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Tigers Head Coach Heinz Ehlers, gibt Topscorer Harry Pesonen Anweisungen, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Lugano am Freitag 16.November 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Tigers-Coach Heinz Ehlers nimmt sich Topskorer Harry Pesonen zur Brust.  Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Zum ersten Mal seit 1978 wieder «Hockey-Züpfe» – Heinz Ehlers wird in Langnau bleiben

Aus Arbeit ist Spiel, aus Taktik Kunst geworden. Langnau erlebt den erstaunlichsten Stilwandel seit Einführung der Playoffs und innerlich hat Heinz Ehlers (52) sein Arbeitsverhältnis verlängert.



Langnau hat die Saison als Aussenseiter begonnen. In den Prognosen mehrheitlich auf dem letzten und zweitletzten Platz. Der Start gelingt. Zuerst mit Auswärtssiegen und Heimniederlagen. Triumphe der Taktik. Eher der Arbeit mit dem Puck als dem Spiel ohne Puck geschuldet.

Dann kommt zur defensiven Arbeit die offensive Kunst hinzu, die es möglich macht, auch vor eigenem Publikum einen Titanen wie Lugano auszuspielen (3:2 n.P.).

Die Langnauer haben Lugano schon oft besiegt. Auch schon viel höher. Aber spielerisch besser, spektakulärer als die auf dem Papier wahrscheinlich talentierteste Mannschaft der Liga? Nein, das hat es so noch nicht gegeben. Die Emmentaler spielten nicht rauer, und böser, aber schneller, dynamischer, eleganter und präziser als Lugano.

Tigers Flurin Randegger, rechts, bezwingt Luganos Goalie Elvis Merzlikins beim Penaltyschiessen, zum 3:2, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Lugano am Freitag 16.November 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Flurin Randegger bezwingt Elvis Merzlikins und schiesst die Tigers damit gegen Lugano im Penaltyschiessen zum 3:2-Sieg.  Bild: KEYSTONE

Die Weisheiten des Novembers sind oft die Torheiten des Februars. Ob Langnaus Spektakel weiterhin so ergiebig in Punkten zinst, ist vorerst unerheblich. Nicht die Resultate allein erstaunen. Das Ereignis ist der Stilwechsel, die Erschaffung einer neuen Mannschaft.

Natürlich stimmen die wichtigsten Zutaten für ein Erfolgsrezept: eine exzellente Doppelbesetzung der Goalie-Position und fünf Ausländer, die erstaunlicherweise ein Rotationsprinzip akzeptieren. Sie sind für den Erfolg im Hockey so wichtig und unentbehrlich wie das Lab für die Käseproduktion.

Aber hier geht es um viel mehr. In Langnau hat ein Trainer mit Durchsetzungsvermögen, Akribie, Geduld und psychologischem Geschick ein Team nicht einfach in eine taktische Schablone gesteckt.

Die SCL Tigers: Ehlers Kunstwerk

Im Emmental ist ein Trainer drauf und dran, nach langer Arbeit – seit Oktober 2016 – ein spielerisches Kunstwerk zu schaffen und eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu formen.

Das Kunstwerk, das Heinz Ehlers in Lausanne nach drei erfolgreichen Jahren nicht mehr vollenden durfte (er wurde, zum Glück für Langnau, im Frühjahr 2016 aus einem laufenden Vertrag gefeuert) – in Langnau kann es gelingen.

Tigers Aaron Gagnon, Torschütze zum 2:2, jubelt, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Lugano am Freitag 16.November 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Aaron Gagnon bejubelt den Sieg gegen Lugano.  Bild: KEYSTONE

Der Sieg gegen Lugano ist deshalb reizvoll, weil Lugano zwar Jahr für Jahr genug Talent zum Titel hat. Aber die letzte Meisterfeier gab es anno 2006. Deshalb gehört eine Frage so zum HC Lugano wie die Palmen zur Stadt: «Was könnte ein Trainer wie Heinz Ehlers mit Luganos Geld und Talent erreichen?».

