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Der Berner Trainer Guy Boucher, Mitte, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der NLA zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern am Freitag, 16. Oktober 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Guy Boucher wird nicht zur «lahmen Ente».
Bild: KEYSTONE

Keine Polemik zu Bouchers Abgang: Endlich «Lego-Hockey» mit einer Prise Ungehorsam und Spektakel?

SCB-Trainer Guy Boucher kündigt seinen Rücktritt per Ende Saison an. Sein Nachfolger muss die SCB-Antwort auf Arno Del Curto sein. Keine Polemik.



Ein Trainer kündigt schon im November an, dass er per Ende Saison gehen wird. Das ist ungewöhnlich. Aber der Entscheid ist zu respektieren. Guy Boucher hat persönliche Gründe für die Rückkehr in seine Heimat. Dass der SCB mit dieser Ankündigung auch gleich das Arbeitsverhältnis auflöst, wäre an und für sich sportlich gut gewesen.

Dass SCB-Manager Marc Lüthi seinen Trainer trotzdem im Amt belässt, ist ebenfalls zu respektieren. Es ist Guy Bouchers Wunsch, bis zum Saisonende für den SCB arbeiten zu dürfen. Dass er bis zum letzten Arbeitstag mit hundertprozentigem Engagement bei der Sache sein wird, steht ausser Frage. Die Berufseinstellung des Kanadiers war, ist und bleibt ohne Fehl und Tadel.

ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS GUY BOUCHER DEN SC BERN ENDE SAISON VERLASSEN WIRD, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Bern's Head coach Guy Boucher reacts, during a National League A regular season game of the Swiss Championship between Lausanne HC and the SC Bern, at the Malley stadium in Lausanne, Friday, October 2, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Guy Boucher wird bis zum Schluss alles geben.
Bild: KEYSTONE

Keine «lahme Ente»

Mit etwas Lust zur Polemik könnten wir jetzt Guy Boucher als «lame Duck» bezeichnen. Die Nordamerikaner pflegen Präsidenten, deren Amtszeit ausläuft, als «lahme Enten» zu bezeichnen. Weil davon ausgegangen wird, dass ein Chef nichts mehr bewegen kann, wenn alle wissen, dass er sowieso geht.

Aber Guy Boucher wird keine «lahme Ente» sein. Ob der Trainer per Ende Saison geht oder nicht, ändert nichts daran, dass er im Trainingsalltag und an der Bande weiterhin uneingeschränkte sportliche Macht ausübt. Wer spielen will, muss den Trainer überzeugen. Gratis gibt es auch weiterhin nichts.

Bouchers Mutter leidet an Krebs

Wie Boucher auf der Homepage des SCB schreibt, leidet seine Mutter an Krebs. Im März war er daher in der Heimat, nachdem sie die Diagnose erhalten hatte. Er habe sich dabei und auch im Mai sehr um seine Mutter gekümmert, der es derzeit zwar wieder besser geht, aber Boucher habe gemerkt, wie schwierig es ist, wenn er so weit weg wohnt.

Gute Erinnerungen an den letzten vorzeitig angekündigten Abgang

Ja, der SCB ist mit einem Trainer, der seinen Abgang vorzeitig angekündigt hat, schon einmal sehr gut gefahren. Weil Marc Lüthi richtigerweise nicht bereit war, den Vertrag mit Kent Ruhnke schon im Dezember zu verlängern, kündigte der Kanadier am 6. Dezember 2003 verärgert seinen Rücktritt per Saisonende an – und holte mit dem SCB den Titel.

