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Kevin Schläpfer muss bei Langenthal mit wenig Geld auskommen.
Kevin Schläpfer muss bei Langenthal mit wenig Geld auskommen.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Die Prognose zur Swiss League und warum Kevin Schläpfer beim Meister zum «Spar-Onkel» wird

Welch eine Ironie: Langenthals Sportchef Kevin Schläpfer ist berühmter als jeder Spieler in der Swiss League und ist der bestverdienende Angestellte seines Klubs. Aber er muss sich ausgerechnet beim Titelverteidiger als «Spar-Onkel» durchsetzen. Die verrückteste Geschichte aus der zweithöchsten Liga.
12.09.2019, 18:1813.09.2019, 06:13

Die Saison-Prognose für die Swiss League

  1. Olten
    Kein «Gschtürm» mit dem Geschäftsführer, mit dem Trainer und mit dem ausländischen Personal, eine gute Mischung aus Jugend und Erfahrung, dazu mit Philippe Rytz ein echter Verteidigungsminister und mit seinem Bruder Simon Rytz ein Torhüter mit NL-Niveau – wenn nicht jetzt der Aufstieg, wann dann?
  2. Kloten
    Mit Dominic Nyffeler ein Aufstiegsgoalie, im Gegensatz zur letzten Saison konkurrenzfähige Ausländer, nach Jahren der Irrungen und Wirrungen endlich im Besitze einer honorigen Männerrunde aus der Region und dadurch eine Rückkehr zu den Wurzeln. Aber selbst Meistertrainer Per Hanberg braucht Zeit, um vom letztjährigen «Larifari-Betrieb» unter André Rötheli wieder auf Profihockey umzustellen.
  3. La Chaux-de-Fonds
    Wie bei Olten und Kloten ordnet neu ein Schwede das Spiel des Qualifikations-Siegers. Offensiv ist der Finalist gut genug für den 1. Platz, der sechsfache Schweizer Meister (1968, 1969, 1970, 1971, 1972, 1973) ist nominell so gut wie Olten und Kloten. Aber Kloten und Olten sind defensiv etwas stabiler – und wenn es drauf ankommt, wahrscheinlich auch bissiger. Im Gegensatz zu Kloten und Olten fehlt das wirtschaftliche Potenzial für eine Rückkehr in die höchste Liga.
  4. Ajoie
    Das bewährte «Ajoie-Prinzip» – gutes Coaching, ein guter Goalie, ein Verteidigungsminister und alle Eiszeit den beiden exzellenten Ausländern – wird auch diese Saison wieder funktionieren.
  5. Visp
    Im neuen Tempel wird Visp rocken. Aber erst dann, wenn der notorische Verlierer Matti Alatalo (zweimal im Viertelfinal kläglich gescheitert) rechtzeitig durch einen neuen Trainer ersetzt wird. Und es gibt eine hoffnungsvolle Frage: Kehrt Raphael Kuonen schon während der Saison von Langnau heim nach Visp? Mittelfristig das Potenzial zu einer Rückkehr in die höchste Liga, die der Schweizer Meister von 1962 im Frühjahr 1972 verlassen hat.
  6. Langenthal
    Zum zweiten Mal seit 2010 nicht in den «Top 4». Der vom Spieler und Assistenten zum Chef beförderte Jeff Campbell ist ein charismatischer Leitwolf, der alles hat, um ein grosser Trainer zu werden – aber das Sparprogramm («100'000 Franken Salär sind genug») kostet den Spitzenplatz. Meistergoalie Philip Wüthrich kann ja nicht auch noch Tore schiessen.
  7. Thurgau
    Noch kein Spitzenteam. Aber Trainer Stefan Mair ist der Heinz Ehlers des armen Mannes und holt ein Maximum heraus. In einzelnen Spielen reicht es, um die Titanen erfolgreich herauszufordern.
  8. Sierre
    Hütet euch im Graben, der «Valascia der Swiss League». Der alte Titan Goran Bezina (39, über 800 NL-Partien) organisiert die Abwehr und Aufstiegstrainer Dany Gelinas ist ein schlauer Bandengeneral. Der Aufsteiger ist ein Partnerteam von Servette mit eigener, starker Identität und besser als die «seelenlosen» Farmteams. Sierre hat die höchste Liga 1991 verlassen und nach dem Konkurs von 2013 und dem Neustart in der 3. Liga eine rasante Entwicklung hinter sich: In sechs Jahren mit vier Aufstiegen zurück ins Profihockey.
  9. GCK Lions
    Sechsmal in Serie die Playoffs verpasst. Nun soll es ein neuer Trainer (Michael Liniger) richten. Wie jedes Jahr: Bei weitem gut genug für die Playoffs und am Ende reicht es doch wieder nicht.
  10. Winterthur
    Trainer und Sportchef Michel Zeiter ist in drei Anläufen nicht in die Nähe der Playoffs gekommen. Er verdankt seine Jobsicherheit nicht in erster Linie den Früchten seiner sportlichen Arbeit. Sondern der Freundschaft zu einem wichtigen Geldgeber. Auch mit Misko Antisin als Assistenten und mit Thibaut Monnet als Verstärkung im Sturm wird der ehemalige Leitwolf der ZSC Lions den Playoffs so ferne sein wie der NHL.
  11. Ticino Rockets
    Dreimal ohne Ausländer auf dem letzten Platz. Nun hilft Ambris und Luganos Farmteam auch Lausanne und Davos mit Spielern aus, erstmals wird mit Ausländern gespielt und zum ersten Mal werden die Rockets nicht mehr den letzten Platz belegen.
  12. EVZ Academy
    In drei Jahren zweimal in den Playoffs. Mit dieser Herrlichkeit ist es vorbei: Die besten Talente spielen oben beim EVZ oder bei der Konkurrenz und die Ausländer sind die schwächsten der Liga. Der Abstieg ist wieder eingeführt worden – der Letzte nach der Platzierungsrunde muss mit dem Sieger der MySports League um einen Platz in der Liga spielen – sofern der Amateurmeister aufsteigen will bzw. darf. Die Zuger sind akut abstiegsgefährdet, dürfen aber im Falle eines Falles auf politische Rettung hoffen (Aufstockung der Swiss League?). Denn niemand hat ein Interesse daran, dass ein Farmteam absteigen muss.

