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Fribourgs Headcoach und Sportdirektor Christian Dube ueberquert nachdenklich das Eis zur Drittelpause, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 17. Januar 2020, im Eisstadion in Davos. (KEYSTONE/Juergen Staiger)

Verlängert Sportchef Christian Dubé mit Trainer Christian Dubé? Bild: KEYSTONE

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Gottéron, der Geist der «Copains» und der künftige Trainer, der schon da ist

Gottéron gewinnt im Hallenstadion nach Verlängerung 2:1. Der dritte Sieg in Serie provoziert die Frage: Warum bleibt Sportchef Christian Dubé eigentlich nicht auch nächste Saison Trainer, sollte er die Playoffs doch noch erreichen?



«Wirklich? Sind Sie sicher?»

Erstaunt reagiert Christian Dubé nach dem Sieg im Hallenstadion auf die Feststellung einer Chronistin aus dem Üechtland, dass seine Mannschaft zum ersten Mal in dieser Saison dreimal hintereinander gewonnen hat.

Es stimmt auch nicht: Ende Oktober und Anfang November gewann Freiburg gar fünfmal in Serie. Dennoch, die Verwunderung des Trainers über diese Serie mag zeigen, wie schwierig und stürmisch die Zeiten bei Gottéron wieder einmal sind.

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Die Highlights des Spiels. Video: YouTube/MySports

Christian Dubé hat seinen Trainer Mark French schon Anfang Oktober entlassen. Seither coacht und trainiert er die Mannschaft zusammen mit Sean Simpson. Durch den dritten Sieg hintereinander ist Gottéron wieder im Geschäft um einen Platz in den Playoffs. Der Sieg gegen die ZSC Lions ist erstaunlich. Eigentlich hätte Gottéron diese Partie nach allen sinnigen und unsinnigen statistischen Werten verlieren müssen. Die Zürcher dominierten in allen wichtigen Bereichen und mit 36:27 Torschüssen. Und wenn dieser Match zehnmal so wiederholt würde, gingen sie wahrscheinlich neunmal als Sieger vom Eis.

Aber ein Hauch von Nostalgie und Torhüter Ludovic Waeber brachten Gottéron den Sieg.

Nostalgie? Ja, die Erinnerungen an die «Copains». Die Bezeichnung steht für die harten, unerschrockenen Jungs, die noch auf der alten Eisbahn in der Unterstadt («Les Augustins»), dort wo heute Autos geparkt werden, im Frühjahr 1980 den Aufstieg in die höchste Liga schafften. Heute ist Gottéron das einzige Hockey-Unternehmen im Land, das noch nie in seiner Geschichte aus der höchsten Liga absteigen musste.

«Jeder kämpfte für jeden, mehr kann ein Trainer gar nicht verlangen.»

Christian Dubé

Härte, Kampfkraft, Zusammenhalt und Leidenschaft der «Copains» sind bis heute unvergessen. Leitwolf war Jean-Charles Rotzetter. René Fasel, heute als Präsident des internationalen Eishockey-Verbandes (IIHF) einer der mächtigsten Sportfunktionäre der Welt, war damals noch Zahnarzt in der Stadt. Er hat einmal gesagt: Immer wenn Jean-Charles Rotzetter in seiner Praxis auf dem Behandlungsstuhl sitze und den Mund aufmache, wisse er, was eigentlich Kampfgeist im Eishockey bedeute.

Die Eishalle

Die legendäre Patinoire des Augustins. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

15 Jahre fräste der Häuptling der «Copains» für Gottéron. Ohne Rücksicht auf Verluste. 16 Mal schlugen ihm Gegenspieler die Zähne aus. Zuerst acht echte, dann die dafür eingesetzten acht künstlichen. Deshalb sass er so oft bei René Fasel auf dem Stuhl. Viermal zertrümmerten sie ihm das Nasenbein, sie brachen ihm beide Handgelenke, die Mittelhandknochen, dreimal kugelten sie ihm das rechte Kniegelenk aus, die Bänder rissen am linken und am rechten Fuss. So jedenfalls geht die Legende. 1988 stellte er den Stock in die Ecke. Körperlich und psychisch ungebrochen, stolz und aufrecht.

«Ich weiss nicht, wie es nächste Saison weitergeht.»

Christian Dubé

Etwas vom Geist dieser «Copains» brachte Gottéron nun den Sieg im Hallenstadion. «Jeder kämpfte für jeden, mehr kann ein Trainer gar nicht verlangen als das, was meine Spieler gezeigt haben», sagte Christian Dubé noch sichtlich gerührt vom Engagement seiner Männer.