Die SCB-Mannschaft jubelt zusammen mit Coach Kent Ruhnke, vorne, nach dem entscheidenden NLA Eishockey Playoff Finalspiel zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern, am Samstag, 10. April 2004, in der Resega in Lugano. Die Berner wurden nach dem in der Overtime erzielten 3:4 Schweizermeister im Eishockey. (KEYSTONE/Edi Engeler)

Nachdem Kent Ruhnke 2003 bekannt gab, dass er im Sommer 2004 geht, holte er mit dem SCB noch den Titel.
Bild: KEYSTONE

Guy Boucher wie Kent Ruhnke? Nominell ist die teuerste SCB-Mannschaft der Geschichte (sie wird nächste Saison noch teurer sein) durchaus dazu in der Lage, die Meisterschaft zu gewinnen. Aber es gibt zwei Probleme: Guy Boucher und Marco Bührer. Der SCB-Goalie spielt nicht mehr auf dem gleichen Niveau wie 2004 und wird, wie sein Trainer, per Saisonende auch abgelöst. Durch Leonardo Genoni.

Boucher taktisch zu perfekt

Guy Bouchers «Lego-Hockey» der letzten anderthalb Jahre taugt nicht zum Gewinn einer Meisterschaft. Mit seinem Hang zum taktischen Perfektionismus versucht er ein unberechenbares, auf einer rutschigen Unterlage ausgetragenes Spiel in eine berechenbare Wissenschaft zu verwandeln.

30.10.2015; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - HC Davos; 
Trainer Guy Boucher (Bern) nimmt ein Timeout 
 (Urs Lindt/freshfocus)

Guy Boucher: War das taktische Korsett zu eng?
Bild: freshfocus

Er zerlegt dieses Spiel in seine Einzelteile und baut es, wie Lego-Bausteine, nach seinen Vorstellungen wieder zusammen. Am liebsten hat er taktische Maschinisten. Aber auf diese Weise wird das Spiel für den Gegner berechenbar und langweilig. Es ist so auch schwierig, junge Spieler weiterzuentwickeln. Biels Gaëtan Haas hätte vielleicht noch nicht in Biel verlängert, wenn er früher gewusst hätte, dass Guy Boucher nächste Saison nicht mehr in Bern arbeitet.

SCB muss wieder selbstbewusster werden

Hier ganz kurz etwas Polemik: Um ja nicht eingestehen zu müssen, dass das Engagement von Guy Boucher letztlich wohl als Missverständnis in die SCB-Geschichte eingehen wird, sind intern die Titelambitionen aufgegeben worden. Noch nie in diesem Jahrhundert war das Jammern der SCB-Generäle (deren Namen mir grad entfallen sind) über grössere finanzielle Mittel der Konkurrenz, über die Schwierigkeiten mit einer Mannschaft im Umbruch erfolgreich zu sein, so gross wie in den letzten Wochen.

Berns Cory Conacher, Beat Gerber, Thomas Ruefenacht und David Jobin, von links, feiern den Treffer zum 3:1 im Eishockey National League A Spiel zwischen dem SC Bern und dem HC Fribourg-Gotteron, am Samstag, 24. Oktober 2015, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

Für den SC Bern darf es nur eines geben: den Titel.
Bild: KEYSTONE

Ja, einer hat sich sogar verplappert und geklagt, man habe ja nur noch einen «durchschnittlichen Goalie». Na ja, da ist viel Wahrheit dran. Aber ab nächster Saison hat der SCB ja Leonardo Genoni. Ein bisschen mehr sportlicher Stolz wäre erwünscht. Ein Hockeyunternehmen wie der SCB, im Selbstverständnis das Bayern München des Hockeys, darf nur sportliche Erstklassigkeit akzeptieren. Ende der Polemik.

Meisteraussichten sind besser geworden

Durch die Ankündigung seines Rücktrittes erhöhen sich nun Guy Bouchers Erfolgsaussichten. Wenn sich alle an seine taktischen Vorgaben halten, wird der SCB nicht Meister. Aber nun wissen alle, dass der Chef per Ende Saison geht. Dieses Wissen führt zwar nicht zu Schlendrian. Denn der wird nicht geduldet. Aber mit ziemlicher Sicherheit zu ein bisschen Mut zu taktischem Ungehorsam, zu einer Prise Kreativität und Unberechenbarkeit. Guy Bouchers «Lego-Hockey» mit einem Lächeln statt steinerner Miene.

