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19.09.2014; Biel; Eishockey - EHC Biel - Rapperswil-Jona Lakers; Assistenztrainer Michel Zeiter (Lakers) (Sandro Stutz/freshfocus)

Michel Zeiter soll die Rapperswil-Jona Lakers vor dem Abstieg retten. Bild: Sandro Stutz/freshfocus

«Mach doch den Zeiter zum neuen Chef» – die Rekonstruktion eines Trainerwechsels in Zeiten des medialen Schweigens

Warum ist Michel Zeiter neuer Rappi-Trainer geworden? Warum nicht einer der charismatischen Bandengeneräle wie Hans Kossmann oder Doug Shedden? Die schwierige Suche nach einer Antwort.



Nun wissen wir, dass Anders Eldebrink bei den Rapperswil-Jona Lakers durch Michel Zeiter ersetzt wird. Wir sind nicht mehr auf Mutmassungen angewiesen – und dazu in der Lage, das Geschehen in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag besser zu rekonstruieren als noch vor 24 Stunden.

Die Existenz der Lakers hängt von den guten Gaben von Hansueli «Jöggi» Rihs ab. Der Milliardär ist auch Mitbesitzer des Fussballklubs YB und des Stade de Suisse in Bern.

So könnte in der Nacht auf Freitag das entscheidende Gespräch zwischen dem Mäzen und Lakers-Sportchef Harry Rogenmoser verlaufen sein. Es ist der Versuch einer Rekonstruktion. Eine Recherche war leider nicht möglich. Die Lakers haben sich ja bekanntlich ein Schweigegelübde auferlegt. Bis zum Saisonende darf niemand mehr mit den Chronistinnen und Chronisten reden.

So oder ähnlich ist es wohl zur Beförderung von Michel Zeiter zum Cheftrainer gekommen:

Harry Rogenmoser: Du, Jöggi, wie war die Börse diese Woche?

Hansueli Rihs: Gut, warum fragst du? Du willst wohl wieder Geld, stimmt's?

Harry: Hast ja schon recht. Es ist so, du musst die Kriegskasse nochmals nachfüllen.

Andy Rihs, links, und Hansueli Rihs, rechts, Investoren der Sport und Event Holding AG, kommunizieren die Trennung von Kommerz und Sportbereich und die damit verbundene Reorganisation am Dienstag, 30. Oktober 2012 im Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)..

Hansueli Rihs pumpt jedes Jahr viel Geld in die Rapperswil-Jona Lakers. Bild: KEYSTONE

Hansueli: Soso. Und wofür?

Harry: Wir müssen den Trainer wechseln.

Hansueli: Dann mach, was notwendig ist. Aber von mir bekommst du dafür kein Geld.

Harry: Aber das geht nun mal nicht gratis. Wenn wir einen neuen Mann an die Bande stellen wollen, müssen wir den bezahlen und den Eldebrink haben wir noch bis Ende der nächsten Saison auf der Lohnliste. Du weisst ja, wir haben den Vertrag mit ihm bereits verlängert.

Hansueli: Mach, was du willst, aber dafür gibt es kein Geld von mir. Ich habe bei YB schmerzlich erfahren, dass Trainerwechsel gar nichts bringen. Wenn ich nur dran denke, was mich das ganze Trainertheater bei YB schon gekostet hat!

Harry: Aber wenn du das Geld nicht bewilligst, steigen wir ab.

Hansueli: Es liegt nicht am Trainer. Jetzt nehmen wir die Spieler in die Verantwortung. Ihr Sportchefs wählt immer den leichtesten Weg. Wer hat denn die Spieler ausgesucht? Du, Harry.

19.09.2014; Biel; Eishockey - EHC Biel - Rapperswil-Jona Lakers; Sportchef Harry Rogenmoser (Lakers) (Sandro Stutz/freshfocus)

Machtlos hinter Plexiglas: Lakers-Sportchef Harry Rogenmoser ist zum Zuschauen verdammt. Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Harry: Komm mir jetzt nicht so, Jöggi.

Hansueli: Doch, du stehst in der Verantwortung. Aber es ist natürlich einfach, alle Schuld dem Trainer in die Schuhe zu schieben. Es ist halt einfacher, den Stuhl statt das Piano zu zügeln.

Harry: Nein, Jöggi. So einfach ist das nicht.

Hansueli: Doch, so einfach ist es, Harry. Ich habe dir auf diese Saison hin drei zusätzliche Millionen für die schwedischen Ausländer zur Verfügung gestellt. Du hattest mir versichert, diese Investition lohne sich. Weltklassespieler hätten halt ihren Preis. Mit diesen Wunderschweden sei es unmöglich, abzusteigen und wir würden uns mit diesen Weltklassespielern spätestens in den Play-outs retten. Ja, Harry, Weltklassespieler hast du gesagt. Und nun zeigt sich, dass du bloss Nieten verpflichtet hast, die sich auf meine Kosten ein schönes Leben machen. Wo waren die denn gegen Langnau? Harry, die Langnauer haben uns mit einem Billigkanadier und einem noch billigeren französischen Verteidiger gedemütigt. Da ist etwas faul im Staate Dänemark!

