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Switzerland's Timo Helbling speaks to the reporters during a media briefing of the Switzerland national team, at the IIHF 2015 World Championship, at the O2 Arena, in Prague, Czech Republic, Monday, May 4, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Timo Helbling: An der WM mit modischem Vollbart unterwegs. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Timo Helbling, der letzte «Krieger» unseres Hockeys – und gegen die Deutschen wieder unser Mann fürs Grobe

Verteidiger Timo Helbling (33) ist der interessanteste Spieler unseres WM- Teams. Der «böseste» Schweizer und hat sich bereits einmal in einer Prügelei gegen Deutschland bewährt.

klaus zaugg, prag



Er hat als einziger Schweizer für vier verschiedene Klubs (Kloten, Lugano, Zug, Gottéron) in einer Saison mehr als 100 Strafminuten verbüsst. In 541 NLA- Partien sass Timo Helbling bisher während 1123 Minuten auf der Strafbank. Einer der «bösesten» Schweizer aller Zeiten.

Es passt, dass er vor dem «Schicksalsspiel» gegen Deutschland furchterregend wie noch nie aussieht. Der Hüne (190 cm/100 kg) trägt zum ersten Mal einen Bart und mahnt an einen Wikinger. «Erst wollte ich den Bart bei Gottéron im Hinblick auf die Playoffs wachsen lassen. Daraus ist dann nichts geworden. Aber der Bart gefällt mir ganz gut und nun ist es kein Playoffbart. Sondern ein Modebart.»

Seine lange Karriere hat der Hägendorfer (SO) 1997 im Sport-Gymasium Davos begonnen. Sie führte ihn bisher nach Windsor, Milwaukee, Toledo, Stalt Lake City, Tampa, Springfield, Washington, Hershey, Rochester, Kloten, Lugano, Oulu, Lugano, Zug und Fribourg. Die nächste Station wird Bern sein. Nun spielt er in Prag nach 2006 und 2010 seine dritte WM. Vor der Pariel gegen Deutschland (Dienstag, 16.15 Uhr) werden Erinnerungen an seinen spektakulärsten WM-Auftritt wach.

Mannheim, Deutschland, 20. Mai 2010:

Die Schweiz verliert das WM-Viertelfinale gegen Deutschland 0:1. Es ist das bittere Ende eines bitteren Spiels: Timo Helbling stürmt wutentbrannt durch den Gang in die Kabine, eine Gesichtshälfte hat er mit dem Handtuch bedeckt, um die Blutungen aus einer Wunde unter dem Auge zu stoppen. Nach dem Schlusspfiff werden noch sage und schreibe 84 Strafminuten ausgesprochen, darunter eine Matchstrafe gegen Helbling. Weil er sich mit Deutschlands Trainer- Assistenten Ernst Höfner geprügelt hat.

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Legendär: Timo Helbling prügelt sich mit Deutschlands Assistenz-Coach. video: youtube.com/RaWeEhC

Die WM 2010 ist indes bloss eine weitere Episode aus einer bewegten Karriere.

Tampa, Florida, 13. Oktober 2005:

Timo Helbling hat es geschafft. Zwar hat Tampa gegen Buffalo nach Penaltys 3:4 verloren. Aber der Schweizer hat sehr gut gespielt und seinen ersten NHL-Skorerpunkt gebucht. Das Management erlaubt ihm, das Hotel zu verlassen und eine eigene Wohnung zu beziehen. Für 1800 Dollar Miete findet Helbling ein möbliertes Appartement. Wer in die eigenen vier Wände zügeln darf, ist in der Regel vor einer Verbannung ins Farmteam sicher.

Tampa Bay Lightning defenseman Timo Helbling (2) of Switzerland, skates into the neutral zone against the Carolina Hurricanes during the third period Wednesday, Oct. 5, 2005 in Tampa, Fla. (KEYSTONE/AP Photo/Steve Nesius)

Timo Helbling im Dress von Tampa. Bild: AP

Timo Helbling Stammspieler beim Stanley Cup-Sieger. Was an diesem 13. Oktober keiner ahnt: Die Partie gegen Buffalo ist Timo Helblings letzte für Tampa. Er wird am 18. Oktober ins Farmteam zurückgeschickt. Nur fünf Tage nach seinem besten NHL-Spiel. Und er wird später nur noch für zwei Partien (0 Skorerpunkte) mit Washington in die wichtigste Liga der Welt zurückkehren. Dann ist der NHL-Traum nach 11 Spielen und einem Assist vorbei.

