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Patrick Fischer, Schweizer Eishockey Head Coach orientiert an einer Medienkonferenz in Zuerich am Donnerstag, 24. Oktober 2019 ueber die Vetragsverlaengerung.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Fischer bei der Bekanntgabe seiner Vertragsverlängerung in Zürich. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Patrick Fischer wird als erster Schweizer an der Bande eines NHL-Teams stehen

Patrick Fischer (44) ist der erste Nationaltrainer mit einem «Rentenvertrag» seit Ralph Krueger. Die Parallelen zwischen diesen beiden charismatischen Alpha-Tieren sind erstaunlich.



Wer ist Verbandspräsident? Wie heisst der technische Direktor des Verbandes? Kennen Sie den Geschäftsführer der Liga? Wer diese Fragen 100 durchschnittlich interessieren Sportsfreunden stellt, bekommt 99 Mal keine Antwort.

Spielsportverbände leben von ihren Nationaltrainern. Das ist im Fussball so und im Eishockey nicht anders. Verbandsfunktionäre werden in der Regel nur über einen kleinen Kreis hinaus populär, wenn sie sich die Finger in der Kasse einklemmen oder sonst einen Skandal produzieren. Die Schlagzeilen gehören dem nationalen Trainer. Dem Nationaltrainer.

Ist der Nationaltrainer weitherum beliebt und erfolgreich, dann ist bei einem Verband eigentlich alles gut. Wer also einen guten Nationaltrainer hat, ist alle Sorgen los und sollte ihn möglichst langfristig vertraglich binden.

Der Vergleich mit Krueger

Nach der WM 2000 in St.Petersburg (mit dem wundersamen 3:2-Sieg über Russland) verlängerte der damalige Verbandspräsident Werner Kohler den Vertrag mit Ralph Krueger um sage und schreibe sechs Jahre bis 2006.

Es hagelte harsche Kritik. Heute wissen wir: Ohne diesen ungewöhnlichen «Rentenvertrag» wären wir im Eishockey international wahrscheinlich nicht dort, wo wir heute sind. Und Ralph Krueger wäre nicht die Lichtgestalt, die er heute ist als NHL-Coach in Buffalo.

Dieser «Rentenvertrag» brachte Stabilität rund ums Nationalteam, ermöglichte auch das Überbrücken schwieriger Zeiten und als die Amtszeit von Ralph Krueger nach dem Olympischen Turnier von 2010 zu Ende ging, da war das Silber-Fundament für unsere Nationalmannschaft gebaut. Wir haben 2013 (mit Sean Simpson) und 2018 (mit Patrick Fischer) den WM-Final erreicht.

Verbandsspitze in der Kritik

Die Unzufriedenheit wichtiger Klubgeneräle mit Verbandspräsident Michael Rindlisbacher wird immer grösser. Die Kritik ist vielfältig. Er treibe mit seinem extremen Formalismus die Leute zur Weissglut, neige zur Selbstüberschätzung und der von ihm präsidierte Verwaltungsrat koste inzwischen mit vielfältigen Umtrieben und Spesen und den Honoraren (die aber vernünftig sind) gegen 300'000 Franken. Und der Nutzen sei gering bis null.

Das ist vorerst nur inoffizielles, bösartiges Murren und der Präsident verhält sich ja formell absolut bis auf den letzten Buchstaben und das letzte Satzzeichen korrekt. Aber so beginnt es halt immer. Das gehört zur politischen Folklore unseres Hockeys. Ehrgeizige, machtbewusste Klubgeneräle achten eifersüchtig darauf, dass der Verbandspräsident nicht zu stark wird und dieses ewige Rangeln um das Gleichgewicht zwischen der «Zentralmacht» Verband und den Klubs gibt unserem Hockey Dynamik und gehört sogar zu den Erfolgsgeheimnissen. Da ziehen verbandspolitisch wieder einmal Gewitterwolken auf, die der grosse Vorsitzende nicht unterschätzen sollte.

Für Michael Rindlisbacher ist die Lichtgestalt Patrick Fischer politisch daher von zentraler Bedeutung – so lange der Nationaltrainer im Rampenlicht steht und die Nationalmannschaft funktioniert, muss er wahrscheinlich noch kein «Impeachment» («Amtsenthebungsverfahren») fürchten. Der Vertrag des Nationaltrainers bis 2024 hat also auch politische Bedeutung.

Schon jetzt im Notizbuch von NHL-Bossen

Patrick Fischer ist der charismatischste, beliebteste und fähigste Nationaltrainer seit Ralph Krueger. Nicht bloss hockeytechnisch. Noch fast wichtiger ist sein kommunikatives Talent. Er vermag die Menschen um ihn herum zu begeistern. Er ist ein Typ, der beim Betreten einen Raum füllt. Und er weiss, wie die neue Spielergeneration tickt. Seit er Nationaltrainer ist, gibt es kein «Absage-Theater» mehr. Auch die Dollarmillionäre aus der NHL eilen herbei, um bei der WM zu helfen.

Fischer mahnt nicht nur in seiner Wirkung und nun auch mit dem «Rentenvertrag» bis 2024 an Ralph Krueger. Da ist noch etwas: Die NHL öffnet sich mehr und mehr gegenüber dem europäischen Hockey. Wenn der Erfolg von Ralph Krueger (60) in Buffalo anhält, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch andere NHL-Klubs nach europäischen Coaches umsehen.

Patrick Fischers Name steht jetzt schon im Notizbuch einiger General Manager in der NHL. Ihnen ist nicht entgangen, wie gut er gerade auch mit den NHL-Stars in der Nationalmannschaft arbeitet.

Der Sport ist unberechenbar. Erst recht, wenn er auf Glatteis ausgeführt wird. Aber wenn die Hockey-Götter Patrick Fischer weiterhin gnädig gestimmt sind, dann wird er der erste Schweizer an der Bande eines NHL-Teams. Sei es als Assistent und, wer weiss, vielleicht sogar als Headcoach.

P.S.: Krueger ist nach seiner Einbürgerung juristisch auch Schweizer. Wir erlauben uns in diesem Zusammenhang trotzdem, Fischer als «ersten Schweizer» zu bezeichnen.

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