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Maskottchen Speedy darf jubeln, Olten steht endlich wieder im NLB-Final. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Olten im NLB-Final – ein Albtraum für Kevin Schläpfer und eine Warnung für den SCB

Olten walzt über Langenthal hinweg und zieht dank eines 3:2-Erfolgs im Schoren ins NLB-Finale ein. Gottseidank war Klotens Trainer Kevin Schläpfer nicht im Stadion.



Wie ist es möglich, dass sich eine Mannschaft in den Playoffs neu erfindet? Oltens Playoff-Topskorer Lukas Haas (30) erklärt es so: «Lange dachte jeder nur an seine Skorerpunkte und rannte vorwärts. Als wir auch noch gegen die GCK Lions verloren, da dämmerte es einem nach dem anderen, dass es so nicht geht und wir sind zu einer Mannschaft geworden.»

Ja, Olten ist eine Mannschaft geworden. Langenthal war spielerisch besser, talentierter, schneller. Aber die Oltner haben dieses Halbfinale auf eindrückliche Art und Weise gewonnen (4:1). Der Siegestreffer zum 3:2, das Tor, das dieses dramatische Halbfinale am Freitagabend in Langenthal entschieden hat, ist eines der spektakulärsten der ganzen Nationalliga-Saison.

Verteidiger-Floh Anthony Rouiller (174 cm/74 kg) tanzt durch Langenthals erste Formation und schlenzt den Puck unhaltbar ins hohe Eck. Eine Aktion, die den Mut und das Selbstvertrauen der Oltner personifiziert.

Der sehenswerte 3:2-Siegtreffer durch Rouiller. video: twitter

Dieser letzte Sieg in Langenthal müsste zu einem Lehrvideo verarbeitet werden. Um zu zeigen, was Playoffs sind. Wie es möglich ist, spielerische Limiten durch Mut, Leidenschaft, Energie, Zähigkeit und Selbstvertrauen wettzumachen. Und um wieder einmal eine alte Weisheit zu bestätigen: In den Playoffs gewinnt immer der bessere Torhüter. Matthias Mischler (28) war ein charismatischer, selbstsicherer Torhüter. Langenthals Meistergoalie Marco Mathys (29) aber zerbrach unter dem ständigen Druck der Oltner Stürmer.

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Die Highlights von Spiel 5 zwischen Langenthal und Olten. Video: YouTube/MySports

Picasso darf wieder Bilder malen

Über Oltens Playoff-Topskorer Lukas Haas gibt es auch eine Geschichte zu erzählen. Seit der Ankunft von Heinz Ehlers bei den SCL Tigers bekam er die Eiszeit nur noch mit dem Tropfenzähler zugeteilt und er hat diese Saison in Langnau in 24 Partien zwei Skorerpunkte produziert. Er sagt: «Eigentlich habe ich in der ganzen Zeit unter Heinz Ehlers gar nie mehr richtig gespielt. Bis heute weiss ich nicht warum. Ich habe ihn gefragt. Aber er hat es mir nicht gesagt.»

In Langnau heisst es, Lukas Haas sei halt für die NLA zu langsam geworden. Die NLB sei gerade recht für ihn. Die Wahrheit ist wohl eher, dass der eigenwillige Künstler nie bereit war, freudig das defensive Joch zu tragen, das ihm der Trainer auferlegt hatte. Diesen unberechenbaren, schlauen Skorer mit Defensivarbeit zu belasten ist so, wie wenn Pablo Picasso Gartenzäune streichen sollte. Lukas Haas zirkelte in Langenthal die Scheibe in der 34. Minute schlau zum 1:2-Anschlusstreffer ins Netz. Der Anfang vom Ende des Titelverteidigers.

Tigers Lukas Haas, jubelt, waehrend dem Playout - Final Spiel 4 der NLA, zwischen den SCL Tigers und dem EHC Biel, am Samstag, 26. Maerz 2016, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Hatte bei den Tigers nichts mehr zu jubeln: Oltens neuer Playoff-Topskorer Lukas Haas. Bild: KEYSTONE

Der Langnauer hat nun für die Oltner in elf Playoffpartien 15 Skorerpunkte gebucht. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus und für ihn ist klar: «Ich will auch nächste Saison spielen.» Ob bei Olten oder anderswo, sei noch offen.

