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SC Bern Cheftrainer Kari Jalonen feiert vor den Berner Fans, bei der Meisterfeier des SC Bern, am Samstag, 27. April 2019, auf dem Bundesplatz in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Die SCB-Fans feiern ihre Meisterhelden – auch im Frühling 2020? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Ein finnischer Goalie für den SCB – oder die vage Hoffnung auf ein Meister-Wunder

Im Dezember 2015 war es Jakub Stepanek. Jetzt heisst der Mann, von dem beim SC Bern alles abhängt, Tomi Karhunen. Vieles ist wie damals. Aber nicht alles.



Das «Experiment Schlegel» ist also gescheitert. Kein Grund zur Häme oder zur Kritik. Es war den Versuch wert. Niklas Schlegel ist beim SC Bern nicht an fehlendem Talent oder gar mangender Einstellung gescheitert. Die ganz besonderen Umstände beim «Bayern München des Hockeys» waren gegen ihn. Es ist keine Schande, wenn einer nicht aus dem Schatten von Leonardo Genoni zu treten vermag. Allerdings hat die sportliche SCB-Führung viel zu lange das Scheitern des Goalie-Experimentes nicht erkannt.

Berns Goalie Niklas Schlegel, links, und Lausannes Goalie Pascal Caminada nach dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Lausanne, am Freitag, 22. November 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die SCB-Goalies Schlegel (links) und Caminada können Meisterkeeper Genoni nicht ersetzen. Bild: KEYSTONE

Schon einmal ist SCB-Sportchef Alex Chatelain der Befreiungsschlag mit einem ausländischen Torhüter gelungen. Damals, im Dezember 2015 war er noch ein Zauberlehrling. Er hatte die Nachfolge von Sven Leuenberger angetreten, der im November in den Ausstand getreten war, weil sein Bruder Lars für den gefeuerten Guy Boucher die Mannschaft übernommen hatte. Er blieb beim SCB als «strategischer Sportchef» und stand Chatelain zur Seite, bevor er im Sommer 2017 nach Zürich zu den ZSC Lions zügelte.

Krise grösser als vor vier Jahren

Damals holten Alex Chatelain (und Sven Leuenberger) Jakub Stepanek. Der Tscheche debütierte am 19. Dezember mit einem 3:1-Sieg in Fribourg und einer Fangquote von formidablen 96 Prozent.

Der SCB lag vor dieser Partie nach 32 Partien einen Punkt vor Ambri auf Rang 8. Die Krise war also nicht ganz so heftig wie heute. Die Berner taumelten durch die Qualifikation und schafften hauchdünn mit 67 Punkten die Playoffs auf Rang 8 vor dem punktgleichen Lausanne. Stepanek vermochte nie restlos zu überzeugen. Die Beurteilungen des ruhigen, sanften Riesen (189 cm/86 kg) schwankten zwischen «Lotter-Goalie» und Hexer. Am Ende war er einer der Väter des wundersamsten aller SCB-Meistertitel.

Berns Goalie Jakub Stepanek jubelt nach dem vierten Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions am Donnerstag, 10. Maerz 2016, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Berner Meistergoalie 2016: Jakub Stepanek. Bild: KEYSTONE

Tomi Karhunen wie Jakub Stepanek? Die Situation ist jetzt eine andere. 2015 war der SCB weder Titelverteidiger noch Meisterkandidat und im urbernischen Selbstvertrauen gab es nach schwierigen Jahren keine Arroganz. Der Trainer (Guy Boucher) war umstritten und ohne meisterliche Meriten und bereits gefeuert und durch Lars Leuenberger ersetzt worden. Verletzungspech war eine zentrale Ursache des Torhüterproblems: Marco Bührer hatte sich eine Fussentzündung zugezogen, die letztlich seine Karriere beenden sollte. Als Stepanek kam, war der Meistertitel kein Thema. Es ging «nur» noch um die Playoffs.

Opfer des eigenen Erfolgs

Was ähnlich war: Neben Verletzungspech hatte ungenügendes ausländisches Personal die Krise mitverursacht. Mit Jakub Stepanek löste der SCB-Sportchef gar seine 8. und letzte Ausländerlizenz ein.

