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Jonas Hiller muss sich gegen Ryan Lasch geschlagen geben: Der Biel-Keeper liess gestern drei Treffer zu. 
Jonas Hiller muss sich gegen Ryan Lasch geschlagen geben: Der Biel-Keeper liess gestern drei Treffer zu. Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Jonas Hiller ist nicht gut genug – und McNamara sollte vielleicht Schläpfer anrufen

Der SCB spielt auf wie ein Grossmeister des Mühlespiels und gewinnt auch das zweite Spiel (3:0). Es wäre Zeit, im dritten Spiel Ersatzgoalie Simon Rytz eine Chance zu geben.
08.03.2017, 05:4608.03.2017, 06:23

Berns unerbittlicher taktischer Realismus verdirbt Biel die Playoff-Freude. In Bern hat der SCB den Auftakt mit 2:1 erst nach Verlängerung gewonnen. Nun war bereits nach zwei Minuten, nach dem 0:1, Lichterlöschen. Am Ende gewann der SCB 3:0. Biels ganze Zuversicht entschwand mit dem haltbaren 0:1. Fortan spielte der SCB wie eine Mannschaft, die noch ein grosses Ziel (den Titel) vor sich hat. Und Biel so wie eine Mannschaft, die schon lange am Ziel aller Wünsche (in den Playoffs) angelangt ist.

Wäre der Chronist faul, könnte er die Erzählungen zum ersten Spiel kopieren, lediglich das Resultat und die Torschützen abändern und noch ein paar Superlative einfügen.

Ein Chronist sagt nach der Partie zu SCB-General Kari Jalonen, etwas habe in diesem zweiten Spiel gefehlt. Der Finne will wissen, was. «Gute Unterhaltung», bekommt er zur Antwort und er sagt: «Aber dem Coach hat es Spass gemacht.»

Ein nahezu perfektes Spiel

Tatsächlich gelingt dem SCB ein nahezu perfektes Spiel. Die Meister geht vor wie ein Grossmeister des Mühlespiels. Der Gegner wird nicht offensiv ausgespielt (es geht also nicht darum, ihm durch das Schliessen von Mühlen die Steine wegzunehmen). Der Gegner wird durch geschicktes Stellungsspiel blockiert bis er keinen Zug mehr machen kann. Diese anspruchsvolle Variante bedingt hohe taktische Kunst. Genau so hat es der Meister praktiziert. Die Defensivleistung, die Neutralisation des gegnerischen Spiels, gelingt meisterlich, beinahe perfekt. «Ob es perfekt war», sagt Kari Jalonen, «kann ich erst sagen, wenn ich das Video gesehen habe.»

Kari Jalonen darf mit seinem SCB zufrieden sein.
Kari Jalonen darf mit seinem SCB zufrieden sein.Bild: KEYSTONE

Biel hat viel zu bieten – aber von vielem ein bisschen zu wenig. Am auffälligsten wirkt sich in dieser zweiten Partie die fehlende Klasse in der Offensive aus. Talent ist teuer. Teurer als Grösse, Gewicht und Kraft. So gesehen zeigt sich der Unterschied der wirtschaftlichen Voraussetzungen zwischen dem Hockeykonzern SC Bern mit über 50 Millionen Franken Umsatz und dem Aussenseiter Biel mit nicht einmal halb so viel Geld in der offensiven Feuerkraft.

Mit Mut und Wucht und Kraft vermögen die Stürmer zwar hin und wieder den Gegner in die eigene Zone zu drücken und im Forechecking zu ärgern. Aber sie sind nicht talentiert genug, um regelmässig ihre Gegenspieler stehen zu lassen oder auszutanzen und so Überzahlsituationen zu kreieren. Wenn ein Gegner taktisch so gnadenlos realistisch spielt und sich nicht dazu verführen lässt, in Konter zu laufen wie der SCB – dann ist Biels Offensive phantasielos wie das Protokoll einer Sitzung des Zentralkomitees der ehemaligen DDR nach dem Durchlaufen der Zensur. Auch im Powerplay.