Heinz Ehlers Vertrag läuft Ende Saison aus. Auch der Kontrakt von Luganos Greg Ireland endet im nächsten Frühjahr. Kein Schelm, wer denkt: Endlich, endlich haben die Hockeygötter eine Konstellation herbeigeführt, die es Heinz Ehlers ermöglicht, ein Spitzenteam zu übernehmen.

Ehlers will Kunstwerk vollenden

Aber Langnaus Trainer tickt anders. Er mag in erster Linie ein strenger Taktiklehrer und Ausbildner sein – aber er ist eben auch Künstler. Den wahren Künstler interessiert die Vollendung seines Kunstwerkes mehr als der Preis (das Geld). Die Freiheit, sein Kunstwerk zu vollenden, hat der Däne nur in Langnau. In Lugano würde die Geduld fehlen wie zuvor in Lausanne.

Heinz Ehlers ist nach dem Penalty-Sieg gegen Lugano (Ivars Punnenovs hat alle Versuche Luganos gestoppt) erstaunlich locker und gut gelaunt.

Natürlich bleibt er seinem Grundmuster (kritisieren nach Siegen, rühmen nach Niederlagen) treu und moniert ein ungenügendes erstes Drittel (Zwischenresultat 0:2).

Aber dann wird er doch gesprächig. Die Steigerung sei auch möglich, weil man aus der letzten Saison die Lehren gezogen habe. Unter anderem durch eine Umstellung des Sommertrainings. Er habe diese Änderung gegen den Willen des Konditionstrainers durchgesetzt. «Was wir anders gemacht haben, sagen wir aber nicht.» Es bleibt sozusagen Betriebsgeheimnis.

«Haltet den Heinz!»

Tatsächlich sind Tempofestigkeit und Ausdauer der Langnauer erstaunlich. Bei seinem schmalen Kader muss Heinz Ehlers die Spieler stärker forcieren als etwa Biel. Zehn Spieler kommen auf mehr als 17 Minuten Eiszeit pro Match. In Biel sind es nur fünf, bei Lugano sechs. Nur in Bern gibt es eine ähnlich starke Belastung der Besten. Dort aber nicht aus Mangel an Tiefe im Kader. Sondern weil das gnadenlose Auswinden, Auspressen der Besten zur Strategie des Trainers gehört.

ZUR MELDUNG, DASS SICH DER HC LAUSANNE VON TRAINER HEINZ EHLERS TRENNT, STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 12. APRIL 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Heinz Ehlers, l'entraineur du Lausanne HC, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et HC Ambri-Piotta, ce mardi 24 fevrier 2015 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Ehlers hat laut eigenen Angaben keine Angebote von anderen Klubs. Bild: KEYSTONE

Item, in Langnau dreht sich intern in diesen Tagen alles um das Projekt «Haltet den Heinz!» Auf die Frage, wie die Gespräche um die Verlängerung laufen, reagiert Langnaus Trainer nur im ersten Augenblick mit der ihm eigenen Grantigkeit. Entspannt sich innerlich und äusserlich schnell und sagt für seine Verhältnisse geradezu locker: «Ich habe keine Angebote von anderen Klubs.» Hält inne und ergänzt mit schelmischem Lächeln (ja, da huschte so etwas wie ein Lächeln durch seine Gesichtszüge): «Aber ich könnte natürlich auch nur noch als dänischer Nationaltrainer arbeiten…»

Der Däne wirkt so mit sich und dem Eishockey im Reinen, dass der Chronist die Behauptung wagt: Heinz Ehlers hat innerlich sein Arbeitsverhältnis in Langnau bereits verlängert. Sollte er keinen neuen Vertrag von mindestens zwei Jahren Dauer plus Option unterschreiben, so soll jeder Buchstabe dieses Textes zu einem Fünfliber in der Mannschaftskasse werden.

