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Zugs Torhueter Tobias Stephan, links, kaempft um den Puck gegen Servettes Tim Traber, rechts, im ersten Eishockey Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem Geneve-Servette HC, am Samstag, 4. Maerz 2017, in der Bossard Arena in Zug.(KEYSTONE/Alexandra Wey)

Grosses Kino in den ersten beiden Runden: Zug-Goalie Stephan gegen Servettes Traber. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Diese Playoffs sind so toll, dass sich unser Chronist schon freudig die Hände reibt

Erst zwei Runden sind in den NLA-Playoffs gespielt. Die Unterhaltung ist erstklassig! Es gibt einen interessanten Treppensturz und die ersten Polemiken sind bereits in Sicht.



Keine andere Sportart hat eine so reiche Storytelling-Kultur wie das Eishockey. Diese Kultur ist in Nordamerika ganz besonders ausgeprägt. Sie ist aber auch bei uns gut entwickelt. Gerade in Zeiten der Playoffs werden die besten Geschichten erzählt.

Beispielsweise im Bieler Hockey-Tempel in der VIP-Loge am Dienstag vor der zweiten Partie gegen den SC Bern. DAS Thema: Biels Sportchef Martin Steinegger habe sich, als er noch ein «böser» Mann der meisterlichen «Big Bad Bears» war (1995 bis 2008), nach einem Spiel in der VIP-Loge des Berner Hockeytempels mit einem Sponsor prügelnd das Nasenbein gebrochen.

Im Spiel der Eishockey NLA des SC Bern gegen den HC La Chaux-de-Fonds am Dienstag, 2. Dezember 1997 in Bern verpasst der Neuenburger Patrick Glanzmann, rechts, dem Berner Martin Steinegger einen (ungeahndeten) Faustschlag.
(KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Berns Steinegger kassiert vom Chaux-de-Fonnier Glanzmann einen Fausthieb. Bild: KEYSTONE

Die Geschichte stimmt nicht ganz. Sie ist in Wirklichkeit noch besser: Ein Sponsor wollte der Freundin eines kräftigen SCB-Verteidigers zu später Stunde an die Wäsche. Steinegger übernahm in der Rangelei die Rolle des kräftigen Schlichters und sorgte schliesslich durch das Aufrollen des Feuerlöschschlauches für Ordnung. Es blieb bei blutenden Nasen ohne Bruch.

Wie brach sich Gaëtan Haas das Wadenbein?

Vor und während der Zeiten der Playoffs wird heute nicht immer ganz offen kommuniziert. Am 7. Februar ist von Biel folgende Meldung offiziell über die Nachrichtenagentur SDA verbreitet worden:

«Gaëtan Haas erlitt Wadenbeinbruch: Der vor der Playoff-Qualifikation stehende EHC Biel muss schlimmstenfalls bis Saisonende den Ausfall eines Leistungsträgers verkraften. Haas erleidet im Training einen Bruch des Wadenbeins.»

Biels Topscorer Gaetan Haas liegt auf dem Eis nach dem Tor von Ambri zum 0-2 im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem HC Ambri-Piotta, am Samstag, 26. September 2015, in der Tissot Arena in Biel. (Photopress/Peter Klaunzer)

Biels Haas bleibt gegen seinen neuen Arbeitgeber Bern nur die Rolle des Zuschauers. Bild: PHOTOPRESS

Wahr ist, dass das Jahrzehnttalent, das ab der nächsten Saison drei Jahre für den SC Bern stürmen wird, tatsächlich durch einen Wadenbeinbruch ausfällt. Wahr ist auch, dass Nationalstürmer Haas den Bielern in der Serie gegen den SC Bern fehlt. Sportchef Martin Steinegger sagt: «Bei fünf gegen fünf Feldspielern ist es halbwegs möglich, seinen Ausfall zu kompensieren. Aber nicht im Powerplay.»

