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Bild: Keystone

«Kurzer Arno-Wahn und lange Reue»

Eismeister Zaugg

Wieso Arno Del Curto nicht neuer Nati-Trainer wird und wer für das Amt am geeignetsten ist

Wer wird Nachfolger von Sean Simpson? Die Suche nach einem neuen Nationaltrainer verspricht gute Unterhaltung. Dabei gäbe es eigentlich eine perfekte Lösung.



Wie immer, wenn ein neuer Nationaltrainer gesucht wird, kommt Arno Del Curto ins Spiel. Sozusagen als konventionelle unkonventionelle Lösung. Wenn bei der Nachfolgeregelung Folklore vor Verstand kommt, dann wird der HCD-Trainer tatsächlich Kandidat sein. Dabei ist er in jeder Beziehung für dieses Amt ungeeignet. Es sei denn, Gaudi ist wichtiger als Sport.

«Es kann nur einen geben»

watson lieferte am Montag 7 Argumente, die für Arno Del Curto sprechen. Am Dienstag titelt der «Tages-Anzeiger» beinahe identisch: «Für Simpsons Nachfolge kann es nur einen Kandidaten geben: Del Curto.» Und im «Blick» sagt Verbandspräsident Marc Furrer: «Ich hole Del Curto sofort, wenn er für 100 Prozent kommt und nicht nur im Nebenamt.»

Erstens funktioniert nur ein vollamtlicher Nationaltrainer. Die grossen Klubs akzeptieren keinen Klubtrainer als Nationalcoach im Nebenamt. Also müsste Arno Del Curto seinen Job in Davos aufgeben. Obwohl er dort auch ohne schriftlichen Vertrag im Wort steht, den Neuaufbau weiter voranzutreiben. Wenn der Verband einem NLA-Klub den Trainer ausspannt, der diesen Klub personifiziert, dann wird das politische Klima auf Jahre hinaus schwer belastet.

Arno Del Curto ist der populärste und erfolgreichste Klubtrainer des 21. Jahrhunderts. Weil er eine starke, eigenwillige Persönlichkeit ist. Ein Nonkonformist im besten Sinne des Wortes. Durch und durch authentisch. Kompromisslos, wenn es um den Sport geht. Ohne Rücksicht auf politische Befindlichkeiten. Geradlinig im Reden und Handeln. Deshalb ist er in Davos erfolgreich. Deshalb ist er als Nationaltrainer nicht geeignet.

Der Davoser Head Coach Arno Del Curto, an der Bande, scheint Gefahr zu wittern, waehrend dem dritten Playoff Viertelfinal Eishockeyspiel der National League A zwischen dem HC Davos und den Kloten Flyers, am Samstag, 13. Maerz  2010, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE PHOTOPRESS/Juergen Staiger)

Die Wahl des Volkes: Arno Del Curto. Bild: Photopress

«Es würde weniger als eine Stunde dauern, bis Arno Del Curto mit Marc Furrer Krach hätte.»

Verbandspräsident Marc Furrer und seine Entourage waren schon mit Sean Simpson überfordert. Mit Arno Del Curto wären sie es erst recht. Dem kurzen Arno-Wahn nach der Vertragsunterzeichnung würde eine lange Reue folgen.

Es würde weniger als eine Stunde dauern, bis Arno Del Curto mit Marc Furrer Krach hätte. Und nach der ersten Sitzung mit Verbandsdirektor Ueli Schwarz würden die Fetzen fliegen. Arno Del Curto polarisiert. Aber der Nationaltrainer sollte eine Integrationsfigur sein.

Eher kriecht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass sich Arno Del Curto in die Strukturen eines Verbandes und eines Nationalmannschaftsbetriebes einordnet. Es ist ja eher unwahrscheinlich, dass der Verband seine ganzen Strukturen umbauen und so auf den Trainer zentrieren würde wie es der HC Davos tut.

«Eile ist nicht geboten»

Natürlich ist die Versuchung gross, Arno Del Curto an die nationale Bande zu stellen. Marc Furrer und seine Entourage hätten mit dieser Verpflichtung erst einmal den Applaus der Medien auf sicher. Im Sinne einer nie mehr endenden, kurzweiligen Nationalmannschafts-Soap sollten wir also Arno Del Curto zum vollamtlichen Nationaltrainer machen.

Was aber zeichnet sich für eine Lösung ab, wenn mit Verstand ein Nachfolger für Simpson gesucht wird? In den nächsten Monaten werden über hundert Bewerbungen eingehen. Viele werden sich über die Medien selber ins Gespräch bringen. Aber Eile ist nicht geboten.

