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Arno Del Curto hat mit Österreich den Klassenerhalt geschafft.
Arno Del Curto hat mit Österreich den Klassenerhalt geschafft.bild: imago-images.de
Eismeister Zaugg

Arno Del Curto: «Ja, ich glaube, die Schweiz wird gegen die USA gewinnen»

Heute ist Arno Del Curto (66) kurz vor 11 Uhr in Kloten gelandet. Das WM-Abenteuer Österreich ist beendet und für nächste Saison gibt es vorerst nur einen Hockey-Termin.
25.05.2022, 13:3725.05.2022, 14:52

Sie waren das Traumpaar des österreichischen Hockeys: Die beiden Schweizer Roger Bader (57) und Arno Del Curto (66) bescherten Österreich die beste WM seit 1947 (Bronze): Siege gegen Tschechien und Grossbritannien, Punktgewinne gegen die USA und Lettland. Das ist für das habsburgische Hockey ungefähr so wie ein WM-Titel für die Schweiz.

Natürlich weist der ehemalige HCD-Meistertrainer seine Verdienste weit von sich. Aber die Energie, die er mit seiner unkonventionellen Art in die Kabine und auf die Bank gebracht hat, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei diesem Hockeymärchen. Bei acht Vorbereitungsspielen und bei sieben WM-Partien war Arno Del Curto die Kraftquelle des österreichischen Hockeys.

Bader und Del Curto gemeinsam an der Bande.
Bader und Del Curto gemeinsam an der Bande.bild: imago-images.de

Kurz nach der Landung in Kloten ruft er zurück. Nun ist er ganz entspannt. Er sagt, er sei froh, dass er dieses Abenteuer eingegangen sei. Es habe viel Spass gemacht. «Das ist ja auch normal, wenn man zuvor 40 Jahre im Hockey war. Da kommt die Freude zurück.»

Arno Del Curto ist tief beeindruckt und begeistert von den Leistungen der Spieler und ihrer Leidenschaft: «Viele spielen ja im Klub nicht auf diesem Level. Sieben Spiele auf WM-Niveau und dazu bereits in der WM-Vorbereitung Partien gegen Tschechien und Schweden: Diese Belastung sind sie sich nicht gewohnt. Dazu kam die nervliche Anspannung während des Turniers. Wir konnten den Klassenerhalt ja erst im letzten Spiel sichern.»

Die Entwicklung des Eishockeys fasziniert Arno Del Curto nach wie vor. Das Spiel habe sich seit seiner Aktivzeit an der Bande enorm verändert. Nach wie vor sei zwar das schnelle Umschalten von Offensive auf Defensive entscheidend. «Aber es ist inzwischen viel schwieriger geworden, in die gegnerische Zone einzudringen.» Es ist die moderne, elastische Defensive, die von den Finnen schon fast zur Perfektion entwickelt worden ist.

Da kann die Frage nicht ausbleiben: Werden die Schweizer die USA im Viertelfinal bezwingen? Arno Del Curto hat ja die Amerikaner in Tampere eingehend studieren können. Und die Österreicher verloren nach einer 2:0-Führung erst in der Verlängerung. «Wir haben sogar ein Tor kassiert, das keines war. Aber wir hatten keinen Assistenten oben auf der Tribüne, der für uns das Spiel verfolgte und uns einen Regelverstoss hätte melden können …» Was den Schweizern nicht passieren wird: Schiedsrichterchef Andreas Fischer sitzt oben auf der Tribüne, um im Falle eines Falles sofort einen Regelverstoss an die Bande hinunterfunken zu können. Damit Patrick Fischer eine «Coaches Challenge» beantragen kann.

Die besten Szenen der Partie Österreich gegen USA.Video: YouTube/IIHF Worlds 2022

Wenn also die Amerikaner ein irreguläres Tor brauchen, um überhaupt in die Verlängerung zu kommen, dann müssten die Schweizer ja dazu in der Lage sein, ein Spiel gegen diesen Gegner zu gewinnen. «Ja, ich glaube die Schweiz wird gewinnen», sagt Arno Del Curto. «Mit den USA haben die Schweizer den leichtesten Gegner aus unserer Gruppe bekommen.» Was ja eigentlich Sinn der Sache ist: Als Gruppensieger sollte der Viertelfinalgegner der theoretisch schwächste aus der anderen Gruppe sein.

