Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Le gardien lausannois, Sandro Zurkirchen, en action, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League LNA, entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le HEV Zoug, EVZ, ce vendredi 22 fevrier 2019 a la patinoire de Malley 2.0 a Lausanne. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Zurkirchen liegt mit Lausanne gegen Zug mit 1:2 in Rückstand. Können die Waadtländer die Serie noch drehen? Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Nur ein Goalie kann noch ein wahrer Meisterheld werden

Die Goalies in den diesjährigen Playoff-Halbfinals sind keine Helden, wie man sie sich eigentlich vorstellt. Weder Leonardo Genoni, Jonas Hiller, Sandro Zurkirchen noch Tobias Stephan erreichen die Fangquoten vom letzten Jahr.



Wir warten in den Playoffs immer noch auf einen Helden. Nun mag der Einwand berechtigt sein, ein Held sei schon etwas anderes, als ein Mann, der dafür bezahlt ist, zu spielen und nicht zu arbeiten. Aber es gibt eine wunderbare Definition des Helden aus den 1700er-Jahren, die immer noch gültig ist:

«Der Held ist einer, der von Natur mit einer ansehnlichen Gestalt und ausnehmender Leibesstärke begabt ist, durch tapfere Taten Ruhm erlangt und sich über den gemeinen Stand der Menschen erhoben hat.»

Die letzten Männer im Spiel der rauen Kerle sind wie geschaffen für diese Heldenrolle. Sie wirken mit ihrer Postur und ihren Taten. Wie gross das Tor dem Gegner erscheint, hängt vor allem von dem Mann ab, der es bewacht.

Manchmal ist es gross wie ein Garagentor und manchmal erscheint es den Stürmern so, als müssten sie den Puck in einer Streichholzschachtel versorgen. Je nachdem, ob sich ein unsicheres Männchen zwischen den Pfosten duckt oder dort ein charismatischer Supermann steht, der noch 50 Zentimeter grösser und breiter scheint, als er wirklich ist.

Bern Goalie Leonardo Genoni fotografiert, im dritten Eishockey Playoff-Halbfinalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel, am Samstag, 30. Maerz 2019, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Trockentraining: Genoni als Türsteher in den Katakomben des Berner Stadions. Bild: KEYSTONE

Meister mit «Lottergoalie»

Kein Wunder, werden im Hockey von heute die Goalies immer grösser, ihre Ausrüstung immer voluminöser – und die Stürmer immer kleiner. Diese letzten Männer können so gut sein, wie sie wollen – ihr Schicksal ist es, dass sie immer wieder bezwungen werden. Jede gute Parade ist nur so gut wie die nächste gute Parade. Ihr Schicksal zeigt die ganze Dramatik des Eishockeys und auch ein wenig vom richtigen Leben.

Das «Grande Lugano» des John Slettvoll war 1990 die letzte Mannschaft, die mit einem «Lottergoalie» (Markus Bachschmied) – also nicht mit einem Helden – den Titel holte. Seither sind die letzten Männer der Meisterteams Helden, deren Namen die Fans heute noch kennen. Renato Tosio, Reto Pavoni, Ronnie Rüeger, Cristobal Huet, Ari Sulander, Marco Bührer, Lars Weibel, Jonas Hiller, Reto Berra, Lukas Flüeler oder Leonardo Genoni. Vergessen ist eigentlich nur Jakub Stepanek, der tschechische SCB-Meistergoalie, der erst im Laufe der Saison 2015/16 aus Russland (KHL) herbeigeeilt war und nach der Meisterfeier schon wieder ging. Aber auch er war ein Held.

ZUM ABTIEG DES EHC KLOTEN IN DIE SWISS LEAGUE, NACH 56 JAHREN IN DER HOECHSTEN SPIELKLASSE, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Lugano's Key-Player Marcel Jenni (ohne Helm) und Kloten-Torhueter Reto Pavoni im Banne des hochfliegenden Pucks am Sonntag, 5. Oktober 1997 in Kloten.  Hinten Lugano-Spieler Gian-Marco Crameri.    (Keystone/Christoph Ruckstuhl)

Klotens legendärer Meistergoalie: Reto Pavoni (gegen Luganos helmlosen Marcel Jenni). Bild: KEYSTONE

Saison der Aussenseiter

Nun hat sich still und heimlich, fast schleichend, etwas verändert. Wir sind in den Playoff-Halbfinals angelangt und es kann sein, dass erstmals seit 1990, zum ersten Mal in diesem Jahrhundert eine Mannschaft Meister wird, weil sie die besseren Stürmer, den besseren Trainer, die besseren Verteidiger, aber nicht den besseren Torhüter hat.

Es ist eine Saison der Aussenseiter. Auch auf der Position des letzten Mannes. Heldengeschichten haben Damiano Ciaccio in Langnau und Benjamin Conz in Ambri geschrieben und ein tragischer Held ist Melvin Nyffeler, der sich in Rapperswil-Jona abmüht wie der Hamster in seinem Rad. Und die grosse Torhüter-Story dieser Playoffs spielt nicht auf der grossen Bühne. Philip Wüthrich ist drauf und dran, Langenthal fast in Alleingang zum Titel zu hexen. Aber eben nur in der zweithöchsten Liga.