Unwahr ist hingegen, dass sich Gaëtan Haas das Wadenbein beim Training gebrochen hat. Wahr sei vielmehr, dass er sich die Verletzung bei einem Treppensturz daheim in den Hausschuhen zugezogen hat. Sportchef Martin Steinegger mag weder dementieren noch bestätigen. Er sagt: «Es ist richtig, dass er sich die Verletzung nicht während, sondern vor dem Training zugezogen hat …»

Kein Schillerfalter und kein Oberschillerfalter mehr

Je nach Ausgang der Viertelfinals sehen wir jetzt schon die Vorboten der Polemik. Am meisten Unterhaltung würde in diesem Zusammenhang ein Ausscheiden der ZSC Lions gegen Lugano bieten. Zu schmähen wäre dann ZSC-Sportchef Edgar Salis.

Erstens, weil er darauf verzichtet hat, einen fünften Ausländer für den Notfall zu verpflichten. Das kann den Zürchern das «Aus» in den Viertelfinals oder in den Halbfinals bescheren – und den Titel kosten.

Zuerichs Topscorer Robert Nilsson wird verletzt vom Eis getragen, im ersten Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano am Samstag, 4. Maerz 2017, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Wie gut kann der ZSC den Ausfall Nilssons verkraften? Bild: KEYSTONE

Zweitens, weil Salis es zugelassen hat, dass Cheftrainer Hans Wallson den Schillerfalter Luca Cunti aus dem Hallenstadion verscheucht hat. Cunti stürmt jetzt noch für Kloten und nächste Saison in Lugano. Das kann den Zürchern das «Aus» in den Viertelfinals oder in den Halbfinals bescheren – und den Titel kosten. Nach dem Ausfall von Oberschillerfalter Robert Nilsson erst recht. Wir können es auch so sagen: Wer einen Spieler wie Luca Cunti gering schätzt, wird von den Hockeygöttern bestraft.

Offensive oder Defensive am Genfersee?

Ein Scheitern Lausannes gegen Davos in weniger als sieben Spielen bereits in der ersten Runde gäbe auch einem wohlwollenden Chronisten das Recht, Lausannes Sportdirektor Jan Alston zu schmähen.

Le directeur sportif du LHC Jan Alston, droite, et l'eentraineur du LHC Daniel Ratushny, gauche, parlent lors d'une conference de presse d'avant-saison du club de hockey-sur-glace Lausanne Hockey Club, LHC, ce mardi 6 septembre 2016 a Vevey. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Lausanne-Trainer Ratushny und Sportdirektor Alston. Bild: KEYSTONE

Weil er Trainer Heinz Ehlers im letzten Frühling aus einem weiterlaufenden Vertrag gefeuert und durch Dan Ratushny ersetzt hat. Zwar hat der Kanadier mit begeisterndem Offensiv- und Tempohockey die Mannschaft auf den 4. Rang gecoacht. Ehlers reichte es nur zu den Rängen 8 (zweimal) und 9 (punktgleich mit dem späteren Meister SCB). Aber er hat 2014 die ZSC Lions und 2015 den SC Bern in den Playoff-Viertelfinals sieben Spiele lang gefordert.

Heldengeschichte im Hockeystadion unter Palmen?

Im Rückblick werden wir erkennen, dass ganze Serien in einer einzigen Szene, in Sekundenbruchteilen entschieden worden sind. Eine solche Szene hat sich in der Verlängerung der ersten Partie zwischen Zug und Servette zugetragen. Servettes Tim Traber hat in der Verlängerung mit einem Direktschuss die Latte getroffen. Eine Niederlage gleich zum Auftakt hätten die Zuger womöglich in den Köpfen und Herzen nicht mehr verarbeiten können. Eine verrückte Szene: Hätten die Genfer im Training ausgemacht, dass es einen Kasten Bier gibt, wenn einer in einem Direktschuss die Latte trifft – es wäre in tausend Versuchen nicht möglich gewesen. Servette hat die erste Partie und anschliessend auch das zweite Spiel verloren.

