Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Spieler von Lugano jubeln mit ihren Fans nach dem 4:3 Sieg gegen Servette nach Verlaengerung im sechsten Eishockey Playoff-Halbfinalspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und Genf Servette HC, in der Resega Halle in Lugano, am Montag, 28. Maerz 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Lugano ist auf einer Mission: Reicht es gar für den Titel?
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Lugano träumt vom Titel: Aber können Shedden und das schwedische Hammer-Trio Bern gefährden?

Die schwedische Kavallerie hat das Halbfinale gegen Servette entschieden. Lugano steht nach dem 4:3 n.V. zum ersten Mal seit 2006 wieder im Finale. Reicht es auch zum Titel? Das Talent wäre vorhanden, aber dieses entscheidet nicht alleine.



Erstmals seit dem Titelgewinn von 2006 hat Lugano wieder das Finale erreicht. Ein wichtiger Grund für die Rückkehr des «Grande Lugano» dürfte auch in der Psychologie zu finden sein: Inzwischen hatten wir alle gedacht, Lugano könne nicht mehr Finalist und Meister werden. Weil es einfach nicht mehr möglich schien. Wie bei den Lakers: Nach all den Jahren dachten wir alle, ein Abstieg sei nicht mehr zu befürchten. Die Lakers waren so «unabsteigbar» geworden wie Lugano «untitelbar» schien. Es hat die Lakers doch erwischt. Und jetzt ist Lugano doch wieder da.

abspielen

Lugano ist definitiv wieder da: Philippe Furrer schiesst den HCL mit diesem Penalty ins erste Finale seit 2006.
streamable

Die Hockeygötter haben es gut mit Lugano gemeint. Zug war im Viertelfinale kein Gegner. Ja, Zug ist inzwischen das Lugano der Alpennordseite geworden. Oder besser: Zug ist so geworden wie Lugano vor der Ankunft von Doug Shedden war: Talentiert, aber zu weich und gecoacht von einem Trainer, der die Gebrauchsanleitung für die Playoffs verloren hat.

02.01.2015; Lugano; Eishockey NLA - HC Lugano - HC Ambri Piotta;
Trainer Doug Shedden (Lugano) 
(Claudia Minder/freshfocus)

Meistermacher? Seit Doug Sheddens Ankunft in Lugano können die Bianconeri wieder wirklich vom Titel träumen.
Bild: freshfocus

Das Halbfinale war dann schon eine andere Sache. Chris McSorley ist dazu in der Lage, mit Taktik fehlendes Talent in einer Playoffserie bis zu einem gewissen Masse zu kompensieren. Er hatte zuletzt 2014 und 2015 Lugano zweimal hintereinander im Viertelfinale besiegt. Weil er der bessere Coach war (wir sagen Coach, nicht Trainer) als Luganos Patrick Fischer.

Die ultimative Niederlage für McSorley

Aber nun hatte er mit Doug Shedden einen ebenbürtigen Bandengeneral gegen sich. Was einst der wilde Draufgänger Gebhard Leberecht von Blücher für den grossen Napoléon bei Waterloo, das war jetzt Doug Shedden für Napoléon Chris McSorley: der General, der ihm die ultimative Niederlage beigebracht hat.

Wer wird Schweizer Eishockey-Meister?

Doug Shedden ist die zentrale Figur bei Luganos Renaissance. Emotional und taktisch. Das Spiel ist unter dem taktischen Vereinfacher straffer organisiert als unter seinen Vorgängern. Die Balance zwischen Offensive und Defensive stimmt. Doug Shedden strukturiert auf dem Eis die Aufbruchstimmung, die «Revolution», die sein Vorgänger Patrick Fischer begonnen hat.

Lugano hat von allem etwas

Lugano fehlt zwar die Tempofestigkeit und Präzision des HC Davos. Lugano hat auch nicht die Ausgeglichenheit der ZSC Lions, nicht die Härte Servettes, nicht die Wasserverdrängung des SC Bern. Aber von allem etwas. Das macht Lugano unberechenbar – alles in allem ist die aktuelle Ausgabe des HC Lugano eine Light-Version des «Grande Lugano» von 2006, des letzten Meisterteams also.

Die Luganesi mit dem Assistenztrainer Ivano Zanatta, vorne rechts, und Spieler Sandy Jeannin, vorne links, feiern mit dem Meisterpokal den soeben gewonnenen 7. Meistertitel nach dem fuenften Playoff-Finalspiel der Eishockey NLA zwischen dem HC Lugano und dem HC Davos, am Donnerstag, 13. April 2006, in Lugano. Das Spiel endet 3:1 zugunsten von Lugano.  (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Karl Mathis)

Lugano 2006: Ganz so charismatisch ist die aktuelle Truppe nicht, aber die Ausgeglichenheit der 2016-Jungs ist bemerkenswert.
Bild: PHOTOPRESS

Nicht ganz so charismatisch (es gibt weder einen Ville Peltonen noch einen Petteri Nummelin) – aber die Ausgeglichenheit, die Mischung aus den verschiedenen Elementen (Taktik, Talent, Härte, Tempo) ist bemerkenswert.

