Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Les joueurs davosiens montrent leur deception apres la finale de Coupe de Suisse de hockey sur glace Swiss Ice Hockey Cup, entre HC Ajoie et HC Davos ce dimanche 2 fevrier 2020 a la patinoire de la Vaudoise Arena a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Zum zweiten Mal nach 2018 verliert der HC Davos einen Cupfinal. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Schon wieder eine HCD-Finalpleite – was, wenn im Cup Wahrheit ist?

Ist die schmähliche Niederlage im Cupfinal gegen Ajoie (3:7) bloss ein «Betriebs-Unfall» oder ein beunruhigendes Zeichen für HCD-Trainer Christian Wohlwend? Kein Schuft, wer diese Frage stellt.



Am 4. Februar 2018 verliert der HC Davos in Rapperswil-Jona den Cupfinal gegen die damals noch zweitklassigen SCRJ Lakers sensationell mit 2:7. Es ist kein Grund zur Beunruhigung. Trainer Arno Del Curto geht zur Tagesordnung über. Der HCD beendet die Qualifikation auf Rang 6 und scheidet im Playoff-Viertelfinal gegen Biel aus.

Im Rückblick auf die mehr als 20 Jahre währende «Ära Del Curto» sagte Präsident Gaudenz Domenig einmal, diese Finalniederlage gegen die Lakers sei das erste Zeichen des Autoritätsverlustes des Trainers und seiner Entfremdung von der Mannschaft gewesen. Nur habe man das nicht erkennen können oder wollen. Der Anfang vom Ende einer der grössten Trainerkarrieren war also eine krachende Niederlage im Cupfinal.

abspielen

Die Highlights des Cupfinals 2018. Video: YouTube/SC Rapperswil-Jona Lakers

Nun hat auch Trainer Christian Wohlwend den Cupfinal schmählich gegen ein Team aus der zweiten Liga verloren. Mit beinahe dem gleichen Resultat (3:7) wie damals Arno Del Curto. Und seine Mannschaft war gegen Ajoie eher noch chancenloser als damals Arno Del Curtos HCD gegen die Lakers. Der Anfang einer neuen HCD-Ära ist eine «vernichtende» Niederlage im Cupfinal. So wie eine ähnliche Pleite das Ende der vorangegangenen war.

Die Highlights des Cupfinals 2020. Video: SRF

Ajoie war bereit, Davos nicht

Ist im Cup Wahrheit? Offenbart die Schmach von Lausanne erste Anzeichen eines Autoritätsverlustes von HCD-Trainer Christian Wohlwend? Fakt ist: beim ersten ganz grossen Spiel seiner HCD-Trainerkarriere hat er versagt. Nun mögen wir einwenden: eine Niederlage im Cup ist doch bloss ein «Betriebsunfall». Gegen unterklassige Gegner haben in diesem Wettbewerb auch schon andere verloren, ohne dabei Schaden an der Hockey-Seele zu nehmen.

Sogar der grosse Kari Jalonen ist mit dem SCB im Herbst 2016 sensationell gegen die Ticino Rockets aus dem Cup geflogen und dann noch zweimal Meister geworden. Auf dem Weg in den Final hat Ajoie Lausanne, die ZSC Lions und Biel aus dem Weg geräumt.

Les joueurs jurassiens du HC Ajoie avec l'attaquant jurassien Fabio Arnold fetent la victoire en coupe de suisse avec les supporters lors de la finale de Coupe de Suisse de hockey sur glace Swiss Ice Hockey Cup, entre HC Ajoie et HC Davos ce dimanche 2 fevrier 2020 a la patinoire de la vaudoise arena a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Ajoie ist ein wahrer Cup-Schreck. Bild: KEYSTONE

Und doch ist diese Final-Niederlage schon ein wenig beunruhigend. Es stimmt: die Grossen nehmen den Cup im Eishockey nicht ernst. Zu wenig Prestige ist mit einem Sieg verbunden. Das Scheitern der Titanen aus der höchsten Liga ist inzwischen keine Überraschung mehr. Aber das gilt nicht für den Final. Alles wird mobilisiert, wenn eine Mannschaft erst einmal den Final erreicht hat und die Chance bekommt, in einem ausverkauften Stadion (bisher waren alle Finals ausverkauft) und bei TV-Direktübertragung im staatstragenden TV einen Titel zu gewinnen. Eine Final-Niederlage ist schmerzlich. Sie enthält ein wenig Wahrheit und darf zu einer Analyse herangezogen werden.

