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Choreography of Ambri's supporters during the preliminary round game of the National League Swiss Championship 2017/18 between HC Ambri-Piotta and HC Lugano, at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Friday, September 29, 2017 (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

In Ambri wird gespart ohne den Klub sportlich zu ruinieren. Bild: TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Es ist möglich, mit Verstand zu sparen – Ambri beweist das

Geht es nur mit dem grossen Geld? Nein. Ambri ist drauf und dran, mit einer klugen Strategie der sportlichen und wirtschaftlichen Vernunft den Ligaerhalt zu schaffen und einen grossen Sieg für unser gesamtes Hockey zu erringen.



Um Ambris Situation besser verstehen zu können, beginnen wir nicht mit einer Polemik oder vergnüglichen Wortspielereien, sondern mit staubtrockener Statistik: Ambri hatte die Saison so schwach begonnen wie seit 5 Jahren nicht mehr: 7 Punkte aus 9 Partien.

In früheren Jahren war ein solcher Start ein Grund zu heftiger Polemik. Zu Forderungen der Tessiner Medien nach Kurswechsel und Trainerentlassung.

Ambris Trainer Luca Cereda, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem HC Ambri Piotta, am Sonntag, 24. September 2017, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Trainer Luca Cereda bleibt in Ambri unbestritten. Bild: KEYSTONE

Doch nun ist es anders. Trainer Luca Cereda und sein gleichaltriger Sportchef Paolo Duca blieben unbestritten. Trotz hohem sportlichem Wellengang segelt Ambri mit einer sanften Brise durch den Hockey-Herbst – und hat sich inzwischen mit drei Siegen (in Genf, Kloten und gegen Lausanne) in den vier letzten Spielen auf Platz 8 vorgearbeitet. Ambri rockt im Kampf um den letzten Playoff-Platz. Wie ist das möglich?

Im letzten Frühjahr hat Präsident Filippo Lombardi nach der schmählichen Verbannung in die Liga-Qualifikation gegen NLB-Meister Langenthal dem Wahn abgeschworen, besser zu sein als Lugano. Ambri hat zu seinen Wurzeln, zu seiner Identität zurückgefunden und das Vereinsschiff Männern des Vertrauens aus dem eigenen Tal übergeben.

Luca Cereda und Paolo Duca. Männer, die in der eigenen Juniorenbewegung gross geworden sind. Die das Eishockey und Ambri kennen. Und Präsident Filippo Lombardi, der charismatische Selbstdarsteller, hält sich erstmals vornehm zurück und heizt die Stimmung nicht mit unüberlegten Statements an.

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Paolo Duca teilte als Spieler auch mal aus. Video: YouTube/amordeo76

Ambri hat wieder eine eigene Identität entwickelt. Und die knappen Mittel sinnvoll investiert. Nicht in teure Schweizer Spieler. Die eigenen Nachwuchsspieler bekommen eine Chance und werden von vier Ausländern unterstützt. Luca Cereda, der Trainer des Farmteams, ist nun Cheftrainer in Ambri. Er kennt die jungen Spieler.

Diese klug ausgearbeitete Strategie der Rückkehr zu den eigenen Werten hat der grosse Hockeyphilosoph Roland von Mentlen – er lebt in der Leventina – vor gut einem Jahr mitentwickelt. Er war, welch eine Ironie des Schicksals, einst als Sportchef der Architekt der vier Meistertitel des EHC Kloten (1993, 1994, 1995, 1996).

«Die Leute haben unseren neuen Kurs verstanden.»

Paolo Duca, Ambri-Sportchef

Der Saisonstart mit einem Derby-Sieg in Lugano (4:3) war wie die Hochzeitsnacht vor einer langen Ehe. Inzwischen ist der Alltag eingekehrt. Von den acht nächsten Spielen gewann Ambri nur noch eines (gegen Langnau) und das zweite Derby ging verloren. Aber eben: das Krisenspektakel ist ausgeblieben und die Stabilisierung ist wieder gelungen.

Sportchef Paolo Duca sagt: «Die Leute haben unseren neuen Kurs verstanden. Niemand sagt jetzt, so gehe es nicht weiter und man müsse wieder alles ändern.» Das ist ein gutes Zeichen.

Ambri's players celebrate their victory, during the preliminary round game of the National League Swiss Championship 2017/18 between HC Ambri Piotta and HC Lausanne, at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Friday, October 13, 2017. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Die Botschaft der Vernunft ist in Ambri angekommen und auch die Fans stehen dahinter. Bild: TI-PRESS

Die Botschaft der Vernunft, der Rückkehr zu den Ursprüngen ist angekommen. Und das hat viel mit Trainer Luca Cereda und Sportchef Paolo Duca zu tun. Sie vertreten die neue Philosophie glaubwürdiger als jeder Präsident oder Verwaltungsrat. Weil sie diese neue Philosophie im Hockey-Alltag vorleben. Das neue Ambri personifizieren. Weil sie sich nicht durch Vetternwirtschaft vereinnahmen lassen, sondern das Leistungsprinzip für alle durchsetzen. Wenn die Anhänger Ambris ehrlichen Männern wie Luca Cereda und Paolo Duca nicht mehr vertrauen – wem dann noch?