Die «Züpfe» kehren zurück

Item, im November 2018 wird in Langnau zum ersten Mal seit 40 Jahren nicht nur das tägliche Hockey-Brot serviert. Zum ersten Mal seit 1978 gibt es nun wieder währschafte «Züpfe».

bärner züpfe zopf brot http://www.dittligmuehle.ch/

So sehen «Züpfe» aus. Bild: dittligmuehle.ch

«Züpfe» ist ein ganz spezieller Butterzopf, also ein Gebäck, das nach einem besonderen Rezept so nur im Emmental gebacken wird. Es waren die Bäuerinnen zu Gotthelfs Zeiten, die es erfunden haben, um den Sonntag zu zelebrieren, der ganzen Familie schon vor dem Predigtbesuch etwas Gutes auf den Tisch zu zaubern und den Ruhetag («am siebten Tag sollst du ruhn…») gemütlich und lecker zu beginnen.

Im Jahre 1978 hat es im Emmental zum letzten Mal währschafte «Hockey-Züpfe» gegeben. Als die Langnauer zum bisher letzten Mal ein echtes Spitzenteam waren und den Titel erst nach dem allerletzten Spiel wegen einer 3:6 (1:0, 0:4, 2:2)-Heimpleite gegen den SC Bern dem EHC Biel überlassen mussten.

Seither ist allerlei Hockeygebäck serviert worden. Steinhartes Krisenbrot, verschimmeltes Krisengebäck, zerbröselte Schulden-Weggli, hin und wieder süsse Aufstiegs-Schlüfchüechli, ein paar Derby-Sieg-Meringues und einmal sogar gebrannte Playoff-Creme (2011), die aber John Fust den Magen verdorben hat.

Aber so knusprige «Hockey-Züpfe» wie Heinz Ehlers in diesen Novembertagen hat seit 1978 kein Trainer mehr gebacken. Sie werden auch nach ein paar Niederlagen noch vorzüglich schmecken.

Wenn Hockeyspieler im Büro arbeiten würden

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zat 17.11.2018 23:46
    Highlight Highlight Geschichtlich betrachtet, dachte ich zu Gotthelfs Zeiten ging man nüchtern zur Predigt? War zur Generation meiner Eltern jedenfalls noch so.
    Auf jeden Fall: Hopp Langnou!
  • kendo 17.11.2018 15:42
    Highlight Highlight ...wir werden heute Abend sehen ob Gotteron die Züpfe in Scheiben schneidet und genüsslich verspeist oder im Hals stecken bleibt ;-) spannender Match.. was meint ihr?
    • alpina.rocket 18.11.2018 19:42
      Highlight Highlight Die Züpfe hat hervorragend geschmeckt......
    • hanibal79 18.11.2018 23:18
      Highlight Highlight Dafür ist das Messer um einiges Kostspieliger als die Züpfe. Aber solange bei der BCF die Konditionen stimmen, ist mir dies Wurst.
  • salamandre 17.11.2018 13:04
    Highlight Highlight Ich finds toll das der Trainer zumindest die Lust versprüht das Ding weiter und wenn möglich zum Erfolg zu führen. Die geldorientierten, weltreisenden Spieler oder Trainer sind nicht so mein Ding.
  • Saasi 17.11.2018 12:43
    Highlight Highlight Ehlers hat nicht nur innerlich in Langnau unterschrieben, sondern den Vertrag für 2 weitere Jahre plus eine Option für 1-2 Jahre schon unterschrieben. Wird nächste Woche sicher bekannt gegeben.