So schwierig die Situation im Dezember 2015 auch sein mochte – sie war «einfacher» als jetzt Ende November 2019. Die Erwartungen waren mit nur zwei Titeln in den vergangenen elf Jahren (2010 und 2013) viel weniger hoch als jetzt nach drei Meisterschaften in vier Jahren. Nach Bouchers Entlassung gab es auch keinerlei Diskussionen mehr um den Trainer. Nottrainer Lars Leuenberger, Jakub Stepanek und die Mannschaft konnten fast nichts mehr verlieren und nur noch alles gewinnen. Kritik an der sportlichen Führung gab es wenig. Die Krise war ja in erster Linie den besonderen Umständen geschuldet. Eigentlich war alles ein aufregendes Abenteuer. Sollte der SCB die Playoffs erreichen, würde eine Party gefeiert.

Der 30-jährige Tomi Karhunen hingegen kommt zu einem SCB, bei dem die meisten eigentlich nur verlieren können. Werden die Playoffs erreicht, so gibt es nach den vier ruhmreichsten Jahren der SCB-Geschichte eher ein «na und?» als eine Party. Eine Krise ist eben mit einer Mannschaft, die in den letzten vier Jahren dreimal die Meisterschaft gewonnen hat, viel schwieriger zu bewältigen. Der SCB wird sozusagen für den eigenen Erfolg «bestraft».

Ambris neuer Goalie Tomi Karhunen im Training am Dienstag, 16. Januar 2018, in Ambri. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Tomi Karhunen soll nun die Kohlen aus dem Feuer holen. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Alles richtig gemacht mit Karhunen

Der Sportchef hat mit Trainer Kari Jalonen bereits bis Ende der nächsten Saison verlängert und die Entlassung des Trainers ist, anders als damals 2015, kein Thema. Die Krise ist viel stärker als 2015 hausgemacht und entsprechend gibt es Kritik an der sportlichen Führung.

SCB-Sportchef Chatelain hat mit Karhunen einen ausländischen Goalie mit Spielpraxis auf europäischen Eisfeldern verpflichtet, der seine Ausstiegsoption aus dem Vertrag für einen Wechsel in die Schweiz, ins gelobte Land des europäischen Hockeys genützt hat. Es ist in dieser Situation die richtige Wahl. Geht es schief, hat er dafür keine Kritik verdient. Ein Abenteuer mit einem ausser Form geratenen oder nicht mehr eingesetzten grossen Namen wäre ein grober Fehler gewesen. Die sportliche Führung hat in einer Krise, die sie mitverursacht hat, nun ihre Hausaufgaben gemacht und die richtige Entscheidung getroffen.

Gibt es berechtigte Hoffnung, dass es im Frühjahr 2020 mit einer Meisterparty enden wird wie 2016? Alles in allem war die Situation aus den dargelegten Gründen vor vier Jahren einfacher. Die Voraussetzungen für ein Wunder waren in der Saison 2015/16 viel besser.

Aber Hoffnung gibt es immer. Im Dezember 2015 glaubte niemand an Titel und Ruhm und es geschah ein Wunder.

Im November 2019 ist das Denken hingegen nach wie vor geprägt von gewonnen Meisterschaften und Ruhm. Die alles entscheidende Frage ist eigentlich die: Ist nach dem schwierigen Herbst die Arroganz nun abgeklungen und wieder so viel Demut in den Chefetagen und in der Kabine eingekehrt, dass ein Titelgewinn als Wunder betrachtet wird?

Nur wenn das der Fall ist, gibt es eine vage Hoffnung auf ein zweites Meister-Wunder.

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    Alle Leser-Kommentare
  • IKEA Kundendienst 29.11.2019 13:50
    Highlight Highlight Alles wird gut....