Langenthal's goaltender Philip Wuethrich, right, blocks the puck past Langenthal's defender Philippe Rytz, left, and La Chaux-de-Fonds' center Alain Mieville, 2nd left, during the third leg of the playoffs Final game of Swiss League Swiss Championship between HC La Chaux-de-Fonds and SC Langenthal, at the ice stadium Les Melezes, in La Chaux-de-Fonds, Switzerland, Sunday, March 31, 2019. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Langenthals Wüthrich ist im Playoff-Final seit 137 Minuten unbezwungen. In den letzten sechs Partien kassierte er bloss sechs Gegentreffer. Bild: KEYSTONE

Kein Vergleich zu früher

Wir können als Beleg für die schleichende Veränderung unserer Goalie-Kultur die Statistik heranziehen. Schliesslich lässt sich mit einer Statistik alles beweisen. Man muss sie nur finden. In den Halbfinals stehen Berns Leonardo Genoni, Biels Jonas Hiller, Lausannes Sandro Zurkirchen und Zugs Tobias Stephan. Zwei interessante Zahlen zeigen uns, dass die Romantik der grossen letzten Männer etwas nachgelassen hat. Durchschnittlich haben diese vier Goalies im Halbfinal 90,41 % der Schüsse abgewehrt.

Die Playoff-Fangquoten

93,6 Prozent aller Schüsse hat SC-Bern-Goalie Leonardo Genoni in seinen bisherigen neun Einsätzen in den laufenden Playoffs gestoppt. Biels Jonas Hiller folgt mit einer Fangquote von 93,2 %. Zugs Tobias Stephan stoppte 91,5 % der gegnerischen Schüsse auf sein Tor. Von den in den Playoffs verbliebenen Goalies weist Lausannes Sandro Zurkirchen mit 89,8 % abgewehrten Versuchen den schlechtesten Wert auf.

Nur einmal seit diese Prozentzahlen offiziell erfasst werden – im Frühjahr 2013 (89,03 %) – waren diese Werte tiefer. Ansonsten haben die letzten Männer in den Halbfinals immer eine durchschnittliche Fangquote von mehr 91,50 % erreicht. Tobias Stephan ist mit 92,11 % der statistisch beste der vier aktuellen Halbfinal-Goalies. Kein Vergleich zu den Halbfinal-Spitzenwerten von Leonardo Genoni 2015 (94,83 %) und 2017 (94,58 %) oder von Elvis Merzlikins 2016 (94,12 %).

Torhueter Tobias Stephan, mitte, von Zug beim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Lausanne vom Freitag, 11. Januar 2019 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Gewinnt Stephan spät in der Karriere doch noch einen Meistertitel? Bild: KEYSTONE

Nun mag der Einwand berechtigt sein, man solle diese Prozentzahlen nicht zum alleinigen Massstab nehmen. Man müsse auch die Qualität der Schüsse beachten, und die sei statistisch nicht zu erfassen. Aber es gibt eine andere, viel banalere Zahl, die viel aussagt: Noch nie in der Neuzeit waren die Halbfinal-Torhüter so alt. Im Schnitt nämlich 33 Jahre. Kein Vergleich mehr zum Frühjahr 2017, als das Durchschnittsalter der Halbfinal-Goalies Gilles Senn, Elvis Merzlikins, Tobias Stephan und Leonardo Genoni gerade mal 26,25 Jahre betrug.

Bange Gedanken an die WM

Eigentlich kann nur noch Jonas Hiller zum strahlenden, echten Meisterhelden werden. Er ist der einzige Halbfinal-Goalie, der sein Team nach dieser Saison nicht verlassen wird.

Biels Goalie Jonas Hiller begruesst die fans von EHCB nach der Sieg (5-3), im dritten Eishockey Playoff-Viertelfinalspiel der National League zwischen dem HC Biel und  dem HC Ambri Piotta, am Donnerstag, 14. Maerz 2019, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Hiller lässt sich von Biels Fans feiern. Bild: KEYSTONE

Die drei anderen ziehen weg: Tobias Stephan zügelt nach Lausanne, Leonardo Genoni nach Zug und Sandro Zurkirchen hatte Davos schon mündlich zugesagt. Aber dann feuerte Lugano Sportchef Roland Habisreutinger, der einen ausländischen Ersatz für Elvis Merzlikins wollte. Nun hat Lugano den Kassenschrank geöffnet und Zurkirchen wird seinen Karriere-Lebensabend bei ordentlicher Bezahlung unter Palmen verbringen.

Der leise Zerfall unserer Goalie-Kultur wird uns über die Playoffs hinaus beschäftigen. Die bangen Fragen lauten: Wie werden unsere letzten Männer bei der WM heissen? In welcher Form werden sie sein? Und wird Leonardo Genoni wieder ein WM-Held sein wie zuletzt in Kopenhagen?

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So sahen Goalie-Masken im Eishockey früher aus

Hier kannst du auf einem gefrorenen See toben

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Fliegender Wechsel

Davos holt Nygren-Ersatz aus Finnland +++ Sprunger bis 2023 bei Gottéron

Die Klubs der National League komplettieren ihre Kader für die Saison 2019/20. Wer wechselt wohin? Die aktuellsten Transfers und eine Übersicht sämtlicher Teams.

Der HC Davos hat als Ersatz für den verletzten Magnus Nygren den finnischen Verteidiger Otso Rantakari verpflichtet. Der 25-Jährige stösst von Tappara Tampere mit einem Vertrag bis zum Ende des Spengler Cup 2019 zu den Bündnern. In seinen drei Saisons beim finnischen Erstligisten Tampere brachte es der Offensiv-Verteidiger Rantakari in 184 Meisterschaftsspielen auf 96 Skorerpunkte (27 Tore/69 Assists).

Nygren wird dem HC Davos noch mindestens bis November nicht zur Verfügung stehen. Der Schwede …

Artikel lesen
Link zum Artikel