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Coach Arno del Curto of HC Davos reacts during their Swiss ice hockey play-off final match against Kloten Flyers in Kloten near Zurich April 12, 2011. REUTERS/Miro Kuzmanovic (SWITZERLAND  - Tags: SPORT ICE HOCKEY)

Stets mit vollem Engagement bei der Sache: Arno del Curto wie er leibt und lebt. Bild: MIRO KUZMANOVIC/REUTERS

Wechsel eigentlich kein Tabu mehr

Eismeister Zaugg

Weshalb der SCB die Jahrhundert-Chance, Del Curto nach Bern zu holen, verpassen wird

Noch nie war die Chance so gross, Arno Del Curto vom HC Davos wegzulocken wie heute. Aber der SC Bern   wird diese Jahrhundert-Chance verschlafen.



Kein anderer Trainer im Schweizer Teamsport (Eishockey und Fussball) prägt Stil und Spiel seiner Mannschaft so stark wie Arno Del Curto. Er ist auf seiner ewigen Suche nach dem perfekten Spiel ein rastloser Hockey-Revoluzzer und ein taktischer Trendsetter.

Seit biblischen Zeiten (seit 1996) führt er den HC Davos. Wir erleben gerade, dass seine Führungsmethoden ewig funktionieren. Je grösser die Herausforderung, desto besser Arno Del Curto. Vor der Saison sind dem HCD schwierige Zeiten geweissagt worden – und jetzt steht die Mannschaft in der Spitzengruppe.

Der Davoser Trainer Arno Del Curto beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und den Kloten Flyers am Dienstag, 16. September 2014, in der Vaillant-Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Allen Widrigkeiten zum Trotz spielt Arno Del Curto mit dem HCD ganz oben mit. Bild: KEYSTONE

Ende Saison läuft der Vertrag des wichtigsten Schweizer Hockeytrainers des 21. Jahrhunderts aus. Seit Arno Del Curto in Davos zum Kulttrainer aufgestiegen ist, wird er alle paar Jahre wieder mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Mit Lugano, Kloten, den ZSC Lions, Zug und hin und wieder kokettiert er mit dem Job eines Nationaltrainers. St. Petersburg in der KHL hatte er einmal bereits zugesagt und blieb dann doch in Davos.

Verlängert Arno Del Curto seinen Vertrag beim HC Davos erneut? Je nach Sichtweise können wir sagen: Zum Glück oder leider. Der HCD braucht Arno Del Curto. Er ist der beste Markenbotschafter, den der HCD in der Neuzeit hatte. Wahrscheinlich ist es nur mit dieser charismatischen Persönlichkeit möglich, den Standortnachteil auszugleichen. Und was wäre ein Spengler Cup ohne Arno Del Curto?

Es geht nichts ums Geld

Aber noch nie seit 1996 waren die Chancen so gross, Arno Del Curto von Davos wegzulocken. Es geht nicht ums Geld. Das ist es, was es so schwierig macht. Auch wenn der Engadiner inzwischen ordentlich bezahlt wird: Geld war für ihn nie ein Grund, in Davos zu bleiben. Es ist die Loyalität zu seinen Spielern und zum Klub, die ihn oben in den Bergen hält und die von den schlauen HCD-Präsidenten geschickt genützt wird.

Der aktuelle HCD-Vorsitzende Gaudenz Domenig ist ein erfolgreicher Wirtschafsanwalt. Einer, dem es gelingt, Richter davon zu überzeugen, in seinem Sinne zu entscheiden, ist auch dazu in der Lage, Arno Del Curto von Notwendigkeit einer Vertragsverlängerung zu überzeugen.

Aber nichts währt ewiglich. Er ist jetzt 58. Wenn er doch noch einmal eine neue Herausforderung suchen will, dann sollte er das vor seinem 60. Geburtstag tun. Ich kann mich täuschen. Aber mir scheint, dass ein Wechsel für ihn nicht mehr tabu ist.

Der Davoser Trainer Arno Del Curto beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem HC Davos am Samstag, 1. Februar 2014, in der Resega-Eishalle in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Wenn nicht jetzt, wann dann? Für Arno Del Curto ist ein Wechsel nicht mehr ausgeschlossen. Bild: TI-PRESS

Für Arno Del Curto gibt es ja nur noch eine Herausforderung: den SC Bern. Und im Grunde müsste es auch für den SCB nur einen Trainer geben: Arno Del Curto.

Das Geschäftsmodell SC Bern funktioniert bestens. Aber sportlich kann der SCB seine nationale Ausstrahlung mittelfristig nur bewahren, wenn er sich sportlich neu erfindet. Mit einem Trainer, der seine Leidenschaft auf die Mannschaft überträgt. Kein anderes Hockeypublikum reagiert auf das Wesen und Wirken der Mannschaft so sensibel wie jenes in Bern. Ja, SCB-Manager Marc Lüthi ist der erste und bis heute einzige Manager, der einen Trainer gefeuert hat, weil er das Gefühl hatte, es werde langweiliges Hockey gespielt (es handelt sich um Larry Huras).

Keiner könnte im Berner Hockey-Tempel so rocken wie Arno Del Curto. Sportchef Sven Leuenberger müsste alles Menschenmögliche unternehmen, um Arno Del Curto (und wenn möglich auch noch Leonardo Genoni als Ersatz für Marco Bührer) auf nächste Saison nach Bern zu holen. Aber er kann nicht.

Del Curtos Karriere bleibt unvollendet

Der SCB hat sich in der Trainerfrage unsinnigerweise bereits im letzten Januar bis Ende der nächsten Saison (bis 2016) festgelegt und damit in eine Sackgasse manövriert. Dabei ist jetzt schon abzusehen, dass Guy Bouchers Versuch, auf dem Planeten SCB ein taktisches NHL-Enklave zu errichten, mittelfristig ebenso scheitern könnte wie das «Larifari-Experiment» mit Antti Törmänen. Der eine war zu tolerant und der andere ist zu stur.

SCB Sportchef Sven Leuenberger praesentiert die Neuerungen im Kader der ersten Mannschaft des Schlittschuhclubs Bern, am Dienstag, 11. August 2009 in der neuen PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

SCB-Sportchef Sven Leuenberger wird nicht zuschlagen. Bild: KEYSTONE

Aber es ist für Marc Lüthi und Sven Leuenberger gänzlich ausgeschlossen, jetzt hinter dem Rücken von Guy Boucher mit Arno Del Curto zu verhandeln.

Es ist, wie es ist: Der SCB wird die «Jahrhundert- Chance» zur Verpflichtung von Arno Del Curto verpassen. Und ich befürchte, dass Arno Del Curtos Karriere irgendwie eine unvollendete bleibt. Weil er nie Bandengeneral beim SCB war. Und dass auch in der Geschichte des SC Bern für immer ein Kapitel fehlen wird. Weil das wichtigste Hockeyunternehmen des Landes nie von Arno Del Curto geführt worden ist.

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