Biel kann also ein Spiel gegen den SCB vorne nicht entscheiden. «Es ist beinahe unmöglich zu richtigen Chancen zu kommen, wenn eine Mannschaft mit so viel Talent wie der SCB auch noch so gut defensiv spielt», sagt Biels Trainer Mike McNamara.

Also bleibt nur noch die Option, hinten die Entscheidung herbeizuführen. Der Aussenseiter hat gegen den Meister nur eine Chance, wenn er «zu null» spielt. Das erste Spiel wurde in Bern in der Verlängerung 1:2 verloren – ein 1:0-Sieg wäre also theoretisch möglich gewesen.

Die Goalie-Polemik

Nun waren die Bieler beim 0:3 auch theoretisch chancenlos. Und damit sind wir beim Thema. Oder besser: schon beinahe bei einer Polemik. Diese zwei ersten Partien in einem Satz erklärt: Jonas Hiller ist nicht gut genug.

Es gibt einen Einwand gegen eine solche Behauptung. In den letzten fünf Partien hat Biel gegen den SCB nur noch drei Treffer erzielt. Das Problem ist also die Offensive. Nicht der Goalie. Falsch. Wenn vorne zu wenig Tore erzielt werden, ist es erst recht der Torhüter, der die Differenz machen kann. Dann ist es umso schlimmer, wenn er in entscheidenden Phasen haltbare Treffer kassiert.

In Bern lässt der NHL-Titan viel zu früh den Ausgleich zum 1:1 zu. Nun hat er in der zweiten Partie vor der Zeit bereits das 0:1 kassiert. Zwei haltbare Treffer. Torhütertrainer Marco Streit sagt zwar: «Jonas hat diese Saison oft genug alles gehalten.» Das stimmt. Auch deshalb spielt Biel überhaupt in den Playoffs. Aber wir erklären jetzt nur, warum es Biel auch im zweiten Anlauf nicht zur Überraschung gereicht hat. Zum zweiten Mal hintereinander hat Leonardo Genoni das Duell gegen Jonas Hiller für sich entschieden. Die unpolemischen Zahlen der Fangquoten: Leonardo Genoni 100 Prozent,  Jonas Hiller 88 Prozent. Noch Fragen? Nein.

Leonardo Genoni feierte gestern einen Shutout.
Leonardo Genoni feierte gestern einen Shutout.Bild: KEYSTONE

Ginge es nur nach Leistung und nicht auch ein bisschen nach Verdiensten, politischer Bedeutung, Ansehen und Lohn, dann müsste Biels Trainer am Donnerstag im dritten Spiel am Donnerstag in Bern Simon Rytz eine Chance geben. «Das tun wir nicht» sagt Mike McNamara. Und scherzt, dafür werde Jonas Hiller zu gut bezahlt.

Biel muss etwas ändern

Wenn zwei Playoffpartien auf die fast genau gleiche Art und Weise verloren gehen, dann ist es am Verlierer, etwas zu ändern. Die Bieler wollten nach der Niederlage in Bern etwas ändern. Sie sollten härter spielen. Sie kamen tatsächlich wilder, entschlossener aus der Kabine. Liessen gleich eine Serie von Checks folgen. Sie waren mutiger, leidenschaftlicher als in der ersten Partie. Aber nur bis zum 0:1.

Nach dem 0:1 waren die Bieler wieder viel zu brav. Erneut lief alles in geordneten Bahnen. Biel war nicht schlecht. Aber «nicht schlecht» heisst auch nicht gut genug. Das Warten auf den wahren, auf den grossen Jonas Hiller und auf ein aussergewöhnliches Ereignis – und sei es nur eine kernige Provokation – geht weiter. «Wir müssen intensiver spielen» sagt Mike McNamara. «Aber wir werden uns an die Spielregeln halten.» Kein Goon-Hockey. «Das ist nicht unser Stil.»

Kevin Schläpfer hätte Biel wahrscheinlich gar nicht erst in die Playoffs gebracht. Aber jetzt hätte er mit ziemlicher Sicherheit eine verrückte (und regelkonforme) Idee, wie der SC Bern aus dem Konzept gebracht werden könnte.

Vielleicht sollte Mike McNamara seinen Vorgänger anrufen.

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