DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Switzerland's Tommy Albelin, assistant coach, Patrick Fischer, head coach and Christian Wohlwend, assistant coach, from left, pose during a photo session before a training session during the Ice Hockey World Championship in Paris, France on Friday, May 12, 2017. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Tommy Albelin, Patrick Fischer und Christian Wohlwend haben die Schweizer Nati auf Kurs gebracht. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Mit «Cheerleader» Patrick Fischer zur grössten WM-Steigerung seit 1998

Vier «Ersatzspieler» sind die Titanen beim 3:1 gegen Tschechien. Patrick Fischer ist eben doch ein exzellenter «Cheerleader».



«Reculer pour mieux sauter» («Ein paar Schritte zurück, um dann noch weiter springen zu können»). Noch nie hat eine Mannschaft in der Neuzeit bei einer WM dieses französische Sprichwort besser umgesetzt. In der ersten WM-Partien haben die Schweizer eine 4:0-Führung gegen Auf- und Sofortwiederabsteiger Slowenien preisgegeben (5:4 n.P.).

abspielen

Die Highlights des Erfolgs über Tschechien. Video: YouTube/IIHF Worlds 2017

Im letzten Gruppenspiel gelingt die bisher beste Leistung, ja, fast ein perfektes Spiel gegen Tschechien (3:1). Natürlich ist bei diesem Steigerungslauf auch Glück («Puckluck») dabei. Es ist das Glück das die Hockeygötter dem Tüchtigen gewähren.

Zuletzt hat sich die Schweiz an einer WM 1998 so gesteigert. Damals begannen die Schweizer das Turnier am 2. Mai mit einem 1:5 gegen die USA. Am 7. Mai besiegten sie zum ersten Mal in der Geschichte überhaupt Russland (4:2) – der Sieg brachte die Schweizer beim kuriosen Modus mit Gruppenspielen statt Viertelfinals ins Halbfinale.

Die «Ersatzspieler» als Schlüssel

Natürlich ist das 3:1 gegen Tschechien ein Sieg der Mannschaft. Und doch ist eine Einzelkritik aufschlussreich. Wir können ohne Zuspitzung oder Übertreibung vier Architekten dieses Sieges benennen: Torhüter Niklas Schlegel, Verteidiger Dominik Schlumpf und die beiden Stürmer Reto Suri und Damien Brunner. Sie haben alle etwas gemeinsam: Sie kamen entweder während des Turniers lange Zeit nicht zum Einsatz (Schlegel, Schlumpf, Suri) oder mussten zwischendurch wegen ungenügender Leistung auf die Tribüne (Brunner).

Switzerland’s goaltender Niklas Schlegel looks on during the Ice Hockey World Championship group B preliminary round match between Switzerland and Czech Republic in Paris, France on Tuesday, May 16, 2017. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Niklas Schlegel wusste bei seinem ersten WM-Einsatz zu überzeugen. Bild: KEYSTONE

Niklas Schlegel wehrte 95,83 Prozent der Schüsse ab. Der brave Dominik Schlumpf war in seiner ersten WM-Partie in diesem Jahr ein verlässlicher defensiver Schwerarbeiter mit mehr Eiszeit (20:17 Min.) als Captain Diaz (17:40 Min). Vorne erzielen Reto Suri und Damien Brunner die Treffer zum 2:1 und 3:1.

Ein Hinweis auf die ganz grosse Stärke von Nationaltrainer Patrick Fischer: Er ist ein charismatischer Kommunikator («Cheerleader»), der es versteht, die Spieler für sich zu gewinnen. Zu begeistern und zu einer Einheit zusammenzuschweissen.

abspielen

Suri trifft zum 2:0. Video: streamable

«Cheerleader» ist ja keineswegs eine Schmähung. «Cheerleading» leitet sich aus dem englischen Wort «cheer» («Beifall») und «to lead» («führen»), also sinngemäss «zum Beifall führen». «Cheerleading» ist der «weiche» Erfolgsfaktor, der so wichtig sein kann wie «harte» Faktoren wie Taktik und Selektion des Teams.

