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30.10.2015; Fribourg: Eishockey NLA - HC Fribourg-Gotteron - HC Ambri-Piotta: Trainer Hans Kossmann (Ambri) kommt auf die Spielerbank.   (Christian Pfander/freshfocus)

Macht Kossmann Ambri wieder taktisch schlau?
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Eismeister Zaugg

Ambris Weg aus der ewigen Krise: Langweilig siegen statt dramatisch verlieren

Der neue Trainer Hans Kossmann ist drauf und dran, Ambris grösstes, Ambris ewiges Problem zu lösen und die Mannschaft taktisch schlau zu machen.



Manchmal braucht es halt doch einen Trainerwechsel. Hans Kossmann hat vier von sechs Partien gewonnen. Nicht bloss Umstellungen haben die Wende gebracht. Ambris neuer Trainer verändert die Spielphilosophie.

Ambris Topscorer Inti Pestoni beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Ambri-Piotta und dem EHC Biel am Samstag, 21. November 2015, in der Valascia Halle in Ambri. (PHOTOPRESS/Ti-Press/Samuel Golay)

Er ist einer der wichtigsten Spieler bei Ambri: Inti Pestoni. 
Bild: PHOTOPRESS

Ambri hatte – mit Ausnahme der «Belle Epoque» um die Jahrhundertwende mit dem Qualifikationssieg und der verlorenen Finalissima von 1999 gegen Lugano – nie spielerisch grosse Mannschaften. Grosse Einzelspieler hingegen schon. Von Andy Bathgate bis Inti Pestoni. Nicht Talent macht Ambri aus. Sondern Leidenschaft und Wille. Deshalb ist Ambri dazu verurteilt, im «Polka-Stil» zu siegen. Will hiessen: Vollgas vorwärts. Die Polka ist ein Rundtanz im schnellen Zweivierteltakt. Eine Polka kann nicht langsam gespielt werden. So wie Carlo Brunner, Hans Muff und Jost Ribary durch rassige Melodien und nicht als Blueser berühmt geworden sind, so steht Ambri für emotionales Vorwärtsspiel und nicht für rationelles Resultat-Hockey.

Aber bei 50 Qualifikationsspielen, bei einem Modus mit zwei Runden in zwei Tagen hat niemand mehr die Energie, um mit wildem «Puckeroberungshockey» fehlendes Talent während einer ganzen Saison zu kompensieren. Wer die Playoffs schaffen will, muss dazu in der Lage sein, auch mal berechnendes, taktisches Hockey zu spielen. Nicht immer Polka. Nicht immer Vollgas.

ARCHIV --- HC Fribourg-Gotteron Trainer Hans Kossmann waehrend dem zweiten Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Samstag, 29. Maerz 2014, in der Kolping Arena in Kloten. Der Tabellenletzte Ambri-Piotta nimmt einen Trainerwechsel vor. Die Leventiner entliessen am 25. Oktober 2015 Serge Pelletier und gaben die Verpflichtung von Hans Kossmann als neuen Coach bekannt. Der ehemalige Trainer von Fribourg-Gottéron unterschrieb mit Ambri einen bis zum Ende der Saison 2016/17 gueltigen Vertrag. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Kossmann will Ambri mit taktischem Hockey in die Playoffs führen.
Bild: KEYSTONE

Die Voraussetzung dazu: Disziplin, Konzentration, Spielorganisation, funktionierendes Box- und Powerplay sowie die Reduktion der Fehler und Missverständnisse. Was in einem so schnellen, auf einer glatten Unterlage ausgetragenen Spiel wie Eishockey schwierig ist. Auch deshalb rutschen die Trainer nicht nur in Ambri immer wieder aus.

Hans Kossmann hat sein Handwerk bei Chris McSorley in Genf und bei Larry Huras in Bern gelernt. Er ist ein Anhänger des taktischen Hockeys. Des strukturierten, disziplinierten Spiels. Freihändige Offensive mag er nicht. Lieber langweilig siegen als wild und dramatisch verlieren. Im Extremfall wird aus dieser taktischen Linie freudloses «Guy Boucher-Hockey». Im Idealfall gelingt es, rationelles Hockey lustvoll zu spielen und erfolgreich zu sein.

Taktische Fortschritte

Hans Kossmann ist daran, Ambri nach und nach zu verändern, taktisch schlau zu machen und die Balance zwischen Disziplin und Leidenschaft zu finden. Vier von sechs Spiele hat er gewonnen, zuletzt hintereinander in der Valascia gegen Langnau (4:2), Lausanne (4:1) und Biel (2.1). Und dabei hat die Mannschaft erstaunlich taktisches Hockey mit Leidenschaft gespielt. Hans Kossmann sagt: «Wir haben gegen ein starkes Lausanne gewonnen, weil wir taktisch erstmals ebenso diszipliniert waren wie der Gegner. Gegen Biel waren wir in diesem Bereich noch besser und deshalb ist es uns gelungen, den Sieg über die Zeit zu retten.»

Ambris Paolo Duca, Alain Birbaum, Biels Fabian Suter, Ambris Sandro Zurkirchen und Ambris Matk Bastl, von links beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Ambri-Piotta und dem EHC Biel am Samstag, 21. November 2015, in der Valascia Halle in Ambri. ((KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Ambri spielte gegen Biel ein exzellentes Boxplay.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Ja, das 2:1 gegen Biel war geradezu ein taktisches Meisterstück. Bei fünf gegen fünf Feldspielern gewann ein nominell besseres Biel zwar 1:0. Ambri erzielte seine beiden Treffer im Powerplay. Und als Oliver Kamber in der Schlussphase (57.07 Min.) auf die Strafbank verbannt wurde, hielt ein müde gewordenes Ambri mit exzellentem Boxplay dem letzten, wuchtigen Ansturm des Gegners stand. Noch am 31. Oktober hatte Ambri im zweiten Spiel unter Hans Kossmann gegen dieses Biel ein 2:0 nicht über die Zeit gebracht und in der Verlängerung 2:3 verloren. Ambris taktische Fortschritte seit dieser Niederlage sind offensichtlich und erstaunlich.

Ambri neuer Spieler Markus Nordlund in Aktion beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Ambri-Piotta und den SCL Tigers am Samstag, 14. November 2015, in der Valascia Halle in Ambri. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Der sanfte Riese: Ambris Ersatzausländer Markus Nordlund.
Bild: TI-PRESS

Grosse Teams wie die ZSC Lions, Davos oder Zug kann Ambri so nur in Ausnahmefällen in Schach halten – aber in den letzten Partien hat sich gezeigt, dass die Gegner aus der zweiten Tabellenhälfte mit taktischer Schlauheit besiegt werden können. Eine zentrale Funktion bei der Spielorganisation haben die Verteidiger. Deshalb wird Sportchef Ivano Zanatta den vorerst bis Jahresende abgeschlossenen Vertrag mit Ersatzausländer Markus Nordlund (30) bis Saisonende verlängern. Der sanfte schwedische Riese war gegen Biel ein grosser Verteidigungsminister. Hans Kossmann sagt: «Wir haben jetzt sechs Ausländer. So viele brauchen wir, wenn wir die Playoffs erreichen wollen. Wir können es uns nicht leisten, einzelne Partien nur mit drei Ausländern zu spielen weil einer verletzt ausgefallen ist.»

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

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