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Vieles deutet dieses Jahr auf einen Aufstieg des EHC Kloten hin.
Vieles deutet dieses Jahr auf einen Aufstieg des EHC Kloten hin.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Spieleragent und Sportchef gründen Firma – Klotens wegweisendes Modell

Hat sich je ein Klub so sorgfältig auf einen möglichen Aufstieg vorbereitet wie Kloten? Wahrscheinlich nicht. Der umsichtige Sportchef Patrik Bärtschi hat mit einem der einflussreichsten Spieleragenten eine Firma gegründet. Zum Nutzen und Frommen aller. Und natürlich alles transparent. So wie es sich gehört.
07.03.2022, 15:4407.03.2022, 18:59

Der Aufstieg rückt in greifbare Nähe. Nun gilt es, zusammenzustehen. Wer ein echter Klotener ist, hilft die immense Herausforderung zu meistern, die eine Rückkehr in die höchste Liga sportlich und wirtschaftlich bedeutet.

Sven Helfenstein (39) und Patrik Bärtschi sind zwei Kinder der Klotener Hockeykultur. Sie sind hier gross geworden und haben von Kloten aus ihren Weg in der grossen, weiten Eishockeywelt gemacht. Sven Helfenstein ist heute anerkannter TV-Experte und einflussreicher Spieleragent. Patrik Bärtschi (37) dient dem EHC Kloten seit 2018 im Sportbereich, seit 2021 ist er gar Sportchef.

Die neue Firma ist im Handelsregister des Kantons Zug eingetragen.
Die neue Firma ist im Handelsregister des Kantons Zug eingetragen.Bild: handelsregisteramt des kantons zug

Es ist logisch und vorbildlich, dass nun beide zum Nutzen und Frommen der Klotener Hockeykultur zusammenspannen. Die beiden haben eine Firma gegründet. Der Eintrag im Handelsregister ist brandneu. Vom 7. Januar 2022. Sven Helfenstein und Patrik Bärtschi haben die «Skillz Consulting GmbH» mit einem Stammkapital von 20'000 Franken gegründet. Beide amtieren als Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift. Den Vorsitz hat Sven Helfenstein. Der eingetragene Geschäftszweck definiert unter anderem: «Beratungsleistungen im Bereich des Eishockeys».

So wird vieles einfacher. Kloten muss sicherlich im Hinblick auf den möglichen Aufstieg und dann auch später ab und an neue Spieler verpflichten. Da ist es wirklich praktisch, dass der Sportchef und einer der wichtigsten Spieleragenten das Geschäft bildlich gesprochen in der eigenen Firma erledigen können. Wie gesagt: Nur bildlich gesprochen. Transfers laufen ja juristisch über den Klub. Zeitraubende, harte und langwierige Verhandlungen um Löhne und Vertragsbedingungen können so vereinfacht werden. Zumal ja die Klubs die Agentenprovision nicht mehr bezahlen. Aber da findet man dann schon eine Lösung.

Patrik Bärtschi ist jetzt Sportchef beim EHC Kloten.
Patrik Bärtschi ist jetzt Sportchef beim EHC Kloten.Bild: IMAGO / Geisser

Wahrlich, ein ausgekochter Schuft und Miesmacher, wer denkt, es könnte einen Interessenkonflikt zwischen dem Sportchef und dem Spieleragenten geben. Patrik Bärtschi erklärt das Modell so: Er habe aus Amerika ein spezielles Trainings-Tool für den Klotener Nachwuchs eingeführt. Für dieses Trainings-Tool habe aber Sven Helfenstein bereits die Marktrechte in der Schweiz erworben. Deshalb sei es zu dieser Firmengründung ganz im Interesse des Klotener Nachwuchses gekommen. Und überhaupt habe er die Idee zur Gründung der Firma vor seiner Ernennung zum Sportchef gehabt. Es gebe keinerlei Interessenkonflikte. Wo er recht hat, da hat er recht: Eine Firmengründung muss lange, gründlich und sorgfältig überlegt und vorbereitet sein: Die Eintragung im Handelsregister erfolgte erst am 7. Jänner 2022. Im Juni 2021 ist Patrik Bärtschi in Kloten Sportchef geworden.

Der oberste Boss in Kloten ist Mike Schälchli, Präsident des Verwaltungsrates der EHC Kloten Sport AG. Ihm obliegt die Aufsicht über die Geschäfte und damit auch über das Treiben seines klugen, weitsichtigen Sportchefs zum Wohle des Klubs. Im Sinne der Transparenz sei hier seine Stellungnahme wörtlich wiedergegeben. Sie beweist zweifelsfrei, dass alles proper ist.

«Lieber Klaus

Danke für deine doch sehr spitzfindige Anfrage 😉. Aber ich lese im Moment deine Statements wirklich auch mit Genuss, du hast in Vielem einen guten Durchblick!

Ich kann dich aber in obenerwähnter Angelegenheit auf der ganzen Linie beruhigen.

Patrik Bärtschi war vor seiner Zeit als Sportchef als Junioren-Obmann tätig und hat im Bereich Skills-Management wertvolle Arbeit für die Entwicklung des Nachwuchses (schweizweit) aufgebaut, u.a. für seine damalige Tätigkeit im YoungFlyers-Verbund.

