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ZSC Lions Stuermer Roman Wick waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EHC Kloten am Samstag, 9. September 2017, im Hallenstadion in Zuerich. (PPR/Patrick B. Kraemer)

Roman Wick: Er bleibt und macht den ZSC zum möglichen Dynastie-Verhinderer. Bild: PPR

Eismeister Zaugg

Roman Wick bleibt – nun steht das künftige ZSC-Meisterteam

Mit der Vertragsverlängerung von Roman Wick (31) bewahren die ZSC Lions eine entscheidende meisterliche Prise Kunst.



Der Transfer von Denis Hollenstein, der uns so viel Kurzweil beschert hat, ist unter Dach und Fach. Und nun hat Sportchef Sven Leuenberger den Vertrag mit Roman Wick um zwei Jahre verlängert, bzw. Roman Wick hat die Salärreduktion akzeptiert und prolongiert. Eine unterhaltsame Diskussion um den auslaufenden Vertrag eines charismatischen Spielers ist damit auch zu Ende.

Soll er oder soll er nicht? Soll der Vertrag mit Roman Wick erneuert werden oder nicht? Dieser Frage hat sogar die vornehme NZZ kürzlich eine wunderbare Analyse gewidmet und es auf den Punkt gebracht: Roman Wick sei ein Spieler, der bewundert und missverstanden werde.

ZSC Lions Stuermer Roman Wick, links, gegen EHC Kloten Stuermer Tomi Sallinen waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EHC Kloten und den ZSC Lions am Samstag, 25. November 2017, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Wick verzichtet auf Lohn und verlängert beim ZSC. Bild: KEYSTONE

Die ZSC Lions sind zuletzt zweimal im Viertelfinale gescheitert. Sport ist ein Teil der Unterhaltungs-Industrie. Das Publikum braucht Helden und Sündenböcke. Im stark calvinistisch geprägten Zürich («beten und arbeiten») wirkt, wenn es nicht so läuft wie es sollte, die «Leichtigkeit des Seins» verdächtig.

Ist es ein Fehler mit Wick zu verlängern?

Roman Wick, einer der elegantesten, charismatischsten Schweizer Stürmer personifiziert diese «Leichtigkeit des Seins» und ist in die Rolle des Sündenbockes geraten. Ja, seit dem letzten Frühjahr war oft davon die Rede, die Mentalität bei den ZSC Lions müsse ändern und es wäre deshalb gut, wenn der Vertrag mit Roman Wick nicht verlängert würde. Die Hockey-Puritaner wünschen einen raueren, geradlinigeren, bissigeren und damit erfolgreicheren ZSC. Weniger Rock’n’Roll, mehr Ernsthaftigkeit.

Ist es also ein Fehler, mit Roman Wick um zwei Jahre zu verlängern? Nein, es ist, zumindest unter gewissen Voraussetzungen, richtig. Es ist, mit angepasstem und der Rolle und der Hierarchie im Team angepassten, tieferem Lohn sogar ein schlauer Schachzug von Sportchef Sven Leuenberger. Wiederum vorbehältlich gewissen Voraussetzungen.

ARCHIVBILD ZUM NEUEN SPORTCHEF DER ZSC LIONS --- Der zuruecktretende Sportchef Sven Leuenberger waehrend einer Medienkonferenz des SC Bern in der PostFinance Arena in Bern am Mittwoch, 18. November 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Schlauer Schachzug von Sven Leuenberger. Bild: KEYSTONE

Gewisse Voraussetzungen: Die ZSC Lions haben mit Roman Wick plus den Zuzügen von Simon Bodenmann und Denis Hollenstein wieder ein Meisterteam. Zwar wird die sportliche Heilswirkung der Zuzüge von Denis Hollenstein und Simon Bodenmann weit überschätzt. Beide sind mehr Mitläufer als Leitwölfe. Aber sie erhöhen die offensive Feuerkraft auf meisterliche Stärke.

ZSC kann die SCB-Dynastie verhindern

Nun, da auch Roman Wick bleibt, können wir ohne Übertreibung sagen: Keine andere Mannschaft wird nächste Saison auch nur einen annähernd so gut besetzten Sturm haben. Roman Wick, Denis Hollenstein, Simon Bodenmann, Pius Suter oder Fabrice Herzog sind gut genug, um auch in Lugano oder Bern im ersten Sturm zu spielen. Sven Leuenberger könnte es sich sogar leisten, Inti Pestoni aus einem weiterlaufenden Vertrag ziehen zu lassen. Und nun ist die Mannschaft so gut besetzt, dass vernünftigerweise niemand mehr von Roman Wick verlangen kann, in den Playoffs die Differenz zu machen. Er kann seine Kunst im Windschatten der Verantwortung vorführen.

ARCHIVBILD ZUM KARRIEREENDE VON MARTIN PLUESS, AM DONNERSTAG, 16. NOVEMBER 2017 - SCB Capitan Martin Pluess und rund 5000 Zuschauer feiern den 15. Schweizermeistertitel nach dem sechsten Playoff-Final Spiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern  am Montag, 17. April 2017 in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann).

Der SCB könnte eine Dynastie werden. Wären da nicht die ZSC Lions. Bild: KEYSTONE

Inzwischen gilt der nordamerikanische Spruch: «All the tools, but no toolbox.» Wir können diese sportliche Bauernregel sinngemäss so übersetzen: Alles ist vorhanden, aber noch ist nicht alles am Platz, wo es hingehört. Wenn die ZSC Lions nun die Dinge ordnen, dann haben sie alles, um die Liga zu dominieren und zu verhindern, dass der SCB eine Dynastie aufbaut.

