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Tigers Lorenzo Croce macht einen Purzelbaum nach dem fuenften Playoff-Finalspiel der National League B zwischen den SCL Tigers und dem EHC Visp am Freitag, 4. April 2014, in der Ilfishalle in Langnaug. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bild: Keystone

Bittere Pleite im Playout-Final

Eismeister Zaugg

Brasilien, Kanada, SCL Tigers – die Kulturgeschichte undenkbarer Niederlagen

Die SCL Tigers vergeigen NLB-Meisterschaft und den Wiederaufstieg durch eine 1:5-Pleite im siebten Finalspiel. Nur ein Blick in die Geschichtsbücher kann ein wenig Trost spenden. 



Die Aussage stammt von Karl Marx, dem Erfinder des Kommunismus. Die Geschichte wiederhole sich nicht. Und wenn, dann als Farce. Bei den Langnauern hat sich die Geschichte wiederholt. Nicht als Farce. Aber als sportliches Drama. Zum zweiten Mal in ihrer bewegten Geschichte haben die Emmentaler im letzten Saisonspiel einen sicher geglaubten Titel verspielt. 

Die Meistertrikots waren schon gedruckt.

Der Blick zurück: Im Frühjahr 1978 gibt es noch keine Playoffs. Die kommen erst 1986. Meister in der aus acht Teams bestehenden NLA ist das Team, das nach 28 Runden am meisten Punkte hat.

Eine Runde vor Schluss stehen die Langnauer mit einem Punkt Vorsprung vor dem EHC Biel auf Platz 1. Die letzte Meisterschaftspartie wird an der Ilfis gespielt, Gegner ist der SC Bern. Im Titelrennen ist der zweite Kantonsrivale bereits chancenlos. Mit einem Sieg sind die Emmentaler zum zweiten Mal nach 1976 Meister.

Langnaus Simon Sterchi, Raphael Kuonen und Yannick-Lennart Albrecht, von links, sind enttaeuscht, nach dem siebten Playoff-Finalspiel der National League B zwischen den SCL Tigers und dem EHC Visp am Dienstag, 8. April 2014, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Simon Sterchi, Raphael Kuonen und Yannick-Lennart Albrecht sind zu tode betrübt. Bild: Keystone

Natürlich weiss jeder, dass es in diesem letzten Spiel eine Niederlage absetzen kann. So wie 2014 auch jeder weiss, dass es möglich ist, gegen Visp zu Hause zu verlieren. Aber niemand kann sich vorstellen, dass das Spiel tatsächlich verloren gehen könnte.

 «Visp war müde in den Beinen, aber im Kopf frischer als die Langnauer. Das machte die Differenz.»

Grossratspräsident Bernhard Antener

Die Langnauer haben in der Saison 1977/78 die vorangehenden drei Partien gegen den SCB gewonnen: 2:0, 8:2 und 7:4. Da wird man doch den SCB auch in diesem allerletzten Spiel bodigen! Alle Segel des Selbstvertrauens sind gesetzt und blähen sich in einer sanften Brise der Zuversicht.

Die Emmentaler sind der Belastung nicht gewachsen. So wie 2014. Die Langnauer haben die vorangegangenen Heimspiele gegen Visp in dieser Finalserie gewonnen. Da wird man doch Visp auch in diesem vierten Final-Heimspiel bodigen! Alle Segel des Selbstvertrauens sind gesetzt und blähen sich in einer sanften Brise der Zuversicht. 

Beim Saisonfinale 1978 gegen den SCB führen die Langnauer bis zur 22. Minuten 1:0. Aber am Ende verlieren sie trotz drückender Überlegenheit 3:6. Torhüter Jürg Jäggi spielt die beste Partie der Saison. Biel gewinnt zu Hause 4:1, überholt die Langnauer und wird zum ersten Mal Meister.

Es gibt einen Augenblick, den alle, die im Stadion sind, nie mehr vergessen werden: Sechs Minuten vor Schluss, Langnau ist besiegt, Biels Sieg gegen Kloten steht fest, erhebt sich der schwergewichtige Liga-Präsident, Nationalrat und Weinbauer André Perey auf der Tribune und verlässt, für alle sichtbar, mit dem Pokal die Arena. Er rast mit dem Auto nach Biel, um den «Chübel» dort den Bielern zu übergeben.

Bild: Sandro Stutz

So dramatisch war es am Dienstag in Langnau nicht. Der Sieger der 7. NLB-Finalpartie ist Meister und der Pokal kann so oder so im Iflisstadion übergeben werden. Visp bekommt den Meisterpokal.