    Wahrlich ich sage Euch: der SCB wird in den nächsten 30 Monaten 2 neue Rekorde aufstellen.....
  • juergy 29.11.2019 13:09
    Highlight Highlight Dream on.... 😁😁😁 die fetten Jahre sind vorbei !
  • Zbude 29.11.2019 08:45
    Highlight Highlight Hoffnung auf ein zweites Meister-Wunder?
    Jetzt geht es darum, überhaupt mal in die Playoffs zu kommen! Wenn man die aktuelle Tabelle betrachtet, wird das schon schwierig genug!
  • Klaus & Klaus 29.11.2019 05:43
    Highlight Highlight Vom Namen her passt dieser Goalie wie die Faust aufs Auge zum SCB! „Karhu“ bedeutet „Bär“ auf Finnisch. Somit übersetzt sich der Name sinngem. „bärig“ oder so. Und die SCB–Aktien sind ja momentan angesichts der Tabellenlage auch eher bärig...:–)
    • marak 29.11.2019 10:11
      Highlight Highlight He, he. Ich sehe es dann schon vor mir, wenn der KZ vom Gummibären spricht, wenn es mal nicht so läuft.
  • SörgeliVomChristophNörgeli 29.11.2019 03:29
    Highlight Highlight Ach was. Wenn der SCB mit Marco Zuber-Bührer Meister werden konnte, kann er das sicher auch mit Schlegel.
  • Brucho 28.11.2019 23:31
    Highlight Highlight Warum habe ich blos mit niemandem gewettet, dass der SCB noch vor Weihnachten nach ein paar Niederlagen die Hosen voll hat und einen ausländischen Torhüter holt. Ich war mir da zu 100% sicher.
    Aja stimmt, weil ja niemand dagegen gewettet hätte.
    Ich wünsche Schlegel und Caminada, dass der Finne auch nichts helfen kann, hinter dieserer veralteten, langsamen Truppe und der SCB die Playoffs gerade wegen dieser Panik Aktion die Playoffs verpasst.
  • Luque 28.11.2019 22:18
    Highlight Highlight Wie kann man einen Torhüter mit so schlechter Statistik engagieren? Wie lange darf Chatelain noch Sportchef sein? Bei jedem anderen Verein wäre dieser wegen schlechten Transfers entlassen worden!!!
  • Mia_san_mia 28.11.2019 20:02
    Highlight Highlight Diese Bayern-Vergleiche nerven ein bisschen. Da ist der SCB ein bisschen zu klein...
  • Pax Mauer 28.11.2019 19:21
    Highlight Highlight Wann ändert der Suomiclub Bern eigentlich seine Klubfarben in Weiss-Blau?
  • Eiswalzer 28.11.2019 18:31
    Highlight Highlight Hmmm das ist jetzt der Suptertransfer? Der ist eine Ausländerlizenz wert? Ich weiss ja nicht. Müssen die in Bern selber wissen. Vielleicht spielt er ja ganz ordentlich.
    Aber für die beiden CH Torhüter ist das ja der Super Gau. Mehr Vertrauensentzug geht ja kaum. Aber wenn Geld keine Rolle spielt, kann man auch das machen... 😉😉
  • Schönbächler 28.11.2019 18:00
    Highlight Highlight Die erwartungen bei Bern sind nicht umbedingt höher als im 2015. Auch wenn es in den letzen Jahren mehr erfolge gab der Herr Zaugg meint das würde einen einfluss machen. Jede Saison ist ein neubeginn. Qualifikation reicht und sonst einfach kein abstieg und die Saison abhacken.
  • Ambraham (FKA Housi von Wattenwyl) 28.11.2019 17:47
    Highlight Highlight Es ist nicht unmöglich, dass Kari diesen finnischen Goali dem Châlet empfohlen hat. Jetzt muss nur noch ein finnischer GM geholt werden.
  • 123und456 28.11.2019 17:43
    Highlight Highlight Naja. Wenn ich die Stats auf Eliteprospects richtig interpretiere hat er in den letzten 2 und der aktuellen Saison insgesamt 56 Spiele gemacht. Die Fangquoten waren nur bei Brynäs wirklich gut. Bei Kunlun und in Finnland gehörte er wohl in die Region des unteren Durchschnitts.
    Lass mich gerne überraschen aber er wird Caminada/Schlegel kaum um Welten überragen. Bei Ambri hat er übrigens auch gespielt, mit mittelmässigem Erfolg.
  • Tikkanen 28.11.2019 17:39
    Highlight Highlight ...also grundsätzlich schon mal gut, das der Alex nicht irgendeiner gefallenen NHL-Ikone wie Schneider aufsitzt. Karhunen kennt das Grossfeld, bei Kunlun und auch Lahti lieferte er durchaus gefällige Leistungen ab, desweitern kennt der Tuononen den Tomi sicher zur Genüge. Wenn Tomi die ersten 2-3 Spiele stabil steht, kehrt das Vertrauen des Teams in den Goalie zurück, der Negativtrend ist zu Ende. Und noch viel wichtiger als die blutte Personalie des neuen Goalies ist, dass das SCB Management die Situation analysiert und die richtigen Schlüsse gezogen hat, well done!