Cheerleader Patrick Fischer

Patrick Fischer macht sich ziemlich gut als Cheerleader. bild: keystone/watson

Keine taktische Schwächen mehr

Diese Qualität, hat nun hier in Paris Patrick Fischers taktische Schwächen bei weitem aufwogen. Taktische Schwächen? Auch davon war nun erstmals nichts mehr zu sehen. Das letzte Drittel gegen Tschechien war taktisch das beste des Turniers. Die Arbeit von Taktiklehrer Tommy Albelin trägt langsam aber sicher Früchte.

Ein Nationaltrainer ist immer auch (Hockey)-Politiker und Verkäufer. Je besser es ihm gelingt, den Spielern die WM-Mission «zu verkaufen», desto erfolgreicher ist er. Und die grosse Kunst ist es, in der Zeitspanne von wenigen Wochen eine Mannschaft zusammenzustellen, die lebt. In der jeder für jeden einsteht, jeder die ihm zugewiesene Rolle vorbehaltlos akzeptiert und alle sich gegenseitig unterstützen.

abspielen

Brunner schiesst das 3:1. Video: streamable

Also für das zu sorgen, was als «Chemie» in einer Mannschaft bezeichnet wird. Erschwerend kommt beim Nationaltrainer dazu, dass im Laufe der Vorbereitung neue Spieler hinzukommen und sich so die Chemie und die Hierarchie in der Kabine laufend verändert.

«Die Stimmung ist gut. Jeder akzeptiert die Rolle, die ihm zugewiesen wird.»

Reto Suri

Dass diese Mannschaft lebt, ist mehr noch auf der Spielerbank als auf dem Eis ersichtlich. Dort zeigen sich die Emotionen in der Art und Weise, wie sich die Spieler gegenseitig unterstützen und aufmuntern. Es ist eine Spielerbank, die im besten Wortsinne lebt.

Dieser Zusammenhalt zieht sich nach dem Spiel gegen Tschechien auch durch die Aussagen der Spieler. Reto Suri sagt im Zusammenhang mit der herausragenden Leistung von Torhüter Niklas Schlegel: «Dass er zum Zuge kommt und gleich eine solche Leistung erbringt, zeigt wie gut die Stimmung ist. Jeder akzeptiert die Rolle, die ihm zugewiesen wird.»

Das gelte auch für ihn. «Ich war sicher nicht glücklich, dass ich am Anfang nicht spielen durfte. Aber ich habe alles getan um bereit zu sein, wenn ich meine Chance bekommen.» Er fühle sich sehr gut und es sei ihm gelungen, Energie und Tempo ins Spiel zu tragen. «Wir haben als Mannschaft im Laufe des Turniers etwas aufgebaut. Nach dem Startspiel sind wir erst einmal abgeschrieben worden, nach der Niederlage gegen Frankreich erst recht.» Schon deshalb sei ein Vergleich mit der Silber-WM von 2013 nicht möglich. «Dort sind wir ja mit neun Siegen hintereinander bis ins Finale durchgelaufen.»

«Wenn ich in meiner Zeit in Nordamerika etwas gelernt habe, dann das Akzeptieren jeder Rolle.»

Damien Brunner

Dominik Schlumpf blieb nach einer grossen Leistung leise, freundlich und bescheiden. So wie es seine Art ist und sagte: «Ich bin froh, dass ich meinen Beitrag zu diesem Spiel leisten konnte.»

Raphael Diaz assistierte zum 1:0 und war beim 3:1 im Einsatz. Das Minus in der Statistik ist weg, er hat nun eine Plus-Bilanz (+1). «Aber das spielt nun wirklich keine Rolle. Wir sind eine Mannschaft und ich habe noch gar nicht an meine Statistik gedacht.» Auch der Captain rühmt die gute Stimmung im Team – und die taktischen Fortschritte. «Wir stehen in unserer Zone sehr gut, behalten kühlen Kopf und spielen einfach. Nun müssen wir den Schwung ins Viertelfinale mitnehmen.»

