und Luca Cereda haben das perfekte Konzept für einen Aussenseiter umgesetzt: Was an Talent fehlt, wird mit Laufarbeit und Disziplin kompensiert. Die Gegenspieler sollen auf dem ganzen Eisfeld keine Ruhe finden. Dieses «Fräser-Hockey» bedingt Leidenschaft, Disziplin und Energie. Und immer lautet die bange Frage: Wie weit werden uns die Füsse tragen?

Kampfgeist und Scouting top

Letzte Saison trugen die Füsse Ambri bis zum Ligaerhalt. Auf Kosten des nominell viel besseren EHC Kloten. Und jetzt darf sogar gefragt werden: «Tragen uns die Füsse bis in die Playoffs?»

Aus der der letzten Playoff-Mannschaft von 2013/14 sind nur noch Elias Bianchi (29) und Patrick Incir (24) dabei. Das mag zeigen, wie konsequent Ambri neu begonnen hat. Die Frage geht an den Sportchef: Was ist der Unterschied zwischen heute und dem letzten goldenen Herbst von 2013? «Die Stimmung war auch damals gut. Die unterscheidet sich nicht von heute. Ich denke, dass wir heute mehr als damals ein klares Konzept haben. Wir spielen geradliniger, aggressiver und setzen die Gegenspieler auf dem ganzen Eisfeld unter Druck.» Und er mahnt zugleich: «Der Erfolg ist für uns nur möglich, wenn sich jeder in jedem Match aufopfert. Es liegt in der menschlichen Natur, zwischendurch aufzuatmen und den leichteren Weg zu suchen. Aber genau das können wir uns nicht leisten.»

Ex-Ambri player Paolo Duca, right, with Ambri's president Filippo Lombardi, left, during the retreat ceremony of his jersey number 46 before the preliminary round game of the National League Swiss Championship 2017/18 between HC Ambrì Piotta and HC Davos, at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Saturday, September 9, 2017. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Sportchef Duca gibt in Ambri die Richtung vor. Bild: TI-PRESS

Es ist die Leidenschaft, die der Sportchef und sein Trainer Tag für Tag vorleben. Da gibt es durchaus Parallelen zum Arno Del Curto der besten Tage. Luca Ceredas Vertrag läuft im Frühjahr aus, er wäre für Davos der perfekte Nachfolger für Arno Del Curto, der perfekte Trainer für den Neuaufbau. Aber noch mehr braucht Ambri Luca Cereda.

Hockeyromantiker mögen den Erfolg hauptsächlich Ambris legendärem Kampfgeist zuschreiben. Aber es gibt durchaus rationelle Erklärungen. Kaum ein anderes Hockeyunternehmen in der Schweiz hat ein so gutes Scouting und versteht sich so gut in der Hockey-Diplomatie. Dafür gibt es ein paar Beispiele.

Vier Jahre lang stürmt der ehemalige HCD-Junior Dominic Zwerger (22) auf höchster nordamerikanischer Juniorenstufe – und die Sportchefs vergessen den Österreicher mit Schweizer Lizenz. Aber Paolo Duca denkt an ihn und besucht ihn während der Sommerpause in der österreichischen Heimat. Inzwischen ist Zwerger einer der besten Flügel der Liga. Diese Saison hat er bereits zwölf Tore erzielt – zuletzt das 3:1 gegen Lugano.

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Die Highlights vom Tessiner Derby gegen Lugano. Video: YouTube/MySports

Wann kommt das neue Stadion?

SCB-Trainer Kari Jalonen hält nichts von Marco Müller (24) und gewährte ihm in der Saison 2016/17 nicht einmal zehn Minuten Eiszeit pro Spiel. In Ambri ist der Sohn der Oltner Legende Victor Müller zu einem der besten Schweizer Center gereift, arbeitet pro Spiel mehr als 19 Minuten und hat in 25 Partien bereits 20 Punkte gebucht.

Das Potenzial von Benjamin Conz (29) hat Paolo Duca richtig eingeschätzt. Inzwischen hat Conz in Ambri die bessere Fangquote (92,31 Prozent) als Reto Berra (31), sein fast doppelt so teurer Nachfolger bei Fribourg-Gottéron (91,54 Prozent).

Ambri kann eben nur bestehen, wenn seine Macher smarter, geduldiger und beharrlicher arbeiten als die Konkurrenz. Ambri ist ein Hockeyunternehmen, das nie zur Ruhe kommen darf, weil es aufgrund seines beschränkten wirtschaftlichen Potenzials einen permanenten Existenzkampf führt.

Ambri Stadion neu

So oder so ähnlich soll die neue Valascia dereinst aussehen. bild: hcap.ch

Die Frage ist nicht nur, ob das spektakuläre Vorwärtshockey Ambri bis in die Playoffs trägt. Ambri arbeitet neben dem Eis nicht weniger leidenschaftlich am Jahrhundert-Projekt: am Bau der neuen Arena, für 7000 Fans, die, – so die Hockey-Götter wollen – im Sommer 2021 fertig sein und 53 Millionen kosten soll und Ambri endlich bessere wirtschaftliche Voraussetzungen bringt.

Es ist eine atemberaubende Flucht nach vorne auf und neben dem Eis und Ambri ist jetzt grad drauf und dran, Lugano davonzulaufen.

