DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Switzerland’s Damien Brunner, left, in action against France’s Kevin Hecquefeuille, France’s goaltender Christobal Huet and France’s Laurent Meunier, from left, during their Ice Hockey World Championship group B preliminary round match between Switzerland and France in Paris, France on Tuesday, May 9, 2017. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Wenn die Schweiz spielt, dann geht es neuerdings auf dem Eis ab. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Von Langweilern zu Spektakelmachern – Fischer hat die Nati «gebrandet»

Das Minimalziel Viertelfinal ist erreicht. Wie weit die Schweizer bei dieser WM noch kommen, ist unerheblich. Paris 2017 hat so oder so gute Chancen auf einen besonderen Platz in unserer Hockey-Historie.



WM-Turniere kommen und gehen – und nur wenige widerstehen der Macht des Vergessens. Unvergessen bleiben die ersten Titelkämpfe mit Ralph Krueger 1998 in der Schweiz mit dem ersten Sieg über Russland bei einer WM und der Halbfinal-Qualifikation. Noch immer erinnern wir uns an die WM 2000 in St.Petersburg mit dem wundersamen Sieg gegen Russland (3:2) und der Entstehung des «Mythos Ralph Krueger». Und natürlich auch an die Silber-WM von 2013 in Stockholm.

Wo ordnen wir Paris 2017 ein? In eine Reihe mit 1998, 2000 und 2013? Unabhängig davon, ob wir nun im Viertelfinale scheitern oder nicht hat Paris 2017 gute Aussichten auf einen besonderen Platz in der Geschichte. Dazu passt wunderbar, dass die Schweizer in Paris spielen.

Das Branding von Patrick Fischer

In der «Reine du Monde» nahm im Mai 1968 («Pariser Mai») eine Revolution ihren Anfang, die unsere Gesellschaft für immer verändert hat. Nun spricht vieles dafür, dass im Mai 2017 in Paris eine Revolution Fahrt aufgenommen hat, die unser Hockey weiterbringen wird. Mehr noch als bei der Silber-WM 2013 haben die Schweizer hier in Paris ihren unverwechselbaren Stil, ein «Tempo-, Energie- und Pausenplatzhockey» entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Ja, Patrick Fischer ist damit ein «Branding» gelungen. Die Entwicklung eines eigenständigen Stils, einer Hockey-Marke.

Die Schweizer werden auch nach dieser WM noch nicht auf Augenhöhe mit den Grossen (Kanada, USA, Russland, Schweden, Finnland, Tschechien) stehen. Aber sie unterscheiden sich nun von allen vermeintlich «Kleinen» ab Platz 8 der Weltrangliste. Von Norwegen, Dänemark, Lettland & Co. Sie sind als einzige bei einer WM dazu in der Lage, in jedem Spiel jeden Gegner zu besiegen – und noch immer gegen jeden zu verlieren.

Gruppenphase ist überstanden, aber wie weit kommt die Schweiz an der Eishockey-WM 2017 jetzt?

Lauf- und Tempohockey der Liga auf die Nati übertragen

Patrick Fischer hat das Lauf- und Tempohockey aus unserer Liga – die schnellste ausserhalb der NHL – auf die Nationalmannschaft übertragen. Damit ist er vor einem Jahr in Moskau und noch im letzten Herbst beim Deutschland Cup grandios untergegangen.

Switzerland’s Gaeetan Haas, center, and Switzerland’s Denis Hollenstein, right, in action against Canada’s Brayden Schenn during their Ice Hockey World Championship group B preliminary round match between Switzerland and Canada in Paris, France on Saturday, May 13, 2017. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Unser Lauf- und Tempohockey bringt selbst Kanada aus der Balance. Bild: KEYSTONE

Erst jetzt ist es ihm im Laufe des Turniers mit viel Glück gelungen, dieses «Pausenplatz-Hockey» zu strukturieren, zu ordnen, tauglich für die WM und zu einem Markenzeichen zu machen. Es ist jenes verdiente Glück, das die Hockey-Götter ihren Lieblingen, den Wagemutigen, gewähren.

Die Frage ist nun, ob sich diese Revolution so wie die «68er-Bewegung» tatsächlich durchsetzen wird. Oder ob es noch einmal einen Rückfall in die alte Ordnung und Langeweile geben wird.

«Offensive Revolution» sorgt für Drama

Die Chancen auf ein Gelingen sind gar nicht einmal so schlecht. Denn Patrick Fischer ist ein grosser, charismatischer Kommunikator und Motivator («Cheerleader»). Mindestens so sehr Politiker wie Bandengeneral. Er versteht es, sein Programm, seine Revolution zu verkaufen, die in Lugano im Alltag des Klubhockeys noch kläglich gescheitert ist.

