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ARCHIV --- ZUR ENTLASSUNG VON FELIX HOLLENSTEIN BEI KLOTEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Klotens Trainer Felix Hollenstein, rechts, diskutiert mit seinem Spieler Philippe Schelling, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers am Freitag, 26. September 2014, in der Eishalle Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Felix Hollensein (r.) hat in Kloten nichts mehr zu sagen. Bild: KEYSTONE

Der programmierte Eklat

Eismeister Zaugg

Hollenstein weg, Simpson kommt: Kloten muss für den Teufelspakt büssen – hat dafür aber seine neue Identität gefunden

Felix Hollenstein geht, Sean Simpson kommt und auf der Strecke bleibt das alte Kloten. Nachruf auf einen Dorfverein, der für den Teufelspakt büssen muss. Ein Hollywood-Regisseur hätte alles nicht besser inszenieren können. 



Teufelspakt? Nun, es geht um den faustischen Pakt. Dieser Pakt ist ein mythologisches Handelsbündnis zwischen dem Teufel und einem Menschen. Dabei wird dem Belzebub die Seele gegen Reichtum, Macht, Talent oder ähnliche Gaben versprochen. Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe hat mit dem Drama Faust daraus ein Stück Weltliteratur geschaffen. 

Was hat das nun alles mit den Kloten Flyers zu tun? Nun, die Kloten Flyers haben den berühmtesten faustischen Pakt in der neueren Geschichte unseres Sportes geschlossen.  

Zur Erinnerung: Dem Dorfverein, stolz auf seine Vergangenheit, legendär für seine Nachwuchsförderung, Kult für den Zusammenhalt, länger in der NLA als jeder andere Klub, geht 2012 das Geld aus. Es gibt zwei Möglichkeiten: Untergang oder eben ein ein faustischer Pakt.  

Der neue Trainer der Kloten Flyers Felix (Fige) Hollenstein, links, und der neue Praesident Philippe Gaydoul, rechts, an der Medienkonferenz am Mittwoch, 20. Februar 2013 in der Kolping Arena in Kloten. Der 47-jaehrige Zuercher ersetzt per sofort den entlassenen Tschechen Tomas Tamfal als Headcoach. Tamfal wurde nach der 2:4-Derbyniederlage vom Dienstag gegen die ZSC Lions frei gestellt. Philippe Gaydoul ist bereits gestern Dienstag, 19. Februar 2013 an einer ausserordentlichen Generalversammlung zum neuen Praesidenten der Kloten Flyers gewaehlt worden. Er ersetzt Rolf Mosimann. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Philippe Gaydoul hat Kloten gerettet und jetzt den Fehler mit der Rückkehr von Felix Hollenstein korrigiert. Bild: KEYSTONE

Wir sind weit davon entfernt, Klotens Retter und heutigen Besitzer und Präsidenten Philippe Gaydoul zu verteufeln. Da sei Gott davor! Aber um zu erklären, was das Problem Kloten ist, ein Problem, für das Gaydoul ja gar keine Schuld trifft, eignet sich der faustische Pakt halt am besten. 

In Kloten Gewinne machen ist praktisch unmöglich

Philippe Gaydoul ist ein Unternehmer, gemäss «Bilanz» 1,0 bis 1,5 Milliarden schwer. Er hat die Kloten Flyers gerettet. Aber für die Klotener ist es halt ein Teufelspakt: Sie müssen ihre Seele als Dorfverein verkaufen. Nun gelten die Gesetze des Retters. Philippe Gaydoul will, wie jeder Unternehmer, Erfolg. Klotens Alternative zu Philippe Gaydoul war der Untergang. 1986 hat ein anderer Dorfverein, der EHC Arosa, diesen anderen Weg gewählt und ist aus wirtschaftlichen Gründen freiwillig aus der NLA in die 1. Liga abgestiegen. 

Aber es ist in einem gewissen Sinne auch ein faustischer Pakt für Philippe Gaydoul. Denn er trifft auf Strukturen, die tief und fest in der dörflichen Erde verankert sind und die er nicht einfach so verändern kann. Die letzte Saison hat ihn, trotz Finalqualifikation, gut und gerne sechs Millionen Franken gekostet. Es ist praktisch unmöglich, dieses Hockey-Unternehmen in die Gewinnzone zu führen. Er sitzt in der Falle. Niemand wird ihm die Kloten Flyers abkaufen. Er muss bleiben.  

ARCHIV --- ZUR ENTLASSUNG VON FELIX HOLLENSTEIN BEI KLOTEN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Kloten Flyers Cheftrainer Felix (Fige) Hollenstein, von links, Peter Mueller, Tommi Santala und Denis Hollenstein entaeuscht nach der 0-3 Niederlage im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem HC Ambri Piotta am Dienstag, 25. November 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Klotens Pakt mit dem Teufel hätte kein Hollywood-Regisseur besser inszenieren können. Bild: KEYSTONE

Der Eklat war vorprogrammiert – aber jetzt ist der Fehler korrigiert

Der Eklat war von allem Anfang an programmiert. Zuerst siegen noch die schlauen Klotener und ihre Dorfkultur. Sie erreichen, dass Felix Hollenstein, gleich bei der Machtübernahme im Sommer 2012 von Philippe Gaydoul entlassen, wieder zurückkehrt. Der neue Besitzer hatte durchaus richtig erkannt, dass er für einen Neuanfang in seinem Sinne die Symbolfigur der alten Kultur feuern musste. Es war ein Fehler, dass er Felix Hollenstein zurückgeholt hat.  

