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Robert Nilsson scheitert mit seinem Penalty an Lugano-Goalie Elvis Merzlikins – trotzdem gewinnt der ZSC locker.
Robert Nilsson scheitert mit seinem Penalty an Lugano-Goalie Elvis Merzlikins – trotzdem gewinnt der ZSC locker.Bild: PPR
Eismeister Zaugg

ZSC mit beeindruckendem Tempo- und Kreiselhockey gegen Luganos «Maserati-Traktor»

Ein bisschen Nostalgie und freundliche Hockey-Götter: Die ZSC Lions besiegen Lugano 4:1. Aber es geht um mehr als einen Sieg. Es geht immer um die Frage: Reicht das im Frühjahr gegen den SC Bern?
20.10.2017, 07:5420.10.2017, 08:34

Auf den ersten Blick war es fast so wie einst in der guten alten Zeit. Als das Hallenstadion noch eine Kultarena, der HC Lugano ein Titan und die Deutschschweiz eine verschworene Hockey-Gemeinschaft waren. Vereint nach der Devise: Alle gegen Lugano.

Zu Beginn der 2000er-Jahre war die Rivalität zwischen der ZSC Lions und dem HC Lugano auf dem Höhepunkt. Hier das Duell zwischen Michel Zeiter und Cristobal Huet.
Zu Beginn der 2000er-Jahre war die Rivalität zwischen der ZSC Lions und dem HC Lugano auf dem Höhepunkt. Hier das Duell zwischen Michel Zeiter und Cristobal Huet.Bild: KEYSTONE

Operettenhockey? Es scheint so: 9 Zweiminutenstrafen gegen Lugano und nur eine einzige gegen die ZSC Lions. 48:2 Strafminuten, Disziplinarstrafen und den Restausschluss von Coach Greg Ireland eingerechnet. Plus ein Penalty für die ZSC Lions, den Robert Nilsson nicht am mittelmässigen Elvis Merzlikins vorbeibringt (Fangquote 89,74 %).

Drei Powerplaytore für die Zürcher, eines für die Tessiner, die ihr einziges Überzahlspiel nützen. Das Schlussresultat (4:1) steht bei extremer «Strafenverteilung» bereits nach 41 Minuten und 2 Sekunden fest. Das alles mahnt in der Tat an Operetten-Hockey.

Verständlich, dass es Luganos Sportchef Roland Habisreutinger nicht mehr auf seinem Tribunensitz hält. Er eilt kurz vor der zweiten Pause zur Spielerbank hinunter. Wahrscheinlich ahnt er, dass sich sein Cheftrainer Greg Ireland aufregt. Entschuldbar, dass Greg Ireland tatsächlich mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe belegt und fürs Schlussdrittel auf die Tribune geschickt wird. Lugano-Trainer sind auch nur Menschen.

Auch Greg Ireland kann sich mal aufregen.
Auch Greg Ireland kann sich mal aufregen.Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Ganz am Schluss ist es noch ein bisschen wie früher im alten, kultigen, wilden Hallenstadion. Ein paar Zürcher beschimpfen Luganos Spieler beim Verlassen des Eisfeldes. Gut sind Sicherheitsleute da und beruhigen.

Eine vaterländische Auseinandersetzung zwischen den mit Stöcken bewaffneten und wie Ritter gepanzerten harten Männern und den unanständigen Zuschauern hätte womöglich ausbrechen können. Mit dem Stock wären die Beleidiger gut zu erreichen gewesen. Nun denn: Hockey ist ein emotionales Spiel. Für Fans und Spieler. Ende gut, alles gut.

Die Lugano-Spieler mussten eine Niederlage einstecken – und wurden von den Fans angepöbelt.
Die Lugano-Spieler mussten eine Niederlage einstecken – und wurden von den Fans angepöbelt.Bild: KEYSTONE

Trotz Strafenflut: Lugano nicht benachteiligt

Operettenhockey? Nein. Ganz und gar nicht. Selbst ein der Polemik zugetaner Chronist muss sagen, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Auch wenn Tobias Wehrli und Marc Wiegand etwas kleinlich gepfiffen haben – jede Strafe war auf der Grundlage des Hockeystrafgesetzes (des Regelbuches) gerechtfertigt. Auch der Penalty-Entscheid. Die Statistik mag etwas anderes sagen – aber die tüchtigen Schiedsrichter haben Lugano nicht benachteiligt. Es gab keine Verschwörung gegen Lugano.

Chris Baltisberger macht sich an Luca Cunti zu schaffen.
Chris Baltisberger macht sich an Luca Cunti zu schaffen.Bild: KEYSTONE

Warum dann doch diese einseitige Strafenstatistik? Nun, die Zürcher zelebrierten in der Defensivzone Luganos phasenweise ein begeisterndes Lauf-, Tempo- und Kreiselhockey. Und weil sie die Scheibe dabei auch noch gut abdeckten, zäh verteidigten und hart zur Sache gingen, war es schwierig, sie auf legale Art und Weise zu stoppen. Die ZSC Lions waren für Luganos Defensive zu schnell. Sie hätten so auch die SCB-Abwehr ins Wanken gebracht.