Die Frage ist natürlich: Bleibt Arno Del Curto nun im Hockey? Ähnlich wie Scotty Bowman, der Erfolgreichste von allen, der sich nach seinem letzten Stanley-Cup-Triumph 2002 mit Detroit im Alter von 69 Jahren auf die Funktion eines Beraters zurückgezogen hat.

«Nein, nein», sagt Arno Del Curto. Aber er sagt dieses «Nein» mit leiser Freundlichkeit. Es tönt nicht wie ein «Nein» für immer. Er bekommt vielleicht ja sogar die Chance, das olympische Turnier von 2026 in Italien zu erleben. So wie die Österreicher hier in Tampere gespielt haben, können sie die Olympia-Qualifikation schaffen. So weit mag er nicht vorausschauen. Aber die Art und Weise, wie er auf die Frage reagiert, lässt vermuten: Das könnte ihn reizen.

And die National-League-Bande wird Del Curto nicht zurückkehren.
And die National-League-Bande wird Del Curto nicht zurückkehren.Bild: keystone

Und was ist, wenn SCB-Manager Raëto Raffainer anrufen sollte? «Warum sollte er anrufen? Der SCB hat ja nächste Saison eine hervorragende Mannschaft.» Weil trotzdem nicht ganz auszuschliessen ist, dass der SCB in eine flaue Phase geraten könnte und dann der Trainer ein Thema wird? «Nein, die haben einen sehr guten Trainer.» Das «Nein» zu einer Rückkehr in irgendeiner Form in die National League klingt dezidiert. Da wird wohl nichts zu machen sein.

Vorerst kehrt Arno Del Curto zurück in den Alltag. Sein Rat – und wohl eher noch seine Energie – ist bei verschiedenen Projekten ohne Bezug zum Hockey gefragt. «Ich habe in den letzten sechs Wochen alle Termine sausen lassen. Nun muss ich aufholen. Ich habe gleich nach meiner Ankunft noch am Flughafen drei Termine vereinbart.»

Das Hockey muss also warten. Nur einen Hockey-Termin hat er bereits abgemacht: Er wird mal beim Training bei Hockey Huttwil vorbeischauen. Der letztjährige Finalist der höchsten Amateurliga (Finalniederlage gegen Basel) trainiert ja in Huttwil. Bloss eine gute Autoviertelstunde von Arno Del Curtos Lebensmittelpunkt im bernischen Oberaargau entfernt. «Ja, das habe ich Trainer Daniel Bieri versprochen.»

Und wer wettet, dass Arno Del Curto seinem Freund Roger Bader auch bei der nächsten WM helfen wird, hat gute Gewinnchancen. Er widerspricht: «Die Gewinnchancen sind gering.»

Trotz Widerspruch: Sogar eine Wette, dass er im Falle eines Falles 2026 mit Österreich zum ersten Mal bei einem olympischen Turnier an der Bande steht, ist nicht gänzlich chancenlos. 2026 wird Arno Del Curto erst 70 sein. Scotty Bowman war noch diese Saison Berater bei den Chicago Blackhawks. Im Alter von 88 Jahren.

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quelle: keystone / martin meissner
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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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dWayne Gronson
25.05.2022 14:20registriert Mai 2014
Man darf doch sicher auch erwähnen, dass Roger Bader mit viel Geduld, wenig Möglichkeiten und noch weniger Geld eine recht gute Mannschaft zusammengezimmert hat. AdC war in diesem Sinne einfach das Salz in der Suppe, welches das Ganze zu einem Erfolg geführt hat. Die Oesterreicher haben noch viel mehr Potential, vorallem wenn ich an alle diejenigen denke, die in der Schweiz sowohl bei den Junioren wie auch bei den Profis unterwegs sind.
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Liebu
25.05.2022 14:28registriert Oktober 2020
Dass die Schweiz die Amis schlagen kann steht ausser Frage. Die Frage ist, ob sie es auch schaffen.
Vieles spricht für sie, aber es ist nur ein einziges Spiel. Es heisst bereit sein von Beginn weg, seine eigene Stärken ausspielen, dem Gegner über die gesamte Dauer sein Spiel aufzwingen und sich nicht zu sehr anzupassen.
Ich denke die Chancen stehen gar nicht schlecht. Wenn es trotzdem nicht reicht, hat mir die Nati bisher viel Freude mit ihren Auftritten beschert. Jetzt fehlt nur noch ein krönender Abschluss.
Hopp Schwitz 🇨🇭
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