Sport
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02.05.2015; Prague; Eishockey WM 2015 - IIHF ICE HOCKEY WORLD CHAMPIONSHIP;
Switzerland - Austria;
Denis Hollenstein (SUI) 
(Andy Mueller/freshfocus)

Hängende Köpfe bei der Schweizer Nati nach dem Spiel gegen Österreich. Bild: freshfocus

Eismeister Zaugg

Wir brauchen in Prag ein paar Hockey-Stiefväter!

Jetzt nur keine Panik. Nationaltrainer Glen Hanlon kann zwar der Mannschaft nicht mehr helfen. Es ist nun halt an den Spielern, die Situation bei dieser WM zu retten.

Klaus zaugg, prag



Es gibt unglückliche, unverdiente, dramatische, überraschende oder ehrenvolle Niederlagen. Das 3:4 n. P. gegen Österreich ist eine Niederlage der anderen Art: selbstverschuldet, vermeidbar und schmählich. Sie geht auf das Konto des Trainers. Es war kein Betriebsunfall.

Der Coach kann weder Tore schiessen noch Tore verhindern. Aber der Coach ist das ultimative Alphatier. Er ist dafür verantwortlich, dass seine Jungs bereit sind, dass gewisse Mechanismen (Powerplay, Boxplay) funktionieren und die Chemie stimmt. Er kann Ebbe und Flut der Emotionen beeinflussen. Gute Coaches sind auch dazu in der Lage, während des Spiels entscheidende Impulse zu geben und beispielsweise in einer hektischen Schlussphase für taktische Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Glen Hanlon, left, head coach of Switzerland national ice hockey team, next to John Fust, right, assistant coach of Switzerland's national ice hockey team, speaks to his players, during the IIHF 2015 World Championship preliminary round game Switzerland vs Austria, at the O2 Arena, in Prague, Czech Republic, Saturday, Mai 2, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Glen Hanlon und John Fust konnten gestern die nötigen Impulse nicht geben. Bild: KEYSTONE

So gesehen haben Glen Hanlon und sein Assistent John Fust beim WM-Auftakt auf der ganzen Linie versagt. Sie haben gegen Österreich einfach mal frisch drauflos spielen lassen. Die Trainer und die Spieler waren arrogant (obwohl das natürlich jeder bestreitet). Sie gingen davon aus, dass eine Niederlage gegen diesen Gegner eigentlich nicht möglich ist. Alle dachten und spielten in erster Linie offensiv. 

Aber die Schweizer spielten viel zu wenig intensiv, geradlinig und zielstrebig, um offensiv die Entscheidung zu erzwingen. Sie zelebrierten offensives Operettenhockey. Einen Plan B, eine defensive Alternative, gab es nicht. Als es schliesslich darum ging, wenigstens den knappen Vorsprung (3:2) über die Zeit zu bringen, versagten sie. Die Unordnung auf der Bank und auf dem Eis nützte Österreich zum neuerlichen, zum finalen Ausgleich (3:3).

Ein netter Verlierer

Dass John Fust in heiklen Situationen keine Hilfe sein kann, war zu erwarten: Er war schon bei der U-20-WM als Cheftrainer heillos überfordert. Aber was ist mit Cheftrainer Glen Hanlon?

Er ist kein Konzepttrainer und seine Teams tragen keine klar erkennbare taktische Handschrift. Der freundliche Kanadier hat auch nicht das Charisma von Ralph Krueger oder Sean Simpson. Das weiss er selber. Deshalb verzichtete er nach der Auftaktpleite gegen die Österreicher auf markige Sprüche.

Er hätte sich lächerlich gemacht. Seine ganze Körpersprache drückte Hilf- und Ratlosigkeit aus. Er ist mit der Situation überfordert und weil er das auch nicht verhehlt, geniesst er durchaus Sympathien. Alle mögen ihn. Ein netter, freundlicher Verlierer.

Die Spieler müssen Verantwortung übernehmen

Was nun? Noch ist nichts verloren. Nur keine Panik! Noch kann alles gut werden. So gut diese Pleite gegen Österreich zum Wesen und Wirken von Glen Hanlon passt – wir sollten uns davor hüten, eine Niederlage zu dramatisieren. Das Tor in die Viertelfinals und darüber hinaus ist nach wie vor sperrangelweit offen. Diese Mannschaft hat so viel Talent wie das WM-Silberteam von 2013.

Wir haben also eine hochkarätige Mannschaft und der Verstand sagt: Mit diesen Spielern ist das Viertelfinale Pflicht. Die Niederlage gegen Österreich war einfach ein Betriebsunfall. Aber es gibt auch eine andere Seite. Wir sahen das Spiel, erlebten den Cheftrainer und unser Gefühl sagt: Mit diesem Mann droht uns die Relegation.

