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Fribourgs Kilian Mottet, Julien Sprunger, von links, jubeln ueber den Sieg nach dem 5. Playoff Halbfinalspiel der NLA, zwischen dem HC Fribourg - Gotteron und den Kloten Flyers, am Samstag 5. April 2014 in der BCF Arena in Fribourg. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bild: KEYSTONE

Der Treffer zum Titel?

Eismeister Zaugg

Grosse Spieler treffen in grossen Momenten

Vier Sekunden können alles ändern. Wer so spät den Hockeyteufeln von der Schaufel springt wie Gottéron, darf eigentlich eine Serie nicht mehr verlieren. 



Manchmal scheint selbst im Eishockey alles seinen gewohnten Gang zu nehmen. Und dann ändern ein paar Sekunden alles. Kloten führte in Fribourg 1:0. Dass es dieser defensiv stilsicheren, erfahrenen Mannschaft mit dem Torhütertitanen, Dollar-Multimillionär, WM-Finalist, Stanley Cup-Sieger Martin Gerber gelingen würde, diesen Vorsprung auch noch über die letzten zehn Sekunden zu retten, schien logisch.

«Ich war nie beunruhigt. In der zweiten Pause habe ich in der Kabine zu den Spielern gesagt, dass wir so vieles richtig gemacht haben, dass wir das Tor noch erzielen werden. »

Fribourg-Trainer Hans Kossmann.

Aber vier Sekunden vor Schluss hat Julien Sprunger zum 1:1 getroffen. Gottéron hat anschliessend in der Verlängerung 2:1 gewonnen. Kloten ist noch nicht im Finale. Obwohl es doch nur vier Sekunden davor stand. Ja, nun kann es sein, dass Kloten überhaupt gar nicht ins Finale kommt. Eine Heimniederlage am Dienstag im 6. Spiel könnte das «Aus» bedeuten. Denn ein 7. Spiel vor eigenem Publikum wird Gottéron gewinnen. 

Die nicht mehr für möglich gehaltene Wende dank Sprunger

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Gut möglich, dass sich dieses 1:1 von Julien Sprunger im Rückblick als ein ähnlich historisches Tor erweisen wird wie jenes 3:3, das Mathias Seger am 23. Dezember 2011 in Genf 88 Sekunden vor Schluss erzielt hat. Auch dies ein schier unmöglicher Treffer: Zwei Zürcher sassen auf der Strafbank. Dass es einem so gut gecoachten Team wie Chris McSorleys Servette gelingen würde, den 3:2-Vorsprung über die letzten anderthalb Minuten zu retten, schien logisch. 

Aber Mathias Seger gelang das «unmögliche» 3:3. Schliesslich gewannen die ZSC Lions das Penaltyschiessen. Hätten die Zürcher diese Partie verloren, wäre die Playoff-Qualifikation in allerhöchste Gefahr geraten und es ist nicht sicher, dass Coach Bob Hartley im Amt geblieben wäre. Servette wiederum hätte mit einem Sieg einen entscheidenden Schritt Richtung Playoffs getan. 

ZSC-Captain Mathias Seger stemmt den Meisterpokal nach dem siebten Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions am Dienstag, 17. April 2012 in der Postfinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Captain Seger gelang ein unmögliches Tor und wurde mit dem Titel belohnt.  Bild: KEYSTONE

Der Treffer auf dem Weg zum Titel?

Am Ende schafften die Zürcher auf Platz 7 die Playoffs und wurden Meister. Servette tauchte in die Playouts. Und alles mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur wegen dieses «unmöglichen» Treffers zum 3:3. Ein Tor kann die Geschichte verändern. 

Die Kloten Flyers haben nun fünf Mal auf gleich hohem Niveau, auf die gleiche Art und Weise gespielt. Nur in der dritten Partie (1:7) fiel die Mannschaft auseinander. Aber es war nur ein Betriebsunfall. Wie es bei so erfahrenen Spielern und einem so erfahrenen Trainer nicht anders zu erwarten war. 

«Sing Hallelujah» auch bei Sportreportern

Gottéron hat hingegen in diesem Halbfinale einen wilden Ritt hinter sich. Erst zu passiv (2:4), dann unglücklich und vom Goalie verlassen (2:3 n.V.), dann wild und ungestüm (7:1), sodann wieder vom Torhüter im Stich gelassen (2:5), um endlich in der 5. Partie ans Ziel zu kommen: Beim 2:1 n.V. hatte Gottéron sein Spiel zwischen Leidenschaft und Gelassenheit, zwischen stürmischem Vorwärtsdrang und defensiver Sicherheit justiert und erstmals so gespielt und hatte so viel Glück wie eine Mannschaft, die Meister werden kann. 

Die Ruhe bei Fribourg

Und zum ersten Mal in diesem Halbfinale leistete auch Torhüter Benjamin Conz den Anteil zum Sieg, den man aufgrund seines Talentes von ihm erwarten darf. Ja, erwarten muss. 

05.04.2014; Fribourg; Eishockey NLA Playoff Halbfinal - HC Fribourg-Gotteron - Kloten Flyers: Benjamin Conz (Gotteron) (Christian Pfander/freshfocus)

Conz hielt dicht in Spiel 5. Bild: freshfocus

In diesem 5. Spiel war Gottéron taktisch erstmals so gut und defensiv so stabil wie Kloten. Dazu passt eine Aussage von Bandengeneral Hans Kossmann. «Ich war nie beunruhigt. In der zweiten Pause habe ich in der Kabine zu den Spielern gesagt, dass wir so vieles richtig gemacht haben, dass wir das Tor noch erzielen werden. Und wenn wir dafür bis zur 58. Minute warten müssen. Allerdings hatte nicht gedacht, dass es bis zur 60. Minute dauern würde …» Die Gelassenheit eines Siegers. 

Das 6. Spiel am Dienstag ist für Kloten wie Spiel 7. Wenn die Zürcher verlieren, wird sie nur noch ein Wunder ins Finale bringen, dem sie doch so nahe waren. Und das alles nur wegen dieses einen Treffers von Julien Sprunger vier Sekunden vor Schluss. Sein erster Treffer und Skorerpunkt in dieser Halbfinalserie. Aber grosse Spieler treffen in grossen Momenten. 

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