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Enttaeuschte Spieler des EHC Biel nach der 5-4 Niederlage im sechsten Playout-Spiel der National League A zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EHC Biel-Bienne am Samstag, 5. April 2014, in der Diners Club Arena in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Konsternierte Bieler in Rapperswil. Bild: Keystone

Biel muss in die Liga-Qualifikation

Eismeister Zaugg

Nach dem Hockey-Marignano sind die «Unabsteigbaren» absteigbar geworden

Biel muss in die Liga-Qualifikation. Heisst dort der Gegner Langnau, dann sind die Bieler akut abstiegsgefährdet.



Das Drama trägt den Titel: «Die Tapferen vom Lido.» Seit dem heroischen Rückzug der Eidgenossen nach der Niederlage in Marignano, die 1515 den eidgenössischen Imperalismus beendete, haben wohl nie mehr Eidgenossen so tapfer verloren wie der EHC Biel gegen die Rapperswil-Jona Lakers. 

Lange schien es, als ob nichts, kein Rückschlag, diese Bieler im Schicksalsspiel gegen die Lakers in die Knie zwingen könnte. Sie begannen mit einem Gegentor in Überzahl (0:1). Aber sie gaben nie auf glichen viermal wieder aus. In der Schlussphase schien es gar, als könnten sie dieses Drama gewinnen und am Dienstag zu Hause noch einmal antreten und dem Liga-Stechen gegen Langnau oder Visp doch noch entrinnen.

EHC Biel Torhueter Lukas Meili, von links, Verteidiger Dario Trutmann und Stuermer Emanuel Peter am Boden waehrend dem sechsten Playout-Spiel der National League A zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EHC Biel-Bienne am Samstag, 5. April 2014, in der Diners Club Arena in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Pleiten, Pech und Pannen: Biel muss in die Liga-Qualifikation. Bild: Keystone

Da brach das Verhängnis über die die Mannschaft herein wie die herabfallende Nacht: Zwei Strafen und 82 Sekunden vor Schluss eine drei gegen fünf Unterzahl. 44 Sekunden vor dem Ende traf Rappi-Topskorer Niklas Persson zum 5:4. Die Lakers sind gerettet. Sie haben ihren Ruf, «unabsteigbar» zu sein, einmal mehr bestätigt. Biel muss nun in die Liga-Qualifikation. Und dort sind sie in Gefahr.

Biels Sportchef Martin Steinegger bestätigt, dass, man mit Kevin Schläpfer in diesen Überlebenskampf steigen wird. «Wenn uns einer aus dieser Situation retten kann, dann Kevin Schläpfer». Die Mannschaft stehe hinter dem Trainer, das habe er in den letzten Tagen wieder deutlich gespürt. «Es gibt keinen Aufstand gegen den Trainer und keinen Grund für einen Trainerwechsel.»

Zweimal hat Kevin Schläpfer die ultimative Belastungsprobe Liga-Qualifikation als Nothelfer gegen Lausanne bestanden. Nachdem er die Trainer gefeuert (Heinz Ehlers bzw. Kent Ruhnke) und selber das Kommando übernommen hatte. Nun wird er seine dritten Liga-Qualifikation in Angriff nehmen. Aber nicht mehr als Nothelfer, sondern als Cheftrainer, der die Verantwortung für die prekäre sportliche Situation trägt.

Die Lakers feiern den Verbleib in der NLA. Bild: Keystone

Noch lebt der EHC Biel. Die Bieler haben auch am Samstag beim 4:5 im Lido tapfer gekämpft und nie Zeichen der Resignation gezeigt. Diese Mannschaft ist nach wie vor intakt und der Trainer Kevin Schläpfer Herr der Lage. Die Strafen, die zur Entscheidung führten, waren das Resultat verzweifelter, tapferer Anstrengung und nicht die Folge von Disziplinlosigkeiten.

Biel hat sich zu Tode gespart

Aber warum hat Biel diese Playout-Serie gegen die Lakers verloren wenn doch der Trainer und seine die Spieler eigentlich alles richtig gemacht haben? Nun, Biel hat verloren, weil die Hockeygötter es so wollten. Kein Glück in den entscheidenden Momenten dieses grossen Dramas. Und es gibt auch hockeytechnische Gründe: Erstens: Die Mannschaft hat ganz einfach zu wenig Talent. Schlimmer noch: Diese Mannschaft hat mangels grosser Spielerpersönlichkeiten keine Hierarchie mehr.

