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Felix Hollenstein sieht seine Kloten-Titanic untergehen. bild: KEYSTONE/Shutterstock/watson

Eismeister Zaugg

Der EHC Kloten, die Hockey-Titanic – so viel Talent, so miserabel trainiert und gecoacht

Die Hockeyferien in Kloten beginnen so früh wie noch nie in diesem Jahrhundert. Immerhin haben sich die Klotener in Langenthal mit einer revolutionären Form der Mannschaftsführung verabschiedet.



Der letzte Akt im Sportdrama «Untergang einer Hockey-Titanic» beginnt in Langenthal mit einer Überraschung. Die Kommandobrücke wird nach der Entlassung von Cheftrainer André Rötheli für das Spiel der allerletzten Chance gleich mit drei Männern besetzt. Alle drei seien, so wird offiziell mitgeteilt, gleichberechtigt: Sportchef Felix Hollenstein, der bisherige Assistent Waltteri Immonen und Kommunikationsdirektor Beat Equilino.

In der Stunde der höchsten sportlichen Not wird im Hockey-Seldwyla die Führungsstruktur eines Triumvirats (ein Bündnis von drei Personen, die gemeinsame Interessen verbindet) installiert. Wie einst im alten Rom mit Julius Cäsar, Pompeius Magnus und Marcus Crassus.

Oder ähnelte dieses famose Dreier-Gremium an der Bande doch eher Walt Disneys lustigen Comic-Figuren Tick, Trick und Track? Die Drillinge sind die Neffen von Donald Duck und leben in Entenhausen. Sie haben stets das sogenannte «schlaue Buch» bei sich, in welchem sie die Antworten auf fast alle Fragen finden.

ARCHIV -- ZUM NEUEN TRAINER TRIO BEIM EHC KLOTEN, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Trainer Andre Roetheli, rechts, Felix Hollenstein Assistenzcoach, links, beim Training des EHC Kloten, in der Swiss Arena in Kloten, Sonntag, 8. April 2018. (KEYSTONE/Patrick Huerlimann)

Felix Hollenstein (links) und Ex-Trainer André Rötheli. Bild: KEYSTONE

Wer so boshaft ist und bei Klotens drei «Tages-Trainern» an Tick, Trick und Track denkt, kommt der Wahrheit am nächsten. Der Unterschied ist bloss: Waltteri, Felix und Beat haben kein schlaues Buch bei sich, in welchem sie die Antworten auf fast alle Hockey-Fragen finden.

Das Spiel der letzten Chance ist nämlich nach 1:13 Minuten bereits vorbei. Sozusagen bevor es richtig begonnen hat. Die zwei ersten Schüsse sind dem tapferen Andrin Seifert ins Netz gefahren wie böse Kobolde. Der dritte Schuss auch noch. Aber da hatten die Schiedsrichter gnädigerweise vorher schon abgepfiffen. Der neutrale Chronist muss melden, dass die Matchvorbereitung ganz offensichtlich eine miserable war.

Alle Tore der Partie.

Wer ist dafür verantwortlich? Der Vorteil des Triumvirats ist es ja, dass keiner den Kopf allein hinhalten muss. Was durchaus im Sinne von Felix Hollenstein sein dürfte. Die Frage geht also nach der Partie an ihn, den Sportchef und «Tages-Trainer»: Wer hat die Matchvorbereitung geleitet? Der kluge Diplomat sagt: «Ich war auch dabei.» Ach, was für eine Karriere könnte Felix Hollenstein als Politiker machen!

ZUR AUFLOESUNG DES VERTRAGS MIT DEM SCHWEIZER EISHOCKEY NATIONALTRAINER GLEN HANLON UND ZUR INTERIMS-NACHFOLGE VON FELIX HOLLENSTEIN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Kloten Flyers Cheftrainer Felix (Fige) Hollenstein mit einem

Felix Hollenstein, der geborene Politiker? Bild: KEYSTONE

Noch einmal zeigt sich bei diesem finalen Match in Langenthal das ganze Drama des Untergangs einer grossen Hockeykultur. Die läuferisch überlegenen Klotener dominieren die Partie mit 36:19 Torschüssen, sind trotzdem chancenlos und verlieren 1:4.