Die schwedische Kavallerie als Prunkstück

Es muss nicht eine Schwäche sein, die besten Kräfte (die drei schwedischen Stürmer) in einer Linie zusammenzufassen. «Klotzen, nicht kleckern» ist nämlich ein militärisches Erfolgsgeheimnis und will heissen: im entscheidenden Augenblick die Kräfte konzentrieren und die Entscheidung erzwingen.

Die drei Schweden bilden so etwas wie Doug Sheddens offensive Kavallerie. So wie Blüchers Reitersoldaten Waterloo entschieden, so hat das schwedische Trio in diesen Playoffs immer wieder entscheidende Durchbrüche erzielt – unter anderem im Spiel in Genf den Siegestreffer in der Verlängerung und nun in der alles entscheidenden Partie das 2:2.

Luganos Linus Klasen, links, und Fredrik Pettersson, rechts, freuen sich ueber das 4:2, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem HC Ambri Piotta, am Freitag, 19. Februar 2016, in der Resega Halle von Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Linus Klasen (l.) und Fredrik Pettersson bilden mit Tony Martensson (nicht im Bild) das Prunkstück Luganos.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Mit Doug Shedden ist in Lugano ein anderes Denken eingekehrt. Er ist so etwas wie die politisch korrekte Hockey-Version von Donald Trump. Geradeheraus, selbstsicher, unbeirrbar. Mit dem Kanadier ist das Vertrauen in die eigenen Stärken wieder grösser als das Jammern über die Verschwörungstheorien der Deutschschweizer. Ein neues Selbstvertrauen, das sich jetzt eindrücklich in drei Overtime-Siegen in Serie gezeigt hat. Luganos Erinnerungen an 2006 sind nicht mehr bloss Nostalgie. Sie können Wirklichkeit werden.

Bei Lugano sind viele auf einer Mission

Und es gibt noch einen Faktor: Nichts motiviert stärker als «on a mission» zu sein. In Lugano sind viele auf einer Mission. Vicky Mantegazza, Doug Shedden und Damien Brunner um endlich einen Titel zu gewinnen. Steve Hirschi, Julien Vauclair oder Raffaele Sannitz um noch einmal mit Lugano Meister zu werden.

Luganos Damien Brunner jubelt nach seinem entscheidenden Tor im Penaltyschiessen im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Lugano, am Samstag, 23. Januar 2016, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Darauf wartet der mittlerweile 30-jährige Damien Brunner noch immer: den ersten Meistertitel seiner Karriere. 
Bild: KEYSTONE

Ein Meistertitel würde zudem Vicky Mantegazzas «Transfer-Geldbriefträger» Roland Habisreutinger zu einem ernstzunehmenden Sportchef machen. Und Elvis Merzlikins hat die Gelegenheit bekommen und genutzt, zu beweisen, dass sein Talent so gross ist wie sein Selbstvertrauen. Und schliesslich und endlich ist auch Doug Shedden auf einer Mission. «General Halbfinal» hatte bisher in der Schweiz noch nie das Finale erreicht. Er sagt zwar, Zug sei halt fünfmal nicht gut genug fürs Finale gewesen (2009 bis 2013). Damit hatte er nicht ganz unrecht.

Doug Shedden hat jetzt erstmals in der Schweiz sogar genug Talent zur Verfügung, um den Titel zu holen. Aber ein Finale wird nicht alleine durch Talent entschieden.

Grosses Eishockey-Kino: NLA-Stars in den Hauptrollen

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweiz gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Ambri und die Valascia – des Eismeisters Abschied von der steinernen Seele unseres Hockeys

Nach dieser Saison wird mit der Valascia ein Kraftort des Schweizer Eishockeys für immer von der Landkarte verschwinden. Ein letzter Rundgang durchs mythischste Stadion unseres Hockeys.

Beginnen wir unsere letzte Geschichte über die Valascia mit ein wenig Pathos. Gustave Flaubert ist ein französischer Dichter aus dem 19. Jahrhundert. Er hat einmal geschrieben: «Es gibt Orte auf der Welt, die so schön sind, dass man sie an sein Herz pressen möchte.» Wäre er ein Hockey-Chronist gewesen, dann hätte er mit diesem Satz die Valascia gemeint.

Soweit die Romantik. Aber Polemik gehört auch dazu. Es gibt ein Buch über Ambri, zusammengestellt von Ruedi Ingold. Darin gibt es eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel