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Eismeister Zaugg

Die grössten Playoff-Helden des Schweizer Eishockeys – Rang 50 bis 41

Wer sind die grössten Playoff-Helden des Schweizer Eishockeys? Wer könnte dies besser wissen als einer der grössten Eishockey-Experten und mehrfacher «Sportjournalist des Jahres» Klaus Zaugg? Eben. Drum hier seine Liste.
30.03.2020, 17:3431.03.2020, 12:08

Im Frühjahr 1986 sind die ersten Playoffs gespielt worden. Seither werden Jahr für Jahr Heldengeschichten geschrieben. 2020 gibt es zum ersten Mal keine solchen Geschichten. Zeit also, um zurückzuschauen und die 50 Grössten der Vergangenheit aufzulisten.

Es sind nicht nur Sieger und Meistermacher. Die Dramatik der Playoffs bringt es mit sich, dass auch Spieler eine Heldengeschichte schreiben, die am Ende den Pokal nicht hochstemmen dürfen oder die nur in einem einzigen Abend ins Rampenlicht treten. Es geht bei unserer Aufstellung um jahrelange Dominanz, um Titel, aber auch um Helden aus einem einzigen Spiel.

Der Pokal ist wichtig, aber nicht alles.
Der Pokal ist wichtig, aber nicht alles.Bild: KEYSTONE

Es ist eine Auflistung ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Richtigkeit, geprägt von persönlichen Erinnerungen, nicht frei von Irrtümern und auch nicht ganz frei von Polemik. Die aufgeführten Helden habe ich seit 1986 alle im Stadion gesehen. Als Klubzugehörigkeit haben wir bei den einzelnen Spielern nur die wichtigsten Arbeitgeber aufgeführt.

50. Remo Wehrli

Torhüter; SCRJ Lakers

Remo wer? Nun, 1968 hat Andy Warhol verkündet: «In the future everyone will be world-famous for 15 minutes» («In Zukunft wird jedermann für 15 Minuten Weltruhm erlangen»). Aufs Eishockey übertragen können wir sagen: dank den Playoffs hat jeder die Chance, für ein Spiel berühmt zu werden. Remo Wehrli war beim SC Rapperswil-Jona die unaufällige Nummer 2 und ohne jede Chance, auf den Schatten von Claudio Bayer zu treten.

Aber nach einem Stockschlag gegen Franz Steffen wird Claudio Bayer fürs siebte Viertelfinal-Spiel gegen Zug gesperrt. Am 12. März 1998 spielt der flinke Goalie-Floh (170 cm/70 kg) Remo Wehrli das Spiel seines Lebens und bringt die himmelhoch favorisierten Zuger (die dann auch Meister werden) zur Verzweiflung. Erst in der Verlängerung verliert Rappi die Partie 2:3 – und Remo Wehrli seine kurze Berühmtheit im Sinne von Andy Warhol. Nach zwei weiteren Jahren als Nummer 2 bei Rappi beendet er seine Profi-Karriere.

Bild: KEYSTONE

49. Philipp Wetzel

Stürmer; Biel

In elf Jahren hat der freundliche Riese (198 cm/104 kg) als Stürmer im Boxplay und auch sonst mehr Schüsse blockiert als ein gewöhnlicher Goalie. Während der Qualifikation hat er nie mehr als sieben Treffer erzielt, aber die Playoffs haben ihm eine historische offensive Sternstunde beschert.

Am 8. März 2012 gelingt dem EHC Biel der erste Sieg in den Playoffs nach dem Wiederaufstieg von 2008. Im Schlussdrittel erzwingt Philipp Wetzel mit zwei Treffern – nach 49:04 zum 3:3 und nach 51:45 zum 4:3 gegen Zug die Wende. Es bleibt der einzige Sieg für die Bieler, Zug setzt sich in der Serie mit 4:1 durch. Philippe Wetzel hat im Frühjahr 2020 seine Spielerkarriere bei La Chaux-de-Fonds beendet und kehrt als Juniorentrainer zum EHC Biel zurück.