Der neue Nationaltrainer muss unser Hockey nicht unbedingt kennen – Hockey funktioniert weltweit sehr ähnlich. Das öffnet den Kreis der Kandidaten. Aber der neue Nationaltrainer sollte unsere Mentalität, das Wesen und Wirken unserer Spieler kennen. Das engt den Kreis der Kandidaten ein. Die ideale Lösung ist also ein Schweizer.

Sean Simpson, Trainer der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft, verlaesst eine Pressekonferenz zur Vertragssituation mit der Swiss Ice Hockey Federation, am Montag, 3. Maerz 2014, in Zuerich. Simpson gibt seinen Ruecktritt als Nationaltrainer bekannt. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Macht nach der WM den Abgang: Sean Simpson. Bild: Keystone

Was muss der Nachfolger von Sean Simpson mitbringen?

Der Nationaltrainer ist auch der wichtigsten Botschafter unseres Eishockeys. Sozusagen die oberste Hockey-Autorität im Lande. Deshalb sollte der Neue nicht nur ein guter Coach und Taktiker sein. Er sollte auch gut kommunizieren, telegen und ein Darling der Medien sein. Mit Vorteil ist er jung und charismatisch.

Weil in der Nationalmannschaft die Besten der Besten spielen, muss ein Nationaltrainer mit Stars umgehen können. Dafür braucht er ein erfrischendes Selbstvertrauen, ein feines Gespür für Humor und er versteht es, sein Ego mit einer Prise Selbstironie zu tarnen.

«Es gäbe die unkonventionelle, aber perfekte Lösung»

Wer erfüllt diese Bedingungen? Es gäbe tatsächlich einen Trainer, der diese Bedingungen erfüllt und von seinem Klub wohl freigegeben würde. Sozusagen die unkonventionelle, aber perfekte Lösung: Kevin Schläpfer.

Biels Trainer Kevin Schlaepfer spricht mit seinem Spieler Raphael Herburger waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gotteron am Sonntag, 26. Januar 2014, in der Eishalle in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

«Die perfekte Lösung: Kevin Schläpfer.» Bild: Keystone

Er hat in Biel sportliche Wunder vollbracht, ist mit ganz grossen Stars klargekommen (Patrick Kane und Tyler Seguin). Er hat keine Angst vor harten Entscheidungen und grossen Tieren. Er kann die Qualitäten von Spielern sehr gut einschätzen. Kevin Schläpfer ist eine Integrationsfigur und er würde mit seiner gelebten Leichtigkeit des Seins selbst mit den Verbandsfunktionären klar kommen.

Aber Kevin Schläpfer hat keine Lobby und er wäre eine mutige, unkonventionelle Lösung. Marc Furrer und seiner Entourage fehlt der Mut dazu.

Und wer löst den Verbandspräsidenten ab?

Nach dem Abgang von Nationaltrainer Sean Simpson ist klar: Der grösste Erfolg der Geschichte ist den Verbandsfunktionären zwischen den Fingern zerronnen. Sie haben aus dem WM-Erfolg 2013 viel zu wenig gemacht und jetzt auch noch den «Silberschmied» verloren.

Deshalb müssen wir nicht nur einen neuen Nationaltrainer suchen. Wir sollten langsam aber sicher auch mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Verbandspräsident Marc Furrer beginnen.

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nici 04.03.2014 11:31
    Highlight Highlight Einfach nur dumm einen solchen Trainer ziehen zu lassen obwohl er gerne geblieben wäre.. Gut gemacht SEHV!
  • manolo 04.03.2014 08:48
    Highlight Highlight klaus hat recht! der verbanspräsident muss aus der eishockeyszene verschwinden und er soll auch noch den "Nichtsnutz" schwarz mitnehmen! also bitte die berner maffia im verband sofort auflösen!
    • Clark Kent 04.03.2014 09:27
      Highlight Highlight wieso redet man nirgends von patrick fischer?
    • filmorakel 04.03.2014 11:22
      Highlight Highlight Der hat erst im November mitten in der Krise seinen Vertrag mit dem HC Lugano verlängert. Was er aus diesem Scherbenhaufen nun zusammengebaut hat, zeigt die Tabelle.
      Ich glaube kaum, dass er seine in deutlichem Aufbruch stehende Mannschaft so schnell wieder verlassen wird - Natiangebot hin oder her...
    • alpina.rocket 04.03.2014 15:18
      Highlight Highlight nach einem Jahr in der NLA?
  • filmorakel 04.03.2014 07:43
    Highlight Highlight Auch ich erwarte kaum Überraschendes vom SEHV. Werden sich wohl für einen möglichst bequemen Kandidaten entscheiden - einer wie Larry Huras zum Beispiel...

    So gesehen steckt die ganze Wahrheit im obigen Artikel im untersten Absatz...
    • Romeo 04.03.2014 13:16
      Highlight Highlight Zustimm und like. Furrer muss Konsequenzen ziehen und gehen ! Zaugg hat absolut Recht.

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