Kann sich Langnau von dem Schock erholen? Schauen wir noch einmal zurück. Der kanadische Spielertrainer Normand Beaudin, der die Langnauer 1977 und 1978 auf den zweiten Platz geführt hat, wird aus einem weiterlaufenden Vertrag gefeuert und durch den schwedischen Hockeyprofessor Arne Strömberg ersetzt. Aber Langnau hat seither nie mehr den Meistertitel geholt und ist einer Meisterschaft nie mehr so nahe gekommen wie im Frühjahr 1978. 2014 hat die Pleite keine Folgen für den Trainer: Der Schwede Bengt-Ake Gustafsson bleibt.

Es gibt noch eine Parallele zwischen 1978 und 2014. 1978 profitiert Biel von Langnaus Niederlage und wird Meister. 2014 profitiert Biel von Langnaus Niederlage erneut: Die Seeländer dürfen nun in der Liga-Qualifikation gegen Visp antreten. Und müssen nicht gegen «Angstgegner» Langnau um den Klassenerhalt zittern. Jetzt sollte der Abstieg kein Thema mehr sein. Oder? Besser, wir wagen keine Prognose mehr.

Warum hat Langnau verloren? Es ist eine dieser Niederlagen, die eigentlich unvorstellbar sind und doch passieren. Die Sportgeschichte kennt weitere solche Spiele. Beispielsweise das Schlussspiel der WM 1950 in Brasilien. Im ausverkauften Maracana-Stadion braucht Brasilien gegen Uruguay ein Unentschieden zum WM-Titel. Eine Niederlage ist unvorstellbar. Der Staatspräsident hat die Spieler schon am Vorabend der Partie empfangen und geehrt.

Bild

Alcides Ghiggia trifft im Maracana zum 2:1 für Uruguay. Bild: Keystone

Brasilien verliert 1:2 und 200 000 Menschen erstarren in Schweigen. Brasilien hat für diese WM das grösste Stadion der Welt gebaut – und erlebt dort seine schlimmste Niederlage. Sie wird zum nationalen Trauma, zum «Maracanaço».

Es gibt noch eine Niederlage, die für die eigenen Zuschauer ähnlich unfassbar war wie das 1:5 der Langnauer gegen Visp und das 1:2 der Brasilianer gegen Uruguay. Kanada gewinnt beim Kanada Cup am 9. September 1981 das Vorrundenspiel gegen die UdSSR 7:2. Und verliert das Finale am 13. September sage und schreibe 1:8.

L'equipe bernois autour de leurs gardien Lorenzo Croce au debut du 6eme match de la finale de Play Off de National League B, LNB, du championnat suisse de hockey sur glace, entre le EHC Visp et SC Langnau Tigers ce dimanche 6 avril 2014 a la Litterna Halle a Viege, Visp. (KEYSTONE/Olivier Maire)

Wie weiter mit Langnau-Keeper Lorenzo Croce? Bild: Keystone

Diese Niederlagen der Langnauer, Brasilianer und Kanadier mögen auf den ersten Blick völlig verschieden sein. Doch es gibt eine Gemeinsamkeit. Die Torhüter – Brasiliens Moacyr Barbosa, Langnaus Edgar Grubauer und Kanadas Mike Liut – bringen den Schwefelgeruch dieser Niederlage nie mehr richtig aus den Kleidern. Sie setzen ihre Karriere fort. Aber Helden werden sie nie mehr. Was wird nun aus Lorenco Croce, Langnaus Torhüter beim dienstäglichen 1:5-Drama gegen Visp?

Aber nach wie vor haben wir keine Antwort auf die Frage nach dem Warum der dienstäglichen Pleite der SCL Tigers. Der Sportchronist ist überfordert. Die richtigen Worte hat ein Politiker gefunden. Der höchste Berner, Grossratspräsident Bernhard Antener – er ist auch Gemeindepräsident von Langnau – hat es am Dienstagabend auf in einem Satz erklärt: «Visp war müde in den Beinen, aber im Kopf frischer als die Langnauer. Das machte die Differenz.» So einfach ist es.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TheManOfSteel 10.04.2014 06:54
    Highlight Highlight @Licorne Ich hab Biel schlicht nicht erwähnt da ich hier sonst aufs übelste beschimpft worden wäre. ;)

