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Lottergoalie Benjamin Conz

Fribourg hat alles, um Meister zu werden – alles, ausser dem vielleicht wichtigsten Element

Kloten besiegt Fribourg-Gottéron 5:2 und braucht nur noch einen Sieg fürs Finale. Für Gottéron heisst es: C'est vraiment Con(z). Ein bitterböses Wortspiel. Aber halt treffend.
04.04.2014, 07:0004.04.2014, 08:34

Ein «con» ist im Französischen ein Depp. Und Conz ist Fribourgs Goalie. Das Wortspiel liegt auf der Hand, zumal nach Partien wie dem vierten Playoff-Halbfinalspiel zwischen den Kloten Flyers und Gottéron.

Was nun? Die Kloten Flyers, vergangene Saison noch im Playout, heuer im Finale? So sieht es jetzt aus. Die Zürcher siegten 5:2 und brauchen noch einen einzigen Sieg. Gottéron kann hingegen nur noch mit drei Siegen in Serie (und zwei davon auswärts) ins Finale kommen.

Diese drei Siege sind nicht unmöglich. Im Laufe der Jahre haben schon mehrere Teams ein 1:3 in den Playoffs aufgeholt. Zum Beispiel gewann der SC Bern im letzten Frühjahr gegen Servette das Viertelfinale nach einem 1:3 Rückstand.

Vergiss alles, wenn du keinen guten Goalie hast

Der Blick zurück sagt uns, dass Gottéron keineswegs vor einer «Mission Impossible» steht. Aber es gibt eine Differenz zu allen, die in der Vergangenheit die Wende nach einem 0:3 oder 1:3 noch schafften: Gottéron hat mit Benjamin Conz keinen grossen Torhüter.

Kloten feiert das 1:0, das erste Playoff-Tor von Topskorer Peter Mueller.
Kloten feiert das 1:0, das erste Playoff-Tor von Topskorer Peter Mueller.Bild: Keystone

Gottérons Trainer Hans Kossmann hatte in der Vorbereitung auf diese Partie in Kloten alles richtig gemacht. Seine Mannschaft begann mit perfektem Hockey. Es war zwar nicht möglich, den Gegner auf die gleiche Art und Weise zu dominieren wie beim 7:1-Heimsieg am Dienstag.

Auswärts kann Kloten nicht demoliert werden. Aber Gottéron war in der Starphase aktiver. Zielstrebiger. Dominant in den Zweikämpfen. Aufmerksam in der Defensivarbeit und konzentriert beim Passspiel.

Dominanz und Tor in Unterzahl

Hockeytechnisch war alles hergerichtet für den zum Weiterkommen notwendigen Auswärtssieg. Selbst der Führungstreffer der Klotener bei drei gegen fünf Feldspieler (durch das erste Playoff-Tor von Topskorer Peter Mueller) vermochte Gottéron nicht zu erschüttern. Noch im gleichen Boxplay gelang der Ausgleich mit noch einem Mann weniger auf dem Eis. Gottéron dominierte das Startdrittel mit 11:6 Torschüssen.

Die Kloten Flyers blickten in den Abgrund der Niederlage. Sie bogen sich unter dem Druck. Sie wirkten ratlos. Die Fehler häuften sich. Auch die Abpraller von Torhüter Martin Gerber. Aber Kloten brach nicht ein. Weil Gottérons Torhüter Benjamin Conz alle Bemühungen seiner Vorderleute zu Schall und Rauch werden liess.

Wieder bezwungen: Der Puck geht hinter Conz' Rücken ins Tor.
Wieder bezwungen: Der Puck geht hinter Conz' Rücken ins Tor.Bild: Keystone

Fribourgs Goalie wurde zur tragischen Figur. Wie schon im ersten und im zweiten Spiel dieser Halbfinalserie. Um es unhöflich zu sagen: Benjamin Conz trägt die Alleinschuld am donnerstäglichen Untergang. Die Treffer Nummer 1, 2 und 5 waren haltbar. Um die Tore Nummer 3 und 4 zu verhindern, wäre halt ein «Big Save» notwendig gewesen, eine ausserordentliche Parade.

Kossmann: «Conz hatte nicht seinen besten Tag»

Das dritte Gegentor war bereits entscheidend. Die restliche Spielzeit musste nur noch absolviert werden, weil es das vorzeitige Abbrechen einer Partie wegen Chancenlosigkeit im Eishockey nicht gibt. Nach dem fünften Gegentreffer (und einer Fangquote von 76,19 Prozent) holte Hans Kossmann seinen Stammgoalie vom Eis und ersetzte ihn durch Kevin Huber.

Trainer Kossmann setzt weiter auf seine Nummer 1.
Trainer Kossmann setzt weiter auf seine Nummer 1.Bild: Keystone

Im Kabinengang war nach dem Spiel kein Wort der Torhüterkritik zu hören. Weil es sich nicht gehört. Alles Mögliche wurde von den Chronistinnen und Chronisten bei den Interviews mit Hans Kossmann thematisiert. Die fehlenden Emotionen. Die schwache Chancenauswertung oder die fehlende taktische Disziplin. Aber die Wahrheit über den Torhüter wagt niemand anzusprechen.

Nur ganz am Schluss bat ein vorwitziger Berichterstatter Kossmann um ein Statement über seinen Goalie. Gottérons Trainer sagte: «Er hatte nicht seinen besten Tag.» Immerhin. Aber er schob gleich nach, dass Benjamin Conz morgen natürlich wieder im Tor stehen werde. «Als ich ihn das letzte Mal vorzeitig auswechselte reagierte er in der nächsten Partie mit einer starken Leistung.» Immerhin.

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Conz vom Hoffnungsträger zur Hypothek

Das drohende Ausscheiden ist für dieses Gottéron ganz bitter. Kossmann hat alles richtig gemacht. Diese Mannschaft hätte bis auf den Torhüter alles, um zum ersten Mal den Titel zu holen. Gottéron spielt das realistische, gut zwischen Härte und Spielkunst, zwischen Offensive und Defensive ausbalancierte Hockey, das Meisterteams auszeichnet.

Aber nun droht wegen der Torhüterfrage wieder einmal das Scheitern im Titelkampf. Wie unter anderem schon 1992, 1993 und 1994. Benjamin Conz war vor zwei Jahren der talentierteste Goalie seiner Generation. Es war logisch, auf den 16 Jahre älteren Cristobal Huet (jetzt Lausanne) zu verzichten und auf Benjamin Conz zu setzen. Alles sprach dafür, dass Gottéron mit Conz sein Goalieproblem auf Jahre hinaus gelöst hatte.

Und nun wird Benjamin Conz zur Hypothek. Mit Vertrag bis 2018. C'est vraiment Con(z). Aber vielleicht passiert ja noch ein Hockeywunder.

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