Harry: Ja, ja, ja, Jöggi, du hast schon recht. Das mit den Schweden hat nicht funktioniert. Ich übernehme die Verantwortung.

Hansueli: Du hast schön reden. Dich kostet es ja nichts!

Harry: Tu jetzt nicht so, Jöggi. Du kannst den Trainer doch aus der Protokasse finanzieren.

Hansueli: Genau so denkt ihr Sportchefs. Der Bickel bei YB auch. Gerade als Treuhänder solltest du um den Wert des Geldes wissen. Mir mit schönen Versprechungen ständig Geld entlocken und dann dieses ständige Versagen! Du bist ja fast schlimmer als der Bickel bei YB!

Harry: Nun reg dich doch nicht so auf, Jöggi. Wir drehen das Ding noch. Aber du musst uns den Trainerwechsel finanzieren. Also, spendierst du uns den Trainerwechsel?

Hansueli: Nein. Und dabei bleibt es.

Harry: Aber Jöggi, was sollen wir tun? Es geht nicht mehr mit dem Eldebrink.

Haengende Koepfe bei den Lakers nach der Niederlage beim ersten Auf-/Abstiegsplayoff Eishockey Ligaqualifikationsspiel der NLA/NLB zwischen den Rapperswil-Jona Lakers und den SCL Tigers am Donnerstag, 2. April 2015, in der Diners Club Arena in Rapperswil. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bei den Rapperswil-Jona Lakers herrscht nach der Pleite in Spiel 1 blankes Entsetzen. Bild: KEYSTONE

Hansueli: Was wohl? Mach doch den Zeiter zum neuen Chef.

Harry: Das soll wohl ein Scherz sein. Den nehmen die Spieler nicht ernst. Schon bei Visp ist er als Cheftrainer entlassen worden.

Hansueli: Lieber Harry, es ist noch nicht zwei Jahre her, da hast du von mir Geld verlangt, um den Zeiter als Assistenten vom Eldebrink anstellen zu können. Ich wollte nicht. Aber du hast so getan, als hänge das Schicksal der Lakers an der Verpflichtung Zeiters. Ach, wie hast du mir den gerühmt! Wie das ein Guter sei. Wie gut er mit den Spielern umgehen könne. Welch toller Motivator er sei. Und jetzt kommst du daher und sagst mir, der tauge nicht zum Cheftrainer.

Harry: Aber damals ging es um den Job eines Assistenten! Nicht um den eines Cheftrainers!

Hansueli: Wenn der als Assistent so gut ist, wie du immer gesagt hast, dann taugt er auch zum Chef. Er verdient ja jetzt schon mehr als viele Chefs in der Privatwirtschaft und fährt einen Aston Martin. Wer Aston Martin fährt, muss auch Chef sein können. Basta!

Harry: Aber das geht nicht, Jöggi. Wie soll ich das den Journis erklären?

Hansueli: Brauchst du ja gar nicht. Hast du schon vergessen, dass wir auf deinen Rat hin beschlossen haben, sofort bis Saisonende den Journis keine Auskunft mehr zu geben?

Harry: Aber Jöggi, wir könnten den Shedden oder den Kossmann haben!

Hansueli: Ausgerechnet! Den Shedden wollten sie in Zug nicht mehr und der Kossmann ist bei Gottéron entlassen worden. Harry, wir haben schon zu viele Spieler, die sonst nirgendwo mehr einen Job bekommen würden und jetzt auf meine Kosten ein gutes Leben haben. Jetzt finanziere ich nicht auch noch ein Ferienheim für gescheiterte Trainer. Am Ende kommst du mir noch mit den Hockey-Teletubbies Ruhnke und Samuelsson.

23.01.2015; Zug; Eishockey NLA EV Zug - Rapperswil-Jona Lakers; Assistenztrainer Michel Zeiter (Lakers) (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Kann Michel Zeiter aus den Lakers-Spielern das Notwendige rauskitzeln? Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Harry: Ist ja gut, Jöggi. Ist nichts zu machen? Du hast doch selber gesagt, die Börse sei diese Woche gut gewesen.

Hansueli: Ich bleibe dabei. Wenn du den Trainer wechseln willst, dann nimm den Zeiter. Und eines sage ich dir!

Harry: Was, Jöggi?

Hansueli: Wenn es wieder nicht funktioniert und wir absteigen, dann bist du gefeuert!

Leider ist es wegen des totalen Medienboykottes nicht möglich, nachzuprüfen, ob dieses Gespräch wortwörtlich so stattgefunden hat. Aber die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass es so oder ähnlich war.

Und wie heisst es doch so schön: Se non è vero, è ben trovato.

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

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1Kommentar anzeigen

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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