Bild: KEYSTONE

48. Hnat Domenichelli

Stürmer; Ambri, Lugano, Bern

Er hat in der NLA 244 Tore erzielt. Aber das wichtigste Tor hat er am 14. März 2006 nicht gemacht. Er war auf dem Weg, ein Held zu werden. Exakt eine Woche beginnt Ambri den Playoff-Viertelfinal in Lugano mit einem 4:3 nach Verlängerung. Hnat Domenichelli trifft nach 75:27 Minuten zum Sieg. Ambri gewinnt auch die zweite Partie (3:0), Lugano gerät in Panik, feuert Trainer Larry Huras und holt Harold Kreis. Aber auch die dritte Partie geht auf eigenem Eis verloren (4:5) und Ambri führt in der Serie 3:0.

Am 14. März kann Ambri den grossen Rivalen mit einem weiteren Sieg aus den Playoffs kippen, viermal gehen die Leventiner in Führung (1:0, 2:1, 3:2, 4:3), aber «La Montanara» wird nicht gesungen: Ryan Gardner gelingt kurz vor Schluss noch einmal der Ausgleich (55:33) zum 4:4. Vier Sekunden vor Schluss hat Hnat Domenichelli dann das leere Tor vor sich – und trifft nicht. Lugano gewinnt in der Verlängerung 5:4 und anschliessend dreimal hintereinander (2:1, 5:2, 5:1), eliminiert im Halbfinal Kloten und holt gegen Davos den bis heute letzten Titel.

Hnat Domenichelli wird nie Meister und ist heute Sportchef beim HC Lugano und versucht, eine Mannschaft zusammenzustellen, die nach 2006 endlich, endlich wieder einen Titel nach Lugano holt. Und ohne sein Versagen wäre Lugano ja 2006 nicht Meister geworden.

Bild: PHOTOPRESS

47. Wladimir Krutow

Stürmer; ZSC Lions

Als der fünffache Weltmeister und zweifache Olympiasieger nach nur einer NHL-Saison nach Europa zurück und nach Zürich kommt, muss er erst mit einem umfangreichen Fitnessprogramm aufgepäppelt werden. Aber am 17. März 1992 blitzt noch einmal sein Genie auf. Der ZSC besiegt den haushohen Favoriten Lugano im Hallenstadion nach einem 1:3-Rückstand 4:3 nach Penaltys.

Jiri Faic hatte nach 56:23 Minuten doch noch ausgeglichen. Die Coolness, mit der der russische Superstar seinen Penalty versenkt – wegen Konditionsmängel läuft er im Zeitlupen-Tempo an – bleibt unvergessen. Das Scheitern Luganos (1:3) beendet die Ära des Grande Lugano mit vier Titeln in fünf Jahren, knickt die Karriere von Trainer John Slettvoll und ist die Geburtsstunde des «Mythos Arno Del Curto». Die ZSC Lions scheitern im Halbfinal mit 0:3 am späteren Meister SC Bern und Krutow zieht weiter in die zweite schwedische Liga.

Krutows legendärer Penalty gegen LuganoVideo: streamable

46. Jean-Jacques Aeschlimann

Stürmer; Biel und Lugano

Der Bieler gehört zu den Leitwölfen in Luganos Meisterteams von 1999 und 2003. Aber seine Playoff-Heldentat vollbringt er am 20. März 2001 im Berner Hockey-Tempel nicht in einem Meisterjahr, sondern als das sechste Halbfinalspiel zwischen Lugano und dem SC Bern im Penaltyschiessen entschieden wird.

Jean-Jacques Aeschlimann gilt bis heute als sicherster Penalty-Schütze unserer Hockeygeschichte. Und tatsächlich: er trifft im ersten und noch einmal im zweiten Durchgang gegen Torhüter-Legende Renato Tosio. Der zweite Penalty, den er an diesem Abend versenkt, ist die Entscheidung. Er beendet die Saison und die grandiose Karriere des SCB-Kultgoalies. Jean-Jacques Aeschlimann arbeitet heute in der Administration des HC Lugano.