Switzerland's Andres Ambuhl celebrates his goal against Austria with team mate Roman Josi (R) during their Ice Hockey World Championship game at the O2 arena in Prague, Czech Republic May 2, 2015. REUTERS/David W Cerny

Die Schweizer Nati hat hochkarätiges Spielermaterial.  Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Wenigstens gibt es nun Klarheit. Es ist an den Leitwölfen im Team, die Dinge zu regeln und dafür zu sorgen, dass die Mannschaft fürs nächste Spiel gegen Frankreich (Sonntag, 20.15 Uhr) bereit ist. Im Falle einer Niederlage beginnt der Abstiegskampf.

Starke Spielerpersönlichkeiten können während einer kurzen Zeit – beispielsweise während eines Turniers – durchaus eine Mannschaft führen und die Leaderrolle übernehmen, die eigentlich der Coach ausfüllen sollte. Unser WM-Team hat keinen Vater an der Bande. Es braucht jetzt viele Stiefväter in der Kabine und auf dem Eis.

Geht's auch ohne Konzept?

Nun wird sich zeigen, ob unsere Nationalmannschaft schon reif und stark genug ist für einen «Selbsterfahrungs-Trainer» wie Glen Hanlon, der seit Jahren erfolglos im Geschäft ist. Oder ob wir nicht genug Talent haben, um konzeptlos erfolgreich zu sein.

Schaffen wir die Viertelfinals, dann können wir sagen: Nach Ralph Krueger und Sean Simpson ist der freundliche Glen Hanlon genau der richtige Mann. Seine Wahl zum Nationaltrainer war ein kluger Entscheid. Wir verneigen uns.

02.05.2015; Prague; Eishockey WM 2015 - IIHF ICE HOCKEY WORLD CHAMPIONSHIP;
Switzerland - Austria;
Trainer Glen Hanlon (SUI) 
(Andy Mueller/freshfocus)

Mit dieser Mannschaft ist noch alles möglich. Bild: freshfocus

Ob wegen oder trotz Glen Hanlon erfolgreich, spielt am Ende des Tages keine Rolle. Die letzte Wahrheit ist immer das Resultat. Im WM-Team von Prag stehen erfahrene Spieler wie Mark Streit, Félicien Du Bois oder Andres Ambühl und charismatische Leitwölfe wie Roman Josi oder Reto Suri. Männer, die wissen, wie kritische Situationen gemeistert werden können.

Wenn die Wende nicht gelingen sollte, dann ist sowieso nicht Glen Hanlon zu hinterfragen. Dann müssen wir jene ernsthaft in Frage stellen, die ihn als Nationaltrainer geholt haben.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Darkside 04.05.2015 00:40
    Highlight Highlight Treffender Artikel. Jetzt zeigt sich, dass es ein grosser Fehler war Seger nicht mitzunehmen. Er wäre als Leader in solchen Situationen Gold wert für das Team, vor allem neben dem Eis. Und wenn man es realistisch betrachtet, schlechter als der überforderte Streit wäre er auf dem Eis auch nicht gewesen. Hanlons Fehler. Der zeigt, dass er das CH Hockey (noch) nicht so kennt wie er es sollte. Im Übrigen gehört meiner Meinung nach die gesamte unfähige Verbandsspitze gefeuert, weil sie es nicht fertig brachten, ihr selbstherrliches Ego zurückzustellen und Simpson zu halten. Weil sie dachten sie wüssten es besser als der erfolgreiche ausgewiesene Hockeyfachmann. Meine Meinung zu Furrer hat ein Vorschreiber treffend festgehalten und Schwarz, naja, die Karikatur eines sich selbst wichtig machenden Funktionärs. Überall gescheitert, aber trotzdem irgendwie immer noch mit dabei. Keine guten Aussichten für unser Hockey, mit solchen Selbstdarstellern an der Spitze. Unser Sport hätte definitiv Besseres verdient.
  • länzu 03.05.2015 14:10
    Highlight Highlight Furrer und Schwarz, die dieses Trainergespann engagiert haben, sollte man schon längstens in die Wüste geschickt haben. Furrer kommt mir vor wie ein Grüssaugust, dessen Aufgabe es vor allem ist, Medaillen umzuhängen und Hände zu schütteln. Und Ueli Schwarz war bis jetzt auf jeder Position im Hockey überfordert. Viele Aktivitäten, aber meistens die Falschen. Und Raffainer scheint mir ein williges Werkzeug von Furrer zu sein. Also, endlich einmal eine grosse Aufräumaktion starten und auch dem Verband eine Führung geben, welche dem Niveau des Clubhockeys entspricht.
  • Chili 03.05.2015 10:21
    Highlight Highlight Ich hoffe inständig das Klaus ein "seich" geschrieben hat und wegen übertriebener Härte auf die Strafbank muss!
    • Staal 03.05.2015 13:46
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