Die sieben goldenen Jahre sind vorbei. In Langenthal beginnt eine neue Ära. Mit Sportchef Kevin Schläpfer (49) in der Hauptrolle.

In Biel war der Baselbieter «Hockey-Gott», in Kloten ein tragischer Held und jetzt spielt er den «Spar-Onkel».

Drei Titel (2012, 2017, 2019) haben Langenthal Ruhm und Ehre, aber kein Geld gebracht. Also muss gespart werden. Nach dem Motto «100'000 Franken Salär sind genug» buchstabiert der SC Langenthal sportlich und finanziell zurück. Der Titelverteidiger wird schleichend zu einem Farmteam der SCL Tigers degradiert. Zum zweiten Mal seit zehn Jahren dürfte der Meister die «Top 4» in der Qualifikation verpassen.

Noch im Frühling jubelte man in Langenthal über den Meistertitel.
Noch im Frühling jubelte man in Langenthal über den Meistertitel.Bild: KEYSTONE

Die sportlichen Resultate stehen vorübergehend so oder so nicht mehr im Mittelpunkt. Die Zukunft wird an der Urne entschieden.

Am 15. Dezember kommt der Planungskredit von knapp einer Million für ein neues Stadion und eine etwas mehr als 700'000 Franken teure Sanierung der alten Arena im Schoren vors Volk. Geht die Abstimmung verloren, droht der Rückzug ins Amateurhockey (1. Liga) oder ein Umzug nach Huttwil, wird sie gewonnen, kann es wegen des hartnäckigen politischen Widerstandes mehr als sieben Jahre dauern, bis eine neue Arena steht. Aber 2031 muss das alte Stadion im Schoren zurückgebaut werden – der Baurechtsvertrag läuft aus.

Solche Stadionprojekte wären anderorts kein Problem. Aber in Langenthal hat der Hockeyclub bei weitem nicht die politische Bedeutung wie in Zug, Langnau, Visp oder Olten. Die politische Opposition ist zeitweise hartnäckiger als der gegnerische Widerstand im Schoren. Als das Stadtparlament kürzlich eine Ermässigung der Eiskosten für den Nachwuchs in der Höhe von 125'000 Franken genehmigte, waren die notwendigen 400 Unterschriften für das Referendum in kürzester Zeit gesammelt, um eine Volksabstimmung zu erzwingen. Dabei ist Langenthals Junioren-Abteilung bereits mehrmals vom Verband als beste des Landes ausgezeichnet worden und hat nebst mehreren NL-Spielern auch einen NHL-Star hervorgebracht (Sven Bärtschi).