Bild: KEYSTONE

45. Dino Stecher

Torhüter; Fribourg-Gottéron

Die Playoffs haben den Oltner um ewigen Ruhm gebracht. Es sind die «russischen Flugjahre» mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow. Aber die meisterliche Krönung gelingt nicht, Gottéron verliert drei Finals in Serie (1992, 1993, 1994). Aber Dino Stecher schreibt doch Geschichte: er ist der einzige Goalie, der acht Tore kassiert und ein Playoff-Spiel doch gewinnt.

Am 2. März 1991 siegt Gottéron in der vierten Viertelfinal-Partie in Ambri 9:8 (4:5,1:2,3:2). Gottérons Präsident Jean Martinet verbringt die Schlussphase kauernd auf der Medientribüne – er kann einfach nicht mehr hinschauen wie Dino Stecher Treffer um Treffer kassiert. Nachdem Rick Mettler zum 8:7 getroffen hat (52:36) lassen Ambris Zeitnehmer bei jedem Unterbruch die Uhr noch ein bisschen laufen, um den Sieg über die Zeit zu retten.

Aber Mario Rottaris gleicht aus (58:45) und Mario Brodmann trifft 49 Sekunden vor Schluss zum 9:8. Doch Mike Bullard gleicht für Ambri noch einmal aus – aber Sekundenbruchteile zu spät. Tja, hätten die Zeitnehmer nicht geschummelt, hätte der Ausgleich noch gezählt. Dino Stecher ist heute Geschäftsführer des Sportzentrums Huttwil-Schwarzenbach.

Bild: KEYSTONE

44. Thomas Müller

Stürmer; Davos

Er ist mit Davos 1984 und 1985 Meister geworden und am 15. Februar 1986 erzielt er gegen Kloten in der 3. Minute mit dem 1:0 das erste Tor unserer Playoff-Geschichte. Am 22. März 1988 gelingt ihm gegen Lugano im Halbfinal nach 68:59 Minuten mit dem 4:3 auch das erste Playoff-Verlängerungstor in der Geschichte unseres Eishockeys.

Meister wird Thomas Müller im Playoff-Zeitalter nicht mehr – aber er ist der dominante Spieler der einzigen dritten Linie in der Geschichte der Playoffs, die komplett für eine WM aufgeboten worden ist: Jahrelang bilden Lothar Batt, Sergio Soguel und Thomas Müller beim HCD die dritte Linie – Nationaltrainer Simon Schenk bietet das Trio für die B-WM 1986 auf – und steigt völlig überraschend in die A-Gruppe auf. Die drei HCD-Stürmer steuern in sieben Spielen neun Punkte bei. Thomas Müller muss seine Karriere wegen einer Krankheit bereits 1989 im Alter von 25 Jahren abbrechen und stirbt am 9. Juni 2000 viel zu früh.

Bild: KEYSTONE

43. Rolf Simmen

Torhüter; Zug und ZSC Lions

Der SCB-Finalsieg von 1989 über Lugano ist die erste Playoff-Überraschung unserer Geschichte. Luganos Scheitern gegen den ZSC im Viertelfinal von 1992 ist noch mehr: es ist die erste Sensation. Lugano hatte bis dahin jedes Jahr den Final erreicht und am 29. Februar 1992 in der zweitletzten Qualifikationsrunde den ZSC noch mit 11:3 vom Eis gefegt. Wer sollte Lugano also aufhalten?