    Übrigens der SCB wird viel Geld in die Finger nehmen müssen, wenn sie Ivars Punnenovs nach Bern holen wollen. Im Klartext eine Mio. Ciacchio und Punnenovs haben ihre Verträge ohne Ausstiegsklausel um 2 weitere Jahre verlängert. Beide wollen in Langnau bleiben, weil beide die besseren Aussichten haben, als in Bern mit Jalonnen. Caminada ist ein guter Goali.
  • MARC AUREL 17.11.2018 12:35
    Highlight Highlight Und wenn Ehrlers mal geht wird alles zusammenbrechen da er allmächtig ist wie Jalonen?
  • na ja 17.11.2018 11:06
    Highlight Highlight Eine Züpfe ist nicht knusprig, sonst hast du was falsch gemacht! Brot ist knusprig.
  • Scrj1945 17.11.2018 11:04
    Highlight Highlight In lugano würde ehlers nicht ehlers sein können. Er müsste da diva trainer machen. Das ehler „chrampfer“ konzept könnten die luganesi gar nicht spielen
  • Sleepless71 17.11.2018 10:28
    Highlight Highlight Ich hoffe für die Tigers, dass der Eismeister für einmal Recht hat und Ehlers sein Kunstwerk vollenden kann. Was ja auch bei einem Verbleib von Ehlers nicht sicher ist. Und sonst freut sich zumindest der Säckelmeister über den nicht unerheblichen Zustupf ins Kässeli vom Eismeister ;-)
  • OneofthoseLacrossePlayers 17.11.2018 10:20
    Highlight Highlight Polemik wäre nun den Chronisten, nach der Wortanzahl des Textes und dem Zustand des Sparstrumpfes zu fragen. Ich gönne den Langnauern den Erfolg und feiere diese Saison, als die Interessanteste Regular Season seit Jahren.
  • IfyouNeverNevergoyouwillNeverNeverknow 17.11.2018 10:10
    Highlight Highlight Bei allem Respekt lieber Eismeister. Mag ja sein dass das Ding nur im Emmental Züpfe genannt wird, das Rezept ist jedoch nicht speziell sondern eher simpel und geben tut es das, mindestens gleich lecker, auch ausserhalb des Tals der heulenden Winde 😳
    • Saasi 17.11.2018 12:35
      Highlight Highlight Natürlich kennt man auch im Wallis die Züpfe. Aber die Emmentaler Züpfe hat noch dass gewisse etwas dabei, das man so nur im Emmental kennt. Darum schrieb er es auch so.
    • Zat 17.11.2018 23:41
      Highlight Highlight Ja, Züpfe kennt man vielerorts, bei uns auch. Aber die Emmentaler Anke-Züpfe, die ist besonders. Bei jedem Aufenthalt im Emmental nehme ich eine mit nachhause.
  • Der Siebner 17.11.2018 10:06
    Highlight Highlight Jeder aufgenähte Buchstabe ein lottriger Fünfliber? Eismeister das würde Dich teuer zu stehen kommen, auch wenn Du diesen Artikel auf rutschtiger Unterlage geschrieben hast. Aber eine legendäre Wette die es in jede Hockey Chronik schaffen wird...
  • Ordo Malleus 17.11.2018 10:01
    Highlight Highlight Na dann hoffen wir einmal, dass das stimmt. Sonst wird's für den Eismeister teuer. Etwa CHF 27'230.00 teuer.
    • ben_fliggo 17.11.2018 11:12
      Highlight Highlight Der Eismeister ist doch ein Mann mit abgeschlossener Vermögensbildung. Oder? ;)

Heinz Ehlers, der letzte Marxist des Schweizer Eishockeys

Biel rauscht mit begeisterndem Tempohockey gegen die SCL Tigers in eine spektakuläre Niederlage. Hat es schon mal vor, während und nach einem Spiel der Qualifikation so viel zu reden gegeben? Nein, seit Jahren nicht mehr.

Zwei Zahlen sagen uns, dass sich ein Drama abgespielt haben muss: 36:18. Mit diesem Torschussverhältnis hat Biel gegen Langnau 2:5 verloren. Noch verrückter: Im Schlussdrittel dominiert Biel zu Land, zu Wasser und in der Luft mit 17:7 Torschüssen und verliert diesen Abschnitt 0:3.

Aber es rockt auch neben dem Eis. Vor und nach dem grossen Spiel.

Die Partie ist vorbei. Fast alle Zuschauerinnen und Zuschauer haben die Arena verlassen. Die Schiedsrichter und die Spieler sind in den Kabinengängen …

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