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Der SCB darf sich dank dem Sieg gegen Servette weiter Hoffnungen auf die Playoff-Teilnahme machen.<br data-editable="remove">
Der SCB darf sich dank dem Sieg gegen Servette weiter Hoffnungen auf die Playoff-Teilnahme machen.
Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Eine Bierdusche als Weckruf, aber keine fünfte Auferstehung für den SC Bern

Der SC Bern feiert mit dem 4:1 gegen Servette die vierte Wiederauferstehung der Saison. Jetzt müsste es für die Playoffs reichen. Oder?
24.02.2016, 08:33

Bier war der Champagner, der die vierte Auferstehung, den Sieg über Servette, die Rückkehr des SC Bern über den Trennstrich weihte.

Die Berner waren schon wieder ins Fahrwasser einer erneuten Niederlage geraten, der dritten in Serie. 0:1 lagen sie zurück und sie blieben immer wieder in der gut organisierten Verteidigung der taktisch cleveren Genfer hängen, verloren die meisten Zweikämpfe und waren nur eine Operetten-Version der «Big Bad Bears.» Das 0:2, das wahrscheinlich die Entscheidung gewesen wäre, lag in der Luft.

Was für eine Halle, doch Stimmung kommt in Bern erst spät auf.<br data-editable="remove">
Was für eine Halle, doch Stimmung kommt in Bern erst spät auf.
Bild: KEYSTONE

Da erwischte Rumpelflügel Tim Traber in der 34. Minute Thomas Rüfenacht mit einem harten Check. Der SCB-Stürmer blieb theatralisch wie ein italienischer Fussballprofi auf dem Eis liegen, suchte den Restausschluss und spielte schliesslich munter weiter. Es wurde zwar nur eine Zweiminutenstrafe, aber die sollte zum 1:1 und zu Servettes Untergang führen.

Endlich, endlich, endlich flammten in der grössten Arena Europas Emotionen auf. Ein erboster SCB-Matchbesucher schüttete sein Bier übers Plexiglas auf Servette-Assistent Louis Matte. Die SCB-Ordnungshüter wurden herbeigerufen und geleiteten den Mann aus dem Stadion. Er kehrte übrigens fürs letzte Drittel wieder auf seinen Sitz zurück.

Chris McSorley trocknet seinen Assistenten ab.
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Genfs Cheftrainer Chris McSorley trocknete seinem Assistenten demonstrativ mit dem Frottiertuch den biernassen Rücken und jetzt «brannte» es im Berner Hockey-Tempel. Der Zorn in den Herzen war entfacht, auf den Rängen und auf der Spielerbank. Chris McSorley erzählte hinterher: «Die Leute hinter unserer Spielerbank sind anständig und im Laufe der Jahre habe ich mit denen so etwas wie eine Beziehung aufgebaut. Nur ein Clown sitzt dort und jeder kennt ihn. Er hat das Bier ausgeschüttet». Headschiedsrichter Andreas Fischer wird einen Rapport einreichen und der SCB wird eine Busse zu bezahlen haben.

Wenn der Motor ins Laufen kommt

Für SCB-Trainer Lars Leuenberger war diese Aufregung ein Wendepunkt im Spiel. «Aber wir waren diesmal von allem Anfang an bereit. Wir liessen uns auch durch den ersten Gegentreffer nicht aus dem Konzept bringen.» Das konnte er hinterher gut erzählen und so tun, als habe man alles im Griff gehabt. Aber nichts hatte der SCB bis zu diesem Zeitpunkt im Griff gehabt.

Es bedarf daher der Schilderung scheinbarer Nebensächlichkeiten um das Wesen und Wirken der Berner in diesen aufregenden Tagen der Zweifel zu erklären. Die Emotionen sind erst durch diese gegnerischen und äusseren Einwirkungen, durch Tim Trabers Check und die Bierdusche geweckt worden. Eben jene Emotionen, die das SCB-Spiel als Treibstoff braucht und die dem SCB-Spiel in den letzten beiden Partien gegen Gottéron (0:4) und in Zürich (2:5) so sehr gefehlt hatten. Eine Bierdusche als Siegeschampagner.

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Die beiden WM-Silberhelden Martin Plüss (Vollstrecker) und Simon Moser (Passgeber) sorgten für den 1:1-Ausgleich. Der 38-jährige Leitwolf und der raue Emmentaler waren im Powerplay vereint. Sie waren, ansonsten in getrennten Linien stürmend, die dominierenden Figuren, ja die Titanen im Spiel des SC Bern.

Bild: KEYSTONE

Fortan gab es keinen Zweifel mehr am Ausgang dieser Partie. Wenn Emotionen die Segel des SCB-Spiels blähen, dann spielt es keine Rolle mehr wie der Gegner heisst. In dieser zweiten Hälfte der Partie erlebten die Zuschauer so etwas wie die vierte Auferstehung der «Big Bad Bears».

So wie die Berner in dieser zweiten Hälfte aufgetreten sind, hätten sie bereits in den vorangegangenen beiden Partien Gottéron und die ZSC Lions gebodigt. Diese Überlegenheit hat auch Chris McSorley anerkannt. «Der Gegner wollte den Sieg mehr als wir. Das kommt selten vor, aber es war so. Ich werde mit ein paar von meinen Spielern ein ernsthaftes Wort reden müssen. Der SCB hat den Sieg verdient.»

Wer schafft es in die Playoffs?

Aber ohne Schiedsrichterschelte geht es natürlich nicht beim grossen Servette-Zampano. Er monierte, die Wende sei auch durch die Schiedsrichter verursacht worden, die es nicht gewagt hätten, im entscheidenden Moment Strafen gegen den SCB zu pfeifen. Das ist barer Unsinn. Aber Schiedsrichterkritik gehört zu einer Servette-Niederlage wie das Glockengeläut zur Alpabfahrt.

Eine gute Ausgangslage – mehr nicht

Unter normalen Umständen könnten wir jetzt, nach dieser vierten Auferstehung, davon ausgehen, dass der SCB die Playoffs erreichen wird. Und so wie der SCB in der zweiten Spielhälfte aufgetreten ist, vom Halbfinal oder noch mehr fabulieren. Aber der SCB steht nun exakt dort, wo er bereits am 12. Dezember nach dem 6:5 in Zug, dann erst recht am 23. Dezember nach dem 6:5 n.P. gegen die ZSC Lions und schliesslich am 30. Januar nach dem 5:2 gegen Zug stand.

Bereits nach diesen drei Partien haben wir jeweils die Wiederauferstehung der «Big bad Bears» in blumigen Worten gefeiert, den SCB in die Playoffs geschrieben, gar als gefährlichen Aussenseiter im Titelkampf angekündigt und Nottrainer Lars Leuenberger, den «kleinen Lars», als grossen Bandengeneral gefeiert. Aber im Februar musste der Chronist die Geschichte wieder umschreiben.

Als der SCB mal führte, war für Servette nichts mehr zu machen.&nbsp;<br data-editable="remove">
Als der SCB mal führte, war für Servette nichts mehr zu machen. 
Bild: KEYSTONE

Deshalb sei hier einfach vermerkt: Der SCB hat sich eine gute Ausgangslage geschaffen. Es gibt nach wie vor viele Varianten. Aber wichtig ist: Nur der SCB, die Kloten Flyers und Lausanne können die Playoffs noch aus eigener Kraft schaffen. Der SCB spielt am Freitag gegen Lausanne.

Eine Pleite in diesem Spiel wäre die Mutter aller Niederlagen. Und eine fünfte Auferstehung der «Big Bad Bears» gäbe es dann mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr.

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