Wir dürfen nun spielerisches und taktisches Tauwetter erwarten – und damit steigen die Chancen, dass der SCB Eishockey wieder vermehrt spielt und nicht mehr bloss arbeitet. Dass das Publikum wieder besser unterhalten wird.

ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS ARNO DEL CURTO BEIM HC DAVOS BLEIBEN WIRD, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Trainer Arno Del Curto von Davos, beim Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem EV Zug, am Samstag, 17. Oktober 2015, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Del Curto wäre perfekt für den SCB. Aber wo wäre der eigentlich nicht perfekt?
Bild: KEYSTONE

Arno del Curto wäre perfekt

Sportchef Sven Leuenberger hat in aller Ruhe Zeit, einen neuen Trainer zu suchen. Der SCB ist wirtschaftlich eines der erfolgreichsten Hockeyunternehmen ausserhalb der NHL, weil alles seine Ordnung hat. Der Wahn, dass alles berechenbar ist, hat sich unter Guy Boucher von den Büros aufs Spiel übertragen.

Das Erfolgsrezept beim SCB war im Grunde schon immer: Durchorganisiert und alles unter Kontrolle neben dem Eis. Aber Mut zu Kreativität, Polemik, Risiko, Leidenschaft und Unberechenbarkeit auf dem Eis. Arno Del Curto wäre der perfekte SCB-Trainer. Aber den bekommt der SCB nicht.

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Baccara - Team Nicole 12.11.2015 11:55
    Highlight Highlight ..hat KZ einen Thesaurus auf dem Compi, der aufblinkt wenn er z.B. Marc Lüthi tippt? König von Bern, SCB-General..

    Neue Synonyme braucht die Welt!!
    6 11 Melden
  • Max Pauer 12.11.2015 09:55
    Highlight Highlight Herrlich, zuerst sagen, dass keine Polemik entfacht und der Metzger keine lahme Ente wird - und dann dauernd das Gegenteil schreiben. Grosses Chino! Ach, wenn die SCB-Spiele doch nur halb so unterhaltend wären wie Klausens Geschichten. Wo kann man wetten, dass spätestens in zwei Monaten an dieser Stelle sinngemäss steht "als er die Rückkehr zur kranken Mutter bekannt gab, war die Autorität in der Kabine dahin. Im Gegensatz zum beliebten Ruhnke erreichte Lego-General Boucher sein Team nicht mehr. Wer zu sehr mit der Peitsche knallt, dem läuft der Gaul davon, wussten schon die Araber."
    16 2 Melden
    • Hayek1902 12.11.2015 19:25
      Highlight Highlight falls klaus mal krank ist, darfst du übernehmen ;)
      3 0 Melden
  • Brian 12.11.2015 09:05
    Highlight Highlight Wenn man frühere Artikel von KZ im Zusammenhang mit Guy Boucher gelesen hat, merkte man sofort, dass KZ diesen Trainer hasst! Dieser Artikel hingegen ist wieder mal sachlich und mit wesentlich weniger Provokation, gut gemacht KZ! Doch seine Lieblinge wie eben AdC werden immer wieder erwähnt. War überrascht dass nicht auch noch Kevin Schläpfer nicht erwähnt wurde? Sowohl AdC und KS haben ja Verträge, weshalb wird dann immer wieder AdC erwähnt? Bitte lieber über mögliche Nachfolger von GB berichten.
    14 2 Melden
    • meinsch? 12.11.2015 09:47
      Highlight Highlight das hat mit hass wenig zu tun, boucher hat in seiner trainerkarriere bis heute nichts erreicht, das ist fakt.
      weder in übersee als auch beim scb ist sein "leistungsausweis" eher mager
      20 7 Melden
    • Hayek1902 12.11.2015 19:28
      Highlight Highlight halt, er ist jetzt cup sieger, sprich er hat in einem wettbewerb 4 mal hintereinander gegen jetzt nla teams gewonnen (ich hab die tigers mal mitgezählt aus goodwill, schliesslich sind sie ja aufgestiegen und das team hat sich nicht gross verändert).
      4 0 Melden
  • Amboss 12.11.2015 08:19
    Highlight Highlight Del Curto, immer wieder Del Curto... Was soll das?
    Erstens hat der gerade seinen Vertrag verlängert und zweitens kommt der sicher nicht zum SCB.
    Del Curto braucht seinen Freiraum. Er braucht alle Macht, damit er SEINE Vorstellungen umsetzen kann. Er muss sagen können, welche Spieler er will, welche nicht. Und ja, er braucht auch mal eine Saiaon, wo vielleicht schon im Viertelfinale Schluss ist.

