Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Zuercher Trainer Marc Crawford applaudiert seiner Mannschaft, im Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und Lausanne HC, am Dienstag, 14. Januar 2014, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

zürcher hockeymaschinerie

Vor den Playoffs den grossen Service machen

Davos vermochte die grosse, mächtige Hockeymaschine der ZSC Lions nicht zu stoppen. Jetzt geht es bei den Zürchern darum, die kommende Olympiapause gut zu überstehen.

klaus zaugg

Die ZSC Lions verwandelten am späten Sonntagnachmittag das Eishockey, ein unberechenbares Spiel auf rutschiger Unterlage, in eine exakte Wissenschaft. Wie nach Lehrbuch machten sie gegen einen starken HC Davos aus einem 0:3 ein 4:3. Während der unaufhaltsamen Fahrt zum Triumph verursachte das temporäre 0:3 keinen Maschinenschaden. Es war nur ein kaum wahrnehmbares Rütteln. Wie bei der Fahrt über eine kleine Bodenwelle. Alles lief ungestört weiter. 

4. Linie gleicht aus - Stars sorgen für Entscheidung

Marc Crawford änderte mit ein paar Handgriffen an den taktischen Hebeln bloss ein wenig die Richtung. Nach dem dritten Treffer wechselte er den Torhüter. Nicht aus Ratlosigkeit. Sondern aus Berechnung. «Um das Momentum im Spiel zu ändern.» Er liess die Maschinen weiterhin voll auf allen vier Zylindern (Linien) stampfen und die vierte Linie «powerte» den Ausgleich (2:3 und 3:3) herbei. Fürs Finale justierte er lediglich die offensive Feuerkraft, fasste die drei talentiertesten Stürmer (Wick, Nilsson, Cunti) wieder zu einer Linie zusammen und das Trio erzielte, wie vom Coach beabsichtigt, den Siegestreffer.

Luca Cunti, von links, von Zuerich, Roberto Nilsson und Roman Wick jubeln beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Ambri-Piotta am Dienstag, 10. Dezember 2013, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Das wohl beste Stürmertrio der Liga: Cunti, Nilson und Wick, von links. Bild: Keystone/Ennio Leanza

Kein Wunder sagte Marc Crawford wörtlich: «This is a smart hockeyclub.» (deutsch: Das ist ein intelligenter Klub) Er rühmte sein Team. Den Willen, die samstägliche Niederlage (2:4 in Fribourg) zu korrigieren und die Wende herbeizuführen. Die Ausgeglichenheit, die es möglich machte, dass der vierte Sturm (!) den Ausgleich durch die Kombination aus Wucht und Geradlinigkeit erzwang. Und schliesslich den finalen Stich ins HCD-Herz durch die «big guns». Seit den Zeiten von John Slettvolls «Grande Lugano» (von 1986 bis 1991) und der «Belle Epoque» des HC Davos (2002 bis 2011) hat nie mehr eine Mannschaft diese taktische Perfektion und Reife erreicht. Um diese Überlegenheit zu erklären, ist ein Blick zurück erforderlich.



Amerikanische Hockeykultur eingeführt

NHL-General Bob Hartley (jetzt Calgary) heisst der Ingenieur, der diese Hockey-Maschine entworfen und die ZSC-Kultur von Grund auf verändert hat. Er setzte im Herbst 2009 die Disziplin und die Arbeitseinstellung nach NHL-Massstäben durch, die inzwischen das fast vergessene Erfolgsgeheimnis dieser ZSC-Maschine sind. Um ein Haar wäre Bob Hartley bei diesem Versuch, eine neue Hockeykultur zu etablieren, schlechte Gewohnheiten abzustellen und die Stars aus der Komfortzone aufzuscheuchen, gescheitert. Bloss auf Platz 7 schafften damals die Zürcher die Playoffs – und holten die Meisterschaft. 

ZSC Trainer Bob Hartley stemmt den Meisterpokal nach dem siebten Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions am Dienstag, 17. April 2012 in der Postfinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bob Hartley führte die ZSC Lions in der Saison 11/12 zum Meistertitel. Bild: Keystone/Peter Klaunzer

Bob Hartley kehrte in die NHL zurück und die Zürcher haben mit Marc Crawford, auch aus der NHL, den richtigen Verwalter für das ruhmreiche Erbe des meisterlichen Generals gefunden. Crawford verlangt von den Spielern eher noch mehr als Hartley, und toben kann er sowieso noch viel schlimmer. Von einem Larifari-Betrieb sind die ZSC Lions so weit weg wie Stadt Zürich von einer Mitte-Rechts-Regierung.

Olympia-Pause gut überstehen

Aber wir haben gegen Davos auch gesehen, dass im Eishockey selbst Titanen wie die ZSC Lions auf dünnem Eis stehen. Symbolisch die Szene, die zum 0:1 führte: Verteidigungsminister Marc-André Bergeron stolperte, sein erster Stellvertreter Mathias Seger rutschte ins Leere und die Scheibe war im Netz. Die ZSC Lions wankten, sie bogen sich unter dem Druck und der in dieser Phase chirurgischen Präzision der HCD-Offensive. Aber sie brachen nicht. Der HCD hat den 3:0 Vorsprung nicht durch vermeidbare Fehler aus den Händen gegeben, oder durch taktische Fehldispositionen verspielt. Die ZSC Lions entrissen den Bündnern Spiel, Führung und Sieg. Die Davoser hatten schlichtweg keine Chance, diese grosse, mächtige Hockeymaschine zu stoppen.

Marc Crawfords grosse Herausforderung ist es nun, dieses hohe Niveau über die Olympia-Pause hinweg in die Playoffs zu retten. Das sieht der Kanadier allerdings nicht so: «Nein, das ist keine Herausforderung. Die Voraussetzungen sind ja für alle gleich, auch unsere Konkurrenten haben eine Olympiapause. Wir haben während der ganzen Saison gut gearbeitet und als Lohn für unsere Anstrengungen können wir nun ohne Druck die Playoffs vorbereiten. Wir kommen nicht mehr in die Lage, Spiele in der Qualifikation unbedingt gewinnen zu müssen.» Oder anders gesagt: Marc Crawford kann sich darauf konzentrieren, die grosse, mächtige Hockeymaschine ZSC Lions zu warten, gut zu ölen und zu justieren. Er muss vor den Playoffs nur noch den grossen Service machen.

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Der Grösste aller Zeiten geht – im Stil des Grössten aller Zeiten

Arno Del Curto (62) ist nicht mehr Trainer in Davos. Eigentlich unvorstellbar. Ein trauriger Tag für unser Hockey? Nein. Arno Del Curto verlässt die Arena als Sieger.

Die erste spontane Reaktion kommt von Chris McSorley: «One of the saddest days I've had since 2001».

Der Kanadier, der im Wesen und Wirken Arno Del Curto am nächsten kommt, hat recht und wieder auch nicht. Natürlich ist es hockeytechnisch ein trauriger Tag, wenn Del Curto sein Amt niederlegt. Nun ist McSorley der «Dinosaurier» der Liga. Er arbeitet seit 2001 in Genf und es passt, dass ausgerechnet er am Freitag der nächste Meisterschafts-Gegner der Davoser ist.

Aber es gibt auch eine andere …

Artikel lesen
Link to Article