Olten als Blaupause für den ZSC?

Machen es die ZSC Lions im Halbfinale gegen Meister Bern wie der EHC Olten im Halbfinale gegen NLB-Meister Langenthal? Warum nicht? Die Oltner mahnen mit ihrer Auferstehung an die ZSC Lions, die ja auch durch die Qualifikation getaumelt sind und die auch einen schwedischen Trainer durch einen Nordamerikaner ersetzt haben. Die Oltner als Warnung für den SCB und als Albtraum für den EHC Kloten.

Klotens Trainer Kevin Schläpfer war am Freitagabend weder in Rapperswil (4:2 gegen Ajoie) noch in Langenthal im Stadion. Er genoss einen freien Abend daheim in Sissach. «Das hat mir besser getan. Ich muss Kräfte tanken.» Wo er recht hat, da hat er recht. Wäre er in Langenthal gewesen, wäre er mit schweren Hockey-Zweifeln im Herzen nach Hause gefahren. Gottseidank war er nicht im Stadion.

Klotens Head Coach Kevin Schlaepfer waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem EHC Kloten, am Samstag 3. Maerz 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Kevin Schläpfer steckt mit dem EHC Kloten tief in der Krise. Kann der Abstieg noch verhindert werden? Bild: KEYSTONE

Sein EHC Kloten befindet sich nämlich in einem besorgniserregenden Zustand. Ja, ich habe seit der Einführung der Playoffs (1985) nie eine so zerrüttete NLA-Mannschaft gesehen wie diesen EHC Kloten, der am Dienstag in Langnau jämmerlich 3:4 verloren hat.

Kevin Schläpfer hatte die halbe Mannschaft geschont. Topskorer war Tim Bozon. Die Nummer 8 der internen Skorerliste. Darf man einen solchen Larifari-Betrieb eine Woche vor den alles entscheidenden Playout-Partien dulden? Kevin Schläpfer sagt: «Ob es richtig oder falsch war, werden wir erst hinterher wissen.» Man habe in Bestbesetzung in den zwei vorangegangenen und ebenfalls bedeutungslosen Partien gegen Lausanne ein Zeichen setzen wollen. Diese Demonstration der Stärke endete mit zwei schlimmen Pleiten. 0:6 auswärts und anschliessend 2:7 auf eigenem Eis. «Da musste ich etwas machen.»

«Noch keine Säge gefunden ...»

In Kloten hat sich die Krise inzwischen zu einer tragischen Komödie entwickelt. Aber das Lachen darüber ist kein unbeschwertes, befreites Lachen, sondern ein verlegenes. Als Helfer für den arg gestressten Coach sassen beim letzten Heimspiel die beiden Elite-Juniorentrainer Felix Hollenstein und André Rötheli als Beobachter und Video-Zuschneider auf der Tribüne. Kevin Schläpfer sagt: «Ich finde diese Hilfe toll. So habe ich bereits in der Pause einen Zusammenschnitt der wichtigen Video-Sequenzen.» Diese Hilfe zeige, dass alle am gleichen Strick ziehen.

Ist Kevin Schläpfer naiv? Glaubt er wirklich im Ernst, der grosse Machiavellist Felix Hollenstein, Klotens «Hockeygott» und dessen Kumpel André Rötheli seien Freunde und Helfer? Mit der ihm so eigenen sympathisch-entwaffnenden Art sagt Kevin Schläpfer auf eine entsprechende Frage: «Was soll ich denn sagen? Jedenfalls habe ich nirgendwo im Trainerbüro eine Säge gefunden und auch keine Sägespäne unter meinem Stuhl ...»