Ambri seit der Einführung der 3-Punkte-Regel

2006/07: 25 Spiele, 29 Punkte, Platz 9/9. Schlussrang
2007/08: 25 Spiele, 20 Punkte, Platz 11/11. Schlussrang
2008/09: 25 Spiele, 25 Punkte, Platz 11/11. Schlussrang
2009/10: 25 Spiele, 13 Punkte, Platz 12/12. Schlussrang
2010/11: 25 Spiele, 16 Punkte, Platz 12/12. Schlussrang
2011/12: 25 Spiele, 28 Punkte, Platz 9/11. Schlussrang
2012/13: 25 Spiele, 23 Punkte, Platz 11/10. Schlussrang
2013/14: 25 Spiele, 47 Punkte, Platz 4/7. Schlussrang
2014/15: 25 Spiele, 25 Punkte, Platz 11/11. Schlussrang
2015/16: 25 Spiele, 30 Punkte, Platz 10/10. Schlussrang
2016/17: 25 Spiele, 22 Punkte, Platz 12/12. Schlussrang
2017/18: 25 Spiele, 29 Punkte, Platz 11/11. Schlussrang
2018/19: 25 Spiele, 40 Punkte, Platz 7

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    Alle Leser-Kommentare
  • San Ro 11.12.2018 12:13
    Highlight Highlight Als ich vor ca 3 Jahren im Rahmen einer Saisonvorschau (anderes Medium) kommentierte, dass Ambrì mit dem ewigen Selbstmitleid und Lugano-Bashing aufhören sollte, wenn sie jemals wieder "Erfolg" haben wollen, habe ich ca. 30 "Daumen hoch" & ca. 200 "Daumen runter" plus etliche Verwünschungen geerntet. Ich will mich damit überhaupt nicht als Experte aufspielen. Ich lag oft genug falsch. Oh ja :-)
    Worauf ich hinaus will: Schon lustig, wie viele damals motzten & wie offensichtlich nun alles scheint.
    Und als HCL-Fan: Schön ists wieder ein wenig spannend und herzig, wie sie noch vom Playoff träumen.
  • TEE-Zug 10.12.2018 11:14
    Highlight Highlight Ich mag es Ambri gönnen! Kleiner Klub mit Herz und (wieder) guter Politik: mit dem Haushalten was man hat.
    Diesen Weg betreibt der EHCB seit seinem Wiederaufstieg mit Erfolg. Gruss aus Biel
  • Thomtackle 10.12.2018 10:02
    Highlight Highlight Der Titel ist wirklich lächerlich. Das ist eine Momentaufnahme. Substantiell wird Ambri dem HCL sicher nicht davon laufen. Sie leisten eine hervorragende Arbeit und das finde ich Klasse. Aber jetzt schon so zu tun als würde der HCL von Ambri abgelöst ist schon sehr weit her geholt.
  • Fosi 09.12.2018 22:25
    Highlight Highlight Endlich wird seit Jaaahren mal wieder positiv über Ambri berichtet. Das man Ambri in der Prognose auch schon als Abstigskandidat beschrieben hat, wird nun natürlich auch schön geredet.

    Kompliment an das ganze Team!
    Wollte eigentlich nur noch dazu vermerken, dass ich Kubalik im September als heimlicher Ligatopscorer wertete. Und nun..? ;)
    Freue mich aber leider schon jetzt für ihn, sich als Knipser nächste Saison in der NHL ein Namen zu machen.
  • 1 dicken Huhn 09.12.2018 22:19
    Highlight Highlight Der match war die reinste Party!
  • marak 09.12.2018 21:48
    Highlight Highlight Das ist alles toll und ich wünsche mir ein gutes Gelingen. Ob aber in der Leventina langfristig ein 7000er Stadion überlebt ...
  • salamandre 09.12.2018 18:36
    Highlight Highlight ...und immer etwas vom Schönsten, Lugano davonzulaufen
    • Thomtackle 09.12.2018 22:40
      Highlight Highlight Dann geniess es noch...
    • BigMic 09.12.2018 23:36
      Highlight Highlight Wir schauen dann im Februar....
  • Amboss 09.12.2018 18:12
    Highlight Highlight Eine tolle Entwicklung, die Ambri da gerade macht.

    Aber der letzte Absatz in diesem Artikel ist wirklich ein Witz. Der Neubau des Stadions wird also definitiv nicht leidenschaftlich vorangetrieben, sondern seit Jahren rausgeschoben, vertröstet etc...
    Ob es diesmal wirklich Ernst ist... ? Das wissen auch nur die Götter...
    Eigentlich dürfte Ambri schon seit Jahren nicht mehr in der NLA spielen.
    Ambri kann wirklich froh sein, dass die Liga immer und immer wieder alle Augen inkl Hühneraugen zudrückt.
    Sage ich als Ambri-Fan .
    • Ad Sch 09.12.2018 19:14
      Highlight Highlight man muss auch anmerken, dass einsprachen das gelingen des stadionprojektes arg in rücklage brachten...in tessiner medien war auch bereits die Verschwörung erwähnt worden, dass seitens lugano die einsprachen erhoben wurden um ambri ein bein zu stellen.
    • Adam Gretener (1) 09.12.2018 21:24
      Highlight Highlight Ad Sch, Du bist ein Scherzkeks. Einsprachen können nur direkt Betroffene machen. Personen mit berechtigten Interessen – zum Beispiel Grundeigentümer, Bauberechtigte, Kaufberechtigte, Dienstbarkeitsberechtigte, Mieter oder Pächter. Alle anderen nicht, also auch nicht der HC Lugano. Bleiben wir doch bei der Wahrheit.
    • Ad Sch 10.12.2018 00:50
      Highlight Highlight es gibt auch fern vom sotto ceneri lugano sympathisanten...in der Gemeinde Quinto soll so ein scherzkeks wohnen...
    Weitere Antworten anzeigen
  • mukeleven 09.12.2018 17:45
    Highlight Highlight schöner bericht klaus.
    und vorbildliche, leidenschaftliche arbeit in ambri - das darf neidlos ausgesprochen werden.

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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