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CEO Marc Luethi waehrend der Saison-Medienkonferenz des SC Bern am Montag, 1. September 2014, in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)..

Marc Lüthi: Auf dem Feldzug gegen die Hockey-Justiz?
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

SCB-General Marc Lüthis gefährlicher Versuch, Schiris und Justiz zu entmachten

SCB-General Marc Lüthi rüstet zum Feldzug gegen die Hockey-Justiz und die Schiedsrichter. Aber er hat bereits einen schweren politischen Fehler gemacht.



Das TV-Auge ist überall. Selbst wer sorgfältig darauf achtet, hinter dem Rücken der Schiedsrichter eine Missetat zu begehen, wird in der Regel erwischt. Entweder entdecken TV-Ankläger Stephane Auger oder die beiden Schiedsrichterchef Brent Reiber und Beat Kaufmann das Foul.

Immer wieder werden so Fouls, die während des Spiels ungeahnten geblieben sind, doch noch entdeckt und die Bösewichte einer gerechten Bestrafung zugeführt. Diese «orwellsche Überwachung» trägt viel zur Disziplinierung der Bösewichte und damit zum Wohl des Spiels bei.

19.11.2014; Bern; Eishockey - Swiss Ice Hockey Federation
National League Versammlung; 
Schiedsrichter Brent Reiber und Beat Kaufmann
(Urs Lindt/freshfocus)

Brent Reiber (links) und Beat Kaufmann.
Bild: Urs Lindt/freshfocus

Zurück in die Steinzeit? Nein Danke!

Marc Lüthi ist dieser «Überwachungs-Staat» ein Dorn im Auge. Er hat einen brisanten Antrag eingereicht: Schluss mit Bestrafung von Tätern, die von den Schiedsrichtern nicht erwischt worden sind. Mit einer schriftlichen Eingabe zuhanden der Nationalliga-Versammlung vom Mittwoch verlangt er eine Rückkehr zur guten alten Zeit. Ab nächster Saison soll ein Foul, das während des Spiels übersehen worden ist, ungeahndet bleiben. Bloss noch die Klubs sollen das Recht haben, Bestrafungen von übersehenen Fouls aufgrund von TV-Bildern zu verlangen. Um es etwas polemisch an einem Beispiel aus dem Alltag zu erklären: Wer durchs Dorf rast und von der Radarkontrolle nicht erwischt wird, geht straffrei aus.

Kommt Marc Lüthi mit diesem gefährlichen Antrag durch, dann kehren wir zurück in die Steinzeit. Wir geben leichtfertig ein technisches und juristisches Mittel aus der Hand, das uns hilft, das Eishockey sauberer und besser zu machen.

Dem machtbewussten grossen SCB-Zampano geht es im Kern der Sache um noch mehr: Er will die Macht der Schiedsrichterabteilung brechen. Die Schiedsrichter sollen wieder auf die Rolle der Spielleitung reduziert werden. Die TV-Bilder sind heute ein griffiges Instrument der Schiedsrichterchefs um Recht und Ordnung auf dem Eis auch dann durchzusetzen, wenn die «Polizei auf dem Eis», die Schiedsrichter, ein Vergehen übersehen haben. Das stört Marc Lüthi & Co. Wenn schon ein Video-Urteil, dann nur eines, das vom Klub verlangt wird. Das lässt immer die Möglichkeit offen, sich untereinander abzusprechen und mit einem Telefon zum Sportchef des anderen Klubs zu verhindern, dass ein Video eingereicht wird.

Dieses Vorgehen passt ins Bild: die Ligageneräle wollen alles selber bestimmen. Die einstige Gewaltentrennung zwischen Liga (Klubs) und Verband gibt es nicht mehr. Es sollen möglichst alle – Nationaltrainer, Schiedsrichter, Verbandsfunktionäre – nach der Pfeife von Marc Lüthi und seinen Freunden tanzen.

Marc Luethi, CEO des SC Bern, kontrolliert seine Brillenglaeser an einer Medienkonferenz, am Montag, 31. August 2015, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Nach wie vor ist Marc Lüthi kein durchtriebener Machiavellist. Das macht ihn sympathisch.
Bild: KEYSTONE

Lüthi noch kein Machiavelli

Wie gross ist die Chance, dass Marc Lüthi mit seinem gefährlichen Antrag bei der Liga-Versammlung durchkommt? Sehr klein. Er hat einen schweren politischen Fehler gemacht. Anträge, die vom SCB, von den ZSC Lions oder Davos, von den wirtschaftlichen Titanen der Liga kommen (von Davos über Zürich nach Bern verläuft die «Achse des Bösen»), lösen unabhängig vom Inhalt bei der Konkurrenz tiefes Misstrauen aus. Der SCB-General hätte einen befreundeten «kleinen» Klub wie die SCL Tigers oder Ambri, besser noch einen aus der NLB (z.B. Langenthal, Visp) beauftragen sollen, diesen Antrag einzureichen. Das zeigt uns: nach wie vor ist Marc Lüthi kein durchtriebener Machiavellist. Das macht ihn sympathisch.

Es würde mich nicht wundern, wenn Marc Lüthi seinen Antrag am Mittwoch im Laufe der Diskussion selber zurückziehen würde. Womit dem Eishockey gedient wäre.

P.S. ganz nebenbei wollen die Klubs auch, dass es keine Bussen mehr für unkorrekte Spielerausrüstung (wie zu lockere Helmriemli) gibt. Das dürfte durchkommen.

So steht es um die 12 NLA-Trainer (Stand Februar 2016)

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