Das Telegramm:

Langenthal – Kloten 4:1 (2:0, 0:0, 2:1)
2894 Zuschauer. - SR Mollard/Fluri, Kehrli/Ambrosetti.
Tore: 1. (0:38) Pienitz 1:0. 2. (1:13) Pelletier (Sterchi) 2:0. 48. Kummer 3:0. 57. Egli (Kellenberger/Ausschluss Gerber) 3:1 (ohne Goalie). 59. Andersons 4:1 (ins leere Tor).
Strafen: 8-mal 2 Minuten gegen Langenthal, 9-mal 2 Minuten gegen Kloten.

Denn sie wissen nach einer Saison der taktischen Meisterlosigkeit nicht mehr, was sie tun sollen. Wahrscheinlich ist in der Geschichte der Swiss League bzw. der NLB noch nie so viel Talent über eine so lange Zeit so miserabel trainiert, vorbereitet und gecoacht worden. Es ist eine Hockey-Titanic, die da mit einem bescheidenen Frachter kollidiert und sinkt.

ARCHIV -- ZUM NEUEN TRAINER TRIO BEIM EHC KLOTEN, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Klotens Assistent Waltteri Immonen waehrend dem Eishockey-Meisterschaftspiel der Swiss League zwischen dem EHC Kloten und dem HC Thurgau, am Samstag, 22. September 2018, in Kloten. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Waltteri Immonen hat Kloten ebenso wenig im Griff wie Felix Hollenstein und Beat Equilino. Bild: KEYSTONE

Ohne jede Boshaftigkeit dürfen wir feststellen: Der Dirigent, der die Sprechchöre der treuen Anhänger per Megafon dirigiert, hat seine Schützlinge besser im Griff als die drei «Tagestrainer» an der Bande. Das ist eigentlich auch kein Wunder: Die Fans, die den ganzen Gästesektor füllen, sind mit mehr Leidenschaft bei der Sache als einige der Spieler. Und sie wirken nach dem «Aus» trauriger als die Spieler. Mit hängenden Köpfen wirken sie wie eine durchnässte Schar Zugvögel, die den Abflug in den Süden verpasst haben.

Ein international erfahrener Beobachter, der seinen Namen an dieser Stelle nicht gerne lesen würde, wundert sich schon während des Spiels über den emotionslosen Auftritt der Mannschaft und sagt: «Was ist los? Die Klotener treten ja auf wie in einem Playout-Spiel.» Wo er recht hat, da hat er recht.

Die taktisch schlauen Langenthaler machen auf SC Bern. Sie kontrollieren das Spiel nach Belieben, geraten nie in Gefahr und fahren den vierten Sieg ein wie in einem Training unter Anleitung von Schiedsrichtern. Der SC Langenthal als «kleiner SCB». Trainer Per Hanberg macht den «kleinen Kari», Torhüter Philip Wüthrich den «kleinen Genoni» und Dario Kummer den «kleinen Arcobello».

Nach der Partie, dem sportlichen Saisonende, stellt sich Sportchef und Triumvirats-Mitglied Felix Hollenstein den Chronisten (Chronistinnen waren keine da). Sie müssen zwar mehr als eine halbe Stunde warten. Langenthals charmante Medienchefin meldet, man solle Geduld haben. Er werde kommen. Aber die Kabinentüre sei halt noch zu. Auf eine entsprechende Frage sagt sie, es sei alles ruhig, es werde in der Kabine der Gäste nicht getobt.

Wer die Trainerentlassung vor dieser letzten Partie angeordnet hat, erzählt Felix Hollenstein nicht, als er dann auftaucht. «Das gehört nicht an die Öffentlichkeit.» Nur so viel: Er sei angefragt worden, ob er an der Bande aushelfen würde.