Das Resultat einer solchen Analyse: es war kein «Betriebsunfall». Ajoie war bereit, der HCD nicht. Aufgeputscht von der Stimmung gingen die Jurassier ihren Gegenspielern unter die Haut. Mit dieser Intensität kamen die Davoser nicht zurecht und produzierten frustriert über die unerwarteten Schwierigkeiten eine Serie von Strafen.

Der Schwefelgeruch der Niederlage

An einem guten Abend ist der HCD die schnellste Mannschaft des Landes. Aber das Lauf- und Tempohockey der höchsten Liga, mit dem Kreisen in den Ecken («Helikopter-Offensive»), mit viel Ost-West-Hockey ist etwas anderes als das raue, schnörkellose, geradlinige Nord-Süd-Hockey eines Spitzenteams aus der zweiten Liga. Die Davoser vermochten ihren taktisch schlauen, mutigen Gegenspielern nicht mehr davonzulaufen. Sie brauchten mehr als eine halbe Stunde, um im Spiel anzukommen. Aber da führte der Aussenseiter nach vier Powerplay-Treffern bereits 4:0. Und in der Schlussphase sollte eine weitere Frustrations-Strafe (Mattias Tedendby) die Aufholjagd stoppen und zum 5:3 führen.

Die Schweizer Hockey-Cupsieger der Neuzeit

Niemand wird es je so sagen. Aber es ist, wie es ist: Die Davoser haben ihren Gegner unterschätzt. Es gibt im HCD einen Trend zur Überheblichkeit, der sich bereits beim Spengler Cup beim absichtlich preisgegebenen Spiel gegen das Team Canada gezeigt hat.

Hat Christian Wohlwend noch alles im Griff? Für ihn spricht ein ganz wichtiger Unterschied zur Finalniederlage von 2018. Damals führten die Lakers nach 30 Minuten 5:1 und alles war vorbei. Der HCD vermochte nicht mehr zu reagieren. Am Sonntagnachmittag stand es nach 30 Minuten 4:0. Aber der HCD war dazu in der Lage zu reagieren. Nach 50 Minuten führte Ajoie nur noch 4:3 ehe ein weiteres Powerplay Ajoie den entscheidenden 5. Treffer ermöglichte.

Davos' head coach Christian Wohlwend im 1/16-Final Cup-Eishockeyspiel zwischen dem EHC Frauenfeld und dem HC Davos, am Mittwoch, 11. September 2019, auf der Kunsteisbahn in Frauenfeld. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Christian Wohlwend hat beim HCD bislang vieles richtig gemacht. Bild: KEYSTONE

Der Untergang des HC Davos in der ersten Spielhälfte, insbesondere das Versagen im Boxplay ist beunruhigend. Die Rückkehr in der zweiten Spielhälfte hingegen beeindruckend und beruhigend. Christian Wohlwend erreicht seine Spieler also nach wie vor und es gibt noch kein Grund zu grosser Sorge. Aber zu ganz, ganz leisen Zweifeln. Ein wenig Wahrheit ist im Cup eben schon. Der HCD-Trainer hat bisher in seiner ersten Saison eigentlich alles richtig gemacht und eine Mannschaft, die im letzten Frühjahr noch die Playouts erdulden musste, in die Spitzengruppe der Liga zurückgeführt.

Aber den Schwefelgeruch dieser Cupfinal-Niederlage wird er erst nach überzeugenden Leistungen in den Playoffs ganz los sein.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die grossen Playoff-Wenden im Schweizer Eishockey

NHL-Einsätze von Schweizer Eishockeyspielern

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Chris McSorley vor dem Amtsantritt beim SC Bern

Die Verhandlungen zwischen SCB-Manager und -Mitbesitzer Marc Lüthi (59) und Chris McSorley (58) stehen vor dem Abschluss. Noch vor Mitte Februar soll der charismatische Kanadier seine Arbeit beim SC Bern aufnehmen. Nicht nur als Sportchef.

Die Gewährsleute aus dem Inneren des grössten Hockeyunternehmens im Land melden: Marc Lüthi und Chris McSorley haben sich in den wesentlichen Punkten (Salär, Aufgabenbereich) geeinigt. Wenn die beiden erfolgreichsten und charismatischsten Hockey-Macher der letzten 20 Jahre tatsächlich zusammenspannen, dann wird die Liga gerockt.

Der SCB-Chef hat inzwischen den Handlungsbedarf in der Sportabteilung erkannt. Aus den innersten SCB-Machtzirkeln wird berichtet: Chris McSorley wird neuer Sportchef und …

Artikel lesen
Link zum Artikel