ARCHIV --- ZUR ENTLASSUNG VON FELIX HOLLENSTEIN BEI KLOTEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Kloten Flyers Cheftrainer Felix (Fige) Hollenstein im vierten Playoff Finalspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und den ZSC Lions, am Samstag, 19. April 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Sägt Felix Hollenstein etwa am Trainerstuhl von Kevin Schläpfer? Bild: KEYSTONE

Es gibt tiefen Winter, tiefen Schlaf und es gibt auch eine tiefe Krise. Die in Kloten. Könnte der EHC Kloten im aktuellen Zustand im Falle eines Falles eine Liga-Qualifikation gegen Olten gewinnen, das wir soeben in Langenthal gesehen haben? Nein.

Aber Playoff, Playout und Liga-Qualifikation ist, wenn alles, was war, nicht mehr zählt und alles wieder von vorne beginnt. Das ist in diesen Tagen der einzige und schwache Trost für Kevin Schläpfer. Nebst der minimalen Hoffnung, dass vielleicht doch noch Ajoie die NLB gewinnt und dadurch die Liga-Qualifikation hinfällig wird. Weil Ajoie nicht aufsteigen darf.

Da können wir mit dem grossen Nietzsche nur noch sagen: Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach der tristen Klotener Hockey-Realität.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Saasi 26.03.2018 11:25
    Highlight Highlight Auch Ambri muss aufpassen. Der HF Lthal vs Olten war mind so gut wie Ajoie vs Rappi. Beide Serien mind so gut wie Kloten vs Ambri und umgekehrt. Dann nicht vergessen dass Kloten oder Ambri nur mit drei Ausländern spielt, was im NLB Playoff Final auch schon erlaubt ist. Als Langnau aufgestiegen ist, war ich überall fast alleine mit einem Sieg der Tigers. Überall hiess es Langnau hätte keine Chancen und viele tippten max ein Sieg von Langnau. Also ich finde Kloten in einem noch desaströseren Zustand als Rappi beim Abstieg. Und auch Olten wäre damals aufgestiegen. Es gibt einen Aufsteiger!
  • Bobby Sixkiller 25.03.2018 13:07
    Highlight Highlight In Olten wird sowieso immer auf hohem Niveau gejammert. Da muss man nur mal in deren Forum ein wenig lesen. Ich finde, der Verein arbeitet sehr gut. Sie sind in einer ausgeglichen Liga dritte geworden und spielen starke Playoffs. Vielleicht reicht es gar zum Titel.
  • geistfrei 25.03.2018 11:02
    Highlight Highlight kevin ist ein toller playout-coach. aber nur wenn man ihn erst in dieser phase holt. sein zauber ist in kloten bereits verflogen. und ein kevin, der verunsichert ist und sich und alles um ihn hinterfragt, das ist nicht der „hockeygott“, den wir kennen. biel ist nach ihm aufgeblüht (zuerst unter macnamara, dann unter antti). vielleicht hat man in kloten zu grosse hoffnung in ihn gesetzt. einen Vertrag bis 2020! will olten denn aufsteigen? erinnere mich an t-shirt mit gewissem anti-olten-inhalt, das schläpfer getragen hat. wäre eine schöne rache der oltner ;) achja: super spannende nlb-serien
  • Davelus 24.03.2018 20:15
    Highlight Highlight mathis
  • Sissi Macheath 24.03.2018 19:59
    Highlight Highlight Zaugg kann auch nichts positives über Olten schreiben ohne die Langnauer im gleichen Atemzug zu erwähnen. Aber immerhin positve Töne
  • schwiizermeischterevz 24.03.2018 19:49
    Highlight Highlight diese gurkentruppen sollen ruhig unten bleiben. die haben im A aber ganz sicher nichts zu suchen heinomal!
    • Dreitannen1934 24.03.2018 20:59
      Highlight Highlight Komm, lass es einfach sein, kannst deinen Zuger Ferienfrust irgendwo anders ablassen. Momentan gibt es in der NLB mindestens zwei Clubs, die Kloten/Ambri das Leben in einer Ligaquali sehr schwer machen können und auch werden.
    • IchSageNichts 24.03.2018 21:54
      Highlight Highlight EVZ bist du es?
      Benutzer Bildabspielen
    • Titan 24.03.2018 22:04
      Highlight Highlight die hockeylose zeit scheint dem evz fan aufs gemüt zu schlagen...... 🙊
  • Scrj1945 24.03.2018 16:50
    Highlight Highlight Ich hoffe so sehr das rappi gegen ajoie weiterkommt. Einerseits klar weil ich rappi fan bin und auf der anderen seite, weil ich eill das kloten oder ambri sich wirklich gedanke machen müssen. Obwohl ich denke das es kliten sein wird, welche gegen den b meister ran muss
  • Capy aka PHI (formerly known as Pat the Rat) 24.03.2018 16:02
    Highlight Highlight Und wieder einmal versucht der ehrenwerte Herr Zaugg, den EHC Kloten bereits zum Playout-Verlierer zu schreiben...
    Dieses Mal nur mit der Nuance, dass Olten die "Swiss-League" gewinnen könnte/sollte/würde.
  • N. Y. P. D. 24.03.2018 15:54
    Highlight Highlight Kevin Schläpfer hat sich in Biel den Ruf eines Hockeygottes erarbeitet. Er war Kult. Beinahe schon den Status eines Trainers im Bündnerland.