Nun ist dieser Fehler korrigiert worden. Der Misserfolg der laufenden Saison hat Philippe Gaydoul die Entscheidung erleichtert. Und die neue Lösung ist so gut, dass sie ein Hollywood-Regisseur nicht besser hätte erfinden können. Hurra, die Simpsons kommen! 

Simpson wird die Flyers zumindest kurzfristig besser machen

Sean Simpson übernimmt nämlich mit seinen Freunden den Klub des Milliardärs. Assistent wird sein langjähriger Freund Collin Muller. Und im Hintergrund zieht Spieleragent Dani Giger die Fäden. Das fällt ihm umso leichter, weil ja sein Freund Sean Simpson nun auch gleich noch als Sportchef fungiert. Es ist keine bösartige Unterstellung, wenn wir vermuten, dass Sean Simpson im Zweifelsfalle dazu neigen wird, eher einen Spieler von Dani Giger zu verpflichten und sich eher nicht als Lohndrücker profilieren wird. 

06.05.2014; Zuerich; Eishockey - Schweiz - Kanada; Trainer Sean Simpson (SUI) und Assistenztrainer Collin Muller (SUI)  (Valeriano Di Domenico/freshfocus)

Sean Simpson und Colin Muller werden kurzfristig sicher für Erfolg sorgen. Bild: Valeriano Di Domenico/freshfocus

Was sind die Folgen? Nun, erst einmal kostet alles sehr, sehr viel Geld. Sean Simpson verdiente als Nationaltrainer etwas mehr als 300'000 Franken netto. So viel wird er auch in Kloten kassieren. 

Die Kloten Flyers werden unter den Simpsons kurzfristig besser werden. Sean Simpson ist ein Resultatcoach, der es sehr gut versteht, aus einer Mannschaft ein Maximum herauszuholen. Er hat mit den ZSC Lions die Champions Hockey League gewonnen, den späteren Stanley Cup-Sieger Chicago gebodigt und die Schweiz ins WM-Finale von 2013 geführt. Philippe Gaydoul hat mit Sean Simpson das Ticket in die Playoffs 2015 gelöst. Dass er diese Saison in der KHL gescheitert ist, fällt nicht ins Gewicht. 

Mittelfristige Probleme warten

Die mittelfristige Perspektive der Kloten Flyers ist nicht ganz so gut. Die Mannschaft muss erneuert werden. Wichtige Spieler wie René Back (32), Micki Dupont (34), Martin Gerber (40), Marcel Jenni (40), Michael Liniger (35), Tommi Santala (35) und Jim Vandermeer (34) sind zwar durchaus noch leistungsfähig, haben ihre Zukunft hinter sich.

19.09.2014; Kloten; Eishockey NLA - Kloten Flyers - ZSC Lions; SChiedsrichter Marcus Vinnerborg un Marcel Jenni (Kloten) (Daniela Frutiger/freshfocus)

Marcel Jenni und viele andere Kloten-Spieler müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Die Erneuerung wird sehr viel Geld kosten. Denn mit der Dorfromantik, die es erst möglich machte, dass dieses Unternehmen 2012 die schwerste wirtschaftliche Krise vorerst ohne Schaden an der Seele überstand (die Spieler blieben), gibt es nicht mehr. Künftig wird das Geld das wichtigste Argument für einen Wechsel zu Kloten sein. 

Was macht Denis Hollenstein jetzt?

Woran ist Felix Hollenstein gescheitert? Ganz einfach am fehlenden sportlichen Erfolg. Die Kloten Flyers leben unter ihrem neuen Besitzer vom Erfolg, nicht von der Romantik, in der NLA dabei sein zu dürfen. Als diese Saison Verteidiger Micki Dupont in der Krise auf Anweisung von oben vorübergehend intern gesperrt wurde, war die Zeit von Felix Hollenstein abgelaufen: Wenn sich das Management ins Tagesgeschäft einmischt, ist die Autorität des Trainers für immer zerstört. 

17.12.2014; Arosa; Eishockey Arosa Challenge - Training Schweiz;
Denis Hollenstein (SUI) 
(Andy Mueller/freshfocus)

Denis Hollenstein kam auch aus familiären Gründen zu Kloten zurück. Was macht er jetzt? Bild: freshfocus

Die Kloten Flyers werden uns mit den Simpsons bestens unterhalten. Und darum geht es ja auch im Sport. Was uns in den nächsten Tagen schon die nächste Story liefert: Wie wird eigentlich Denis Hollenstein auf die Entlassung seines Vaters reagieren? Er ist ja auch aus familiären Gründen wieder zu Kloten zurückgekehrt. 