Cheerleader Patrick Fischer

Patrick Fischer: Der grosse, charismatische Kommunikator und Motivator («Cheerleader»).

Mit Patrick Fischers «offensiver Revolution», mit ihrem riskanten Vorwärtsstil haben die Schweizer bisher in Paris in jeder Partie gepunktet, auch gegen die beiden Vorjahres-Finalisten Kanada und Finnland. Aber zugleich als einzige gegen Absteiger Slowenien einen Punkt abgegeben. Nach einer 4:0 Führung.

Einst waren die WM-Partien der Schweizer die langweiligsten. Jetzt sind es die besten. Dramen, in atemberaubendem Tempo aufgeführt. Die Schweizer können beides: Viertelfinal und Drama.

Folgt die Krönung bei Olympia 2018?

Noch ist dieses fragil. Weil wir in Paris nicht die Weltklasseverteidiger haben, um das Spiel in Über- und Unterzahl zu ordnen. Mit Roman Josi wären wir wohl sichere Medaillen-Anwärter. Aber es gibt keinen zweiten und auch nicht einen nächsten Roman Josi.

Nashville Predators defenseman Roman Josi (59), of Switzerland, celebrates after scoring a goal against Washington Capitals goalie Philipp Grubauer, upper right, of Germany, and left wing Daniel Winnik (26) during the second period of an NHL hockey game Saturday, Feb. 25, 2017, in Nashville, Tenn. (AP Photo/Mark Humphrey)

Schade haben wir keinen zweiten und auch keinen nächsten Roman Josi. Sonst wären wir Medaillenanwärter. Bild: Mark Humphrey/AP/KEYSTONE

Wenn uns die Hockey-Götter gnädig sind, hat in diesen Tagen in Paris eine Geschichte begonnen, die im nächsten Februar mit ewigem olympischen Ruhm gekrönt werden kann. Zum ersten Mal seit der Eroberung der NHL sind die Schweizer hier in Paris ohne NHL-Profis ins Viertelfinale gekommen. Denis Malgin, der einzige, der diese Saison regelmässig in der NHL gespielt hat, sass gegen Kanada sogar auf der Tribüne.

epa05954975 Denis Malgin (L) of Switzerland in action against Ilia Shinkevich of Belarus during the IIHF Ice Hockey World Championship 2017 group B preliminary round game between Switzerland and Belarus, in Paris, France, 10 May 2017.  EPA/ETIENNE LAURENT

Denis Malgin: Der einzige NHL-Spieler im Schweizer Kader. Bild: ETIENNE LAURENT/EPA/KEYSTONE

Die NHL wird ihre Stars für das olympische Turnier nicht freigeben. Die Leistungsstärke der Schweizer wird durch diesen «Olympia-Boykott» im Vergleich zu Paris nicht beeinträchtigt. Die der Titanen hingegen schon. Und zwar stark. Wir werden deshalb 2018 so grosse Chancen auf eine Olympia-Medaille haben sie seit 1948 nie mehr.

Aber am Ende des Tages steht die letzte Wahrheit oben auf der Resultatanzeige. Das ist die unerbittliche, unromantische Seite des Sportes. Nur wenn es Patrick Fischer gelingt, Paris 2017 beim olympischen Turnier mindestens mit erneuten Viertelfinals zu bestätigen, kann Paris 2017 auf unser Hockey vielleicht ähnliche Auswirkungen haben wie Paris 1968 im richtigen Leben.

Diese 28 Talente musst du an der Hockey-WM auf dem Radar haben

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweiz gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

«Abstürzende Adler» – die besten Schweizer seit 1998 sind gescheitert

Ist es Leichtsinn? Ist es gar Hybris? Nein, es ist eine Laune der Hockeygötter. Die Schweizer verlieren einen WM-Viertelfinal gegen Deutschland nach Penaltys (2:3), den sie nie hätten verlieren dürfen. Weltmeister werden wir wieder nicht. Aber wir sind die Dramakönige der Hockeygeschichte.

Ach, es wäre so schön gewesen. Nur 43 Sekunden fehlten für den Halbfinal. Um zu zeigen, wie schmal der Grat zwischen Triumph und sportlicher Tragödie sein kann und wie gut die Schweizer bei dieser WM und in diesem Viertelfinal-Drama waren, machen wir hier kurz ein Gedankenspiel. Nach dem Motto: Was wäre wenn?

Also; hätten wir gewonnen, so wäre hier nun zu lesen:

«Unser Eishockey, unser Sieg, unser Halbfinal: Die Schweiz besiegt in einer der besten WM-Partien der Neuzeit Deutschland. Die Deutschen …

Artikel lesen
Link zum Artikel