Wie lange dieses Verständnis anhält, wie viele Niederlagen die neue Kultur erträgt – niemand weiss es. Aber die Einsicht, dass dieser neue Weg der einzige ist, der noch bleibt, setzt sich ganz offensichtlich durch.

Nach seinem fünfjährigen Gastspiel in Zug (bis 2007) hat Paolo Duca die letzten zehn Jahre in Ambri als charismatischer Captain geprägt, ehe er im letzten Sommer direkt von der Kabine ins Büro des Sportchefs wechselte. Er ist jetzt nicht mehr Captain der Mannschaft. Er ist der Kapitän des Vereinsschiffes, der den sportlichen Kurs steuert. Die ersten 100 Tage im Amt, die jedem erst einmal kritiklos zugestanden werden, sind nun vorüber und die erste Bilanz ist eine positive.

Ambri's player Dominic Zwerger celebrates the 1-1 goal, during the preliminary round game of the National League Swiss Championship 2017/18 between HC Ambrì Piotta and HC Davos, at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Saturday, September 9, 2017. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Dominic Zwerger: Die Rolex vom Transferwühltisch. Bild: TI-PRESS

Duca hat die heikle Torhüterfrage klug gelöst: Benjamin Conz ersetzt Sandro Zurkirchen. Und er hat auch bereits seine Rolex auf dem Transferwühltisch gefunden. Flügelstürmer Dominic Zwerger (21). Mit 12 Punkten aus 14 Partien Ambris bester Spieler mit Schweizer Lizenz.

Duca hat den ehemaligen HCD-Nachwuchsspieler mit österreichischem Pass und Schweizer Lizenz direkt aus dem kanadischen Juniorenhockey geholt. Die Konkurrenz hat ihn übersehen.

«Zwerger hat sich aus sportlichen Gründen für uns entschieden.»

Paolo Duca, Ambri-Sportchef

«Nein, so ist es nicht» sagt Ambris Sportchef. «Andere kannten und wollten ihn auch. Er hat sich aus sportlichen Gründen für uns entschieden. Wir haben ihm keine Position in der Mannschaft fest zugesagt oder Eiszeit versprochen. Aber wir haben ihm die sportlichen Perspektiven bei uns aufgezeigt und die haben ihn überzeugt. Er kann sich bei uns weiterentwickeln. Wir sind ein Ausbildungsclub. Das ist unsere Chance, wenn wir einen Spieler zu uns holen wollen.»

Paolo Duca und sein Trainer haben bisher alles richtig gemacht. Sie zeigen einen gangbaren Weg der Vernunft, des Sparens mit Verstand auf. Ambri hat sich nach langen Jahren der Ausbeutung durch nordamerikanische Hockey-Imperialisten – am schlimmsten war letzte Saison der italienisch-kanadische Operettensportchef Ivano Zanatta – die Freiheit im Denken und Handeln zurückerkämpft.

Wenn es gelingt, bis Ende Saison nicht von diesem neuen Kurs abzuweichen und den Ligaerhalt zu schaffen, dann ist es nicht nur ein Erfolg für Ambri. Dann ist es auch grosser Sieg für unser Eishockey.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tikkanen 17.10.2017 17:46
    Highlight Highlight ...ach Chlöisu, recht hast du👍🏻Meine ersten Erinnerungen am Ambri gehen auf Anfang 90er zurück🤔Die Liibli mit den Sternen, auf dem Bitz Cracks wie McCourt, Bullard, Millen (der anschliessend mit LA bis ins Finale 93 stürmte), die ganzen CH-Kanadier wie Antisin, Honegger, Astley, Fair und Fritsche🤗Dann 2-3 Celios, 2 Jaks und später die Russkys Petrov, Chibirev und Malkov😁Dazu die Hühnerhautstimmung trotz vieler SCB Niederlagen (La Montanare ooheeh), die urchigen Urner, flotten Urnerinnen👸🏼, die Zug- und Busfahrten.Komme direkt ins Schwärmen, Forza Ambri, gehörst auf ewig in die NLA🐻😎🍻
    • play off 17.10.2017 22:55
      Highlight Highlight Ob sie ewig ins A gehören, entscheidet der Sport und nicht Tikkanen!
  • olllli 17.10.2017 14:34
    Highlight Highlight Also wenn schon müsste man Biel als Beispiel nehmen. Die haben kein grosses Budget (dieses Jahr rund CHF 14 Mio) und trotzdem kommen sie fast jedes Jahr in die Play Offs. Dazu kommt es noch das sie Jahr für Jahr ihre beste Spieler (letzte Saison Haas und Sutter) verlieren. Ich bin kein Biel Fan aber ich habe grossen Respekt vor Sportchef Steinegger.
  • Amboss 17.10.2017 13:58
    Highlight Highlight Das richtige Personal und ein vernünftiges Konzept scheinen sie aktuell zu haben in Ambri.