Immerhin haben die Kloten Flyers ein Problem gelöst. Sie haben kürzlich eine Studie in Auftrag gegeben um herauszufinden, was sie eigentlich sind. Dorfklub? Ausbildungsklub? Nobelklub? Nun wissen sie es. Endlich hat Kloten mit den Simpsons seine neue Identität als Lugano des Nordens gefunden. Teuer, erfolgsorientiert und mit einem sehr hohen Unterhaltungswert.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Amboss 20.12.2014 14:24
    Highlight Highlight Für Kloten gibt es eine super Lösung für die Zukunft: Ab in die KHL! National sind die Aussichten düster: Titel sind kaum zu gewinnen und den Dorfclub-Aussenseiter Charme wie ihn Biel oder Ambri besitzt haben sie auch verloren.
    Aber: Kloten hat einen potenten Geldgeber, eine Infrastruktur welche bestimmt KHL-tauglich ist und liegt unmittelbar am Flughafen.
    Die KHL wäre für die Flyers in ihrer festgefahrenen Situation wirklich eine Perspektive. Mehr noch als für Servette.
    Ich würd mich freuen.
  • olllli 19.12.2014 15:51
    Highlight Highlight Es ist höchste Zeit das in Kloten fertig ist mit Dorfromantik usw.,und es ist höchste Zeit das auch in Kloten die Trainer nur nach Leistungen beurteilt werden und nicht nach ihren gloreichen Vergangenheit.
    Ausserdem tut es Kloten villeicht mal gut wenn nach eine Ewigkeit mit Eldebrink und Hollenstein jetzt Kanadische Übungsleiter am werke sind,
    mal eine neue Philosophie und Hockeykultur wird gut tun.
    • Senftube 19.12.2014 17:43
      Highlight Highlight ...und "den glider in" gleitet endlich ins Klubmuseum... ;-)
      Play Icon
  • Wagner 19.12.2014 15:46
    Highlight Highlight Und Denis wechselt jetzt zu Lugano, Fischer kann ihn sicher überzeugen!
    • Robert E. Lee 19.12.2014 16:50
      Highlight Highlight In dem Fall würde er das Original (Lugano) der Kopie (Kloten) vorziehen...
  • Senftube 19.12.2014 15:43
    Highlight Highlight "Die Simpsons..." köstlich! Wüsste man nicht dass Sean Simpson verheiratet ist, müsste man wirklich annehmen die beiden "Simpsons" seien..... ach lassen wir das. Putzt eigentlich der Lifetime-Assi Muller dem Simpson auch noch die Schuhe oder ist er sein persönlicher Chauffeur, Friseur oder Masseur? Sein persönlicher Butler, alles klar! ;-)
    Benutzer Bild
  • hüetli 19.12.2014 14:46
    Highlight Highlight Dieser Wechsel stand schon lange an, Zaugg hat das ja schon herbeigeschrieben. Hatte Kloten unter Holenstein je ein Spielsystem? Falls ja, war es nie erkennbar. Powerplay und Boxplay muss auch trainiert werden, war das in dieser Saison der Fall? Alles nur Hollenstein auf die Schaufel zu schieben, ist ungerecht. Einen wichtigen Anteil hat Herr Rötheli, ein Spieler ist noch lange kein Chief Sports Officer und als solcher hat er klar versagt, Blum und Bodenmann lassen grüssen, Muller bedankt sich für das warme Nest.
    • länzu 20.12.2014 06:09
      Highlight Highlight Also den Blum kann Kloten gerne zurückhaben. Blum ist der wohl meistüberschätzte Verteidiger der Schweiz. Mutet sich meistens zuviel zu, ist defensiv fahrig und offensiv unentschlossen. Von mir aus ein Fehltransfer des SCB, der nur das Budget stark belastet.
  • Staal 19.12.2014 14:27
    Highlight Highlight der Verein wird halt jetzt zum Retortenverein wie der FREYESCHE Z$C Oder LugaNo. schade um den ehemaligen Sympathieclub.
    • spiox123 19.12.2014 18:00
      Highlight Highlight Sympathieclub?
  • Nummelin 19.12.2014 13:59
    Highlight Highlight Mal endlich ein solide geschriebener Artikel. Danke Herr Zaugg; sie können es also doch! Über Ihren Vergleich mit Kloten blicke ich aus diesen Gründen mal grosszügig hinweg.
  • Goon 19.12.2014 13:48
    Highlight Highlight Dieser Club wird immer unsympathischer.

So sieht der neue Gästesektor in Fribourg aus (es ist ein «Käfig»)

Im Schweizer Eishockey gibt es derzeit ein heiss diskutiertes Thema: Gästesektoren in neuen Stadien. Der mit 200 Plätzen sehr klein ausgefallene Gästesektor im neuen Stadion des Lausanne HC sorgte bei den Fans für Kopfschütteln. Nun hat auch Fribourg erstmals sein (zur Hälfte) neu renoviertes Stadion präsentiert.

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