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27.09.2014; Freiburg; Eishockey NLA - HC Fribourg Gotteron; Timo Helbling (Pius Koller/freshfocus)

Der SC Bern verpflichtet Bad Boy Timo Helbling. Bild: Pius Koller/freshfocus

Eismeister Zaugg

SC Bern: Vom Bärenpark zum Jurassic Park

Werden die «Big bad Bears» zu den «Big dumb Bears»? Es ist zu befürchten. Der Tausch von Ryan Gardner (36) gegen Timo Helbling (33) ist ein Schritt zurück ins letzte Jahrhundert.



Auf den ersten Blick hat SCB-Sportchef Sven Leuenberger Fribourgs Sportdirektor Christian Dubé über den Tisch gezogen. Mit Timo Helbling wird der SCB um drei Jahre jünger, mit Timo Helbling bekommt der SCB einen aktuellen Nationalspieler und wird mit Ryan Gardner einen alten ehemaligen Nationalspieler los. Mit Timo Helbling ergatterte der SCB den Verteidiger, der nach Mark Streit am meisten Spiele in Nordamerika bestritten hat - über 300 bei den Junioren, in den Farmteamligen und in der NHL (11 Spiele/1 Assist). So sieht es der SCB-Fan.

Der neutrale Beobachter kommt zu einem anderen Schluss. Der unter NHL- General Guy Boucher eingeleitet Rückfall in die Hockey-Steinzeit wird nun also fortgesetzt und verstärkt. Es ist zwar nur konsequent, die Spieler zu verpflichten, die der Trainer wünscht, den man durch alle Böden hindurch stützt. Aber wenn diese Entwicklung vom Bärenpark zum Jurassic Park weiter geht, wird es schwierig, später wieder in die Gegenwart, zum Hockey des 21. Jahrhunderts zurückzukehren. Mit der totalen Unterordnung unter die Wünsche des Trainers geht der SCB ein hohes Risiko ein.

Helbling: Kein kompletter Verteidiger

Timo Helbling ist ein feiner Kerl, ein leidenschaftlicher Hockeyspieler und ehrgeizig dazu. Ein Musterprofi. Er verkörpert den Idealtyp des stockkonservativen SCB-Bandengenerals: Gross, kräftig, mutig und ohne alle spielerischen Flausen. Ein böser defensiver Hockeysoldat, der in der NLA schon fünf Saisons mit mehr als 100 Strafminuten hinter sich, aber in der Qualifikation noch nie mehr als 15 Skorerpunkte gebucht hat.

Biels Ahren Spylo, rechts, pruegelt sich mit Fribourgs Timo Helbling im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg Gotteron, am Samstag, 6. Dezember 2014, in der Eishalle in Biel. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Helbling scheut keinen Konflikt. Bild: KEYSTONE

Was Guy Boucher erst noch feststellen wird: Timo Helbling neigt immer wieder dazu, seine spielerischen Fähigkeiten zu überschätzen und im Bestreben, Mark Streit oder Roman Josi nachzueifern, macht er haarsträubende Fehler und begeht unverzeihliche taktische Disziplinlosigkeiten. Fürs Eishockey von heute braucht es allerdings komplette Verteidiger, die scheibensicher, spielerisch verlässlich, taktisch diszipliniert, schnell und kreativ sind – all das, wofür der Name Timo Helbling nicht steht. Deshalb hat Christian Dubé alles daran gesetzt, Timo Helbling einem anderen Sportchef unterzujubeln.

Ein schmaler Grat

Der SCB sollte dringend einen Verjüngungsprozess einleiten. Vor einem Jahr tauschte Sven Leuenberger mit Alex Dostoinow (25) gegen Marc Reichert (35) die Gegenwart gegen die Zukunft ein. Nun hat er Mauro Dufner (20) an Biel verloren und holt dafür Timo Helbling (33). Erneut geht ein Stück Zukunft verloren, wieder wird Vergangenheit eingekauft.

Der Unterhaltungswert wird immerhin gross, ja grandios sein. Der kräftige Timo Helbling wird es ordentlich rumpeln lassen – und auf Unterhaltungswert kommt es beim SC Bern ja an. Timo Helbling kann mit über 100 Strafminuten mehr zu dieser Unterhaltung beitragen als mit 20 Skorerpunkten. Die grösste Zuschauerkulisse ausserhalb der NHL will unterhalten sein. Es ist eben der Balanceakt zwischen Gaudi und sportlicher Qualität. Mit Guy Boucher ist bis zu einem gewissen Grade Unterhaltung garantiert – aber auf Kosten der sportlichen Entwicklung. Auf Kosten der Zukunft.

