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Schiedsrichter Andreas Fischer entscheidet nach einem vermeintlichen Tor der Zuercher zum 2-2 auf

Auch nach Konsultation des Videos: Schiri Andreas Fischer gibt den 2:2-Ausgleich der Lions nicht.
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Entschuldigung des Schiri-Chefs: Die grösste Dummheit seit Einführung der Playoffs

Schiedsrichterchef Beat Kaufmann entschuldigt sich für die Annullierung des 2:2-Ausgleichstreffes der ZSC Lions in Bern. Gut gemeint ist in diesem Falle das Gegenteil von gut.



Es gehört im richtigen Leben zu den guten Charaktereigenschaften, sich für Fehler zu entschuldigen. Aber nicht in jedem Fall ist im Sport eine Entschuldigung richtig.

Schiedsrichter sind exponiert. Erst recht in Zeiten der Playoffs. Fehler können passieren. Fehler wecken Emotionen. Auf dem Eis, an der Bande, in den Chefetagen, im Publikum – und im 21. Jahrhundert auch in den sozialen Medien.

Schiedsrichter Andreas Fischer diskutiert mit Zuerichs Trainer Marc Crawford im 2. Eishockey Playoff-Viertelfinalspiel der National League A  zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Samstag, 5. Maerz 2016, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Keine Entschuldigung: Schiedsrichter Andreas Fischer erklärt Marc Crawford, warum er den 2:2-Ausgleich annuliert hat.
Bild: KEYSTONE

Im Sturm der Emotionen steht der Schiedsrichter. Ihn und seine Autorität, seine Entscheidungen zu schützen, ist heute wichtiger denn je. Indem Angriffe auf die Schiedsrichter – sei es auf dem Eis, sei es verbal durch Trainer und Offizielle neben dem Eis – bestraft werden. Und die Schiedsrichter müssen sich darauf verlassen können, dass sie diesen Schutz haben.

Das schliessen das Leistungsprinzip, Konsequenzen bei Fehlern und die Transparenz nicht aus. Konkret: Schiedsrichterchef Beat Kaufmann kann sagen, dass die Annullation dieses 2:2 in Bern nicht richtig war und die Regelauslegung im Detail erklären. Er kann auch sagen, intern habe das Konsequenzen. Aber niemals darf er sich gegenüber einem einzelnen Klub entschuldigen. Weil es nichts zu entschuldigen gibt: Fehler gehören zum Sport, sie sind ein Teil des Sports, sie machen die Faszination des Sports aus. Die Schiedsrichter haben ein Menschenrecht auf Fehler. Die Konsequenzen für diese Fehler haben sie in einer gut geführten Schiedsrichterabteilung intern zu tragen.

Aber nach aussen hat sich der Chef vor seine Untergebenen zu stellen und dazu gehört, dass er sich nicht entschuldigt. Beat Kaufmann hat gesagt: «Es ist ein Fehler, der bedauerlich ist und uns keine Freude macht». Das kann er sagen. Aber dann fügt er an: «Dafür entschuldigen wir uns. Aber leider können wir ihn nicht mehr ändern.» Das ist die grösste Dummheit seit Einführung der Playoffs im 1986. In Zeiten der Playoffs werden alle Worte, die aus einer Schiedsrichterabteilung kommen, mit der Goldwaage gewogen und verpolitisiert. Und dazu kommt, dass es sich um eine umstrittene Regelinterpretation und nicht um einen klaren Fehlentscheid geht.

Kommt der Posten des «Entschuldigers»?

Eine Entschuldigung ist ganz etwas anderes als das Eingeständnis eines Fehlers. Wenn sich ausgerechnet der Schiedsrichterchef öffentlich bei den ZSC Lions, bei einem der reichsten, einflussreichsten und verbandpolitisch aktivsten Klubs entschuldigt, aber beim EV Zug für einen viel eindeutigeren Fall nicht – dann bleibt ein ganz, ganz bitterer Nachgeschmack. Und eigentlich wäre es ja jetzt der ideale Zeitpunkt, sich nachträglich beim SCB für das Tor zum 2:1 im siebten Finalspiel von 2012 zu entschuldigen, das den SCB um den Titel brachte und hätte annulliert werden müssen.

Und was ist künftig? Es wäre nun Pflicht, sich für alle Fehler zu entschuldigen. Vielleicht schaffen wir ja den Posten eines «Entschuldigers» und machen ein «Entschuldigungsreglement», das klar sagt, wann sich wer für was entschuldigen muss. Der Sturm der Empörung, wenn sich der Schiedsrichterchef bei einem «Kleinen» wie Langnau oder bei den Welschen oder den Tessinern, nicht entschuldigt, wird gross sein.