    Und jetzt : Kevin wurde zu einem zaudernden, tief verunsicherten Trainer. Nichts mehr mit Gott und Kult ist er auch nicht mehr.

    Kevin, das hast Du nicht verdient.
    • chr1zz 24.03.2018 19:21
      Highlight Highlight Kevin ist ein guter Motivator. Taktisch aber grottenschlecht.
  • Schnäggebei 24.03.2018 15:45
    Highlight Highlight "Die Oltner mahnen mit ihrer Auferstehung an die ZSC Lions, die ja auch durch die Qualifikation getaumelt sind..."

    Naja gerade getaumelt sind die Oltner ja nicht. Klar, sie hatten teilweise schwache Phasen, die Quali haben sie dennoch immerhin auf Rang drei beendet.
    • Pana 24.03.2018 16:08
      Highlight Highlight Nicht getaumelt? Frag mal nen Olten Fan ;)

      Schlussendlich nur 2 Punkte vor dem 6.
    • Schnäggebei 24.03.2018 16:23
      Highlight Highlight Pana, würd ich ja gerne, aber die Olten Fans sind nach der gestrigen Final Quali noch nicht ansprechbar...alle noch im Freudentaumel ;)
    • Paia87 24.03.2018 16:25
      Highlight Highlight Doch doch, der EHCO hat eine sehr schwache Quali gespielt, nur dank der beiden Torhüter welche Punkte um Punkte retteten konnte man auf dem 3. Rang abschliessen. (Die Entscheidung viel am letzten Spieltag, wobei man gar noch auf den 6.Rang hätte zurückfallen können)
      Nun spielt man endlich Eishockey und steht verdient im Finale und wer in 3 von den 5 Spielen mehr Schüsse auf Tor hatte und auch in den Corsi-Werten vorne liegt war bestimmt nicht spielerisch schlechter oder untalentierter. Aber wenn man nur das gestrige Spiel sah wie Klausi kann man gut diesen Eindruck haben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ass 24.03.2018 15:20
    Highlight Highlight Ich dachte Schläpfer will nie mehr eine Ligaquali bestreiten.
  • mukeleven 24.03.2018 15:11
    Highlight Highlight at the end: a sad story...
  • Momou 24.03.2018 14:44
    Highlight Highlight Werter Herr Zaugg,

    ich mag Ihre weihevollen Artikel sehr. Auch den obenstehenden Artikel ist wie so oft lesenswert. Jedoch ist die Analogie zwischen Olten und Zürich in geringem Grade herbeigezogen. Nicht?
    Abgesehen davon; die Mutzen werden die Löwen zünftig wegputzen! (no risk no fun :)

    Freundliche Grüsse,
    Momou

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