Was die Kampfkraft dokumentiert: Im Hallenstadion musste Gottéron zum 8. Mal in dieser Saison in die «Überzeit» – und hat zum 7. Mal gewonnen. Bescheiden fügt der Chef auch an: «Aber so wie die Partie gelaufen ist, hätten wir auch verlieren können …»

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Bild: screenshot sihf.ch

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Der Shot-Tracker zeigt, wie überlegen der ZSC eigentlich war. screenshot sihf.ch

Diese Leistung provozierte eine Frage an Christian Dubé: Wäre er jetzt nur Sportdirektor und hätte auf der Tribüne dieses dramatische Spiel miterlebt – würde er dann dem Trainer den Vertrag Ende Saison verlängern? «Ja, mindestens um fünf Jahre …» Gottérons Sportdirektor und «Temporär-Trainer» hatte schon immer Sinn für Selbstironie. Und schiebt nach: «Spass beiseite. Ich weiss nicht, wie es nächste Saison weitergeht. Ich muss mich jetzt auf die Gegenwart konzentrieren und Spiel für Spiel nehmen.»

Wer also nächste Saison seine Mannschaft (die er auf dem Transfermarkt bereits erheblich verstärkt hat) trainieren und coachen wird, ist noch offen. Wer Gottéron-Trainer wird, ist im Hinblick auf die nächste Saison eine der interessantesten Fragen.

Seit er im Sommer 2015 von der Kabine direkt ins Büro des Sportdirektors umgezogen war, hat Christian Dubé den idealen Trainer noch nicht gefunden: Der freundliche Gerd Zenhäusern gab das stressige Amt freiwillig auf. Sein Nachfolger Larry Huras war nur noch eine Karikatur seiner meisterlichen Zeiten und «Schablonen-Trainer» Mark French, den Christian Dubé diese Saison gefeuert hat, vermochte die Mannschaft wohl zu organisieren, zu strukturieren und zu disziplinieren. Aber den Geist der «Copains» konnte er nicht entfachen. Der bisher beste Trainer der «Ära Dubé» heisst Christian Dubé (42) in Zusammenarbeit mit Sean Simpson (59).

Cheftrainer und Sportdirektor Christian Dube und Sean Simpson, von links, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EV Zug und Fribourg-Gotteron, am Freitag, 1. November 2019 in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Christian Dubé und Sean Simpson – ein Erfolgsduo? Bild: KEYSTONE

Noch stuft der Kanadier – sein Vertrag läuft bis 2023 – die Frage, ob er denn nicht zusammen mit Sean Simpson Trainer (Vertrag bis Ende Saison) bleiben könnte, als Scherzfrage ein. Aber wenn er die Playoffs doch noch schafft, dann sollte Sportchef Christian Dubé mit Trainer Christian Dubé und seinem Assistenten Sean Simpson ernsthaft über eine Fortsetzung der Trainertätigkeit verhandeln.

Viel Geld könnte er mit dieser Lösung auch noch sparen. Die beiden sind offensichtlich dazu in der Lage, das ruhmreiche Erbe der «Copains» zu beleben – und die beiden dürften auch am ehesten dazu in der Lage sein, Chris DiDomenico, den charismatischen neuen «Copain», ins Team zu integrieren. Und nur wer dazu in der Lage ist, kann nächste Saison ein guter Gottéron-Trainer sein. Christian Dubé, sozusagen der künftige Trainer, der schon da ist.

Im Geiste der «Copains» kann Gottéron die Playoffs (und damit den vorzeitigen Ligaerhalt) also doch noch schaffen. Es ist die Kraft, die ein Hockeyunternehmen aus seiner Geschichte schöpfen kann. Dass zwei starke Torhüter zur Verfügung stehen, kann sich dabei noch als entscheidender Faktor erweisen. In den alten Zeiten genügte ein grosser Goalie (Robert Meuwly). Heute braucht es schon zwei.

Weil Reto Berra krank war, musste Ludovic Waeber (23) ins Tor. Der ehemalige Junioren-Nationaltorhüter (einmal U-18- und zwei Mal U-20-WM) stoppte 97,22 Prozent der Schüsse auf sein Gehäuse. Es war beim 6. Einsatz der Saison bereits der 4. Sieg.

Gotterons Goalie Ludovic Waeber jubelt im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Fribourg-Gotteron am Donnerstag, 30. Januar 2020, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Ludovic Waeber: der Freiburger Held beim Sieg im Hallenstadion. Bild: KEYSTONE

Wie fit und flink er ist, zeigte er eindrücklich nach dem Spiel. Um im Hallenstadion vom Niveau des Eisfeldes in die Garderobe zu gelangen, müssen die Spieler eine Treppe hochsteigen. Ludovic Waeber, beschwingt vom Sieg, stürmte die Treppe hinauf und nahm, in Schlittschuhen und vollständiger Ausrüstung (!), drei Stufen auf einmal.

Er hat den ZSC Lions den Sieg gestohlen, aber der Niederlage auch ein wenig den Stachel der Bitternis genommen: Er zügelt nämlich im Sommer für zwei Jahre ins Hallenstadion. Er hat das Potenzial für eine künftige Nummer 1 und die Nachfolge von ZSC-Meistergoalie Lukas Flüeler (31).

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