21.03.2015; Bern; Eishockey NLA Playoff - SC Bern - HC Davos; 
Ryan Gardner (Bern) enttaeuscht nach dem Spiel
(Urs Lindt/freshfocus)

Gardner wechselt im Tausch zu Fribourg Gottéron.  Bild: Urs Lindt/freshfocus

Mit Ryan Gardner geht ein Center. Wenn der SCB nächste Saison ein Spitzenteam sein will, braucht es jetzt drei neue erstklassige ausländische Mittelstürmer. Und zwar solche, die in Eigenregie Chancen kreieren können. Timo Helbling ist nicht der Spielertyp, der den Stürmern Assists machen kann.

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Playoffs 1985/86

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • manolo 03.04.2015 09:19
    Highlight Highlight vom "saulus zum paulus" lieber "klausi" so wie geschrieben so meine ich es auch! du wo jahrelang immer den rock n'roll, die härte und das nhl-eishockey bei den Berner gepredigt und vermisst hast, willst nun pötzlich alles anders machen! da kann ich nur den kopf schütteln!
  • Brian 03.04.2015 09:07
    Highlight Highlight Unglaublich am gleichen Tag schreibt KZ einen guten Kommentar bezüglich Stillschweigen von den Lakers und dann wieder Provokation und Polemik dies gegenüber Boucher. In Sachen Kommentaren von Spielertauschs ist KZ alles andere als sachlich und kompetent. Wie hat er letztes Jahr kritisiert ein solches Talent wie Dostoinov mit Reichert zu tauschen. Was hat Dostoinov Ambri gebracht? Mein Kompliment bei Rappi-Beitrag muss ich bei diesem Beitrag um 100% drehen, solchen Schwachsinn zu schreiben, alles andere als Eismeister-würdig!
  • klugundweise 03.04.2015 08:36
    Highlight Highlight Ein Eishockey-Fossil äussert sich zur Zukunft.
    Einzig das hat Unterhaltungswert, aber einen sehr kleinen....
  • länzu 03.04.2015 08:17
    Highlight Highlight Ich dachte zuerst an einen Aprilscherz und kann mich kaum erholen. Leuenberger tauscht ein Fossil gegen das andere ein. Helbling ist hüftsteif, langsam, macht viele Fehler und viele unnötige Fouls. Dafür liess er dufner und Grossniklaus ziehen. Nun, ich denke, die ehemaligen Cracks des SCB sollten die Ausrüstung nicht einmotten. Kann gut sein, dass Racuh, Beutler, Montandon etc. noch ein Angebot kriegen.
    Boucher sollte definitv kein Mitspracherecht haben. Die Fälle von Reichert und Rüfenacht haben gezeigt, dass er zuwenig über ndeue Spieler weiss. Nur gross und kräftig reicht nicht.
  • SCBDude 02.04.2015 21:49
    Highlight Highlight Ein nutzloser Dpieler im Tausch für einen anderen. Beide Verträge laufen gleich lang, aber Helbling verdient sehr viel weniger als Grossverdiener Gardner. Wo macht hier der SCB den Fehler?
    • simu1986 03.04.2015 15:20
      Highlight Highlight Der Lohn von Gardner wird weiterhin vom SCB bezahlt.. You made my day, hahaha :)
    • SCBDude 03.04.2015 18:15
      Highlight Highlight Nicht laut Gotterons Website. Dort steht: Beide Spieler werden zu ihren üblichen vertraglichen Bedingungen übernommen. Wer lesen kann ist im Vorteil!
  • BOSELLI 02.04.2015 21:27
    Highlight Highlight Chloisu...zuviel in die Augen der russischen Schönheit gekuckt?
    Deine Argumente wie es denn Berner Anhänger sehen ist irgendwo im Fantasieland hergeholter .ullshit!
    Und noch ein Fact,Helbling hat die beste Statistik der Lotterons!
    Weiter behauptet Chloisu Bern brauche 3 Ausländercenter....und Plüss?Center des 4. Blockes?

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