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13.10.2015; Biel: Eishockey NLA - EHC Biel - EV Zug: Trainer Kevin Schlaepfer (Biel) verlaesst die Spielerbank.  (Christian Pfander/freshfocus)

Schläpfer muss gerade eine schwierige Situation meistern.
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Eismeister Zaugg

Die verlorene Unschuld des Kevin Schläpfer

Seit Kevin Schläpfer (45) das unmoralische Angebot bekommen hat, Nationaltrainer zu werden, hat er nur noch einmal gewonnen – nach Penaltys in Zug. Weil er erstmals hockeytechnisch fremdgegangen ist. Steht er vor der grössten Krise seiner Trainerlaufbahn?



Ein unmoralisches Angebot? Durchaus. Kevin Schläpfer hat in Biel einen Vertrag bis 2018. Ohne Ausstiegsklausel. «Wir haben bei der vorzeitigen Vertragsverlängerung auf seinen ausdrücklichen Wunsch auf eine Ausstiegsklausel verzichtet» sagt Sportchef Martin Steinegger. Das passt zu Kevin Schläpfer: So wie man schwanger ist oder eben nicht, so bindet man sich an einen Klub – oder eben nicht. Halbpatzigkeiten wie Ausstiegsklauseln waren noch nie sein Ding.

Abhängigkeit zwischen Schläpfer und Biel

Trotzdem hat Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer (33) hinter dem Rücken des Bieler Managements Kevin Schläpfer die Offerte gemacht, Nationaltrainer zu werden. Vielleicht werden wir in ein paar Monaten erkennen, dass genau diese Offerte eine Krise ausgelöst hat.

Biels Head Coach Kevin Schlaepfer, hinten, waehrend dem Meisterschaftsspiel in der NLA zwischen dem EHC Biel und dem EV Zug, am Dienstag, 13. Oktober 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Schläpfer hat Biel viel zu verdanken. Umgekehrt genauso. 
Bild: KEYSTONE

Kevin Schläpfer hat eine ganz besondere Beziehung zu Biel. Hier hat er nach seinem Rücktritt als Spieler eine neue Karriere aufgebaut. Zuerst ab 2007 als Sportchef und dann ab 2010 als Trainer. Hier ist er eine der populärsten helvetischen Hockeypersönlichkeiten geworden. Darüber hinaus haben ihn die Bieler auch ausserhalb des Hockeybetriebes in schwierigen Zeiten (Scheidung) unterstützt.

Biel, so wie wir es heute kennen, wäre ohne Kevin Schläpfer nicht möglich. Aber Kevin Schläpfer, wie wir ihn heute kennen, wäre ohne Biel auch nicht möglich. Ohne Biel hätten wir seinen Namen wahrscheinlich schon vergessen. Zwischen Biel und Kevin Schläpfer gibt es eine gegenseitige Abhängigkeit, die es in den letzten 30 Jahren in dieser Form sonst nur noch in Davos (mit Arno Del Curto) und in Genf (mit Chris McSorley) gegeben hat.

Hockeytechnisch fremdgegangen

Biel war bis heute immer bedingungslos loyal zu Kevin Schläpfer – und umgekehrt war Kevin Schläper immer absolut loyal zu seinem Arbeitgeber. Mit Loyalität ist so wenig zu spassen wie mit Treue. Kevin Schläpfer Trainer in Langnau, Bern, Zug, Zürich oder Ambri? Nicht denkbar. Nie ein Thema für ihn. Trainer bei einem anderen Klub als Biel zu sein, hat ihn sowieso noch nie wirklich interessiert.

Biels Matthias Rossi, 2. von rechts, und seine Mitspieler sind geschlagen, nach dem Meisterschaftsspiel in der NLA zwischen dem EHC Biel und dem EV Zug, am Dienstag, 13. Oktober 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Ratlose Gesichter: Bei Biel ist zurzeit der Wurm drin.
Bild: KEYSTONE

Aber Nationaltrainer zu sein, das schon. Der Spieler, dem es nie für eine grosse NLA-Karriere reichte und schon gar nicht für Länderspiele wird auf einmal Nationaltrainer. Wow! Ein Bubentraum geht in Erfüllung! Bei diesem Angebot musste Kevin Schläpfer erst einmal durchatmen – und seit diesem Angebot hat er fünf von sechs Partien verloren. Durch dieses Angebot hat er sozusagen seine Unschuld verloren. Zum ersten Mal ist er in Gedanken hockeytechnisch fremdgegangen.

Biel ist nominell nach wie vor kein Playoffteam. Aber unter Kevin Schläpfer haben die Bieler bisher meistens so gespielt, als seien sie ein wenig talentierter, grösser, schwerer und schneller als sie in Wirklichkeit sind. Biels Erfolge der Vergangenheit – in vier Jahren dreimal in den Playoffs – haben viel mit «weichen Faktoren» zu tun, die der Trainer direkt beeinflusst: Leidenschaft, Engagement, Wille, Disziplin.

