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Die Zuercher mit Torschuetze  Chris Baltisberger, Mitte, Fredrik Pettersson, links, und Pius Suter, rechts, jubeln nach dem 4-1 gegen den Lausanner beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen den HC Lausanne  im Hallenstadion in Zuerich am Dienstag, 26.  September 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Endlich Grund zum Jubeln: Die ZSC Lions fegen Lausanne aus dem Hallenstadion. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Die ZSC Lions und der «Parmesan-Effekt»

Die ZSC Lions lassen gegen Lausanne zum ersten Mal in dieser Saison ihre Klasse aufblitzen. Selbst ein Pessimist fragt nun hoffnungsvoll: Ist es vielleicht möglich, den Zürchern doch noch das schwedische Hockey beizubringen?



Woran erkennen wir im Eishockey ein professionelles Management? Daran, dass der General Manager (und sein Sportchef) in kritischen Zeiten nicht die Ruhe verliert. Und es alle wissen und sich danach richten.

ZSC-Bürogeneral Peter Zahner gesellt sich vor dem Spiel gegen Lausanne, wie gewohnt, zur «Plauder-Viertelstunde» zu den Chronisten (Chronistin war keine da). Und nicht ein einziges Mal wird die Frage nach dem Trainer gestellt. Weil alle wissen, dass Peter Zahner dazu sowieso nichts sagen wird. Und schliesslich ist der oberste ZSC-Manager beinahe enttäuscht, dass Trainer Hans Wallson nicht thematisiert worden ist. In Zeiten, in denen sogar schon die vornehme NZZ gegen Hans Wallson und seinen Assistenten Lars Johansson polemisiert hat («Die entzauberten ZSC-Trainer»).

Nach dem Spiel ist das famose schwedische Trainer-Duo dann sowieso kein Thema mehr. Vorläufig. Oben auf der Resultattafel steht die letzte Wahrheit. 6:1. Alles andere – auch die Qualität des Gegners – spielt keine Rolle.

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Der ZSC schenkt Lausanne sechs Treffer ein. Video: streamable

Die ZSC Lions haben die erste von zwei goldenen Gelegenheiten zum «Befreiungsschlag» gegen weiche welsche Teams genützt, die im Herbst 2017 nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Gestern gegen Lausanne und auch gegen Servette wäre am Donnerstag alles andere als ein klarer Sieg schmählichstes Scheitern.

Gegen Lausanne blitzte wenigstens in der zweiten Spielhälfte das Talent der Zürcher ab und zu auf. Beispielsweise im Powerplay. Wenn die Scheibe direkt und präzis mit der Präzision von Landvermessern auf die Stockschaufeln gezirkelt und die gegnerische Abwehr durch überraschende Querpässe im besten Wortsinne aus dem Gleichgewicht gebracht wurde.

Es ist bisher zwar noch nicht gelungen, diese spielerische Herrlichkeit auch gegen starken und gut organisierten gegnerischen Widerstand durchzusetzen. Aber auch so zeigte sich gegen Lausanne: Keine Mannschaft der Liga hat so viel Talent wie die ZSC Lions. Meister Bern auch nicht. Die Zürcher konnten es sich gar leisten, mit Dave Sutter einen Nationalverteidiger auf die Tribüne zu setzen, der bei mindestens fünf anderen Teams einen Platz in der ersten Formation hätte. Obwohl die Abwehr-Legende Mathias Seger verletzungshalber fehlt.

Der Zuercher Ronalds Kenins, rechts, gegen den Lausanner  Philippe Schelling, links, beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen den HC Lausanne  im Hallenstadion in Zuerich am Dienstag, 26.  September 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Die ZSC Lions können gegen Lausanne erstmals in dieser Saison so richtig überzeugen. Bild: KEYSTONE

Selbst ein Pessimist fragt hoffnungsvoll: Ist es vielleicht möglich, den Zürchern doch noch das schwedische Hockey beizubringen? Nun, die Hoffnung auf einen «Parmesan-Effekt» ist nicht ganz unbegründet.

Wie aus Sbrinz Parmesan wurde

Um diesen Vergleich zu verstehen, müssen wir das Rad der Geschichte zurückdrehen. Bis weit vor die Zeit des Eishockeys. Der Sbrinz ist ein weltberühmter Hartkäse. Er wurde bereits vor den Zeiten der alten Eidgenossen auf alten Säumerpfaden («Sbrinzroute») über die Alpen nach Norditalien exportiert.

Ob wahr oder nicht (dies zu überprüfen ist nicht Sache eines Hockeychronisten) – die alten Legenden erzählen, dass in Norditalien der Wunsch aufkam, auch diesen köstlichen Sbrinz herzustellen. Schliesslich sollen die Innerschweizer das Rezept verraten haben. Wir wissen nicht, ob Käser von den Innerschweizer Alpen nach Norditalien gezogen sind, um das Käsen des Sbrinzes zu lehren oder ob nur das Rezept über die Alpen in den Süden gelangt ist.

HANDOUT --- Der Schweizer Extrahartkaese, der Sbrinz. Per 1. Januar 2007 muss auf jeder Sbrinz-Verpackung neu auf die AOC (Appellation d'Origine Controlee) hingewiesen werden.  (KEYSTONE/AOC-IGP-Vereinigung) === ABDRUCK NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE;  ===

Wer hat Lust auf ein Sbrinz-Rölleli? Bild: AOC-IGP-Vereinigung

Aber die Herstellung dieses ganz besonderen Hartkäses ist schwierig. Es gelang den Norditalienern nicht, den Sbrinz zu kopieren. Dafür soll aus den Versuchen ein anderer Hartkäse entstanden sein. Der Parmesan. Auch der Parmesan ist berühmt geworden.

