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Der Berner Tristan Scherwey, Mitte, bejubelt den ersten Treffer gegen die Klotener Torhueter Jonas Mueller, Patrick von Gunten, Lukas Frick, Michael Liniger und Simon Bodenmann, von links, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den Kloten Flyers am Samstag, 20. September 2014 in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Ein gewohntes Bild: Hängende Köpfe bei den Flyers während der Gegner jubelt. Bild: KEYSTONE

Die Flieger im freien Fall

Eismeister Zaugg

Kloten wartet seit 13 Pflichtspielen auf einen Sieg – wann gibt es Konsequenzen?

Die Kloten Flyers haben in Bern zum fünften Mal in Serie verloren und bleiben punktelos am Tabellenende. Trotzdem müssen Trainer Felix Hollenstein und Sportchef André Rötheli (noch) nicht um ihre Jobs bangen.



Wie gut ist gut? Wie schlecht ist schlecht? Der SC Bern hat Kloten 5:4 besiegt. Aber die unterhaltsame Partie gibt auf diese Fragen keine Antworten.

Ist Kloten wirklich so schlecht? Fünf Niederlagen in Serie. So schlecht ist zuletzt Fribourg-Gottéron im Herbst 2005 in die Saison gestartet – und rettete sich erst in der Liga-Qualifikation gegen Biel. Insgesamt ist es Klotens 13. Niederlage hintereinander in Pflichtspielen (Playoff- Finale 2014, Champions League, laufende Meisterschaft). Sind die Kloten Flyers also Kandidaten für die Liga-Qualifikation? Das wäre denn doch arge Schwarzmalerei.

20.09.2014; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - Kloten Flyers; 
Die Klotener Spieler enttaeuscht
(Urs Lindt/freshfocus)

Für die Kloten Flyers gab es in den letzten 13 Pflichtspielen keinen einzigen Sieg. Bild: Urs Lindt/freshfocus

So miserabel die Statistik und so hoffnungslos die Tabellenlage (letzter Platz, null Punkte) auch sein mögen: Es gibt auch Grund zur Hoffnung. Trainer Felix Hollenstein zeigte jedenfalls in Bern keine Spur von Resignation, Zweifel oder Zorn. Es war den Chronisten nicht möglich, ihm irgendwelche Zitate zu entlocken, aus denen sich eine Polemik drechseln liesse.

Ja, fast scheint es, dass Klotens Kult- Trainer diese Situation im positiven Sinne als Herausforderung begreift. Dass er gerne Aussenseiter, Desperado ist und aus dieser Rolle Energie schöpft. Er sagte: «Ich bin als Kämpfer geboren und werde immer ein Kämpfer sein.»

Der Klotener Headcoach Felix Hollenstein treibt seine Manschaft an im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den Kloten Flyers am Samstag, 20. September 2014 in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Noch hat Felix Hollenstein in Kloten das Sagen. Bild: KEYSTONE

Keine Kritik von Felix Hollenstein

Er entschuldigte die Niederlage in Bern so, wie alle Trainer der Welt Niederlagen schönreden. Man könne den Spielern keinen Vorwurf machen. Sie hätten nie aufgegeben. Kritik am Torhüter gab auch es keine. «Wir verlieren als Mannschaft.»

Torhüter Jonas Müller hatte gleich den ersten Schuss ins Netz fahren lassen, stoppte nur 83,33 Prozent der Pucks und muss drei Gegentreffer auf seine Kappe nehmen. Aber wäre mit Kultgoalie Martin Gerber alles anders geworden? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Beim 0:4 in Lausanne war der Stanley Cup-Sieger beispielsweise auf eine Fangquote von bloss 78,95 Prozent gekommen.

Am Dienstag in der Champions League gegen Salzburg wird Martin Gerber voraussichtlich noch nicht spielen. Aber wahrscheinlich beim nächsten Meisterschaftspiel am Freitag in Biel.

15.04.2014; Kloten; Eishockey NLA Playoff - Kloten Flyers - ZSC Lions; Torheuter Martin Gerber (Kloten) (Patrick Straub/freshfocus)

Kann Kloten am nächsten Freitag wieder auf Martin Gerber zählen? Bild: Patrick Straub/freshfocus

Das Operettenhockey vom SC Bern

Hat Kloten am Samstag eigentlich gegen einen guten SC Bern verloren? Auch diese Frage ist schwierig zu beantworten. Die Berner konnten die Leichtigkeit des Startes nie richtig verarbeiten und zudem fehlte bald einmal mit Chuck Kobasew der bissigste, gefährlichste Stürmer. Er gab wegen Unwohlsein auf. Bereits der erste Schuss hatte nach 27 Sekunden zum 1:0 geführt (das erste SCB-Tor für Eric Blum).

Die Berner Tristan Scherwey und Eric Blum, von rechts, bejubeln den ersten Treffer gegen die Klotener Torhueter Jonas Mueller, Patrick von Gunten, Lukads Frick und Michael Liniger, von links, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den Kloten Flyers am Samstag, 20. September 2014 in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Eric Blum bejubelt sein 1:0. Bild: KEYSTONE

Von da weg zelebrierten auch die Berner über weite Strecken defensives Operettenhockey und Marco Bührer hatte schliesslich sogar die noch schwächere Fangquote als Jonas Müller (82,61 Prozent). Aber auch so reichte es in einem unterhaltsamen Spiel zum Sieg. Zumal die Klotener bei weitem nicht mit jener Leidenschaft spielten, die die Teams in kritischen Situationen sehr oft zeigen. Die Klotener mahnten mit ihrer phasenweise emotionslosen Spielweise ein wenig an das einstige Lugano in Zeiten des Zerfalls.

Wie gut ist gut? Wie schlecht ist schlecht? Der nächste Freitag könnte eine erste Antwort bringen. Die Kloten Flyers reisen nach Biel. Eine weitere Niederlage könnte die in Bern so gut gespielte Zuversicht in echte Panik verwandeln.

Die Berner müssen einen Grossen schlagen

Der SCB hat bis jetzt in jedem Spiel mindestens einen Punkt geholt, steht auf einem Playoffplatz - und das ist erst einmal ein Erfolg. Aber ein grosses Team sind die Berner erst, wenn sie einen Titanen besiegen.

Spieler des SC Bern feiern den Sieg nach dem Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Fribourg-Gotteron am Dienstag, 16. September 2014, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Könne die Berner bald wieder gegen grosse Gegner gewinnen? Bild: KEYSTONE

Beispielsweise auswärts die ZSC Lions. So ein Triumph könnte der Mannschaft jene Ruhe und Selbstsicherheit bringen, die ihr nach wie vor fehlen. Im letzten Herbst war am 27. Oktober 2013 ein 0:6 in Zürich der Anfang vom Ende der Amtszeit von Antti Törmänen.

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