6. Niederlage im 7. Spiel

Am Dienstagabend spielte Biel gegen Zug. Die Fotografen haben von ihren Kunden den Auftrag, die Fans im Auge zu behalten. Das Nationaltrainerangebot ist das (Medien-) Thema der Stunde. Wer weiss, vielleicht entrollen die Fans ja ein Transparent. Oder es gibt sonst irgendeine Aktion.

Die Chronistinnen und Chronisten, Kevin Schläpfer und das Management mag das Thema auch umtreiben – und vielleicht auch einzelne Spieler. Aber dem Publikum ist es egal. Die Zuschauerinnen und Zuschauer wollen ein gutes Hockeyspiel sehen. Sie werden enttäuscht.

Bieler verlieren 2:3 und haben trotz einer 1:0-Führung in dieser Partie keine echte Chance. Nie kommt das Gefühl auf, sie könnten dieses Spiel gewinnen. Das 2:3 gelingt erst 8,40 Sekunden vor Schluss. Da ist längst alles gelaufen. Inzwischen die 6. Niederlage im 7. Spiel.

Biel's Niklas Olausson, of Sweden, left, celebrates his goal with teammate Paer Arlbrandt, of Sweden, right, after scored the 1:1, during the game of National League A (NLA) Swiss Championship between Geneve-Servette HC and EHC Biel-Bienne, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Friday, September 25, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Die beiden Schweden Olausson und Arlbrandt kommen noch nicht auf Touren. 
Bild: KEYSTONE

Warum hat Biel verloren? Weil zu viele Kleinigkeiten nicht stimmen. Torhüter Lukas Meili hat nur 88,00 Prozent der Schüsse abgewehrt. Nach wie vor kann Biel nur drei Ausländer einsetzen, weil Ahren Spylo immer noch verletzt ist. Neue Spieler, die tragende Elemente sein sollten wie Fabian Sutter (von Zug mit einem Dreijahresvertrag geholt) sind ausser Form. Mittelstürmer Fabian Sutter war auf die Tribüne verbannt worden – obwohl mit Gaëtan Haas ein Center verletzt ist. Eigentlich verlieren die beiden schwedischen Stürmer das Spiel.

Inzwischen haben Niklas Olausson (-13!) und Per Arlbrandt (-8) die schwächsten Plus/Minus-Statistiken des Teams. Eine Tändelei von Olausson und ein Wechselfehler von Arlbrandt führen direkt zu Gegentreffern.

Nicht mehr der Schläpfer vom September

Ganz entgegen seiner Gewohnheit macht Kevin Schläpfer nach dem Spiel öffentliche Einzelkritik. «Wir sollten Spiele dank unserer ausländischen Stürmer gewinnen. Es ist nicht normal, dass wir wegen den beiden Schweden Spiele verlieren.» Es liege nicht am fehlenden Willen. Auch die physische Verfassung sei okay. «Aber inzwischen fehlt es wohl an der Spielintelligenz.» Starker Tobak.

Es ist nicht mehr der Kevin Schläpfer des Septembers, als er vier der ersten fünf Partien gewonnen hatte. Er kritisiert nicht nur öffentlich Einzelspieler. Er redet auch Leistungen und Spiel schön. Das ist ganz und gar nicht seine Art. Ausländer kritisieren und das Spiel schönreden – das ist etwas, was gewöhnliche Trainer tun. Aber Kevin Schläpfer ist kein gewöhnlicher Trainer.

Wenn Kevin Schläpfer und seine Bieler rocken, dann werden Spiele auch gewonnen, wenn viele Kleinigkeiten nicht stimmen. Kevin Schläpfer und die Bieler rocken (vorübergehend?) nicht mehr. Obwohl es die nominell beste Mannschaft seit dem Wiederaufstieg von 2008 ist.

13.10.2015; Biel: Eishockey NLA - EHC Biel - EV Zug: Jubel bei Biel nach dem 1:0.   (Christian Pfander/freshfocus)

Biel hat nominell das beste Kader seit dem Wiederaufstieg 2008.
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Dass Kevin Schläpfer und Biel nicht rocken, hat wohl auch etwas mit den unmoralischen Nationaltrainerangebot zu tun. Ein starkes Indiz für diese Theorie: Auf Wunsch von Kevin Schläpfer hat Biels Management alle Chronistinnen und Chronisten per E-Mail angewiesen, kein Fragen zum Thema Nationaltrainer zu stellen – Kevin Schläpfer werde keine diesbezüglichen Fragen beantworten. Und als ein vorwitziger Chronist das Thema nach dem Spiel doch anschneiden will, sagt er unwirsch: «Wenn ihr weiter solche Fragen stellt, gehe ich.» Und auch vor den TV-Kameras ziert er sich und mag nicht über das Thema Nationaltrainer plaudern.