Die Ausgeglichenheit über vier Linien ist das Resultat einer Nivellierung nach unten. Die Bieler haben keinen charismatischen Leitwolf, der das Spiel steuern, kontrollieren und lenken kann wie es der schwedische Weltmeister Niklas Persson bei den Lakers getan hat. Der Tapferste der Tapferen steht nicht auf dem Eis. Er steht an der Bande: Kevin Schläpfer.

Der Bieler Headcoach Kevin Schlaepfer, im Playout-Final der 5. Runde der National League A zwischen dem EHC Biel und den Rapperswil-Jona Lakers am Donnerstag, 3. April 2014, im Eisstadion in Biel. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Biel-Trainer Kevin Schläpfer versteht die Welt nicht mehr. Bild: Keystone

Biel hat sich, wie die Langnauer letzte Saison, «zu Tode gespart». Biel hat sich, wie die Langnauer letzte Saison, aufgrund vergangener Heldentaten überschätzt. Die Langnauer meinten nach den Playoffs von 2011 sie seien unabsteigbar. Im neuen Stadion erst recht. Sie investierten nicht mehr in die erste Mannschaft. Sie begnügten sich mit höchst durchschnittlichen Billig-Ausländern. Das Resultat war der Abstieg.

Die Bieler haben zweimal hintereinander die Playoffs erreicht (2012, 2013) und haben nichts mehr in die erste Mannschaft investiert. Sie halten sich für «unabsteigbar». Nach dem Baubeginn fürs neue Stadion (Eröffnung Herbst 2015) erst recht. Sie haben Nationaltorhüter Reto Berra, die Nationalverteidiger Anthony Huguenin, Clarence Kparghai und Thomas Wellinger nicht gleichwertig ersetzt. Die Liga-Qualifikation ist unter diesen Umständen logisch. Eine vorzeitige Rettung wäre ein Wunder gewesen.

Die Fans glauben noch dran

Die Bieler müssen nun hoffen, dass Visp vielleicht die Langnauer doch noch irgendwie am Gewinn der NLB-Meisterschaft hindert. Denn die Bieler werden gegen die läuferisch eher besseren und ausgeglicheneren Langnauer im Liga-Stechen in allerallerhöchste Not geraten. Sie dürfen ja dann nur noch mit zwei Ausländern antreten. Und Lukas Meili ist ein guter, aber kein grosser Torhüter. Ihn trifft keine Schuld an der entscheidenden 4:5-Niederlage im Lido. Aber er war eben nicht gut genug, um diese schicksalsschwere Partie für seine Vorderleute zu gewinnen. 

Enttaeuschte Spieler des EHC Biel auf dem Weg in die Garderobe nach der 5-4 Niederlage im sechsten Playout-Spiel der National League A zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und dem EHC Biel-Bienne am Samstag, 5. April 2014, in der Diners Club Arena in Rapperswil. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Den Bielern fehlt eine Leaderfigur auf dem Eis. Bild: Keystone

Flucht nach vorne als Rezept

Biel ist jetzt, am Ende seiner sechsten NLA-Saison nach dem Wiederaufstieg von 2008 in allerallerhöchste Abstiegsgefahr geraten. Das Biel, das jetzt zum Liga-Stechen antritt, ist spielerisch schwächer als das Langnau, das vor einem Jahr den Klassenerhalt gegen Lausanne verloren hat. Es gibt jetzt kaum mehr einen Tempounterschied zwischen Biel und Langnau.

Wenn der Gegner in der Liga-Qualifikation Langnau heisst, können sich die Bieler nur retten, wenn sie durch eine Flucht nach vorne das Spektakel vor das Tor der Emmentaler tragen. Defensiv ist dieses Biel zu schwach, um das mutige, kreative und dynamische Offensivspiel der Tigers zu stoppen. Je länger die Liga-Qualifikation dauern wird, desto besser werden die Langnauer sein – wenn sie denn den NLB-Final gegen Visp auch gewinnen.

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