DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ein Team im Topf, das bereits ausgeschieden ist. Die Viertelfinal-Auslosung im Eishockey-Cup verkommt zur Katastrophe.<br data-editable="remove">
Ein Team im Topf, das bereits ausgeschieden ist. Die Viertelfinal-Auslosung im Eishockey-Cup verkommt zur Katastrophe.
screenshot: blick.ch
Eismeister Zaugg

Die grösste Blamage unserer Sportgeschichte – reinigt endlich den Eishockey-Tempel!

Die missglückte Auslosung zum Eishockey-Cup ist nicht nur eine grandiose Komödie. Es ist ein Trauerspiel und schadet einer guten sportlichen Idee. Den Cup kann in dieser Form niemand mehr ernst nehmen.
29.10.2015, 18:1730.10.2015, 07:15

Grandios! Ein Klub, der aus dem Cup ausgeschieden ist (Gottéron) kommt am nächsten Tag in die Auslosung zur nächsten Runde – und niemand merkt es. Mehr noch: es wird von «Experten» gar noch munter über die vermeintliche Schlagerpartie gegen den SC Bern geschnattert.

Was lernen wir daraus?

Erstens: Der Cup ist ein reines Kommerzprodukt. Die Resultate interessieren die NLA-Klubs und die Verbandsgeneräle gar nicht. Wäre der Cup ein Wettbewerb mit sportlichem Wert, wüssten am nächsten Tag wenigstens alle, wer noch im Wettbewerb ist.

Zweitens: Es funktioniert nicht, wenn eine Sportveranstaltung von nationaler Bedeutung einfach einem Medienhaus (in diesem Falle Ringier mit Blick, SonntagsBlick und blick.ch) überlassen wird. Niemand nimmt so eine Veranstaltung wirklich ernst und glaubt an die Seriosität.

Drittens: Die Verantwortung liegt ausschliesslich bei Swiss Ice Hockey, unserem Verband und damit beim Präsidenten Marc Furrer und seinem CEO Florian Kohler. Sie haben die Hoheit über diesen Wettbewerb, sie sind für eine ordentliche Abwicklung verantwortlich. Und sie haben alle Verträge zu verantworten.

Was ist zu tun?

Der Tempel des Hockeysports muss endlich von den Geldwechslern und Händlern gereinigt werden – so wie Jesus das damals in Jerusalem getan hat. Will heissen: Wir brauchen einen Verbandspräsidenten und einen Geschäftsführer, die den Sport respektieren und verstehen, statt in ihm einfach eine Geldmachmaschine zu sehen. Das Primat des Sportes muss endlich wiederhergestellt werden.

Die Finanzierung eines Sportverbands ist existenziell. Aber ebenso existenziell ist der Respekt vor dem Sport und die Glaubwürdigkeit. Nichts schadet dem Image eines Sports mehr als der Eindruck, es gehe nicht alles mit rechten Dingen zu.

Diese Cup-Panne ist keine Überraschung. Das Theater um die Besetzung des Nationaltrainer-Postens, das die gleichen Herren zu verantworten haben, ist uns ja noch in bester Erinnerung. Die Frage ist nicht, ob, sondern nur wann uns wieder eine Hockey-Panne grandios unterhalten wird. Das ist gut für die Chronistinnen und Chronisten. Aber miserabel für das Image des Eishockeys.

CEO&nbsp;Florian Kohler und Präsident Marc Furrer von Swiss Icehockey haben das Desaster zu verantworten.<br data-editable="remove">
CEO Florian Kohler und Präsident Marc Furrer von Swiss Icehockey haben das Desaster zu verantworten.
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Die Kleinen sind mit Herzblut dabei

Ich bin sicher, dass bis heute bei der Cup-Auslosung nie gemischelt worden ist. Nur glaubt das nach dem heutigen Tag niemand mehr. Und alle haben noch die Aussage von Kulttrainer Arno Del Curto im Ohr, der letzte Saison vor laufender TV-Kamera die Seriosität der Veranstaltung in Frage gestellt hat. Nun ist Arno Del Curtos Cup-Schelte auf der ganzen Linie bestätigt worden.

Der Cup wäre an und für sich eine sehr gute Sache. Ein erstklassiges Instrument zur Vermarktung des Eishockeys. Wer miterlebt, mit wie viel Herzblut die «Kleinen» (die Klubs aus der 1. Liga und der NLB) bei der Sache sind, kann nur begeistert sein. Die Partie La Chaux-de-Fonds gegen Ambri am Mittwoch war beispielsweise ein grossartiges Eishockeyspiel.