    Item, Schweizermeister
    • Lindros88 28.11.2019 18:19
      Highlight Highlight Soso, du weisst also wie Karhunen in Lahti und bei Kunlun gespielt hat.
      Teufel noch eins!!! Du bist ja echt ein Fachmann!
    • mukeleven 28.11.2019 18:41
      Highlight Highlight 👀
    • Mia_san_mia 28.11.2019 20:01
      Highlight Highlight @Lindros88: Was ist daran so Überraschend? Es ist nicht mehr wie früher, wo man so etwas nicht mitverfolgen kann. Man sieht es ja schon bei Deinem Profilbild.
    Weitere Antworten anzeigen
  • c_meier 28.11.2019 17:33
    Highlight Highlight ich bin schon mal froh wenn man die Saison irgendwo zwischen 7 bis 10 abschliessen könnte und keine Playouts spielen muss...
  • PatrickS 28.11.2019 17:29
    Highlight Highlight Bayern München des Schweizer Hockey? 😂😂😂😂 Der war gut!!

    Wie wär’s mit Hertha BSC....?
    • DINIMAMIISCHNDUDE 28.11.2019 18:48
      Highlight Highlight Wurde Hertha in den letzten 4 Jahren 3x Meister?
  • MacB 28.11.2019 17:11
    Highlight Highlight #AndersLindbäck 😉
  • Lümmel 28.11.2019 17:01
    Highlight Highlight "Ein Abenteuer mit einem ausser Form geratenen oder nicht mehr eingesetzten grossen Namen wäre ein grober Fehler gewesen."

    Ein Abenteuer mit einem, in den letzten 3 Saisons auch nicht gerade häufig eingesetzten, ohne grossen Namen ist dann besser?

    Wird sich zeigen...
  • Der müde Joe 28.11.2019 16:58
    Highlight Highlight Von zwei Schweizer Lottergoalies, zu einem Ausländer-Lottergoalie?

    Ich mache schon mal Popcorn! 😁🍿
  • Jet 28.11.2019 16:51
    Highlight Highlight Hoffentlich fängt jetzt Bern mit Siegen an....
    Ansonsten lesen wir bis Ende Season nur noch über Bern - bitte nicht
    • Windfahnenprophet und Gotthelfjünger 28.11.2019 17:55
      Highlight Highlight Keine Angst, ein Bericht über Langnau liegt sicher schon bereit, damit es ein bisschen Abwechslung gibt.

SCB-«Lottergoalie» Schlegel wechselt per sofort und bis 2021 zu Lugano

Luganos Sportchef Hnat Domenichelli löst einen Teil des Goalie-Problems beim SC Bern. Er übernimmt ab sofort Niklas Schlegel.

Am Donnerstag zügelt Niklas Schlegel von Bern nach Lugano. Er hat seinen Vertrag beim SCB per Saldo aller Ansprüche aufgelöst und in Lugano einen neuen Kontrakt bis zum Ende der nächsten Saison unterschrieben.

Die Idee hatte nicht Berns Sportchef Alex Chatelain. Wie auch. Es war Luganos Sportchef Hnat Domenichelli, der mit dem Wunsch eines Transfers den SCB-Sportchef kontaktiert hat. Und so hat er einen Teil des SCB-Goalieproblems gelöst. Denn der SCB hat ja für nächste Saison bereits Philip …

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