ARCHIV -- ZUM NEUEN TRAINER TRIO BEIM EHC KLOTEN, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG -- Felix Hollenstein waehrend dem Eishockey-Meisterschaftspiel der Swiss League zwischen dem EHC Kloten und dem HC Thurgau, am Samstag, 22. September 2018, in Kloten. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Felix Hollenstein wagte sich wieder an die Bande. Bild: KEYSTONE

Felix Hollenstein hat Stil. Das muss man ihm lassen. Freundlich gibt er Auskunft, gratuliert Langenthal, macht den Gegner mit der Feststellung, man sei doch immerhin gegen den Meister von 2012 und 2017 ausgeschieden, grösser, als er ist. Ja, ja, man habe wahrscheinlich die Swiss League ein wenig unterschätzt.

Der Sportchef schliesst aus, dass er nächste Saison Cheftrainer und Sportchef im Doppelamt wird. Er schliesst auch aus, dass er das Traineramt übernimmt. Er bestätigt, dass André Rötheli noch einen Vertrag für nächste Saison hat und nun entschädigt werden muss. Das werde der Geschäftsführer regeln. «Ich bin sicher, dass es eine einvernehmliche Lösung gibt.» Einen neuen Arbeitsplatz könne er André Rötheli in der Sportabteilung halt nicht anbieten.

Somit obliegt es Felix Hollenstein, für nächste Saison einen neuen Cheftrainer zu suchen. «Aber erst einmal analysieren wir die Situation.» Sparen müsse er nicht. Das Budget bleibe gleich. Es betrage noch ein Drittel der letzten Saison in der höchsten Liga. Und nein, die möglichen neuen Besitzer des Klubs seien in der Saisonanalyse noch nicht involviert.

Als Felix Hollenstein das Stadion schliesslich verlässt und der Mannschaftsbus zur Fahrt heim ins Züribiet und in die «Hockeyferien» aufbricht, ist es ruhig geworden im Schoren. Vom nahen Wald her ist der Ruf einer Eule zu hören. Dunkelheit, Frieden und Harmonie haben sich über die Arena herabgesenkt.

Die Ausverkaufte Schorenhalle, beim 2. Spiel der Ligaqualifikation, zwischen dem SC Langenthal und dem HC Ambri-Piotta, am Samstag, 8. April 2017, in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die Schorenhalle in Langenthal. Bild: KEYSTONE

Eine romantische Szenerie mit Symbolcharakter für den EHC Kloten. Nach der Saisonanalyse wird wohl nach all den Erregungen der letzten Tage wieder Frieden und Harmonie einkehren. Wer polemisiert und kritisiert oder gar ein «House Cleaning», eine neue Leistungskultur und den Wiederaufstieg fordert, ist ein Ruhestörer.

Alles dürfte mehr oder weniger so bleiben, wie es diese Saison war. Die Spieler können aufatmen. Die Konkurrenten aber auch. Der EHC Kloten hat sich offensichtlich vom hohen Anspruch verabschiedet, wieder Titan unseres Hockeys zu werden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • marak 05.03.2019 07:47
    Highlight Highlight Alles gut und recht. Ich hätte aber nach einem anderen Schiffwrack recherchiert. Titanic ist dann doch eine Nummer zu gross. Titanic mag mal gewesen sein. Diese ist aber seit längerem der langsamen aber steten Verschrottung preisgegeben. Aber gell, auf die Schnelle fällt mir auch nix besseres ein.
  • Ricardo Tubbs 04.03.2019 15:36
    Highlight Highlight den hägedörfer hätte man schon früher schicken müssen. drei schnöize an der bande hat noch in keiner sportart funktioniert...es musste somit alles vor die hunde gehen.

    als hockeyfan schmerzt das herz, wenn man sieht was aus dem damals grossen kloten gemacht worde.

    in diesem sinne...HOPP OUTE!
  • dechloisu 04.03.2019 13:33
    Highlight Highlight Es muss etwas passieren.
    Ein Trainer mit System
    zwei drei gute Tranfers, der Kern des Teams kann bleiben.
    Für Hollenstein eine Statue vor dem Stadion (für die Vergangenheit nicjt für die Gegenwart), dafür muss er endlich die Türe nehmen und akzeptieren dass seine Zeit im Verein vorbei ist