    Wo ist dieser Freiraum neben den Alphatieren Lüthi, Leuenberger und den 16000 Schnäuzen pro Spiel, welche unterhalten werden wollen? Eben...

    Del Curto zu Bern... Nein, sicher nicht.

    21 9 Melden
    • joe 12.11.2015 08:31
      Highlight Highlight Del Curto wird immer wieder als Trainer beim SCB gehandelt, weil er sich vor Jahren selbst ins Spiel brachte als er in einem Interview sagte es würde ihn Reizen beim SCB Trainer zu sein. Und da er mit Abstand der erfolgreichste schweizer Trainer ist, ist es nur logisch das man ihn immer wieder ins Spiel bringt.
      Aber ansonsten geb ich dir recht. AdC braucht seine geschützte Werkstatt in Davos!
      22 2 Melden
    • Schreiberling 12.11.2015 09:07
      Highlight Highlight Für einmal schreibt Zaugg aber nicht: "Der SCB braucht Del Curto" sondern "Der SCB braucht einen wie Del Curto". Und damit hat er recht.
      21 0 Melden
    • supi 12.11.2015 09:54
      Highlight Highlight adc hat vieleicht mehr charisma als andere coaches .. aber er wird auch mehr als andere überschätzt ..
      15 10 Melden
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  • Ralphster 12.11.2015 08:02
    Highlight Highlight Spannend, der SCB ist wirtschaftlich eines der erfolgreichsten Hockeyunternehmen ausserhalb der NHL? Potzblitz! War mir bis jetzt gar nicht bewusst. Das hätte der Eismeister auch schon früher mal erwähnen können.....
    Was? Er tut das in praktisch jeder seiner Kolumnen? Ach...ist mir gar nie aufgefallen.
    19 5 Melden
    • joe 12.11.2015 08:32
      Highlight Highlight "SCB ist wirtschaftlich eines der erfolgreichsten Hockeyunternehmen ausserhalb der NHL"
      B I N G O
      war das letzte das mir beim Bullshitbingo gefehlt hat!
      8 5 Melden
    • supi 12.11.2015 09:56
      Highlight Highlight .. Und auch am meisten subventioniert .. schaut man auf die Miete und Möglichkeiten im Stadion?
      6 19 Melden
    • TheMan 12.11.2015 12:26
      Highlight Highlight Dan soll mir bitte einer der 3 Lafferis sagen, welcher Club sonst Schwarze zahlen Schreibt. Ohne Mätze bzw Millionäre die das Geöd haben. Daffos? Jedes Jahr Rote Zahlen. Z. Träumt weiter. Kloten ähm nö. Zug wie bitte? Nein. Servette hat Mc.Sorbet. Lugano auch in den Roten Zahlen ohne Millionärin. Ambri müssen wir da nicht erwähnen. Biel auch immer in den Roten. Langnau könnt dieses Jahr auf eine Nullnr. kommen. Aber eher Rot.
      12 6 Melden
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