    Aber zur wirtschaftlichen Vernunft gehört noch was anderes: Geeignete Infrastruktur.
    Die Valascia, so geil dieses Stadion auch ist, genügt einfach nicht, um das Überleben des Vereins mittel-bis langfristig zu sichern.
    Ambri täte gut daran, hier jetzt aber wirklich mal vorwärts zu machen.

    • Tavares 17.10.2017 16:02
      Highlight Highlight ich glaube gerade das Gegenteil.
      Ambri verliert einen Teil des Charms mit der Valascia.
      Wenn ein neues super dupi Stadion kommt, wird die Miet-/Zinsbelastung steigen, aber wegen dessen kommt kein Fan mehr ins Stadion. Nach Ambri geht man, weil es Kult ist, nicht weil man ein Cüpli trinken will...
    • mukeleven 17.10.2017 16:05
      Highlight Highlight Das machen sie ja - fahr mal durch den Gotthard gegen Sueden, auf Hoehe Flugbahn scharf rechts schauen, dort ist die Baustelle...
    • play off 17.10.2017 16:48
      Highlight Highlight Mukeleven...ich weiss zwar nicht was dort gebaut wird, aber ganz sicher keine Eishalle. Nicht mal die Finanzierung steht für den Bau, geschweige denn, wo es stehen soll.
  • supremewash 17.10.2017 13:53
    Highlight Highlight Nur weil dieses Jahr Kloten (wieder) im grösseren Elend ist, macht das Lombardis Arbeit auch nicht besser.
  • Ohniznachtisbett 17.10.2017 13:44
    Highlight Highlight Für die Playoffs reichts natürlich ohne Schillerfalter nicht. Vielleicht in einer Operettenliga aber nicht in der NL. Bandengeneral Cereda tut gut daran, wie einst die Alten Eidgenossen ennet des Gotthards, gegen die Habsburger, mit taktischer List gegen Übermächtigen Hockeygrossmächte anzutreten. Im Gegensatz zu Goethes Faust, konnten Sie den Packt mit dem Teufel lösen. Gelernt bei den nahen Urnern... und wer ist hier der Geissbock??? Etwa Inti Pestoni ;)
  • IfyouNeverNevergoyouwillNeverNeverknow 17.10.2017 13:07
    Highlight Highlight Ich weiss ja, dass niemand den EVZ mag, allen voran unser lieber Eismeister. Wenn aber jemand in den letzten 15 Jahren im CH-Eishockey mit Vernunft gespart hat, dann eben genau diese EVZ. Nach 2002, kurz vor dem finanziellen Kollaps, wurde konsequent an der wirtschaftlichen Gesundheit der Organisation gearbeitet... heute ist der Verein dank cleverem Management und konsequenter Kostenkontrolle gesund.
    • SalamiSandwich 17.10.2017 14:34
      Highlight Highlight Ja der EVZ hat dieses Jahr auch wieder schwarze Zahlen geschrieben aber das nimmt niemand zur Kenntnis.
    • welefant 17.10.2017 15:27
      Highlight Highlight Naja, 💩 auf die anderen.
      #💙
    • Hallo22 17.10.2017 15:49
      Highlight Highlight Mittlerweile bewegen wir uns umsatz mässig sogar in den sphären des ZSC. Nur der SCB macht noch deutlich mehr Umsatz....
  • Arutha 17.10.2017 12:24
    Highlight Highlight Eine Saison die erst etwas mehr als einen Monate alt ist, ist noch kein Beweis.
  • Rookie 17.10.2017 11:57
    Highlight Highlight ..und bis zum nächsten "salvare Ambri" schmilzt knapp der Schnee am Gotthard. Wenn sie Erfolg mit Ihrem Konzept haben, Chapeau!! Bis anhin war die Zündschnur für Kurzschlussreaktionen einfach zu kurz.
  • MARC AUREL 17.10.2017 11:27
    Highlight Highlight Zaugg übertreibt wiedermal! Die Siege waren gegen Strichklubs die selber grosse Probleme haben und ob sie wirtschaftlich vernünftig handeln werden wir ende Saison sehen! Was die Identität anbelangt stimme ich zu.
    • energywolf 17.10.2017 12:27
      Highlight Highlight Aber eben, das sind genau die Spiele, die man gewinnen muss!!! Das gibt Selbstvertrauen und so kann man zwischendurch auch mal einen "Grossen" vernaschen.
    • Ardkev 17.10.2017 12:32
      Highlight Highlight Das sind doch gerade Teams die man schlagen muss um ein Wörtchen um die play-offs mitzureden? 😊
    • virus.exe 17.10.2017 14:03
      Highlight Highlight Siege gegen die Strichklubs sind eben die wichtigen. Wenn alle diese gewonnen werden, ist der halbe Mist bereits gekarrt. Dann noch Nadelstiche gegen die "Grossen" setzen und der Strich ist schon sehr nahe.

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