La Chaux-de-Fonds und Ambri haben sich im Achtelfinal ein packendes Duell geliefert.<br data-editable="remove">
La Chaux-de-Fonds und Ambri haben sich im Achtelfinal ein packendes Duell geliefert.
Bild: KEYSTONE

Die NLA-Klubs, die diesen Wettbewerb durch Ignoranz sabotieren, schaden dem Eishockey und entwerten das Engagement der «Kleinen». Es sollte doch nicht sein, dass Klubs einen Wettbewerb von nationaler Bedeutung bloss als lästige Pflichtübung abtun. Aber wer mag die Klubs kritisieren, wenn der Verband die grössten Cup-Sünden begeht und für die grösste Blamage unserer Sportgeschichte sorgt?

Der Cup zeigt uns, warum der SCB das wirtschaftlich erfolgreichste Hockeyunternehmen im Land ist und in diesem Jahrhundert immer schwarze Zahlen geschrieben hat. Marc Lüthi macht keine halben Sachen. Wenn der SCB das Eis betritt, dann um zu gewinnen. Also nimmt er auch den Cup ernst. So gesehen ist es ein Vorteil, einen NHL-Coach an der Bande zu haben: Für den in der nordamerikanischen Sportkultur gross gewordenen Guy Boucher ist es schlicht nicht denkbar, einen Wettbewerb nicht ernst zu nehmen.

Drei Massnahmen sind gefordert

Unter den momentan gegebenen Voraussetzungen kann der Cup nicht mehr ernst genommen werden. Zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit braucht es drei Massnahmen.

Erstens: Die Auslosung hat in den Verbandsbüros oder in den Studios des staatlichen Fernsehens zu erfolgen – und darf nicht mehr eine kommerzielle Chilbi-Veranstaltung in den Büros eines Medienhauses oder eines Sponsors sein.

Zweitens: Ab nächster Saison ist dafür zu sorgen, dass der Cup eine Veranstaltung des Verbandes wird. Und nicht mehr ein reines Kommerz-Spektakel eines Medienhauses und deren Sportvermarktungsagentur.

Drittens: Der Cup braucht eine professionelle Organisation. Es kann nicht mehr sein, dass mit Willy Vögtlin ein vielbeschäftigter Weinhändler nebenbei ein wenig den Cup organisiert.

Der Schwefelgeruch bleibt in den Kleidern haften

Präsident Marc Furrer und sein Direktor Florian Kohler sind für die unhaltbaren Zustände verantwortlich. Es ist schon erstaunlich, dass die Sponsoren nicht endlich einschreiten und erkennen, dass dieser Cup-Wettbewerb nur dann eine Bedeutung bekommen kann, wenn endlich der Sport in den Mittelpunkt rückt und die unwürdige Kommerz-Hörigkeit, die ihren grandiosen Höhepunkt mit der heutigen Auslosung erreicht hat, endlich beendet wird.

Oder sollten wir das ganze einfach mit Humor nehmen? Und darauf vertrauen, dass bald eine neue Sau durchs Mediendorf getrieben wird und sich schon in ein paar Tagen kein Mensch mehr an diese Auslosungs-Episode erinnert?

Hockeyintern wird es so sein. Und dabei wird vergessen, dass solche Episoden wohl rasch aus den Schlagzeilen verschwinden – nicht aber aus den Köpfen des Publikums. Es darf nie sein, dass ein Sport, ein Wettbewerb lächerlich gemacht werden. Die Sportmacher unterschätzen oft, wie lange der Schwefelgeruch des Unseriösen in den Kleidern haften bleibt und welch langes Leben Sport-Episoden im Guten wie im Schlechten haben.

So wie wir uns im guten Sinne noch an das «Gring ache u seckle» der Leichtathletin Anita Weyermann erinnern, so wie uns die Ausrede von Peter Müller über eine Ölspur am Lauberhorn im Gedächtnis geblieben ist, so wie wir auf alle Zeiten wissen, welche Geschichte hinter dem «Wembley-Tor» verborgen ist, so wird nun der Hockey-Cup das Makel der Auslosungspanne für lange nicht mehr los. Deshalb: Reinigt den Hockey-Tempel. Stellt das Primat des Sportes wieder her.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

1 / 72
NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden
quelle: keystone / fabrice coffrini
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

René Fasel tritt ab – ein charmanter Romantiker und Freund der Russen

27 Jahre lang hat René Fasel (71) den internationalen Eishockeyverband erfolgreich und skandalfrei geführt. Morgen geht seine Amtszeit in der alten russischen Hauptstadt St.Petersburg zu Ende.

In seinem Büro im stilvollen Hauptsitz in der Villa Freigut zu Zürich liegen immer ein paar Bücher zu historischen Themen. René Fasel ist einer der einflussreichsten Sportdiplomaten der Welt geworden, weil er aus der Geschichte lernt. Ende der 1970er-Jahre schreibt ein Inspizient in seinem Rapport über Schiedsrichter René Fasel: «Er leitete das Spiel wie ein kleiner Napoléon auf dem Feldherrenhügel.» Napoléons Untergang war sein Krieg gegen Russland (1812). René Fasel aber macht die …

Artikel lesen
Link zum Artikel