Oulu, Finnland, Januar 2011:

So haben wir uns als Kinder die Heimat des Christkindleins vorgestellt. Der Raureif überzuckert alle Bäume, Laternen und Häuser. Oulu ist Winterwunderland und die nördlichste Hockeystadt der Welt. Rund 700 Kilometer nördlich von Helsinki. Die Sonne zeigt sich in diesen Tagen erst gegen 11 Uhr und verschwindet bereits kurz nach 14 Uhr wieder hinter dem Horizont. Sie geht eigentlich gar nie richtig auf und es wird nie taghell. Sanftes Dämmerlicht liegt im Winter über der Stadt. Es ist 15 Grad minus oder kälter.

Ein krasserer Gegensatz zu Lugano, der ungefähr gleich grossen Stadt, aber mit kalifornischem Klima, ist gar nicht möglich. Eisblumen statt Palmen. Das weiss auch Oulus Sportchef Harri Aho. Er hat Timo Helbling eine jener Energie-Lampen ins Appartement gestellt, die bei uns für Lichttherapien zur Bekämpfung der Schwermut eingesetzt werden. Helbling hat sie nie benutzt.

Der neue Trainer des Eishockey Clubs HC Lugano, Philippe Bozon, rechts, bespricht sich am Donnerstag, 28. Januar 2010 in Lugano beim Training mit seinem Spieler Timo Helbling. (KEYSTONE/Gabriele Putzu)

Timo Helbling wird in Lugano zum Sündenbock. Bild: KEYSTONE

Timo Helbling zügelte damals nicht freiwillig von Lugano, der südlichsten Hockeystadt des Kontinents, in die Finsternis der nördlichsten Hockeystadt. Er ist in Lugano als Sündenbock für die Krise ausgemacht und fristlos gefeuert worden. Und so ist er nun bei Kärpät Oulu gelandet. In Lugano soll Helbling ein Grund für die Krise gewesen sein. In Oulu ist er ein Grund zur Hoffnung, dass die Krise bald vorbeigehen möge. Die Playoffs werden erreicht. Aber nach einer Runde ist Schluss.

Timo Helbling spielt für Oulu 39 Partien (2 Tore, 3 Assists) sitzt nur während 36 Minuten auf der Strafbank. Nach der Saison kehrt er im Frühjahr 2011 in die Schweiz zurück. Erst zu Zug, dann zu Gottéron. Und dort ist er soeben wieder mal zum Sündenbock erklärt, ausgemustert und zum SC Bern abgeschoben worden.

Ein sanfter «Warrior»

Timo Helbling ist der letzte «Warrior» unseres Hockeys. Die Nordamerikaner haben diese Bezeichnung ins Hockey gebracht. «Warrior» bedeutet wörtlich «Krieger». Das passt zu Timo Helbling. Er gibt nie auf. So war es schon immer und so wird es auch nächste Saison beim SC Bern sein. Er ist kein Zauberer des kreativen Spiels. Aber ein verlässlicher Maschinist der Defensive und, wenn nötig, fürs Grobe. Die Fans in Bern werden ihn lieben.

Und wie alle «bösen» Hockeyspieler ist er neben dem Eis ein sanfter Titan. Soeben hat der freundliche junge Mann sein Studium der Finanzwissenschaften (Master) abgeschlossen. Er wird auch nach der Spielerkarriere seinen Weg machen. Vielleicht kann sogar SCB- Geldgeneral Marc Lüthi etwas von Timo Helbling lernen.

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Die Schweiz ist «B-Weltmeister» – der erstaunlichste Reifeprozess aller Zeiten

4:1 gegen Norwegen. Vier Siege zum WM-Auftakt hatten wir auch schon. Aber noch nie auf diese Art und Weise. Die grosse Frage lautet nun: Wie weit kommt die «neue» Schweiz?

Kehren wir ein wenig in die Vergangenheit zurück, um die Leistungen der Schweizer hier in Bratislava einzuordnen. Die Vergangenheit hilft uns, die Gegenwart besser zu verstehen.

Also: Im letzten Jahrhundert mit der alten Ordnung des «Kalten Krieges» war auch die Hockeywelt überschaubar. Eingeteilt in eine A-, B- und C-WM. Die A-WM als oberste Stufe umfasste bloss 6 und später 8 Nationen. Und nicht 16 wie heute.

Die Schweiz gehörte mit Ausnahme von zwei schmachvollen Jahren in der C-WM (1969, …

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