Sven Bärtschi (links) schaffte es von Langenthal in die NHL.
Sven Bärtschi (links) schaffte es von Langenthal in die NHL.Bild: AP/The Canadian Press

Von Kevin Schläpfers Charisma und Popularität (er genoss hier einst als Spieler Kultstatus) erhoffen sich die Langenthaler Wirkung im Abstimmungskampf. Nebst der Rolle als «Spar-Onkel» sollte er auch noch politischer «Poster Boy» seines Klubs sein.

Ausgerechnet in dieser heiklen Phase muss sich der SC Langenthal unter der Leitung eines neuen Sportchefs und Geschäftsführers neu erfinden und zurückbuchstabieren.

Sämtliche Führungspositionen sind neu besetzt worden. Präsident Stephan Anliker überlässt den Vorsitz nach 17 Jahren dem langjährigen Geschäftsführer Gian Kämpf. Sein Engagement bei Fussball-GC hat ihn zum lokalpolitischen Risikofaktor gemacht. Neuer Chef im Büro ist Peter Zulauf. Jeff Campbell ist vom Assistenten zum Cheftrainer befördert worden, der neue Sportchef heisst Kevin Schläpfer und seine erste Aufgabe war die Verpflichtung neuer Ausländer.

Jahrelang leisteten sich die Langenthaler mit Brent Kelly und Jeff Campbell – die sie einst den Oltnern ausgespannt hatten – die besten und teuersten Ausländer der Liga. Die neuen ausländischen Stürmer Joey Benik (USA) und Andrew Clark (CAN) sind wie der neue Trainer Jeff Campbell vor allem auch eines: nicht zu teuer.

Die Langenthaler sind in finanziellen Nöten. Eigentlich seit dem Wiederaufstieg von 2002. Wie schon 2008 und 2013 mussten sie soeben erneut mit einem Kapitalschnitt die Bilanz retten und die Gruppe der Kernaktionäre um Stephan Anliker um Sanierung bitten. In der Meistersaison resultierte bei einem Umsatz von gut vier Millionen ein Verlust von einer halben Million.

Stephan Anliker ist nicht länger Präsident in Langenthal.
Stephan Anliker ist nicht länger Präsident in Langenthal.Bild: KEYSTONE

Also muss gespart werden. Intern gibt es nun eine Salär-Limite von 100'000 Franken. Philippe Rytz, der wichtigste Verteidiger, durfte deshalb trotz Vertrag zu Olten wechseln. Sein Ersatz Philippe Seydoux kostet nicht einmal halb so viel. Es ist allerdings ein Tausch von 38 gegen 9 Skorerpunkte.

Inzwischen belasten nur noch Captain Stefan Tschannen (35) und der Sportchef die Lohnbuchhaltung mit mehr als 100'000 Franken. «Ich koste doch den Klub gar nicht so viel», wehrt Kevin Schläpfer ärgerlich ab. Stimmt eigentlich: Er hat ein paar Geldgeber mitgebracht und so passt auch er letztlich ins neue Konzept «100'000 Franken Salär sind genug.»

Der Meister hat neben Philippe Rytz mit Robin Leblanc (Rücktritt), Giacomo Dal Pian (Ambri) und Nico Dünner (Lakers) weitere Schlüsselspieler verloren und nicht ersetzt. Geblieben ist Meistergoalie Philip Wüthrich (21), eine SCB-Leihgabe mit Fix-Vertrag bis Ende Saison.

Vermehrt setzen die Langenthaler auf junge Spieler, die ihnen vor allem Langnau mit B-Lizenz für wenig Geld vorübergehend überlässt. So wird der SCL allerdings schleichend zu Langnaus Farmteam degradiert.

Von Titelverteidigung ist schon lange nicht mehr die Rede. Kevin Schläpfer, schon ganz durchdrungen vom neuen Spar- und Bescheidenheitsmodus, nennt die Playoffs als Saisonziel. Dann muss er doch innehalten, lachen und korrigiert: Platz vier oder fünf sollte es, wenn irgendwie möglich, schon sein.

Kevin Schläpfer ist lieber nahe am Eis als im Büro.
Kevin Schläpfer ist lieber nahe am Eis als im Büro.Bild: KEYSTONE

Die neue Rolle des «Spar-Onkels» behagt ihm sowieso nicht so recht. «Ich muss das Eis riechen», sagt er. Aber nun ist eben auch die Schreibtisch-Arbeit gefragt, die zum Job eines Sportchefs gehört, die er aber ganz und gar nicht mag. «In diesem Bereich bin ich in Biel halt entlastet worden.»

Kein Schelm, wer denkt, dass Kevin Schläpfer ganz froh ist, dass ihn ein Vertrag bis 2023 gegen alle Kritik absichert.

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