Dazu gehören auch der Einsatz von Produkten & Dienstleistungen, die mittels Lizenzverfahren zu erwerben sind – deshalb braucht es eine rechtliche Einheit/Firma, die Anfangs Jahr mit Verzögerung formell eingetragen wurde. Sven Helfenstein war bereits vor Patrick mit dem Anbieter in Verbindung und half mit, die Produkte in die Schweiz zu bringen.

Das Thema wurde stets transparent behandelt und wir im VR haben seinem Antrag damals unisono zugestimmt.

Wir unterstützen sein Engagement im Nachwuchs/Skillsbereich sehr, nicht zuletzt, weil es keinerlei Störfaktoren oder Interessenkonflikte gibt. Wir sind überzeugt, dass dies dem gesamten Nachwuchs helfen wird.»

Auch Sven Helfenstein nimmt ausführlich Stellung und legt überzeugend dar, dass hier ausschliesslich zum Wohle unseres Hockeys geschäftet wird:

«Guten Tag Klaus,

Begnadet ein junger Mann, der Zeit hat, sich ins Handelsregister zu vertiefen!

Allgemein bist du sicher mit mir einig, dass die Schweizer Spieler auf Junioren-Ebene zu wenig gut ausgebildet werden, aus welchen Gründen auch immer. Die Medien schreiben ja regelmässig und zu Recht, dass die jungen Schweizer zum Beispiel gegenüber den Schweden oder den Nordamerikanern im Skills Bereich klar unterlegen sind. Dieser Eindruck wird ja auch an fast jeder U-18 oder U-20 Junioren Weltmeisterschaft bestätigt.

Unter diesen Voraussetzungen möchte ich den Junioren, die sich gewissermassen um Weiterbildung bemühen, einen Vorteil und möglichst viele zusätzliche Stunden Eiszeit verschaffen. In Übersee gibt es solche Institutionen schon lange, wie du weisst.

In der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten bin ich auf dieses Trainingskonzept gestossen. Als sich ebenfalls der YoungFlyers-Verbund dafür interessierte, ergab sich die Konstellation mit Patrik Bärtschi, welcher dazumal noch als Nachwuchs-Chef tätig wär. Einen Interessenkonflikt sehe ich überhaupt nicht, da es einzig und allein um die Förderung junger Eishockeyspieler geht.

Bei den künftigen Skills Camps werden ausgebildete Skills Coaches die Trainings führen. Diese Trainings werden nicht nur für Helpstone Sport Consulting Klienten angeboten, sondern sind für jeden jungen Eishockeyspieler zugänglich.

Du siehst, totale Barmherzigkeit im Dienste des Schweizer Eishockeys! Am besten kommst du einmal vorbei und schaust dir die Sache an. Die Young Flyers Organisation trainiert schon die ganze Saison mit diesem Konzept, oder ansonsten kannst du gerne einmal in einem Skills Camp vorbeischauen.»
Sven Helfenstein ist auch TV-Experte bei «MySports».
Sven Helfenstein ist auch TV-Experte bei «MySports».Bild: screenshot mysports

Wir sehen also: In Kloten hat alles seine Ordnung. Die Sportchefs sollten sich ein Beispiel am Management des möglichen Aufsteigers nehmen. Die Frage ist mehr als berechtigt: Warum hat Zugs Sportchef Reto Kläy mit dem im Kanton Zug ansässigen Spieleragenten Dani Giger noch keine Firma gegründet?

Und sollte nicht ZSC-Sportchef Sven Leuenberger schleunigst mit dem klugen Zürcher Spieleragenten Georges Müller eine Firma auftun? Und warum hat Langnaus Sportchef Marc Eichmann noch kein Unternehmen mit dem Spieleragenten André Rufener zum Wohle des Langnauer Nachwuchses aufgebaut?

Luganos Sportchef Hnat Domenichelli sollte sich eigentlich sputen und sich mit dem Spieleragent Gaëtan Voisard in einer gemeinsamen Firma einbringen. Und es wäre sicherlich zum Wohle der grossen Nachwuchsabteilung, wenn sich auch SCB-Obersportchef Raëto Raffainer geschäftlich mit dem Spieleragenten Derek McCann verbünden würde.

Wir sehen: Kloten geht mit dem guten Beispiel für modernes Management voran und entwickelt neue Geschäftsmodelle zum Wohle unseres Hockeys. Es gibt noch viel zu tun für unsere Hockeymanager. Und wirklich ein Schuft, wer das Haar in der Suppe sucht und von Interessenkonflikten fabuliert.

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46 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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team eberhofer-birkenberger
07.03.2022 16:14registriert Dezember 2020
für einmal keine polemik, dafür pure ironie!
👏👍👏
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hocky
07.03.2022 16:07registriert März 2021
All diese selbstlosen Manager, wirklich erstaunlich. Nur zum Wohle des Schweizer Eishockeys, ohne Gedanken daran, nur ein Fränkli zu verdienen. Hut ab.
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Pana
07.03.2022 17:13registriert Juni 2015
"Vieles deutet dieses Jahr auf einen Aufstieg des EHC Kloten hin."

An dieser Stelle wurde Kloten vor einem Jahr zum Aufstieg gratuliert.
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