Die offensive spielerische Substanz Luganos ist zwar beeindruckend – aber die Balance stimmte in diesem Spitzenspiel im Hallenstadion nicht. Vorne war Lugano in lichten Momenten ein Maserati –und hinten permanent ein Traktor mit stotterndem Dieselmotor.

Symbolbild der gestrigen Lugano-Defensive.
Symbolbild der gestrigen Lugano-Defensive.

Wer ist gut genug für den SC Bern?

Was ist dieser Sieg der ZSC Lions wert? In gewöhnlichen Zeiten viel. Denn Lugano war trotz defensiver Überforderung keine Operetten-Mannschaft. Immer wieder blitzte spielerische Klasse auf. Gegen dieses Lugano gibt es keine Gratissiege.

Immerhin hatte die Mannschaft in diesem Herbst schon sechsmal hintereinander gewonnen – gegen Ambri, Langnau, Servette, Biel, Fribourg und Davos. Ehe am letzten Dienstag in Kloten gegen das Schlusslicht eine Schmach (1:3) folgte. Aber die ZSC Lions waren am Dienstag ja auch keine Helden gewesen (2:3 in Langnau).

Lugano kassierte gegen die ZSC Lions die zweite Niederlage in Serie.
Lugano kassierte gegen die ZSC Lions die zweite Niederlage in Serie.Bild: KEYSTONE

Nicht nur nach jedem Sieg, grundsätzlich nach jedem Spiel stellt sich bei den ZSC Lions und Lugano die Frage: wird das gegen den SC Bern reichen? Sind wir gut genug, um den Meister herauszufordern?

Gehen wir also dieser Frage nach. Stehen die ZSC Lions, wenn sie so bei der Sache sind wie an diesem Donnerstagabend, auf Augenhöhe mit dem SCB? Der SCB ist diese Saison das Mass aller helvetischen Hockeydinge.

Ja, wahrscheinlich schon. Immerhin haben die Zürcher kürzlich in Bern erst in der Verlängerung (3:4) verloren. Das Problem ist allerdings, dass die ZSC Lions bisher nur ausnahmsweise während einer ganzen Partie konstant auf diesem Niveau gespielt haben. Der SCB hingegen erreichte diese Saison das gestrige Niveau der Zürcher auch mit «Werktagshockey».

Und da ist noch etwas: Der SC Bern hat Leonardo Genoni. Die ZSC Lions haben Lukas Flüeler und Niklas Schlegel (gegen Lugano spielte Flüeler).

Und Lugano? So wie am Donnerstag in Zürich reicht es bei weitem nicht. Aber wir sollten nicht den Fehler machen, Lugano zu unterschätzen. In Bern hat Lugano diese Saison im Schlussdrittel ein 1:4 und in ein 5:4 nach Penaltys verwandelt. Aber auch Lugano fehlt die schon fast unheimliche Konstanz und Systemsicherheit des Meisters.

Es geht für die ZSC Lions und Lugano nicht um die Qualifikation, es ist alles nur ein Üben für die Partien gegen den SCB.
Es geht für die ZSC Lions und Lugano nicht um die Qualifikation, es ist alles nur ein Üben für die Partien gegen den SCB.Bild: KEYSTONE

Weder die ZSC Lions noch Lugano müssen um die Playoffs-Qualifikation zittern. Wenn Lugano und die ZSC Lions spielen, dann ist es diese Saison eigentlich immer ein Üben für die Partien gegen den SC Bern. Siege gegen Davos oder Zug sind nett, zählen aber für jemanden nicht, der Meister werden will.

Und nicht vergessen, was für alle gilt: Nur der SCB hat Leonardo Genoni.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Einer Wie Alle
20.10.2017 08:03registriert Dezember 2015
Ich konnte aus dem Artikel leider nicht herauslesen welchen Goalie der SCB hat.

Bern ist zwar auch diese Saison wieder überlegen, aber ob es am Ende reicht entscheiden die Playoffs und das ist das Schöne am Eishockey. Am Ende kann auch noch jemand Meister werden, der noch um die Qualifikation zittern musste.
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Züzi31
20.10.2017 08:27registriert August 2015
Ohne Goalie der sich halbwegs auf Genoni Niveau bewegt und mal ein Spiel für das Team gewinnt, keine Chance. Nilsson kann es auch nicht immer alleine richten.
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der Mann
20.10.2017 07:58registriert März 2016
Hallenstadion und Kultarena...sage ich als Zürcher😂😂🙈
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