11.02.2015; Ittigen; Eishockey - Swiss Ice Hockey Federation National League Versammlung; 
Beat Kaufmann, Schiedsrichter
(Urs Lindt/freshfocus)

Schiri-Chef Beat Kaufmann.
Bild: Urs Lindt/freshfocus

Verschwörungstheorien gehören zum Sport. Kein Schelm, wer nun denkt, dass die ZSC Lions halt mehr Einfluss haben und deshalb bevorzugt behandelt werden. Und für ZSC-Manager Peter Zahner, den seine Bewunderer als grössten Mischler und Machiavellisten unseres Hockeys verehren, ist diese Entschuldigung eine wunderbare Ausrede für das Versagen seiner ZSC Lions und das unanständige Benehmen seines Trainers Mark Crawford: Seht her, wir sind unschuldig, wir sind vom Schiedsrichter benachteiligt worden.

Die Entschuldigung von Beat Kaufmann ist also auch ein Mea Culpa. Mea Culpa (lateinisch: meine Schuld) sind Worte aus dem Schuldbekenntnis-Ritual, das die katholische Kirche sei dem 11. Jahrhundert kennt und untertänigst so vorgetragen werden: «Ich bekenne, ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine grosse Schuld.» Dabei schlägt sich der Sünder an die Brust. Und alles in der Hoffnung, dass die Sünden vergeben werden. Von Gott und im Falle von Beat Kaufmann von den Hockeygöttern der ZSC Lions.

15.03.2014; Zuerich; Eishockey NLA Playoff - ZSC Lions - Lausanne HC;
Peter Zahner, ZSC Lions (Andy Mueller/freshfocus)

Peter Zahner nimmt viel Einfluss auf die Verbandspolitik. Zu viel?
Bild: Andy Mueller/freshfocus

Tatsächlich mischt sich Peter Zahner stärker als jeder andere Manager in die Verbandspolitik ein. Dass Verbandsangestellte einknicken, wenn den ZSC Lions irgendetwas missfällt, ist, wenn wir diesen Fall sehen, offensichtlich. Dabei ist es oberste Pflicht für die Schiedsrichterabteilung, nicht nur unbeeinflussbar zu sein. Sondern auch alles zu vermeiden, was den Eindruck von Beeinflussbarkeit erweckt.

Die Schiedsrichterabteilung taumelt führungslos durch diese Playoffs. Die Entschuldigung von Beat Kaufmann ist gut gemeint. Aber gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Es ist, excusez l’expression, die grösste Dummheit seit Einführung der Playoffs (1986).

«Löwen, geführt von Eseln»

Ein noch krasseres Versagen gibt es im «Fall Julien Sprunger». Nach einem Check des Gottéron-Topskorers ist die Saison von Servettes Daniel Rubin zu Ende. Er hat schwere Kopfverletzungen erlitten.

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Sprungers Check gegen Rubin.
streamable

Während die TV-Bilder im Falle des annullierten 2:2 verschiedene Interpretationen offen lassen, sind sie im «Fall Sprunger» eindeutig: Es ist ein Check gegen den Kopf. Aber die Schiedsrichterabteilung eröffnet nicht einmal ein Verfahren! Die Eröffnung eines Verfahrens, die es möglich macht, den Fall noch einmal in aller Ruhe zu analysieren und von allen Seiten zu betrachten und Stellungnahmen aller Beteiligten einzuholen, wäre zwingend erforderlich. Offen mag dann bleiben, ob es zu einer Sanktion kommt oder nicht.

Erhellend für die Führungsschwäche ist das Bemühen, nur ja nicht schuld zu sein. Verbandspräsident Marc Furrer sagt richtigerweise, er habe sich nicht eingemischt. Die Angelegenheit sei Sache der sportlichen Abteilung von Sportdirektor Ueli Schwarz. Der Präsident muss sich darauf verlassen können, dass seine vollamtlichen Angestellten das Tagesgeschäft erledigen. Ueli Schwarz redet sich aus der Verantwortung und sagt, die Schiedsrichter seien ihm nicht mehr unterstellt. Da sei Verbandsdirektor Florian Kohler zuständig. Und der wiederum erklärt, er finde die Sache in Ordnung, kenne den Wortlaut der Erklärung von Beat Kaufmann aber nicht und könne deshalb nichts sagen.

Für die Schiedsrichter an der Front dürfen wir wieder einmal zitieren, was in napoleanischen Zeiten über die tapferen Soldaten des österreichischen Heeres gesagt worden ist: «Löwen, geführt von Eseln».

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