    Das wichtigste ist dass man die Sponsoren halten kann denn diese sind ganz und gar nicht zufrieden.

    mit einer klaren Strategie vorwärts

    zieht endlich das Hoise Cleaning durch
  • Paia87 04.03.2019 13:31
    Highlight Highlight Sehe es nicht wirklich wie Klausi und habe es in einem anderen Artikel bereits geschrieben. Diese Spieler in Kloten haben zwar Talent ja, aber das ganze Team als solches ist falsch zusammengesetzt und definitiv keine Mannschaft, welche in der SL um den Meistertitel hätte spielen können.
  • Hasselhoff‘s Vocal Teacher 04.03.2019 13:30
    Highlight Highlight @Klaus Zaugg Würde gerne noch was über Mark French, Reto Berra und Fribourg Gotteron lesen.
  • Resistance 04.03.2019 13:25
    Highlight Highlight Eigentlich sollte Herr Zaugg mal ein team coachen, mit diesem unglaublichem Eishockey wissen!
    • Mia_san_mia 04.03.2019 16:52
      Highlight Highlight Wieso sollte er? Er braucht sein Wissen für diesen Job.
    • Resistance 04.03.2019 17:10
      Highlight Highlight Weri doch viel intressanter ihn im einsatz zu sehen, wie nur immer darüber zu schreiben!
    • Mia_san_mia 04.03.2019 17:38
      Highlight Highlight Nein, er soll seinen Job als Cronist nur weiter machen. Das ist schon interessant genug.
    Weitere Antworten anzeigen
  • bullygoal45 04.03.2019 13:24
    Highlight Highlight Irgendwie traurig zu lesen. Dabei hatten wir mit Langnau einen Vorreiter gehabt der vorgezeigt hat wie man bei einem Abschied handeln muss.

    Rappi hat es abgeschaut (Wie einst unser Mittelstufenlehrer gesagt hat: Gute Dinge darf man nachmachen!)

    Kloten hat die Gratis Betriebsanleitung nicht zur Hand genommen. Das „schlaue Buch“ gab es also doch! Leider stand im schlauen Buch, das Fige und Rötheli gelesen haben: „Alle Altlasten müssen weg!“

    Blödes Buch, weg damit 😤!
    • Paia87 04.03.2019 13:43
      Highlight Highlight Haha, made my day! Aber etwas Wahres hat es ja 😂
    • dechloisu 04.03.2019 13:51
      Highlight Highlight ich glaube das erste mal dass ich dir zustimmen muss.
      Schmerzt irgendwie
    • Der müde Joe 04.03.2019 14:10
      Highlight Highlight Besser hätte man es nicht beschreiben können!👍🏼
    Weitere Antworten anzeigen
  • sansibar 04.03.2019 13:04
    Highlight Highlight Hmm und wo war Kloten zwischen 2012 und 2017, als das grosse Langenthal zwei Titel holte? Ach ja... 😇
  • Patrick59 04.03.2019 12:52
    Highlight Highlight Man sagt zwar, dass etwas nicht unbedingt stimmt nur weil man es ewig wiederholt. Aber ich als Aussenstehender bin der Meinung dass es sportlich nie mehr besser wird, solange nicht endlich ausgemistet wird. Man nimmt Rücksicht auf verdiente Namen, Spieler mit vergangenem Ruhm und beruft sich auf Titel und Leistungen die Geschichte sind. Wie kann man mit solchen Leistungen und Entscheidungen Sponsoren und Fans, die beide viel Geld in den Club investieren vom Produkt EHC Kloten überzeugen? Der Weg zeigt klar nach unten. Oder anders gesagt, biederes Mittelmass im B..
  • Torimari 04.03.2019 12:40
    Highlight Highlight Bullsh*t, Klotens Mannschaft wird ganz klar überschätzt... Da ist sicherlich nicht Rötheli schuld, sondern eher derjenige, der diese Mannschaft zusammengestellt hat und noch solche Ansprüche hat(te)
    • Torimari 04.03.2019 12:56
      Highlight Highlight *nicht nur Rötheli

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