    @andre63
    Das Bild des T-Shirts wurde NICHT von einen Langnauer ins Netz gestellt sondern von einen Visper (!) (via Twitter). Die Walliser haben ja auch solche T-Shirts gehabt nur besitzt man mancherorts noch etwas mehr Respekt als auf Twitter. Und du findest es sicher auch arrogant dass der Pokal vor dem Spiel gezeigt wurde.. Immerhin war da ja noch nichts entschieden :( ;-)
  • TheManOfSteel 09.04.2014 16:00
    Highlight Highlight Ich bin erstaunt wie viele Leute die Langnauer als Arrogant hinstellen und im gleichen Satz auch noch KZ als Schreiber erwähnen. Euch ist klar dass Klausi nichts mit den Tigers zu tun hat? Es soll mir gerne einer zeigen wann es eine Arrogante oder Überhebliche Aussage gegeben hat ohne den Herrn Zaug oder von Emotionen überforderten Spielern. Und zu meinem Vorschreiber CK (nicht mit dem echten zu verwechseln ;)). Aus deinem Kommentar kann ich nicht ganz schliessen wer hier frustriert ist.. Der Klaus oder du?

    Ich vermisse Langnau sehr in der NLA und finde dass dieser Verein absolut nichts in der NLB verloren hat. Es ist eine Schande sind Vereine wie die Lakers oder der HCD seit Jahren in der höchsten Spielklasse ohne auch nur annähernd dem Zuschauerschnitt der SCL Tigers in der NLB zu entsprechen.

    Jetzt gilt Kopfhoch Tigers, es klappt schon noch! ;)
    • Licorne 09.04.2014 18:36
      Highlight Highlight Der HCD ist wohl kein wirklich gutes Beispiel. Davos selbst ist klein - ebenso die Region. Aber der Club hat Fans in der ganzen Schweiz (nicht so bei den Tigers und den meisten anderen Clubs). Den Weg ins Stadion regelmässig auf sich zu nehmen ist aufgrund der Distanz von den Fans zum Stadion schwierig. Ich behaupte mal, dass Davos deutlich mehr Fans hat als die Tigerli (und ich bin definitiv kein Davos-Fan :)).

      Zudem hat Lausanne in ihrer NLB-Zeit mehr Zuschauer ins Stadion gelockt; Deshalb waren sie - gemäss deiner Rechnung - wohl doch der Verdiente Aufsteiger.

      Und ich habs rausgefunden! Du bist Berner :) du hast nämlich die Bieler nicht erwähnt - und die hatten immerhin den zweittiefsten Zuschauerschnitt der NLA :)

      http://www.hockeyfans.ch/stats/teamstats.php?stattyp=zuschauer&anlasstyp=QA1314&orderBy=Schnitt DESC

      Ps.: Siehe Auswärtsschnitt von Davos :)
    • andre63 09.04.2014 19:27
      Highlight Highlight arrogant, deswegen? vor dem spiel publiziert?
      Benutzer Bild
    • Django Gigi 10.04.2014 00:00
      Highlight Highlight Es geht seit kurzem auch um geschossene Tore, gewonnene Spiele, Offensive, Defensive. Der Zuschauerschnitt ist nicht so einflussreich auf die Tabelle. Aber sei beruhigt, dass ist noch nicht so lange so. PS. Hättest Du Zeit, Nati Trainer zu werden?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Clark Kent 09.04.2014 14:48
    Highlight Highlight billige ausflüchte eines frustrierten emmentaler journalisten. gähn.. akzeptiert endlich, dass langnau nur noch eine nlb-mannschaft ist. und hoffentlich noch lange bleiben wird.
  • andre63 09.04.2014 13:05
    Highlight Highlight sie können es drehen und wenden wie sie wollen. langnau wird noch lange jahre im b verbringen!
  • Mean Machine 09.04.2014 12:41
    Highlight Highlight Gratulation nach Visp. Für Mich hat die richtige Mannschaft den Final gewonnen.

    Diese Arroganz die die ganze Organisation SCL Tigers (inkl. Klaus Zaugg) versprüht ist ja nicht zum aushalten, die ging mir schon die ganze Saison auf den Sack! Da haben ALLE davon geredet der NLB-Titel bedeute nichts, nur der Wiederaufstieg zählt was. Dass man glatt vergass das nur wer NLB-Meister wird, die Ligaquali bestreiten darf.
    Tja Pech gehabt ;)........
    Hochmut kommt vor dem Fall.

    Langnau muss erst mal von seinem hohen Ross runter bevor die was in der NLB, wo sie ja scheinbar "eh keine gegner hätten", erreichen werden.

    Trotzdem freue ich mich schon auf das nächste SCL - SCL derbi nächste saison
  • Against all odds 09.04.2014 11:27
    Highlight Highlight Gute Besserung!

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