Rolf Simmen hatte in der Qualifikation pro Match 4,54 Treffer kassiert. Aber siehe da: er brachte Lugano zur Verzweiflung. Im ersten Spiel hext er den ZSC in der Resega zu einem 4:3 nach Penaltys und in der zweiten Partie zu einem 4:2 im Hallenstadion. Im dritten Spiel kassiert er in Lugano ein «Stängeli» und dieses 0:10 scheint die Wende zu sein. Aber am 17. März machen die Zürcher mit einem 4:3 nach Penaltys den Sack zu, Rolf Simmen stoppt nacheinander Jörg Eberle, Gilles Thibaudeau und Alfie Turcotte.

Die Sensation ist perfekt. Es war bereits die zweite Playoff-Heldentat von Rolf Simmen: im Frühjahr 1987 hatte er den EV Zug gegen die ZSC Lions im vier Partien in die NLA zurückgehext. Er beendete 1994 beim ZSC seine Profikarriere und ist heute erfolgreicher Spieleragent. Sein letzter Deal: Er hat Damiano Ciaccio von Langnau nach Ambri und am gleichen Tag Gianluca Zaetta von Zug nach Langnau transferiert.

Bild: KEYSTONE

42. Steve McCarthy

Stürmer; ZSC Lions

In den Playoffs von 2012 und 2014 spielt der Kanadier 33 Partien – mehr als in diesen beiden Jahren in der Qualifikation (30), weil er meist halt nur Ersatzausländer war. In diesen 33 Playoffspielen erzielt er ein einziges Tor – und es bringt ihm Legendenstatus. Am 17. April 2012 erzielt er zwei Sekunden vor Schluss des 7. Finalspiels das 3:2 im Berner Hockey-Tempel – die ZSC Lions sind Meister.

Der SCB und sein Publikum (17'131 Fans im Stadion) gewinnen durch die sportliche Art und Weise, wie diese bittere Niederlage ohne jede Reklamation und Unmutsäusserung hinnehmen, bringt landesweit mehr Sympathien als mit dem Gewinn eines weiteren Meistertitels. Steve McCarthy verlässt die ZSC Lions im Frühjahr 2014 und arbeitet heute als Trainer-Assistent in der Farmteamliga AHL.

Bild: KEYSTONE

41. Bruno Zarrillo

Stürmer; Bern

Im Frühjahr 1997 ist der EV Zug auf Titelkurs: Die Innerschweizer gewinnen die erste Partie in Bern (4:1) und verlieren die zweite auf eigenem Eis (2:5) – aber Berns Topskorer Daniel Marois fällt mit einem gebrochenen Finger aus. Die Berner holen aus Köln Bruno Zarrillo (damals durfte man bis Saisonende neue Ausländer holen) – und in nur zwei Partien wird der Italiener zum grossen Meisterheldeb.

Zarrillo entscheidet die dritte Partie (3:2 n.V.) mit dem 1:0 und dem Siegestreffer in der Verlängerung und steuert beim vierten Spiel in Zug (4:0) ein weiteres Tor bei. Drei Tore, zwei Spiele, ein Titel. Er kehrt wieder nach Köln zurück und hat in der Saison 2002/03 noch einmal als Ersatzausländer mit Langenthal (7 Spiele/10 Punkte) und Sierre (8 Spiele/6 Punkte) einen Gastauftritt in der Schweiz.

Bild: EPA
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15 Kommentare
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Blizzard_Sloth
30.03.2020 18:01registriert Februar 2015
"Der SCB und sein Publikum (17'131 Fans im Stadion) gewinnen durch die sportliche Art und Weise, wie diese bittere Niederlage ohne jede Reklamation und Unmutsäusserung hinnehmen, bringt landesweit mehr Sympathien als mit dem Gewinn eines weiteren Meistertitels."

Sorry, was? Das McCarthy-Trauma scheint einige Berner ja bis heute noch zu verfolgen.
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Spitting Snowball
30.03.2020 17:47registriert November 2014
Können wir bitte noch die Regular Season mit den Prognosen von vor der Saison vergleichen?
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Ironiker
30.03.2020 19:33registriert Juli 2018
Philipp Wetzel, der Stürmer der jeden Tothüter besser macht.
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