Wir sehen aber auch erste Möglichkeiten für Heldengeschichten. Sogar für den vielgeschmähten Sportchef des HC Lugano. Letzte Saison feuerte Roland Habisreutinger Wohlfühltrainer Patrick Fischer und sorgte mit dem Engagement von Feuerkopf Doug Shedden für einen Kulturschock, der Lugano vom letzten Platz bis in den Playoff-Final treiben sollte.

Roland Habisreutinger, Sportchef des HC Lugano, spricht an einer Medienkonferenz anlaesslich des anstehenden 90. Eishockey Spengler Cup in Davos, am Freitag, 28. Oktober 2016, in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Viel gescholten, aber bald ein Held? Lugano-Sportchef Habisreutinger. Bild: TI-PRESS

Nun hat Habisreutinger diese Saison den grantigen Shedden gefeuert und mit dem Engagement von Greg Ireland wieder für eine Wohlfühl-Atmosphäre gesorgt. Wieder hat es eine positive Reaktion gegeben: Lugano hat die Serie gegen die ZSC Lions ausgeglichen. Es ist die Serie mit dem meisten Talent, den feurigsten Emotionen und dem grössten Überraschungspotenzial. Kommt Lugano weiter, hat der SCB (so er das Halbfinale schafft) sozusagen ein Freilos.

Marc Lüthis Geburtstag, Zibelemärit und Co. …

Vor einem Jahr mussten wir ohne kernige Geschichten mit, über und von HCD-Kulttrainer Arno Del Curto auskommen. Der HCD scheiterte als Titelverteidiger im Halbfinal am späteren Meister SC Bern (1:4).

Meistergoalie Leonardo Genoni hat Davos verlassen und ist nun beim SCB der beste Torhüter der laufenden Playoffs (2 Spiele/1 Gegentreffer). Wenn der HCD nun mit dem Playoff-Frischling Gilles Senn den Halbfinal erreicht, dann ist das ein Erfolg, fast so wertvoll wie ein Meistertitel.

Und was wäre, wenn der SCB gegen Biel scheitern sollte? Dann wären Marc Lüthis Geburtstag, Valentinstag, Nationalfeiertag, das Eidgenössische Schwingfest, das Eidgenössische Hornusserfest, Unspunnen, Zibelemärit, Gurtenfestival, die BEA, Weihnachten, Silvester und Neujahr am gleichen Tag.

epa04379112 CEO Marc Luethi of Swiss Ice Hockey club SC Bern poses for the photographer during the season media day of the SC Bern, 01 September 2014, Bern, Switzerland.  EPA/ANTHONY ANEX

Will kein historisches Aufeinandertreffer Berner Feiertage erleben: SCB-General Lüthi. Bild: EPA/KEYSTONE

Wenn Zamboni für dich viel mehr ist als einfach eine Eismaschine

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

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26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

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28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

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08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Wagner
09.03.2017 14:31registriert February 2014
Also Lugano wäre dann so ein Freilos gegen Bern im HF, wie es noch der EVZ war, vor den Playoffs für den möglichen 1/4 Final gegner!
Gut dann muss ich mir als HCL-Fan keine Sorgen machen in einem möglichen HF gegen Bern!
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Ovest S
09.03.2017 14:43registriert November 2015
Definition Chronist: jemand, der ein Geschehen verfolgt, beobachtet und darüber berichtet;
Eigentlich eine tolle Analyse vom BERNER Eismeister. Das ewige hochjubeln seiner Big Spoiled Bears geht aber jedem nicht Mutzen aber ein bisschen auf den Geist… Zum Glück wird im Eishockey noch gespielt und es werden auch keine Freilose verteilt.
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Patrick59
09.03.2017 14:35registriert January 2015
...... na also, es geht doch. Eine Analyse ohne dass die zwei Extrainer ....... und.......erwähnt werden ! Und trotzdem ein guter Bericht mit einem bisschen Polemik. Danke Herr Zaugg..
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14

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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