Es ist schwierig, in einer so ausgeglichenen Liga eine Meisterschaft zu gewinnen. Talent ist nur ein Teil im Meisterpuzzle. Alles muss stimmen. Die Mischung der Spielertypen, der Spielerpersönlichkeiten, die Mischung aus Kraft, Einschüchterungspotenzial, Tempo und purem Talent.

Ausländer müssen Mannschaft nur noch ergänzen

Wenn die letzten Zutaten zum meisterlichen Menü nur auf dem heimischen Spielermarkt zu finden sind, dann wird es für den Sportchef schwierig. Dann hilft ihm in der Regel auch formidables ausländisches Personal nicht weiter. Wenn er hingegen die Schweizer Spieler für ein Meisterteam beisammen hat, dann wird es einfacher. Weil er die ausländischen Spieler nur noch braucht, um die Mannschaft zu ergänzen. Es ist einfacher, Ergänzungsspieler als Superstars zu finden. Es hängt nicht mehr alles an den Ausländern, sie müssen die Verantwortung nicht alleine tragen, wie in einem nominell mittelmässig oder schwach besetzten Team.

Der Zuercher Fredrik Pettersson beim Eishockeyspiel der National League zwischen dem EV Zug und den ZSC Lions, am Dienstag, 28. November 2017, in der Bossard Arena in Zug. (PPR/Alexandra Wey)

Wer braucht schon Ausländer wie Fredrik Pettersson, wenn er Schweizer Spieler hat, wie der ZSC. Bild: KEYSTONE

Das ist die grosse Herausforderung für Sven Leuenberger: Für nächste Saison die vier «Imports» zu verpflichten, aus einem sehr guten einen meisterlichen ZSC machen. Und, das sei der guten Ordnung halber erwähnt, den richtigen Trainer zu finden.

Eine so talentierte Mannschaft zu führen und zu wissen, dass nur der Titel gut genug ist, gehört zu den schwierigsten Jobs überhaupt. Gibt es genug Eiszeit für so viele offensive Alphatiere? Hat das Management noch einmal so viel Geduld mit dem Trainer? Im Falle eines Falles, wird nicht mehr Roman Wick, sondern Denis Hollenstein in die Kritik geraten. Er wird die zentrale Figur im grosse Zürcher Hockey-Schauspiel sein. Windstill und langweilig wird es rund um die ZSC Lions auch nächste Saison nicht.

Im Pulverdampf der Polemik in Grossklubs die Übersicht nicht verlieren

Sven Leuenberger ist der erfolgreichste «Hockey-Bürogeneral» im Land. Er hat längst gelernt, im Pulverdampf der Polemik in Grossklubs die Übersicht nicht zu verlieren. In seiner Amtszeit scheiterte der SCB nach dem verlorenen Finale von 2007 zweimal hintereinander in den Viertelfinals – so wie der ZSC seit dem verlorenen Finale von 2015 zweimal in der ersten Runde ausgeschieden ist. 2010 holte der SCB dann den Titel. Wiederholt sich diese Geschichte, wird der ZSC schon 2018 Meister.

Zurich's player Severin Blindenbacher disappointed at the end of the sixth leg of the Playoffs quarterfinals game of National League A (NLA) Swiss Championship between Switzerland's HC Lugano and ZSC Lions, on Thursday, March 16, 2017, in the Resega Stadium in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Die Lions scheiterten im letzten Jahr im Viertelfinal an Lugano. Bild: TI-PRESS

Die ZSC Lions Meister 2018? Nach so viel Wirren und so viel Polemik? Mit einem Cheftrainer, der schon monatelang in der Kritik steht?

Wir sollten diese Variante nicht ausschliessen. Mit der bestätigten Verpflichtung von Denis Hollenstein und der Vertragsverlängerung von Roman Wick ist die wilde Zeit der Gerüchte nun rechtzeitig Ende gegangen. Alle können sich wieder dem Tageswerk zu wenden.

Der mediale Lärm rund um die ZSC Lions war in den letzten Wochen so gross, dass man hätte meinen können, die Playoff-Qualifikation stehe auf dem Spiel. Aber die Zürcher stehen trotz so viel Hollywood und, nicht ganz zu vergessen, viel Verletzungspech, auf dem 3. Platz.

Der SCB ist 2016 nach einer ungleich schwierigeren, wilderen, turbulenteren Qualifikation entgegen allen Erwartungen Meister geworden.

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13 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
kupus@kombajn
01.12.2017 13:34registriert December 2016
Im stark calvinistisch geprägten Zürich? Zwingli würde sich im Grabe umdrehen. 😂
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Antiklaus
01.12.2017 14:51registriert December 2014
Der Berner Hofberichterstatter vergisst Nilson und allenfalls Petterson und Klein, die allesamt keine Mitläufer sind.
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Sloping
01.12.2017 13:54registriert October 2014
Interessant ist auch die Frage, wer von den aktuellen Offensivkräften den Verein alles verlassen wird oder muss. Geht man von der Beibehaltung der aktuellen ersten Linie aus und addiert man Hollenstein, Bodenmann, Wick, Baltisberger und zwei weitere ausländische Offensivkräfte dazu, sind die ersten drei Linien anzahlmässig besetzt. Dann würden noch Pestoni, Künzle und Schäppi (Spieler pro forma skorermässig ausgewählt) für die vierte Linie verbleiben. Fazit: Neben nötigen Abgängen wird es auch für die Jungen aus dem Farmteam schwierig.
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