Aber dieses Thema wird er so schnell nicht mehr los. Heute Abend leitet er das traditionelle Plauschtraining mit Chronistinnen und Chronisten, das der Liga-Hauptsponsor PostFinance jedes Jahr bei mehreren Klubs durchführt – inkl. gemütlichem Beisammensein bei Speise und Trank. Diesmal gibt es so viele Anmeldungen wie noch nie. Über 30. Und alle treibt eine Frage um: wird Kevin Schläpfer am Ende doch noch Nationaltrainer? Kevin Schläpfer hat seine Unschuld verloren und wird sie in Biel vorerst nicht wiederfinden.

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MARC AUREL 14.10.2015 16:19
    Highlight Highlight Es geht um die Aussage DIE LIONS schaffen es sowieso in die Playoffs! Diese Aussage ist ziemlich arrogant und wie wir wissen haben schon mehrere Teams die PO verpasst und dazu gehören auch deine Lions! Sonst stimme ich dir schon zu.
    • Amboss 15.10.2015 08:09
      Highlight Highlight Nun es ist auch schon zehn Jahre her, seit die Lions die Playoffs das letzte Mal verpasst haben.
      In der Zwischenzeit hat das Nachwuchs- und Farmteam-Konzept voll gegriffen.

      Meine Aussage soll nicht arrogant sein. Aber die Lions haben eine derartige Breite in ihrem Kader, ein Nicht-Erreichen der Playoffs kann eigentlich gar nicht vorkommen.

      Klar, Eishockey ist ein schnelles Spiel, die Liga ist ausgeglichen. Und wie sie sagen, es hat alle schon mal erwischt.
      Aber von allen Teams ist es bei den Lions ganz klar am unwahrscheinlichsten, dass sie die Playoffs verpassen.

  • MARC AUREL 14.10.2015 12:27
    Highlight Highlight Lieber Amboss, wenn ich mich nicht täusche haben deine Züzis vor nicht sooo lange Zeit die Playoff verpasst und das mit ein top Kader damals...
    • Amboss 14.10.2015 12:58
      Highlight Highlight @Marc: Ich hätte auch den SCB oder was auch immer als Beispiel nehmen können. Hätte auch gepasst. Aber auch die haben doch schon die Playoffs verpasst.

  • welefant 14.10.2015 09:14
    Highlight Highlight Raffainer würde mit seiner Art doch sehr gut zu ManU passen ;)
  • Playoffbart 14.10.2015 08:35
    Highlight Highlight Der Eismeister widerspricht sich in diesem Artikel gleich mehrfach selber. Ich bin kein Bieler Fan, aber es ist offensichtlich, dass Biel diese Niederlagen vor allem wegen schlechter Leistungen der Spieler (Formbaisse, individuelle Fehler) - besonders seitens der Ausländer - verloren hat, und nicht weil Schläpfer nicht bei der Sache gewesen und sie schlecht gecoacht hätte.
    • Against all odds 14.10.2015 09:25
      Highlight Highlight Jein. Die Aufstellung macht immer noch der Trainer. Und da gibt es doch einige (ältere) Spieler die trotz Formschwäche immer wieder eingesetzt werden obwohl Nachwuchsspieler mehr Drive ins Spiel bringen wie Horansky oder Holdener. Es wird Zeit, dass das Thema Schläpfer/Natitrainer langsam aus den Medien verschwindet, damit sich Biel wieder auf das Hockeyspielen konzentrieren kann.
      Die unsägliche Inkompetenz und Selbstherrlichkeit vom Verband (Raffainer) der das ganze erst ausgelöst hat und welcher von SCB-Leuenberger und ZSC-Zahner noch befeuert wird ist eine andere Geschichte.
    • Amboss 14.10.2015 12:08
      Highlight Highlight @Playoffbart: Was ist der Unterschied zwischen ZSC und EHC Biel?
      Der ZSC kommt sowieso in die Playoffs, der EHC Biel wenn alles optimal läuft.
      Der ZSC hat eine derartige Qualität im Kader, selbst in einer "Krise" sammeln die noch Punkte. Die Playoff-Quali ist niemals in Gefahr.
      Beim EHC Biel kommt es auf jedes Pünktli an. Gerade wenn zu Verletzten noch Unsicherheit beim Trainer dazukommt, dann kann dies in eine Niederlagenserie führen.
      Und so eine Serie kann bedeuten, dass genau etwa drei oder vier Punkte für die Playoffs fehlen.
      Insofern: Nein, der Eismeister hat sich nicht widersprochen

    • Playoffbart 14.10.2015 13:31
      Highlight Highlight Dann müssen wir die Frage ändern: hätte Biel diese Spiele gewonnen, wäre der Verband NICHT mit dem Jobangebot an Schläpfer herangetreten wäre? Ich denke nicht. Biel hat in den ersten Partien das Wettkampfglück auf seiner Seite gehabt, und zuletzt halt nicht...
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