Was erreicht die Schweiz an dieser WM noch?

Damien Brunner sass gegen Finnland wegen mangelnder Leistung auf der Tribüne, kehrte gegen Tschechien zurück und erzielte das 3:1. Hatte er sich bei Patrick Fischer über die Zurückversetzung beschwert? «Sicher nicht. Wenn ich in meiner Zeit in Nordamerika etwas gelernt habe, dann das Akzeptieren jeder Rolle.»

Das ist auch eine der grossen Qualität dieser Mannschaft: Jeder akzeptiert die Rolle, die ihm zugewiesen wird.

Diese 28 Talente musst du an der Hockey-WM auf dem Radar haben

Eishockey WM 2017

Du weisst nicht, welches Team der Hockey-WM zu dir passt? Dieses Flussdiagramm hilft dir

Link zum Artikel

Diese 28 Talente musst du an der Hockey-WM auf dem Radar haben

Link zum Artikel

Weder dick noch doof – überragender Hardy packt gegen Finnland diese Monsterparade aus

Link zum Artikel

Dank Genoni-Shutout und drei Punkten von Almond – die Schweiz bodigt Norwegen

Link zum Artikel

Den Super-Gau nach 4:0-Führung verhindert: Nati siegt zum WM-Auftakt im Penaltyschiessen

Link zum Artikel

Ein Stutz ins Phrasenschwein – diese Sprüche wirst du an der Hockey-WM sicher hören

Link zum Artikel

Zu wenig Wasserverdrängung? Schweiz an der Hockey-WM am kleinsten und leichtesten

Link zum Artikel

Top-8-Status in Gefahr – der WM-Viertelfinal ist für die Hockey-Nati Pflicht

Link zum Artikel

Wirst du Eishockey-Weltmeister oder musst du frühzeitig unter die Dusche?

Link zum Artikel

Diese 10 Spiderdiagramme musst du für die Eishockey-WM kennen

Link zum Artikel

Jetzt zeigt sich, ob wir einen Cheerleader oder Bandengeneral haben

Link zum Artikel

Fischer fischt an der WM mit diesen Fischen nach dem Titel

Link zum Artikel

Patrick Fischer über die WM-Absenzen: «Wenn die Motivation fehlt, macht es keinen Sinn»

Link zum Artikel

Hockey-Nationalmannschaft – so gut wie seit 2013 nie mehr

Link zum Artikel

Was kann der neue Hexenmeister der Hockey-Nati bewirken?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

«Abstürzende Adler» – die besten Schweizer seit 1998 sind gescheitert

Ist es Leichtsinn? Ist es gar Hybris? Nein, es ist eine Laune der Hockeygötter. Die Schweizer verlieren einen WM-Viertelfinal gegen Deutschland nach Penaltys (2:3), den sie nie hätten verlieren dürfen. Weltmeister werden wir wieder nicht. Aber wir sind die Dramakönige der Hockeygeschichte.

Ach, es wäre so schön gewesen. Nur 43 Sekunden fehlten für den Halbfinal. Um zu zeigen, wie schmal der Grat zwischen Triumph und sportlicher Tragödie sein kann und wie gut die Schweizer bei dieser WM und in diesem Viertelfinal-Drama waren, machen wir hier kurz ein Gedankenspiel. Nach dem Motto: Was wäre wenn?

Also; hätten wir gewonnen, so wäre hier nun zu lesen:

«Unser Eishockey, unser Sieg, unser Halbfinal: Die Schweiz besiegt in einer der besten WM-Partien der Neuzeit Deutschland. Die Deutschen …

Artikel lesen
Link zum Artikel