Was um alles in der Welt hat das mit den ZSC Lions zu tun? Nun, hoch im Norden, in Schweden, ist eine ganz besondere Hockeykultur entwickelt worden. Sie ist international erfolgreich. Schweden ist schon zehnmal Weltmeister geworden (zuletzt 2017) und die Schweden dominieren die Champions Hockey League.

Schon oft ist das schwedische Hockey in den Süden, in die Schweiz exportiert worden. Zum ersten Mal erfolgreich zu Beginn der 1980er-Jahre nach Arosa (Lasse Lilja), später nach Davos (Dan Hober), Lugano (John Slettvoll) und Kloten (Conny Evensson). Im Frühjahr 2016 haben nun auch die ZSC Lions dieses Hockey aus dem Norden importiert.

Noch fünf Wochen Zeit für Wallson?

Aber so wie der Sbrinz südlich der Alpen eben nie echter Sbrinz, sondern «nur» eine Kopie – der Parmesan – ist, so haben wir in der Schweiz auch noch nie echtes schwedisches Hockey gespielt. Keine Klubmannschaft in der Schweiz hat genug taktisch so gut geschulte Spieler, um das schwedische Hockey im Original umzusetzen. Schwedisches Hockey in der Schweiz ist immer eine helvetische Abart.

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Schwedische Hockeylehrer müssen also die Geduld und Weisheit aufbringen, auf die Produktion des Originals (des Sbrinz) zu verzichten. Um bei uns eine angepasste Version (den Parmesan) zu produzieren. Lasse Lilja, Dan Hober, John Slettvoll und Conny Evensson ist es auf meisterliche Art und Weise gelungen. In der NLB auch Bengt-Ake Gustafsson in Langnau. Diese besondere Kopie der schwedischen Taktik war bisher dann am erfolgreichsten, wenn es gelang, auch helvetische und nordamerikanische Hockeyelemente mit einzubeziehen.

Zurich's Headcoach Hans Wallson reacts during the Champions Hockey League quarter final ice hockey match between Switzerland's ZSC Zurich and Sweden's Vaxjo Lakers, at the Hallenstadion, in Zurich, Switzerland, Tuesday, December 6, 2016. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

ZSC-Trainer Hans Wallson ist jetzt gefordert. Bild: KEYSTONE

Nun nimmt Hans Wallson in dieser Saison den zweiten Anlauf, sein schwedisches Hockeyrezept mit mehrheitlich schweizerischen Spielern in Zürich umzusetzen. Womit wir nun wieder bei Peter Zahner und seiner Gelassenheit sind: Es braucht viel Geduld bei der Herstellung und dem Handel mit Sbrinz. Am köstlichsten ist er nach fünfjähriger Lagerung.

Es braucht auch viel Geduld beim Einüben des schwedischen Hockeys. So sehr wir die staatsmännische Unaufgeregtheit von Peter Zahner in der Trainerfrage bewundern (und aus journalistischer Sicht bedauern): Fünf Jahre wird Hans Wallson nicht Zeit haben, bis er den Zürchern sein schwedisches Hockey beigebracht hat. Wahrscheinlich nicht einmal mehr fünf Wochen.

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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Ohniznachtisbett
27.09.2017 08:26registriert August 2016
Mal schauen, ob es der Eismeister schafft, zusammen mit dem Rest seiner Zunft, den Hans rauszuschaukeln...
Die Frage die sich für mich am meisten stellt: Warum wird der Sbrinz neun mal falsch geschrieben (Sprinz), jedoch nur dreimal richtig? Der Parmesan wurde übrigens 8 mal richtig geschrieben. Käseverschwörung, Legastheniker, zu viel Bier im Hallenstadion, oder in Anlehnung an Gotthelf, der den Sbrinz auch mit P geschrieben haben soll? Man weiss es schlicht nicht...
Klaus, mach doch nächstes Mal ein Emmentaler Vergleich, da kennst du dich besser aus ;)
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Flames67
27.09.2017 10:43registriert September 2015
Frage mich wieder, wieso der Eismeister Zaugg so ein hin und her schreibt. Einmal ist das schwedische Hockey bei den ZSC gescheitert (eigentlich lässt Walson viel zu wenig schwedisch spielen, würde der Z mit dem gleichen System spielen wie Frölunda, wären sie ohne Probleme Meister), dann gibt es bei einem 6:1 wieder Hoffnung, am Freitag nach einem vielleicht schlechteren Spiel wieder schlechte Karten für Hans Walson.....usw. Man dürfte trotz Klick Fang mal bei der Sache und Realität bleiben! Der Chlöisli weiss so gut wie wir, dass Kontiunität besser ist als immer wieder wecheln. Kein ZSC Fan
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13

Eismeister Zaugg

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Er hat die Postur (193 cm/92 kg), das Talent und die Schusskraft für die NHL. Aber einfach nicht den Biss und die «Bösartigkeit» für die ganz grosse Karriere. Eero Elo ist ein freundlicher, liebenswerter Riese, ein bisschen melancholisch, fast wie ein grosser Bub, der nicht erwachsen werden will und doch schon Familienvater geworden ist. Hätte Finnlands Kult-Regisseur Aki Kaurismäki je einen Hockey-Film gedreht – Eero Ero hätte die Hauptrolle bekommen.

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